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Ausgabe:

1937

Spalte:

274-275

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Heinemann, Isaak

Titel/Untertitel:

Altjüdische Allegoristik 1937

Rezensent:

Jeremias, Joachim

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turgemäß schwoll diese mehr und mehr an, sie wurde von denen bekanntermaßen nur der Traktat Nidda Gehn
Laufe der Zeit kanonisiert, es entstanden aber auch mara besitzt. Das Interesse haftet, da ja zu den Mischna-
besondere Schriften über Einzelheiten, solche über die traktaten andere Übersetzungen vorliegen, hauptsächlich
Lesungen der „Sieben Leser", der „Zehn", der „Vier- an der Gemara zu den Traktaten Temura, Keritot (oder,
zehn", solche über die Art des Qoranvortrages, über , wie Goldschmidt schreibt: Kerethoth) Me'ila,Tamid und
Verszählung u. a. Es bedarf der genauesten Durchar- | Nidda. Für die 6. Ordnung gebraucht Goldschmidt
beitung dieses gesamten Materials, um die Unterlagen nicht den traditionellen Namen Tohoroth, auch nicht
für eine Textgeschichte des Qoräns zu gewinnen. | den richtigeren Tehäroth, sondern bildet das Abstrak-
Dieser Aufgabe hat sich O Pretzl mit ungewohn- , fum Taharuth = Reinigkeit. Das ist nicht zu billigen
ichem Fleiß und Geschick unterzogen. Er weiß die | , strack Einleitung t S. 58 Anm, j Von d ü|ri.
Literatur gut zu ordnen, zu sichten^ biographischen No- ; |„ 5 Ordnungen haben vier Pluralbezeichnun-en, dar-
tizen und literarischen Zusammenhange! nachzuspüren , *m ist dassel& yQn vornherein scbon für dj - £££
und mit wenigen Worten einen Einblick m den Inhalt . die eine unzweifelhaft als PIural zu wertende Form
der Werke zu vermitteln Bei der Darstellung von Ein- ; ^sitzt, wahrscheinlich. Goldsehmidt liest auch nicht
zelheiten hingegen würde man mitunter eme weniger den Namen des 2 Traktat€S der letzten Ordnung Ohaabstrakte
Art, eine mehr durch Beispiele erläuterte Be- , lot od wie anderwarts bezeugt ist AhiM
handlungsweise wünschen, so S.196J. bei den yeischie- bildet auch hier das A5straktum Ahilut da's er -t
denen Arten der Aussprache des Hamz oder b. 230 t. ^Bezeltung" verdeutscht.

bei den Pausalerscheinungen . " Einrichtung und Ausstattung des Werkes wie auch

Die Durchmusterung zahlreicher alter Qoranhdss. der Charakter der Übersetzung sind bis zum letzten

hat Pretzl zu wertvollen Erkenntnissen geführt. Er un- Bande hin leich geblieben. Wenn in den früheren Bän-

terscheidet danach zwei Schreibdukten a) das lapidare den unscharfe oder auch hin und wieder und€Utsche

Küfl, b) ein nach rechts geneigtes Higäzenisch, für j Übersetzungen zu vermerken waren, so würde man auch

welches ein gedrängter Schriftkörper bei großen Ober- ! in diesem Bande dergleichen aufspüren können. Schlech-

läneen charakteristisch ist. Ei- hat ferner erkannt, daß 1 tes Deutsch z. B. S. 309: „Was tue der Mensch, daß

die Hdss. der Gruppe b) durchweg älter sind als die
der Gruppe a). Die higazenischen Hdss. enthalten aber
auch viel weniger Piene-Schreibungen des Alijs als die
sogenannten kul'ischen Qoräne. Mit diesem Befund verknüpft
der Verfasser die Tradition, nach welcher 'Ubai-
dallah b. Zijäd (gest. 67) eine weitgehende Plene-Schrei-
bUng des Ali/ gegenüber der alten Orthographie eingeführt
habe, auf diese Weise die Zahl der Buchstaben
des 'otmänischen Qoräns um etwa 2000 vermehrend.

er lebe?" statt: „Was soll der Mensch tun, daß er
lebe?" und gleich darauf: „Was tue der Mensch, daß
er sterbe?" „Was tue der Mensch, um bei den Leuten
beliebt zu sein?" S. 310 konnte kurz und klar übersetzt
werden: „Warum habt ihr euch gegen mich aufgelehnt?"
S. 573 ist der Satz: „Raba ist ja bereits einmal widerlegt
worden!?" keine richtige Frage. Es hätte heißen
müssen: „Haben wir den Raba nicht schon einmal widerlegt
?" Ungenau z. B. S. 20: „Eine Dattelpalme ist
nicht verächtlich", wo es heißen mußte: „Bei einer

Nach Pretzl mag dies annähernd die Anzahl der neu- | Palme ist es nicht häßlich." S. 425 Z. 1 v. o. wäre
geschriebenen Atije sein. Hand in Hand mit der ortho- j textnäher statt „Geburt" „Kind" zu übersetzen gewesen,
graphischen Neuordnung geht seiner Meinung nach die t S. 346 Z. 4 v. u. durfte das Wort „sogleich" vor „her-
Einführung des lapidaren Schrifttypus für Qoranhdss. j vorgekommen sein" nicht fehlen.

Da 'Ubaidalläh nun Statthalter von Kufa war, so glaubt | Diese wenigen beliebig herausgegriffenen Beispiele
der Verf. hierin einen Anhalt für die Bezeichnung des sollen das oben abgegebene Urteil als auch für diesen
Schriftduktus als „kufisch" sehen zu können. I Band zu Recht bestehend erweisen. Zusammenfassend

Die im Vorstehenden reproduzierte Annahme Pretzl's ist aber noch einmal zu sagen, daß mit dieser nun vollscheint
mir deswegen recht einleuchtend, weil sie die ständig gewordenen Übersetzung jedermann der Zugang
Ausbreitung des Küfl mit der Festsetzung der emlgül- zu dem Talmud und ein erstes Verständnis desselben
tigen Qoranorthographie verknüpft und daher zugleich : erschlossen worden ist. Der Wissenschaftler hat hin
die traditionelle Bevorzugung der 'kufischen Schrift bei j und wieder noch unerfüllte Wünsche anzumelden gereligiösen
Texten überhaupt erklärt. i habt. Auch in diesem Bande wird z. B. der „Allbarm-

Über ihre Richtigkeit würden wir vielleicht mehr j herzige" übersetzt, während der „Barmherzige" oder
Gewißheit erlangen können, wenn sich die Nachricht j der „Erbarmer" dasteht und genügt und damit die Quelle
bestätigen sollte, daß im Weltkriege aus Sicherheitsgrün- der qoranischen Bezeichnung offen zutage liegt, wänden
eine größere Zahl ältester Qoranhdss., darunter an- ! rend jener Ausdruck die Erkenntnis des Zusammenhan-
geblich eine nicht-'otmanische, aus Damaskus abtrans- j ges erschwert. Zu wünschen wäre auch gewesen, daß
portiert worden sei Leider ist ihr Verbleib bisher noch ; nicht nur hin und wieder, sondern immer Parallelstellen
nicht bekannt geworden. Hoffentlich gelingt es, die [ angegeben worden wären. Das Register auch zu die-
Hdss wieder aufzustöbern, sodaß Photos von ihnen sem Bande ist dürftig. Ein Sagenforseher würde danach
der Sammlung der Bayerischen Akademie zugefügt wer- j z- B nicht erfahren, daß Alexander der Mäkedonier
den können Sie würden damit einem der dringendsten i >m 1 almud auttritt und wesentliche Stücke der Alexan-
pliilologischen Desideraten europäischer Islamwissen- dersage dort verarbeitet sind. Auf jeden Fall verdient
schuft nutzbar gemacht werden, der kritischen Erfor- abei das im Rahmen einer knapp kommentierten Ausgabe
schung der'Textieschichte des Qoräns. j Gebotene volle Anerkennung.

Lejpzjg E. Bräunlich. Goslar am Harz. Hugo Duensing.

Goldschmidt, Lazarus: Der baby.onische Talmud Neu über- » ^» * 3n6n ^ ^o™5^ AHegoristik. Bres,au M. & „

tragen. Temura/Kerethoth/Mei'la/Tamid/Middoth/Qinnim/N.dda/M^na Ma^us 1 ^ » » ■ RM 3.20.

Taharuth Berlin: Jüdischer Verlag 1936. (IV, 868 S.) 8°. = Der j Das Urteil über diese gelehrte Arbeit, die sich die

babyl. Talmud. Nach d. ersten zensurfreien Ausg. u. Beiücksichtigung Aufgabe gestellt hat, eine psychologische Erklärung der

der neueren Ausgaben u. handschriftl. Materials neu übertragen. altjüdischen AHegoristik ZU bieten, muß zwiespältig aUS-

12. Band. Subskr. geb. RM 18-. j fallen. Ihr Wert liegt darin, daß sie auf knapp bemes-

Mit dem vorliegenden Bande ist das verdienstliche i senem Räume eine außerordentlich reichhaltige und in-

Üriternehmen zum Abschluß gekommen. Es verdient : teressante Materiaisammlung für allegorische Deutung

schon Anerkennung, daß unter den obwaltenden Schwie- alttestamentlicher Schriftstellen durch die Rabbinen bieö-

rigkeiten zäh auf die Vollendung hingearbeitet worden tet. Es wird gezeigt, wie 1. alttestamentliche Erzäh-

'st. Dieser letzte (zwölfte) Band enthält die Traktate hingen (S. 25—36), 2. Gesetze (S. 36—45), 3. Hymnen

der 5. Ordnung von Temura an und die der 6. Ordnung, ; und Weisheitsschriften (S. 45—49) und 4. die drei salo-