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Ausgabe:

1937

Spalte:

193

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

The Review of Religion Vol. I. Nr. 1 November 1936 1937

Rezensent:

Merkel, Franz Rudolf

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung' von Prof. D. HERMANN DÖRRIES, Göttingen, und Prof. D. Dr. GEORG WOBBERMIN, Berlin

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt, bearbeitet von Bibliotheksrat Lic.Dr.phil. REICH, Bonn, und Bibliothekar Lic. E. STEINBORN, Berlin.

Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

Muiiuskriplc und pelchrte Mitteilungen sind a u ■ s c h I i e 6 1 i ch an Professor D. BAUER in Göttingen, Düstere Eichenweg 14, zu senden,
Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. Gewähr für Besprechung von unverlangt gesaudten Rezensionsexemplaren
, besonders noch bei Zusendung nach Göttingen, kann nicht übernommen werden.

Printed in Germany.

J. C. HINRICHS VERLAG, LEIPZIG Cl

62. JAHRGANG, Nr.11 22. MAI 1937

Spalte

Arbeiten und Mitteilungen aus dem neutesta-
mentlichen Seminar zu Uppsala (Kümmel) 198

Clemen: Das Problem der Sünde (Merkel) 195

D i e t s c h : Das Problem des Glaubens in
der Philosophie des deutschen Idealismus
(Kesseler)..................204

D o d d : The Present Task in New Testament
Studies (Jeremias).............198

Haeuptner: Die Gcschichtsansicht des
jungen Nietzsche iZeltner).........205

Spalte

H e n n i g: Das Geburts- u. Todesjahr Christi
(Scesemann).................199

Lammers: Luthers Anschauung vom Willen
(Reffke).................203

Menschen, die zur Kirche kamen (Knevels) . 206

Naumann: Germanischer Schicksalsglaube
(Kesseler)..................193

Das Neue Testament, verdeutscht u. erläutert
v. W. Michaelis. 2. Bd. (Seesemann) ... 199

nPAEEISIIAYAOY. Acta Pauli (Hennecke) 199

Spalte

The Review of Religion (Merkel)......193

Schmidt: Die Bekenntnisse und grundsätzlichen
Äußerungen zur Kirchenfrage.
Bd. 3: Das Jahr 1935 (Witte)......207

Sevenster: Het Verlossingsbegrip bij Philo
(Jeremias)..................196

Siemer: Geschichte des Dominikanerklosters
Sankt Magdalena in Augsburg (Lerche) 202

Wytzes: Der Streit um den Altar der Viktoria
(v. Campenhausen)..........201

The Review of Religion Vol. I. Nr. l November 1936. New York Aus Blut und Boden der Germanen erwächst ihr

City: Columbia University Press (109 S.) bäuerliches Weltbild, das Bild eines Großdorfes mit

Die erste Nummer einer neuen Zeitschrift, die das dem Dorfbaum, der Weltesche, im Mittelpunkt, um sie
Gesamtgebiet der religiösen Erscheinungswelt umfas- ! herum die verschiedenen neun Weltbezirke Asgard, Mid-
sen will, liegt uns hier vor und es ist für uns Deutsche 1 gard usw. Das natürliche germanische Landschaftsbild,
höchst ehrenvoll, daß das erste Heft eröffnet wird mit auch seine nähere Ausfüllung mit Bäumen, Flüssen,
einer Vorlesung: ,Christianity and Islam: Past and Pre- Tieren usw., wird ganz naiv auf die überirdische Welt
sent' des lslamforschers und ehemaligen Preuß. Kul- ; übertragen. Menschlich werden auch die Götter gedacht,
tusmiuisters Prof. Dr. Carl H. Becker, die er kurz sie sind nicht vor der Materie da — wie in der christ-
Vor seinem Tode in New York als Gastvorlesung ge- liehen Religion —, sondern werden aus ihr gebildet gehalten
hat. Ein weiterer Beitrag: ,Religious Values of dacht. „Der Gott, der allein lebt, der vor der Materie
contemporary Indian Nationalism' hat den früheren | da war, der die Welt aus dem Nichts erschuf: das ist
Indienmissionar und späteren Lektor für vergleichende j ein gänzlich anderer Gottesbegriff, der aus nichtgermani-
Religionswissenschaft an der Universität Oxford Nicol : sehen Bezirken zu uns kam". Wie die Menschen sind
Macnicol aus Edinburgh zum Verfasser. Kürzere Mit- die Götter mehrfach, wie sie Mann und Frau. Die ein-
teilungen, so z. B. ein ,Report of the philosophical zelnen Göttergestalten werden in ihren kennzeichnenden
Discussions in the national Council on Religion in higher | Zügen scharf erfaßt, so vor allem Thor, der bäuer-
Education, Sept. 1936' von Kenneth W. Morgan und | liehe Gott, und Odin, der Gott des Krieges, des Herren-
>Notes International Church activities' bilden den Übergang
zu sehr ausführlichen Buchbesprechungen ( Book
Reviews'), die über die Hälfte des Heftes einnenmen.
Wir lernen dadurch wissenschaftlich bedeutende Werke

tums, der Gefolgschaft, beide Götter sind wie die andern
die Freunde des Menschen. Die Götter sind wie
die Menschen vom Schicksal bedroht, sie werden sterben
wie die Menschen, aber sie sterben nicht kampf-
des Auslands auf dem Gebiet der Religionsgeschichte 1 los. Odin wacht und trägt Sorge, er erforscht das
genauer kennen. Diese neue Zweimonatsschrift, als deren I Schicksal, er rüstet zum letzten Kampf, in Walhall sam-
Herausgeber Raymond C. Knox und als Mitherausgeber ! melt er die Elite zum Einsatz in ihm. Und wenn er

Herbert W. Schneider zeichnen, eignet sich vortrefflich
zum Studium der Religionen, zumal sie in wissenschaftlicher
Form doch Allgemeinverständlichkeit anstrebt.
München. R- F- Merkel.

Naumann, Hans: Germanischer Schicksalsglaube. Jena: Eugen
Diederichs [1934). (95 S.). Kart. RM 2.40 ; geb. 3.80.

Weltbild, Göttervorstellung und Schicksalsglaube der
Germanen werden außerordentlich plastisch und eindrucksvoll
dargestellt. Ohne viel mit gegnerischen Ansichten
zu streiten, wird doch inmitten der gegenwärtigen
Diskussion um die sehr brennende Frage des Germanenglaubens
ein ausgeprägter Standpunkt herausgestellt, der
Slch klar und kennzeichnend gegen andre Standpunkte
abhebt. Auch hinsichtlich der Quellenfrage ist das der
£*H. Germanien wird als Einheit gefaßt ohne strenge
^•heidung von Nordgermanen und Südgermanen, als
gellen werden nicht bloß, nicht einmal in erster Li»
n,€ die Sagas, sondern sehr nachdrücklich auch die Edda
benutzt.

193

kommt, dann gilt es, ihn mutig aufzunehmen und gefaßt
das Schicksal des Unterganges, das unvermeidliche
, zu ertragen. Im Schicksalsglauben wird germanische
Haltung sichtbar. Der Germane steht nicht zwischen
Gut und Böse, daß er zu bereuen und zu sühnen
hätte, sondern er steht zwischen Freund und Feind,
zwischen denen er sich zu entscheiden hat, um sich
dann demgemäß einzusetzen. Was die Norne spinnt,
das erfüllt sich, und den Menschen und Göttern bleibt
nichts, als das unwandelbare Schicksal zu einem Teil
ihres Willens zu machen. Das ist nicht matte Resignation
einer Verfallszeit, sondern stärkstes Zeugnis eines
auf die eigene Macht und Stärke vertrauenden Führer-
tums, das der eigenen Lebensmächtigkeit vertraut aber
auch um die Grenzen der eigenen Kraft Bescheid'weiß
„Schicksalsglaube ist gerade das Korrelat der gefolgschaftlichen
Selbstherrlichkeit und des Führerglaubens.
Schicksalsglaube ist das notwendige Reaktionsgefühl gerade
des Helden, beruhend auf der sicheren Erfahrung,
daß seine Freiheit und Weite doch ihre Beschränkung

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