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Ausgabe:

1937 Nr. 14

Spalte:

264

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schütz, Heinrich

Titel/Untertitel:

Geistliche Chormusik 1937

Rezensent:

Luther, Wilhelm Martin

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung 1937 Nr. 14.

264

des protestantischen Gesangbuches nach. G. Schreiber
stellt in ganz neuer Sicht die spanischen Motive in der
deutschen Volksreligiosität fest und grenzt in sicherer
Linienführung die einzelnen Wellen gegeneinander ab,
in denen die Verehrung der spanischen Heiligen sich in
den deutschen Ländern ansiedelte. So wird an Hand
dieser umfangreichen Tatsachensammlung und Ausdeutung
einleuchtend, wie schwer oft zu entscheiden ist,
was im strengen Sinne „deutsches" Brauchtum ist; und
Wunderle stellt erneut auf Grund des Fehlens der Stigmatisation
in der östlichen Kirche die Aufgabe, das seelisch
„Artgemäße" eines Volkes darzustellen in der Fassung
: Welche Glaubensabsonderungen stützen sich auf
bestimmte Volksanlagen?

Wir können den Reichtum des Gebotenen nur andeuten
, indem wir von den Miszellen noch A. Beckers
Arbeit über die germanische Kinderprobe im Rhein erwähnen
, durch die das auf einem Schild dem Strom
übergebene Kind als unehelich erwiesen galt, wenn der

und H. Engländer, Grammatisches und Terminologie
bei Raschi (S. 367—389). Vom jüdischen Drucker Son-
cino um 1500 berichtet M. Marx (S. 427—501), von
Elia ha-Kohen's Buch über Wohltätigkeit (1731) A.
Cronbach (S. 503—567), über deutschjüdische Melodien
in Italien (mit Noten), A. L. Idelsohn (569—591),
über des Ma.imonides Vorsehungsgedanke nach S. und
M. Tibbon L. Diesendruck (S. 341—66), über die Predigten
von J. Anatoli (um 1290) I. Bettan (S. 391 bis
424). Eine Bemerkung von Krauß beantwortet J. Mann
(S. 425—26). Notizen über Mose al-Roti gibt M.Wilens-
ky (S. 647—49).
Greifswald. G. Dal man.

Schütz, Heinrich: Geistliche Chormusik 1648. Gesamtauscabe,
hrsg. von Wilh. Kamiah. Bärenreiter-Ausg. 501—6, 525—9. Kassel:
Bärenreiter-Verlag. Je RM —.35 bis —.80.

Die Motetten der „Geistlichen Chormusik" sollte
sich kein guter evangelischer Kirchenchor entgehen las-
Schild untersank. Libanius (314—93) nennt daher den sen. Im Gegensatz zu dem schlichten Kantionalstil der

Rhein das Wasser, das die Schuld der Mütter dartue. j Beckerschen Psalmen hat Schütz hier reiche Polypbo-
Becker glaubt diesen Brauch den linksrheinischen Ger- nje gewählt. Herrschte seit der zweiten Italienreise
manenstämmen zuweisen zu können, und stellt fest, j (1628) in seinem Schaffen das monodische und kon-
daß er trotz ausdrücklichen Verbots durch Ludwig den zerthafte Element vor, so wendet sich der Meister 1648
Frommen als Hexenbad bis ins 18. Jahrhundert begeg- | ganz entscheidend einer ausgesprochen deutschen Vo-
net. Sein größerer Beitrag „Bestattungsbrauchtum vom , kalpolyphonie zu. Es kommt ihm im einzelnen auf eine
Rhein zur Saar" schildert wie bei Unverheirateten die : musikalisch getreue Wiedergabe des vorwiegend bibli-
Brautkrone zur Totenkrone wird, die bereits Goethe auf- , gehen Textgehaltes an. Die Melodik ist im ganzen wortfiel
, deutet aber die Zitrone in der Hand der Leichenträ- gezeugt.

ger einseitig als gesundheitliche Maßnahme, obwohl sie '. ° £s jst ein besonderes Verdienst des Bärenreiterver-

oft genug im Hochzeitsbrauch vorkommt, wofür ich j iages, dieses bedeutendste Chorwerk des 17. Jahrhun-

das Material und eine zusammenfassende Deutung m j derts durch die Neuausgabe Kamlahs der Praxis zu^äng-

„Schweizer Volkskunde" 1933, Heft 5/8 vorgelegt habe.
Eine Reihe von Rezensionen volkskundlicher Neuerscheinungen
schließt den zweiten Band des Jahrbuches ab,
das in erster Linie sich dem Kulturgut zuwendet, das uns
offenbart, wie innig katholische Kirche und Volkstum
verwachsen sind, dessen Fortsetzung wir wegen seiner
wissenschaftlichen Gediegenheit aber darum nicht minder
in unserer Zeit der stürmischen Bewunderung volkhafter
Eigenständigk eit begrüßen.

Quakenbrück. H. Vorwahl.

Hebrew Union College Annual, Vol. XI. Cincinnati 1836. (648 S.)
gr. 8°.

In dem Inhalt dieses Jahrbuchs sind für Theologen
bedeutsam J. Morgenstern's Studien zu Am. 1,1. 2; 3,
3—8; 7,10—17 und zu den Visionen des Arnos, mit Berücksichtigung
deutscher Exegese (S. 19—140), N.
Glueck's Erörterung der Grenzen Edoms, welches in
der alten Zeit die 'Araba niemals westwärts überschritt
(S. 141 — 157), Sh. H. Blanck's Studie über den nach-
exilischen Universalismus, der um 480 infolge feindseliger
Haltung der Nachbarn ein rasches Ende nahm
(S. 159—191), auch S. S. Cohon's Erörterung der Autorität
im Judentum (Gott, Mensch, Prophet, Priester, Gesetz
, Tradition, Rabbinen, Talmud, Reformjudentum (S.
593—646). — Den erst spät nachweisbaren jüdischen
Brauch, am Neujahrstag an Bach oder Quelle Mich. 7,
18—20 zu beten und damit die Sünde ins Wasser zu
werfen wird von J. Z. Lauterbach in Beziehung gesetzt
zu biblischen Erwähnungen von Quellen und Flüssen, zu
Dt. 21,1—9, wo das Sühnopfer ursprünglich dem Dämon
des Wassers gegolten habe, und zu späterer Neigung
, außerhalb Palästinas Gott am Wasser zu suchen,
wofür neben Philo und Tertulliian Apg. 16,13 hätte genannt
werden können. Auch Gaben an den im Wasser
wohnenden bösen Geist habe man mit dem Ausschütteln
der Kleider am Wasser im späteren Gebrauch beabsichtigt
, obwohl das Abwerfen der Sünden wohl immer mehr
als der eigentliche Sinn der noch immer nicht ausgestorbenen
Sitte betrachtet werde (S. 207—340). Sprachliche
Bedeutung hat I. Low, Ha- 'iddana (S. 193—206)

lieh gemacht zu haben. Die Ausgabe fällt wie die übrigen
Schützveröffentlichungen Kamlahs durch klare Übersichtlichkeit
auf.

Göttingen. W. M. Luthe r.

Soeben erschien:

Morgenländische
Spruchweisheit

Arabische Sprichwörter und Rätsel

Aus mündlicher Überlieferung gesammelt und übertragen

von

D. Dr. Enno Littmann

Professor an der Universität Tübingen
XI, 64 Seiten gr. 8°. RM 3.—

Von einem der besten Kenner arabischen Volkstums gesammelt
und übersetzt, enthält diese Sammlung wohl den größten Teil
von dem, was heute bei dem Volk von Kairo an sprichwörtlichen
Redensarten umläuft. Scharf beobachtend, schlagend im Witz
und in der knappen Formulierung, geben sie ein lebendiges
Bild dessen, was die Seele der Muslime Kairos bewegt. All-
gemeinmenschliches: Freude und Not, Liebe und Haß, Gott
und Natur, Torheit und Witz finden einen immer treffenden
Ausdruck und spiegeln die Eigenart eines fernen Volkstums.
Der Kenner wird zugleich interessante Beziehungen zu ältestem
Spruchgut feststellen, wie es uns in der Bibel und in altägyptischen
Weisheitslehren aus dem 3. Jahrtausend v. Chr.
bereits überliefert ist, die wiederum durch Luthers Bibelübersetzung
auch auf die deutschen Sprichwörter eingewirkt haben.
Die Arbeit erscheint zugleich als Heft 29 der Sammlung
„Morgenland, Darstellungen aus Geschichte und Kultur des
Ostens".

J. C. HINRICHS VERLAG / LEIPZIG C 1

Mit einer Prospektbeilage des Verlags Ernst Reinhardt, München.
Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 17. Juli 1937.

Verantwortlich: Prof. D. W. Bauer in üöttingen, Düstere Eichenweg 14.
J. C. Hinrichs Verlag, Leipzig C 1, Scherlstraße 2. — Druckerei Bauer in Marburg.