Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1937 Nr. 11

Spalte:

201-202

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wytzes, Jelle

Titel/Untertitel:

Der Streit um den Altar der Viktoria: d. Texte d. betreffenden Schriften d. Symmachus und Ambrosius mit Einleitung, Uebersetzung u. Kommentar 1937

Rezensent:

Campenhausen, Hans

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

201

Theologische Literaturzeitung 1937 Nr. 11.

202

nach der der Petrusakten anzunehmen ist (S. 127ff.).
Im übrigen hat der Fund dem Herausgeber (gegenüber
einer früheren Bestreitung) erneut bestätigt, daß die
koptische Übersetzung auf ein griechisches Original zurückgeht
(S. 119 f.), mag sie auch in Einzelheiten der
Komposition nunmehr gelegentlich eine Neubestimmung
erfahren. Auch der Hinweis von James auf das Itine-
rar des Paulus in den Titusakten konnte in dieser Hinsicht
Berücksichtigung finden (S. 113ff.; Kreta wird
aber nicht mit in Frage kommen). Die sonach S. 118 f.
erschlossene Reihenfolge der Ortschaften scheint aber
doch eine doppelte Reise von Palästina aus vorauszusetzen
, wiewohl der Vergleich mit der kanonischen
Apostelgeschichte im ganzen eine erhebliche Verkürzung
oder Zusammenziehung des Itinerars sowie die i
Feststellung ergibt, daß Paulus nicht wiederholt in eine
der Städte kommt (S. 112). In den Akten wird viel gefastet
und öfter (mitten unter der Freude) geweint.
Der Verfasser verarbeitete umlaufende Legenden, ohne
sie kritisch an jener zu prüfen (Schubart S. 110f.). Im i
Geiste des N.T. schaffend, hat er dieses doch nicht
zitiert, um damit seiner Schrift apostolisches Ansehen
zu verschaffen (S. 109), was erwiesenermaßen (vgl.
Cod. Claromont.) stellenweise gelungen ist. Die p:au-
linische ulofreofoi hat er in den Reden unbesehen übernommen
und in ihnen das Anliegen des Christentums
aus seiner Zeit heraus zum Ausdruck gebracht (S.
104ff.; charakteristisch S. 31 „Kranz der Freiheit").
Auch begegnen wiederholte Hinweise auf die alttesta-
mentliehe üeschichte (S. 46, 56, vgl. Jona im apokr.
Briefe)..

Auffallend ist, daß im Neufunde der Hs. die Acta
Pauli am Anfange einer alttest. Bücherreihe stehen (s.
o.), deren Textveröffentlichung angesichts des immerhin
frühen Datums mit einiger Spannung erwartet werden
darf.

Zu den sonstigen koptischen Funden, durch die sich Prof. Schmidt
gleichfalls bleibende Verdienste um die altchristliche Wissenschaft erworben
hat, gehören auRer der „Epistola apostolorum" die gnosti-
Schen Evangelien, von denen er bereits 1896 Proben gab (aufgenommen
in „Neutestam. Apokryphen" S. 42—44,2. Aufl. S. 69—71).
Beide Funde enthalten ausgedehnte Gespräche des Auferstandenen mit
der Jüngerschaft. Nachdem ersterer bereits veröffentlicht war (s. RGO*.
II 207), wurde die vollständige Bekanntgabe dieser während der vergangenen
Jahre sehnlichst erwartet. Auf eine mündliche Anfrage vor
kurzem autorisierte mich Schmidt zu folgender Mitteilung, die die langjährige
Verzögerung erklärt: Der Druck war bereits 1911/12 in der vom
Hinrichs'schen Verlage beauftragten Leipziger Druckerei erfolgt, ist aber
durch Wasserrohrbruch im Keller derselben völlig vernichtet. Nur die
an den Herausgeber gelangten Druckbogen sind übrig geblieben. Nach
diesen soll nunmehr durch „Manuldruck" die endliche Veröffentlichung
demnächst erfolgen. Ich darf vermuten, daß der Wissenschaft mit dieser
Nachricht gedient ist.

^Göttingen.__E. Hennecke.

Wytzes, Dr. J.: Der Streit um den Altar der Viktoria. Die

Texte der betreffenden Schriften des Symmachus und Ambrosius mit
Einleitung, Übersetzung und Kommentar. Amsterdam: H. J. Paris
1936. (III, 159 S.) gr. 8°. n- 2-90-

Es ist mir nicht recht klar geworden, welche Absichten
den Verf. bei der Herausgabe des vorliegen/den
Buches bestimmt haben. Der Streit um das Götterbild
ini konfessionell gemischten Senat, um die Beibehaltung
oder Abschaffung der staatlichen Unterstützung für die |
altehrwürdigen heidnischen Kulte in Rom schien ihm ,
vielleicht heute, wo z. T. ähnliche Fragen aktuell
geworden sind, ein besonderes Interesse zu verdienen.
Die großen Eingaben des Symmachus und Ambrosius
an den Kaiser sind klassische Urkunden des weltgeschichtlichen
Sieges, den der christlich-katholische Geist
B» der religiösen Gestaltung des Staatslebens damals
über den heidnisch-neuplatonischen Glauben errungen
"at. Sie behandeln die Grundfragen nach der politischen
Bedeutung der Religion, nach dem wahren Sinn der
'oleranz und nach dem religiösen Recht der Geschichte
und des Erfolgs — nicht In abstrakter, dogmatischer
Darlegung, sondern in der dramatischen Zuspitzung ;
eines leidenschaftlichen diplomatischen Ringens.

Recht verständlich sind die Schriftstücke daher nur
im Zusammenhang der damaligen Situation. Diese schildert
die kurze geschichtliche Einleitung in einem etwas
äußerlichen Sinne. Zwei größere Abschnitte zeichnen
die gegensätzliche Haltung, die der Bischof Ambrosius,
und die der heidnische Stadtpräfekt Symmachus zum
Heidentum einnehmen. Sie bieten im wesentlichen eine
referierende Zusammenstellung auf Grund primärer
Quellen, ohne stärkere religions- und geistesgeschichtliche
Vertiefung. Das neueste Werk hierzu, P. de La-
briolles umfassende Darstellung der „reaction pai'enne"
gegen das vordringende Christentum, konnte dem Verf.
noch nicht bekannt sein. Der Text ist für Symmachus
ein Wiederabdruck nach Seeck; für Ambrosius schließt
er sich an die Maurinerausgabe bei Migne an. Doch sind
hier erfreulicher Weise auch einige Handschriften mit
benutzt und verschiedene kleine Verbesserungen vorgenommen
worden (z. B. S. 152 eine einleuchtende Konjektur
zu ep. 57,3). Sehr zu bedauern ist es, daß der
Verf. für die deutsche Übersetzung, die in splendidem
Druck dem lateinischen Text an die Seite gestellt ist,
nicht einen geborenen Deutschen zur Durchsicht herangezogen
hat. Es wimmelt hier (wie auch sonst im
Buch) von z. T. erheiternden orthographischen und stilistischen
Fehlern. Der größte Wert der Ausgabe liegt
jedenfalls in den ausführlichen Anmerkungen, die auf
Parallelen verweisen, technische Ausdrücke und Einzelheiten
erläutern und zu strittigen Fragen aus einer
gründlichen Kenntnis der einschlägigen Literatur heraus
besonnen Stellung nehmen.

Alles in allem eine nicht sehr notwendige, aber gewissenhafte
und fleißige Arbeit, die ihr bescheiden gestecktes
Ziel erreicht hat und getrost zur Benutzung
empfohlen werden kann.

Heidelberg. H. v. Campenhausen.

Si em er, P. Dr. PolykarpM.: Geschichte des Dominikanerklosters
Sankt Magdalena in Augsburg (1225—1808). Vechta: Albertus-
Magnus-Verlag der Dominikaner — in Komm, bei O. Harrassowitz,
Leipzig, 1936. (320 S.) gr. 8U. = Quellen u. Forschgn. z. Gesch. d.
Dominikaner-Ordens in Deutschland. 33. Heft. RM 9.60.

Die Geschichte eines Klosters ist im Allgemeinen
so sehr der eines anderen Klosters desselben Ordens
ähnlich, daß es sich kaum lohnt, alle Einzelheiten zur
Kenntnis zu nehmen und kritisch nachzuprüfen. Die
Dominikanerklöster erfreuen sich insofern einer besonderen
Bedeutung, als sie den Bildungsstand und die kulturelle
Entwicklung der Umgebung maßgeblich beeinflußt
haben. Insofern steht auch das Augsburger Dominikanerkloster
seit Begründung seines Generalstudiums
und namentlich während der kurzen Zeit seiner
Blüte (1746—1794) in bemerkenswerter Sicht des deutschen
Geisteslebens.

Die Hauptquellen des Verfassers für die oft sehr
in belanglose Kleinigkeiten sich verlierende Klostergeschichte
sind sechs Handschriftenbände, und zwar drei
Chroniken und Inventare von dem Dominikaner Anton
Pez (im Stadtarchiv Augsburg und im Hauptstaatsarchiv
München), ferner zwei ebensolche von den Dominikanern
Karl Welz und Emerich Ruef (im Ordinariatsarchiv
Augsburg und im Archiv von St. Ursula-Aug9burg)
und schließlich die Augsburger Studienregesten (ebenfalls
im Archiv von St. Ursula-Augsburg). Durchweg
handelt es sich bei diesen Handschriften um Quellen des
18. und 19. Jahrhunderts, also keineswegs um hochwertige
originale Quellen für die frühere Geschichte. Der
Verfasser gibt seine Ordensquellen reichlich im Wortlaut
wieder, so daß man durchweg das Gefühl sicherer
aber doch ganz kritiklos übernommener, einseitiger Führung
hat. Dieses Gefühl ganz einseitiger Berichterstattung
befällt den Leser besonders in den recht umfangreichen
Abschnitten, in denen S. über Fabri, Kleindienst
und Stabius, über bedeutende Augsburger Dominikaner,
über treffliche Predigerbrüder in Wissenschaft und Seelsorge
, über Leben und Wirken der Auo-sburger Dominikaner
und über gelehrte und seeleneifrige Predigerbrüder