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Ausgabe:

1937 Nr. 13

Spalte:

229

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Willms, Hans

Titel/Untertitel:

ΕΙΚωΝ. Eine begriffgeschichtl. Untersuchung zum Platonismus 1937

Rezensent:

Seesemann, Heinrich

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229

Theologische Literaturzeitung 1937 Nr. 13.

230

unter indischem Einfluß), „daß dies verwirrende Sein
in Wahrheit nur Schein" sei. Gleichsam als Ergänzung
dieser Vorträge bot dann aus der Fülle seiner weitgespannten
Studien der Berliner Orientalist H. H. Schae-
de r ebenfalls in einem Vortrag einen grundlegenden Bericht
über ,den Manichäismus nach neuen Funden und
Forschungen' worin er übersichtlich beschreibt, was uns
an wichtigen Texten bis zu den jüngsten aufsehenerregenden
Entdeckungen des Berliner Koptologen Carl
Schmidt bekannt geworden ist. Anschließend untersucht
er noch den geistig-religiösen Gehalt der Lehre Manis,
besonders im Hinblick auf dessen kosmische Jesus-Mythologie
und sieht darin gnostischen Einfluß (Barde-
sanes, Marcion u. a.). Mani steht am Kreuzungspunkt
der Traditiouskette vulgär-philosophischen Griechentums
und christlich-gnostischen Lehrguts. So ist „der Manichäismus
, wie die Gnosis vor ihm, einer der in sich
widerspruchvollen Versuche, griechisches Weltdenken und
christliche Gnadenlehre in einer höheren Einheit zusammenzufassen
. Er mußte scheitern wie alle gleich-
gearteten Versuche. Denn es gibt keine höhere Einheit
über diesen beiden beherrschenden Mächten des spät-
antiken und noch unseres geistigen Lebens. Es gibt nur
den Dialog zwischen ihnen, im Innern des Menschen,
der sich ihnen zugewandt hält und der keiner von beiden
Mächten etwas abdingt". Einige Texte sind mit beachtlichen
Erläuterungen angefügt: Kephalaia Kap. 8;
Chuastuanift Kap. 1; Ein parthischer hymnischer Dialog
. Die Lösung des manichäischen Problems hat H. H.
Schaeder mit dieser Studie wieder wesentlich gefördert.
München. R. F. Merkel.

Will ms, Hans: Elxwv. Eine begriffgeschichtl. Untersuchung
zum Piatonismus. l.Tcil: Philon von Alexandreia. Mit ei. Einleitung
ii. Pia ton u. d. Zwischenzeit. Münster i. W.: Aschendorff 1935.
(VII, 123 S.) st. 8°. RM 6-.

Als ersten Teil einer „begriffsgeschichtlicben Untersuchung
zum Piatonismus" legt der Vf. eine Studie über
fIxo'iv bei Philo von Alex. vor. Vorangeht eine ausführliche
Einleitung über den Begriff bei Plato und in der
Zwischenzeit. Eingeschaltet ist auch eine Übersicht über
die N.T.liehe Verwendung des Begriffs. — Um das
Wichtigste herauszuheben: der Vf. zeigt zunächst die
Rolle und Bedeutung von bIwäv bei Plato auf; das Wort
bezeichnet bei ihm „in Dialektik und Mythos die Welt
der Erscheinung; vom sinnlich erfahrbaren Bilde zur
geistig schaubaren Urgestalt und von da in die Erscheinung
zurück geht der Weg von .dieser Welt' zu .dieser
Welt'". Eine viel weitere Verwendung des Begriffs findet
sich bei Philo, wo eUarv in die Bedeutung der geistigen
Vermittlung übergeführt und Träger pneumatisch-
gnostischer Ideen geworden ist. An Hand einer sehr
genauen Untersuchung vieler Einzelstellen wird gezeigt,
Wie stark Philo auch von hier aus gesehen Zeuge für
die gnostisch-pneumatischen Kräfte seiner Zeit und Wegbereiter
zum Neuplatonismus ist. Nur von Plato aus
'st die Entwicklung des Begriffs bei Philo nicht zu erklären
; der Vf. weist darum auf die mannigfachen Einflüsse
aus der außergriechischen Welt, bes. der außer-
griechischen Mysterien hin. — Zu kurz kommt die
Darstellung der Verwendung des Begriffs bei Paulus.
Der Unterschied zwischen Paulus und Philo ist gewiß
deutlich. Daß bIxwv an eine geschichtliche Gestalt gebunden
wird, begegnet sonst nicht. Aber es ist zu fir.<''>v
bei Paulus und Philo doch wohl mehr zu sagen. — Die
Arbeit als Ganzes verdient unsere Aufmerksamkeit und
Unseren Dank. Der Vf. eröffnet uns von seinem Arbeitsgebiet
her einen wertvollen Einblick in die Welt
Philos.

__J_iga._______H. Seesemann.

Hirsch, Emanuel: Das Alte Testament und die Predigt des
Evangeliums. Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1936. (VIII,
8V S.) 8°. Steif broschiert RM 2.60.

. Das Büchlein behandelt nicht nur die homiletische
Verwendung des A. T.; diese stellt lediglich das Gebiet

dar, auf dem das eigentliche Anliegen, das Verhältnis
der christlichen Botschaft zum A. T., „eingeübt" werden
soll. Wir haben daher eine Arbeit vor uns, die bewußt
exerzitienhaft vorgeht und dem Leser, d. h. vor
allem dem Prediger des Evangeliums, ständig die eine
Wahrheit einzuhämmern trachtet: das A.T. ist nichts
anderes als das (negative) Widerspiel des N.T.; so ist
es zu werten und so zu verkündigen.

Diese Wahrheit wird weniger logisch-gedanklich erarbeitet
als vielmehr praktisch aus dem vorliegenden
Material erhoben. H. tut das, indem er zunächst seinen
eigenen Weg zum A. T. schildert, dann an drei Kapiteln
— Isaaks Opferung, David und Goliath, Jona —
seine Erkenntnisse klarzumachen und „einzuüben" sucht
und endlich in Thesenform das Ganze zusammenfaßt.
An sich sagt jeder der fünf Teile das Gleiche, wie H.
von Anfang an betont.

Eine Verwendung des A. T. in der Kirche Christi
ist nach H. nur möglich auf Grund eines klaren Wis-
sens um die exegetisch-religionsgeschichtlichen Tatbe-
i stände des A. T., eine Erkenntnis, in der man ihm nur
zustimmen kann, wie denn überhaupt sein Kampf gegen
eine kritiklose üleichsetzung von A.T. und N.T. durchaus
berechtigt ist. Nach solcher Grundlegung muß nach
H. das einsetzen, was er die „Vormedidation" nennt:
die Herausstellung des eigentlich jüdischen Charakters
des A. T. Man müsse das A. T. so sehen, wie es die
Judenschaft der persisch-hellenistischen Zeit gesehen hat.
Das tut H. dann auch, was besonders deutlich am Beispiel
von Isaaks Opferung gezeigt wird. Sein Verständnis dieser
Erzählung ist demgemäß das rabbinische, wie die
S. 22 angeführten Belege dartun. Daß diese rabbinische
Schau in ausschließendem Gegensatz zu einer christlichen
steht, ist nicht verwunderlich. So aber muß nach
H. das A.T. gesehen werden! Dann wird einerseits
das „Evangelium" dem „Gesetz" gegenüber um so leuchtender
heraustreten. Dann wird aber auch eine merkwürdige
Parallele der alttestamentlichen Haltung zur
Haltung des natürlichen Menschen überhaupt deutlich,
so daß eine Geschichte wie Gen. 22 „in der Beziehung
auf den allgemein-menschlichen Glauben an den . . .
deus absoonditus ... zu uns von uns selber zu reden"
vermag (S. 30).

Damit treten zwei Wahrheiten scharf hervor, die
richtig sind, trotz der Einseitigkeit, mit der sie hier gebracht
werden, trotz der Ausfälligkeiten der Tonart und
trotz des Pathos, mit dem H. seine eigene Person in
den Mittelpunkt stellt. Daß das Kreuz Christi das A.T.
durchstreicht, daß das ganze A.T. Altes Testament
ist, machen diejenigen Stellen des N.T. am klarsten,
die am meisten über das A. T. reden, wie der — von
H. offenbar nicht geschätzte — Hebräerbrief. Daß wir
als natürliche Menschen und, so kann man hinzufügen,
als die, vor denen das „vollkommene Alter Christi"
als unerreichbares Ziel steht, uns in einer tatsächlichen
Gleichartigkeit mit dem A.T. vorfinden, ist ein wichtiger
und fruchtbarer Gedanke, der zur ständigen Überprüfung
unserer eigenen Lage erwünschte — heute besonders
erwünschte! — Hilfe leistet.

Andererseits ist mit der Nur-Betonung dieser beiden
Tatsachen bewußt die neutestamentliche Beurteilung des
A. T. aufgegeben, wie H. wohl weiß und offen zugibt.
Denn das N. T. weiß ja von einer positiven Verbindung
mit dem A. T., neben der negativen. In dem Nebeneinander
dieses Doppelten bestimmt sich doch die Haltung
des N.T. zum A.T. Für H. wird das positive Verhältnis
des N.T. zum A.T. theologisch durch das Wort
„Weissagungsbeweis" bezeichnet, den er „redlich preiszugeben
" für notwendig hält. Aber ist denn mit dem
Wort „Weissagungsbeweis", also mit dem Schema Vorhersage
plus nachfolgendes Eintreffen, wirklich das ausgesprochen
, was das N.T. meint, wenn es vom A.T.
sagt, es zeuge von Christus? Es gibt doch ein positives
Christuszeugnis im A.T., neben und hinter diesem
Weissagungsbeweis! Und wie etwa Wilhelm Vischer