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Ausgabe:

1937

Spalte:

266-268

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gärte, Wilhelm

Titel/Untertitel:

Altgermanisches Brauchtum auf nordischen Steinbildern 1937

Rezensent:

Clemen, Carl

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN ÜÖRRIES, Göttingen, und Prof. D. Dr. GEORG WO BBERMIN, Berlin

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt, bearbeitet von Bibliotheksrat Lic.Dr.phil. REICH, Bonn, und Bibliothekar Lic. E. STEINBORN, Berlin.

Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind ■ u • ■ c h I i e fi 1 i ch so Profeisor D. BAUER in Güttingen, Düstere Eichenweg 14, zu «enden,
Rezensionsexemplare ■ u •uchlie&lich an den Verlag. Gewähr für Besprechung von unverlangt gesandten Rezension!-
exemplaren, besonders noch bei Zusendung nach Göttingen, kann nicht übernommen werden.

Printed in Germany.

J. C. HINRICHS VERLAG, LEIPZIG Cl
62. JAHRGANG, Nr. 15/16 24. JULI 1937

Spaltel Spalte

Baetke: Arteigene germanische Religion
und Christentum (Kesseler)........268

Bornhäuser: Der Christ und seine Habe
nach dem Neuen Testament (Schneider) . 285

Clemens Alexandrinus. Protreptikus und Paed-
agogus (Koetschau)............286

Cristiani: La Merveilleuse Histoire des
Premiöres Ursulines Francaises (Kalthoff). 288

Dietrich: Theologische Ontologie im modernen
Anglikanismus (Piper).......293

Gaerte: Altgennanisches Brauchtum auf
nordischen Steinbildern (Clemen).....266

Goguel: La foi ä la resurrection de Jesus
dans le Christianisme primitif (Bertram) . 277

Goldschmidt: Der babylonische Talmud
(Duensing).................273

Haugg, Die zwei Zeugen (Seesemann) . . 284

Heinemann: Altjüd. Allegoristik (Jeremias) 274

Kümmel: Die Eschatologie der Evangelien
(Seesemann)................283

Lehmann: Kirchengeschichte der Mark
Brandenburg von 1818 bis 1932 (Lerche) 292

Loewenich: Johanneisches Denken (Seeseinann
) ....................283

Spalte

Mayer: Erdmutter und Hexe (Vorwahl). . 265

Moser: Heinrich Schütz (Luther).....294

Naumann: Wandig. u. Erfüllung (Kesseler)- 270
Nöldeke: Geschichte d. Qoräns (Bräunlich) 272
R e n a u di n : Marie de l'lncarnation (Kalthoff) 288
Rucker: Der Ursprung unserer Begriffe

nach Richard von Mediavilla (Piper) . . . 291
Schian: Der junge Pfarrer (von der Goltz) 293
Schwarz: Deutscher Glaube am Scheidewege
(Kesseler)...............269

Winkel: Der Sohn (Preisker)........275

Zeitschrift f. bayr. Kirchengeschichte (Bossert) 287

Mayer, Prof. Dr. Anton: Erdmutter und Hexe. Eine Untersuchung ■ neuter Fruchtbarkeit, der Tanz als Ritus eines Vegeta-
zur Geschichte des Hexenglaubens u. zur Vorgeschichte der Hexen- > tionskultus, bei dem das Natürlich-Geschlechtliche, das
Prozesse. München u. Freising: Dr. F. P. Datterer & Cie. 1936. (64 S.) j Nackte und Obszöne eine gewisse Rolle spielte, gegr
. 8°. = Hist. Forschungen u. Quellen. 12. H. RM 3.20 j hören in den kultischen Komplex, dessen letzte Wur-
Der Hexenglaube ist, was vielfach übersehen wird, j zeln in den gebärenden Schoß der jtapaxsufHic, Taia hinälter
als das Christentum, ja besitzt neben orientalischen ! unterführen. Entgangen ist dem Verfasser für diese
und griechisch-römischen Elementen eine breite germa- | Linie noch die Notiz des Tacitus von Germanien als
nische Grundlage, wie von J. Grimm, Mogk, Noreen j vagina gentium, auf die L. G. Tirala hingewiesen hat,
Grupp und Helm bereits betont wurde. Mayers Frage- j bei dem sich auch die ausgesprochene Betonung des
Stellung zielt nun darauf ab, festzustellen, wieweit sich < Sexuellen für die Germanen findet (Rasse, Geist und
in diesem Sammelbegriff Elemente finden, die auf ger- j Seele. München 1935. S. 235), die Lagarde noch bestritt,
manische oder indogermanische Verehrung der Mutter ; Den Zusammenhang zwischen Erdglauben und Hexen-
Erde zurückgehen. Wie in der Antike sich das Ma- j Vorstellung bestätigt endlich die vom Hexenhammer ergische
der Erde in Hekate verkörpert, die als Göttin | örterte Art der Verhaftung von Hexen, nämlich die
der Geister und Gespenster in den Nächten durch die ■ Sitte, sie in einem Korb wegzutragen, damit siie die Erde
Lüfte fährt oder in der Mutterhexe des „Faust" unter j nicht wieder berühren. Frölich von Frölichsburg hält
dem Namen der Baubo, der unzüchtigen Amme der De- ! 1696 diese Maßnahme für eine unnötige Vorsicht, aber
Bieter, sich wiederfindet, war nämlich bei den Germanen | noch 1702 hängt man die Hexe im Stocknaus frei auf,
■> der durch Zeugnisse erleuchteten Zeit ein Erdglaube | um sie ihrer magischen Kräfte zu berauben. Auf Grund
Und Erdkult vorhanden, der an die erschaffende, ge- dieser sorgfältigen Untersuchung eines mit umfassender
gärende Kraft der heiligen Mutter Erde gebunden war. i Sachkenntnis zusammengetragenen reichen Materials geWenn
Odin zur Wala in die Tiefe steigt, die Volva in | lingt es Mayer, das allmähliche Werden des spätmittel-
der Voluspa singt, Odin im Havamal dämonische Zau- I alterlichen Hexenbegriffs von einer neuen Seite her zu
°erweiber kennt, Tacitus von den historischen Gestalten , beleuchten. Er hat in der Tat den zweifelsfreien Nachher
Veleda und Albruna berichtet oder die Merseburger J weis erbracht, daß ein Zusammenhang zwischen ger-
zaubersprüche mit dem Auftreten zauberkundiger Wei- ; manischem (richtiger indogermanischem) Erdglauben und
ber beginnen, ist damit erwiesen, daß das weibliche Hexenbegriff besteht, den er in seinen verschiedenen
tlement im germanischen Zauberglauben überwiegt. Die i Schichten aufdeckt. Mit seiner wissenschaftlichen ZuKehrseite
des religiösen Sehertums ist aber die Magie 1 rückhaltung, die ihm das Bewußtsein schärft, nur eine
J|nd zauberische Mantik, die gesunkene Schwester der ] Komponente des verwickelten volkskundlichen Problems
Seherin die Zauberin und Hexe. Die Grundgedanken die- herausgeschält zu haben, paart sich die Sicherheit der
^es germanischen Erdglaubens, in welchem die Gottheit : Gedankenführung, die die Lektüre des schmalen Heftes
der Erde die Rolle der Verleiherin von besonderen Kräf- ■ zum Genuß macht und es allen an einer Klarheit des
jetl spielt, mit deren Hilfe der Mensch in das natür- Gegenstandes Interessierten gerade in unserer Zeit als
uche Geschehen hemmend und fördernd eingreifen kann, willkommene Gabe erscheinen läßt.
kehren nun nach Mayers Materialzusammenstellung ge- Quakenbrück. H. Vorwahl

im späteren Hexenglauben wieder, bei dem auch-----.---1_

r'e Zahl der verdächtigten Frauen die der Männer weit Gaerte, Dr. Wilhelm: Altgermanisches Brauchtum auf nor-
ubertrifft. Zahllose Zeugnisse, die aus den Hexenpro- j dlschen Steinbildern, l. Heft. Leipzig: Curt Kabitzsch 1935.
*essen stammen, zeigen, daß der Hexenwahn immer (147 S.) gr. 8°. RM 8—.

einen Fruchtbarkeitszauber, sei es positiver oder nega- . Die nordeuropäischen Felszeichnungen sind neuer-
«ver Art, zum Inhalt hat, der mit der alten Funktion j dings am befriedigendsten von Almgren (Hällristnin-
?er Erde als Erzeugerin und Fruchtbarkeitsspenderin | gar och kultbruk 1926/27 = Nordische Felszeichnun-
») einem kausalen Zusammenhang steht. Der Mai als gen als religiöse Urkunden 1934, hier 1935 in Nr. 14
m°nat der sich in der Natur offenbarenden Kraft er- | besprochen) erklärt worden, dem sieh daher weitgehend

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