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Ausgabe:

1937 Nr. 11

Spalte:

199-201

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Acta Pauli 1937

Rezensent:

Hennecke, Edgar

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199

Theologische Literaturzeitung 1937 Nr. 11.

200

Das Neue Testament, verdeutscht und erläutert von Wilh. Michaelis
. 2. Bd.: Taten d. Apostel. Briefe, Offenbarung. Leipzig: A. Kröner.
(XI, 527 S.) kl. 8°. = Kröners Taschenausgabe Bd. 121. geb. RM 4—.
Der in dieser Zeitschrift Jg. 1936, S. 6 angezeigte
1. Band der Übersetzung des N.T. durch W. Michaelis
hat nun in einem 2. Band, der die Apg., die Briefe und
die Off. enthält, seinen Abschluß gefunden. Von diesem
Bande gilt dasselbe, wie vom ersten: durch eine
möglichst wortgetreue Übersetzung sowie durch kurze
und — durch den Umfang des Bandes bedingt — manchmal
allzu kurze Erläuterungen wird dem Laien die Möglichkeit
gegeben, sich im N.T. besser zurechtzufinden,
als er sonst dazu in der Lage ist. Ein Sachregister am
Schluß des Bandes verhilft zur raschen Orientierung
über wichtigere Begriffe. Begrüßenswert sind schließlich
noch ein kurzer Abriß der Kanonsgeschichte und
3 Karten von Palästina sowie der Mittelmeerwelt. Wir
wünschen auch diesem Bande weite Verbreitung.

Riga. H. Seesemann.

H e n n i g, Prof. Dr. Rieh. ■ Das Geburts- und Todesjahr Christi.

Eine wiss. Prüfung der überlief. Unterlagen, insbes. d. Berichte über
den Stern von Bethlehem u. die Sonnenfinsternis am Todestage Jesu.
Essen (Ruhr): Heinz Fürstenau 1936.(62 S.) 8°. RM 1.75.

An Hand des Mth.-Berichts über den Stern von
Bethlehem setzt der Vf. die Geburt Jesu auf das Jahr
7 v. Chr. an, und an Hand des Joh.-Berichts über
die Kreuzigung den Termin derselben auf Freitag, den
3. April 33. Beide Datierungen sind nicht neu, werden
hier aber auf Grund vor allem astrologischer Tatsachen
stärker zu sichern versucht. Ob das dem Vf. gelungen
ist, hängt von der Beurteilung der neutest. Überlieferung
ab. Wer mit dem Vf. die Datierung der Geburt Jesu
nach Mth. 2 vornimmt, wird ihm in Vielem ohne weiteres
folgen können. Ebenso, wer die Datierung des
Todestages Jesu nach dem Joh. ev. vornimmt, wird mit
dem Datum des 3. 4. 33 vielleicht einverstanden sein.
Aber diese vom Vf. mehr oder weniger unkritisch vorgenommene
Bevorzugung der genannten Stellen ist bedenklich
, und damit scheinen auch die Ergebnisse
nicht gesichert. — Das Büchlein ist für weitere Kreise
bestimmt, allgemeinverständlich und sehr sympathisch
geschrieben. Der Vf. hütet sich vor zu apodiktischen
Urteilen; und in vielen Einzelheiten bietet er auch dem
im ganzen Nichtüberzeugten mannigfache Anregung, der
nachzugehen sich wohl lohnt.

Riga. H. Seesemann.

I1PASEI2 IIAYAOY. Acta Pauli. Nach dem Papyrus der Hamburger
Staats- u. Universitäts-Bibliothek. Unter Mitarbeit von Wilhelm
Schubart. Herausgegeben von Carl Schmidt. Mit 12 Tafeln. Verlag
von J. J. Augustin in Olfickstadt und Hamburg 1136.

Von der Unermüdlichkeit und eindringenden Sachkenntnis
, die Prof. C. S ch m id t - Berlin seit den neunziger
Jahren an die Herausgabe und Neuentdeckung kop-
tisch-gnostischer 'Schriften gesetzt hat, liefert er mit
der vorliegenden Veröffentlichung in anderer Richtung
einen erneuten Beweis. Während nämlich zu seinen koptischen
Funden bereits eine Praxis Petri (aus den alten
Petrusakten, s. ThLZ. 1903 Nr. 12) gehörte, hatte er
1904 die Herausgabe zahlreicher koptischer Bruchstücke
der Acta Pauli aus einer Heidelberger Papyrushandschrift
folgen, lassen, deren Besprechung A. Harnack
ThLZ. 1904 Nr. 11 mit der Hoffnung schloß, daß es
dem Herausgeber gelingen möge, in Ägypten weitere
Bruchstücke von ihnen zu finden. Das' hat sich vor
nunmehr 10 Jahren dadurch erfüllt, daß Schmidt dort
in einem Papyruskonvolut umfangreiche Stücke derselben
Akten sogar in griechischer Originalsprache
wiederfand. Es ist ein um 300 n. Chr. entstandenes
Papyrusbuch, das in den erhaltenen 5 Lagen je 8 Blätter
(insgesamt 80 Seiten) umfaßt, von denen 11 verloren
und das letzte unbeschrieben ist; auf die Acta
Pauli (griech.; 9'/2 Blätter, wovon 4 verloren, also
nur 11 Seiten erhalten sind) folgen darin im koptischen
Dialekt des Faijüm das Hohelied, die Klagelieder, ein
ausgefallenes Buch (das nicht zu bestimmen ist — vielleicht
die Oden Salomos?) und der Ekklesiastes (dieser

I auch griech.). Durch rasches Vorgehen des Direktors
der Hamburger Staatsbibliothek, Prof. J. Wahl, gelangte
die Hs. in deren Besitz, woraus nunmehr, wie
dieser im Vorwort berichtet, durch außergewöhnliche
Hilfsbereitschaft amtlicher und nicht amtlicher Stellen
und Personen (deutscher und amerikanischer) die vorliegende
Ausgabe, als II. Band der Veröffentlichungen
aus der Hamburger Staats- und Universitätsbibliothek,
erfolgen konnte, zu einem angesichts der vornehmen Ausstattung
außergewöhnlich billigen Preise (RM. 8); denn
I es sind ihr die genauen Aufnahmen sämtlicher 11 Seiten
der Hs. auf 12 Tafeln (S. 8 außerdem in größerem
Maßstabe) beigegeben, so daß es dem fachkundigen Leser
ermöglicht wird, die mehrfach durch Buchstaben-
j oder Satzausfälle unterbrochene Textfolge nachzuprü-
I fen. Ihre Entzifferung ist Prof. W. S c n u b a r t - Ber-
| lin zu verdanken, der auch Beiträge über Schrift, Sprache
j und Stil vorausgeschickt und S. 109—111, 120—123 fein-
! sinnige Bemerkungen angeschlossen hat. Wie die koptischen
Fragmente gelegentlich zur Sicherung der Textherstellung
dienen konnten, sind zu S. 8 der Hs. zwei
kleinere Papyrusfragmente sonstiger Herkunft (S. 15 f.)
herangezogen. Für den schon bekannten Schlußabschnitt
des Martyrium Pauli bot der neue Text, ähnlich wie für
! das Stück der weissagenden Kleobios und Myrte (das
j nunmehr für. Korinth gesichert ist), Möglichkeit zu ge-
i genseitiger Vergleichung und Berichtigung; dort lautet
der Name des Centurio vielmehr Keskos (übrigens
J Name einer kilikischen Stadt), der des Präfekten wahr-
i scheinlich Longinos. Ein Index der griechischen Wörter
ist beigegeben.

Neben dem entzifferten Text hat der Herausgeber die
entsprechende deutsche Übersetzung mit sachlichen Anmerkungen
beigefügt und S. 83 ff. zusammenfassende
Untersuchungen geliefert. Der Neufund erbringt
vor allem die genaue Beschreibung der bisher nur durch
den knappen Bericht des Spätbyzantiners Nikephorus
bekannten Vorgänge um den Tierkampf in Ephesus,
worin nun tatsächlich der aus patristischer Bezeugung
bekannte redende Löwe erscheint, der den Apostel nicht
angreift, weil er zuvor von ihm getauft ist(!). Dieser
letztere Vorgang muß sich, laut Erzählung eines äthiopischen
Apokryphons, in der Gegend des kappadoki-
schen Caesarea ereignet haben und in den Akten vorher
berichtet gewesen sein (S. 96). Alles, was sonst vorherliegt
, wie namentlich die Akten der Thekla, die aus
inneren und äußeren Gründen den Paulusakten zugehört
haben, kann nicht auf dem engen Räume der zu Anfang
| verlorenen 4 Seiten der ersten Blätterlage Platz gefunden
j haben, vielmehr wäre hier, unter Berücksichtigung über-
! lieferter Stichenangaben, eine weit größere Lücke im
I Papyrusbuch anzunehmen (S. 8), es müßte denn sein,
) daß der Schreiber überhaupt nur Ausschnitte aus den
[ Paulusakten bot. Ein Anzeichen dafür liefert allerdings
der unmittelbare Anschluß der Seitenüberschrift „Von
Philippi nach Korinth" an die Erzählung von Ephesus.
i Denn wenn dann nur von den Ereignissen in Korinth
die Rede ist, müssen die aus dem Kopten bekannten
Vorgänge in und um Philippi, mit Einschluß des als
Bestandteil der Paulusakten gesicherten apokryphen
Briefwechsels mit den Korinthern, der hier seine Stelle
gehabt hätte, ausgefallen sein; daß eine spätere Rede
; des Paulus Anklänge an denselben bietet (vgl. S. 106 f.).
ist als Zutat zu dem Vorangegangenen zu buchen. 40
Tage soll er sich in Korinth aufgehalten haben und
dann an einem Freitag nach Rom abgefahren sein. Die
Schilderung der Seefahrt wird von Schmidt mit Recht
als abwandelnde Entlehnung aus der entsprechenden
der Petrusakten gekennzeichnet, auf deren Helden auch
das nun tatsächlich hier in den Paulusakten (vgl. Ori-
genes) vorkommende Herrnwort von der wiederholten
| Kreuzigung (wie in den Petrusakten) zu beziehen ist
| (hier das unzweideutige üvoutiev statt des dortigen redXiv );
demgemäß kehrt sich das Verhältnis der literarischen
I Zeitfolge dahin um, daß die Entstehung der Paulusakten