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Ausgabe:

1936

Spalte:

153-158

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schmidt, Wilhelm

Titel/Untertitel:

Nachträge zu den Religionen der Urvölker Amerikas, Asiens u. Australiens 1936

Rezensent:

Titius, Arthur

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES, Göttingen, und Prof. I). Dr. GEORG WOBBERMIN, Perlin

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt, bearbeitet von Bibliotheksrat Lic.Dr.phil. REICH, Bonn, und Bibliothekar Lic. E. STEINBORN, Berlin.

Jahrlich 26 Nrn.— Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

Manuskripte und pclehrte Mitteilungen sin<l ■ 11 % * c h I i e fi t i ch an Profesior D. BAUER in Göttinnen, Düstere Eichenweg 14, zu senden,
Rezensionsexemplare aunnrhliefilich an den Verlag. Gewähr für Besprechung von unverlangt gesandten Rezensionsexemplaren
, besonders noch bei Zusendung nach Göttingen, kann nicht übernommen werden.

Printed in Germanv.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN BUCHHANDLUNG, LEIPZIG C 1

61. JAHRGANG, Nr. 9 25. APRIL 1936

Spalte| Spalte

Alt ha us: Theologische Aufsätze (Frick) . 162

Charpentier: Brahman (Witte).....158

Frazer: Balder le Magnifique (Witte). . . 158

Fuetscher: Die ersten Seins- und Denkprinzipien
(Piper).............166

Schmidt: Der Ursprung d. Gottesidee (Titius) 153

Spalte

Sentzke: Die Kirche Finnlands (Katz) . . 159

Utitz: Die Sendung der Philosophie in
unserer Zeit (Kesseler)...........165

Schmidt, P.Wilhelm, S.V. D.: Der Ursprung der Gottesidee

sten Schichten gerichtete Gesamtdarstellung der Re-

Eine historisch-kritische u. positive Studie. Bd. 5, 2. Abt.: Nachträge ligionen der Urvölker darbietet, die wir besitzen. Auch

sei hervorgehoben, daß er mit großer Unbefangenheit
Korrekturen an seiner Aufstellung vornimmt und unablässig
sich um die Beschaffung neuen Materials bemüht
, worauf auch in einigen Fällen noch gehofft
werden darf.

zu den Religionen der Urvölker Amerikas, Asiens, Australiens, IV
Münster i. W. : Aschendorff 1934. (XXXIX, 921 S.) gr. 8°.

RM 27.— ; geb. 29.50

— — Bd. 6 ; Endsynthese der Religionen der Urvölker Amerikas, Asiens

Australiens, Afrikas. Ebd. 1933. (593 S. mit 7 Skizzen u. 4 Sprach -

u. Stammeskarten) gr. 8°. RM 29.— ; geb. 32. — ,
Der mit Spannung erwartete Abschluß des großen Die abschließende Darstellung ist sachgemäß so geWerkes
(vgl. die letzte Besprechung in ThL. 1934 ordnet, daß zunächst der arktische und der nordameri-
Sp. 339 ff.) erlitt eine Verzögerung dadurch, daß, zum kanische Kulturkreis zu einer Gruppe zusammengefügt
Teil erst angeregt durch Schmidts Forschungen, das werden (21—101); diese Kulturkreisgruppe wird dem
ergänzende Material so stark anschwoll, daß es einen der Feuerland-Indianer zur Seite gestellt (103—66) und
starken Band (V) beanspruchte. Die Hauptmasse stammt ein Bild des arktisch-amerikanischen Gesamtblocks im
aus Amerika und betrifft hier die „zentralkalifornischen" ältesten Zusammensein und den ersten Abwanderungen
Indianer, deren Gesamtbild S. 323—389 herausgearbeitet gewonnen (167—207). Dieser nicht geographisch zuwird
, ferner die Inland-Selish-Stämme (391—471), end- sammerihängenden Urkulturfamilie wird dann die zen-
lich die Algonkin-Stämme (473—736); dazu treten er- trale oder pygmäische zur Seite gestellt (209—308),
neut Nachträge über die Selish (857—75, die Lenape indem zunächst die historische Zusammengehörigkeit
(Delawaren) 876 ff. und die Steppen-Crees (877). Auf der asiatischen und afrikanischen Pygmäenreligion (211
das größtenteils sehr interessante Material, in dem na- bis 224), dann ihr Zusammenhang mit der arktisch-
mentlich die Maidu und die Delawaren sowie die Foxes amerikanischen untersucht wird (225—308). Schließlich
für das Gesamtproblem wichtige Aufschlüsse geben, bleibt der Zusammenhang der bisher betrachteten Ur-
kann hier nicht näher eingegangen werden. In drei Ab- kulturen mit der südostaustralischen zu prüfen (309
schnitten wird das Gesamtbild der „(nord)zentralkali- bis 67). Damit ist die Grundlage gewonnen, ein in
fornischen Hochgottreligion" (323—89), die Religion sich einheitliches und geschlossenes Bild der „ältesten
der Inland-Selish-Stämme (465—71) sowie eine zusam- gemeinsamen Religion der Menschheit" zu zeichnen
menfassende Vergleichung der Algonkin-Religionen (716 369—467 und zu der Frage nach der Herkunft und
bis 36) gezeichnet, und daran schließt sich alsbald eine dem Ursprung der ältesten Religion vorzustoßen (468
Vergleichung der drei „ältesten Religionen" Nordameri- bis 508).

kas mit einander (737—73), womit zugleich eine wich- Diese Aufeinanderfolge der Untersuchungen ist betige
Etappe auf dem Wege zur abschließenden Synthese strebt, nach Möglichkeit strukturell zusammengehörige
der „Urreligion" erreicht ist. Nachträge über die Se- | Gruppen in ihrem geschichtlichen Zusammenhang zu
mangpygmäen auf der Halbinsel Malakka (777—99) belassen und gewinnt so für die altzeitlichen Voraus-
und die Negritos der Philippinen (800—804), über die Setzungen, die sie machen muß, eine Sicherung aus der
Regenbogenschlange in Südaustralien (837 ff.) sowie ! Prähistorie, die der gesamten Konstruktion Halt und
über die australischen Evyahlayi (841—54) vervollstän- Konsistenz verleiht. Nach allgemein geltender Auffas-
digen die Nachrichten über die Südstämme; dem ark- sung hat die Einwanderung des Menschen in den ameri-
tischen Material dienen Berichte über Samajeden (805 kanischen Kontingent erst in postglaciater Zeit statt-
bis 36) und Tungusen (888—95). Bd. 6 bringt noch er- gefunden (S. 28); ferner ist nach Birket-Smith die kul-
gänzende Berichte über die Cree und Montagnais der turelle Verbindung zwischen dem nördlichen Eurasien
James Bay im Süden der Hudson-Bay (511—42), über und Nordamerika so eng, daß man von einem „zirkum-
die nördlichen Saulteaux-Ojibwa (554—59) und die polaren Kulturkreis" reden kann (25). Es kommt hin-
Renntier-Eskimo (560—64) sowie finnische und rus- i zu, daß nach Steinmann u. a. die jetzige Inselkette
sisclie Varianten der Schöpfungsmythe mit Tauchen nach der Beringstraße während des Dilaviums eine min-
Erde (568—70); von der Zikade „Kind Gottes" bei destens 500 km breite Landbrücke gebildet hat, auf
Andamancsen, Semang und Sakai wird 565 f. berich- der ein bedeutend wärmeres Wetter herrschte als heute
tet, von einem Primitialopfer der Wedda-Pygmoiden (28). Damit ist die Möglichkeit einer Reihe von Ein-
S. 567. Man darf betonen, daß das Gesamtwerk von Wanderungen gegeben, die zu verschiedenen Zeiten vom
Schmidt die umfassendste und zugleich nach festen metho- gemeinsamen nordasiatischen Kulturzentrum aus nach
dischen Grundsätzen auf die Heraushebung der alte- dem amerikanischen Kontinent hin erfolgten und von
153 154

B.TÜB.