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Ausgabe:

1936 Nr. 13

Spalte:

228-229

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

The Annual of the American Schools of Oriental Research; Vol. XV 1936

Rezensent:

Meinhold, Johannes

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Theologische Literaturzeitung 1936 Nr. 13.

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steht als neuplatonisch-eckartscher Mystik. An dieser
Probe aufs Exiempel zeigt sich die Treffsicherheit der
Kochschen Methode, die im Sinne von Goethes Ur-
phänomen eine einheitliche Wesensschau versucht. Der
damit verbundene Verzicht auf eine strenge Scheidung
der Gebiete religiöser und weltlicher Geistigkeit ist, wie
der Verfasser in der sorgsam angelegten methodischen
Einführung selbst erkennt, angesichts der Fruchtbarkeit
dieser neuen Schau leicht zu verschmerzen. Wenn
Koch in vornehmer Bescheidenheit nicht den Anspruch
erheben will, fertige Ergebnisse vorzutragen, sondern
nur ein Instrument zur Beobachtung geboten zu haben
glaubt, müssen wir ihn berichtigen, denn er gibt ein
sicher fundiertes, ungemein lebendiges Bild deutschen
Bauerntums, wie es sachkundiger nicht gezeichnet werden
kann. Darum kann es der praktisch theologischen
Arbeit als unentbehrliche Hilfe empfohlen werden, verdient
aber nicht minder das Interesse derer, die sich mit
dem Bauerntum als geistiger Erscheinung überhaupt zu
beschäftigen haben.
Quakenbrück. H. Vorwahl.

Walterscheid, Dr. Johannes: Heilige Deutsche Heimat. Das

deutsche Kirchenjahr mit seinen Festen, seinem Volksbrauch, den Volksheiligen
, religiöser Literatur u. religiöser Kunst. Erster Band: Dezember bis
Mai. Hannover: J. Giesel 1936. (XVI, 359 S.) gr. 8°. Geb. RM 4.80.

Der katholische Verfasser, der sich als Schüler
Carl Clemens bekennt, bietet in schlichter Sprache
eine geistige Wanderung durch das Kirchenjahr, die
die enge Verbundenheit der Kirche mit den volkstümlichen
Kräften des Deutschtums bewußt machen will.
Was sonst in Liturgie, Heiligenleben, Volkskunde, deutscher
religiöser Literatur und Kunst über die einzelnen
Feste sich verstreut findet, ist hier mit liebevollem Verständnis
zusammengetragen und als Beweis für die
volkstümliche Vermählung von deutschem Empfinden
und christlichem Glauben ausgebreitet. Begleitet doch
die Kirche den Lebensgang des Menschen von der
Taufe bis zur Bestattung und schafft dabei ein Brauchtum
christlicher Prägung, demgegenüber die Reste primitiven
Heidentums zu bloßer Sitte ohne Anteil der
Seele verblaßt sind, sofern sie nicht, wie bei der Gestalt
des Nikolaus, eine freundliche Umbildung erfahren
haben. Der Reichtum dieser Brauchtumsformen, in
denen sich das Frömmigkeitsbedürfnis Ausdruck verschafft
hat, überrascht den protestantischen Leser, wird
aber dadurch erklärlich, daß die katholische Bevölkerung
das kindhaftere Volkstum verkörpert, während
die Vergeistigung der Reformation mit dem Verlust an
naiverem Volkstum erkauft wurde (G. Koch). So bringt
Walterscheid den überzeugenden Nachweis, daß das
Christentum unserm Volkstum Wertvollstes- in reicher
Fülle geschenkt hat und daß unser Volk nicht nur im
ganz Eigenen, sondern noch mehr im gemeinsam Christlichen
verwurzelt ist. Das bestätigen vor allem die
Stücke der religiösen Literatur, die der Verfasser in
schöner Weitherzigkeit auch aus Tacitus, dem Heliand,
Luther. P. Gerhardt, C. F. Meyer, Rückert und Goethe
bietet. Der deutsche Heiligenkalender stellt ferner die
Heiligen des deutschen Sprachgebietes zusammen, wobei
die Namen, mit kurzen Angaben versehen sind,
welche für die Kennzeichnung der Heiligen von Bedeutung
sind. Gutes Illustrationsmaterial, das aus allen
Gauen Deutschlands Charakteristisches festhält, trägt
dazu bei, das Werk zu einem Familien- und Volksbuch
zu machen, wie auf protestantischer Seite Eilemanns
„Kämpfen und Glauben" es zu werden verdient.
Quakenbrück. H.Vorwahl.

Clemen, Carolus: Fontes historiae religionum primitivarum,
praeindogermanicarum minus notarum. Bonnae: L. Röhrscheid
1936. (120 S.) gr. 8°. == Fontes historiae religionum ex auctoribus
Graecis et Latinis. Fase. 6. RM 8.20.

Dies Buch kann man nicht im eigentlichen Sinne
rezensieren, man kann es nur anzeigen. Clemen hat
mit der ihm in allen seinen Veröffentlichungen eigenen

j Sorgfalt und Gründlichkeit alles das aus den Schrift-
I stellern griechischer und lateinischer Zunge von der
Antike bis an die Grenze der Reformation gesammelt,
was irgendwie über die primitiven Religionen in ihren
Werken gesagt worden ist. So hat man hier den Stoff
über die primitiven Religionen zu Übungen und Studien
in dankenswerter Weise zusammen zum Gebrauch zur
Hand. Das ist ein Verdienst, das jedermann Clemen
| danken wird.

So reiht sich dies Buch an die schon früher von
Clemen uns geschenkten Quellen der Antike und des
I Mittelalters über die persische, ägyptische, die keltische
i und auch die germanische Religion. Das Buch ist
I also jedem Forscher auf dem Gebiet der Reli.gion.sge-
| schichte warm zu empfehlen.

Berlin. Johannes Witte.

I The Annual of the American Schools of Oriental Research.

Vol. XV. 1934-1935. Edited for the trustees by Miliar Burrows and
E. A. Speiser, published by the American Schools of Oriental Research,
New Häven, under the Jane Dows Nies Publication fund. University
of Pennsylvania Press 1935. (202 S.) gr. 8".

Dieser über die „explorations in eastern Palestine
II" unterrichtende Arbeit stammt aus der Feder von
Nelson Glueck, Hebrew Union College.

Während die archäologische Untersuchung der Amerikaner
im Jahre 1933 hauptsächlich Moab galt, bietet
dies Annual nun den Bericht der ;Reisen, Untersuchun-
| gen und Ergebnisse der Expedition des Jahres 1934,
I die sich vornehmlich mit Edom beschäftigten. Es war
j die Vereinigung der American School of Oriental Research
, der Hebrew Union College, der American Council
of Learned Societies und des Transjordan Department
of Antiquities und des American Council of
j learned Societies, der man die Möglichkeit und Durch-
1 führung dieser wissenschaftlichen Reise verdankt. Ein
, stattlicher Stab von Mitarbeitern, die S. 2 mit Namen
I dankbar erwähnt werden, stand dem Leiter der Expe-
1 dition, Herrn Dr. Glück, zur Seite.

Es war die Absicht genau zu bestimmen, wie weit
nach Westen hin sich das Gebiet des alten Edom erstreckt
hat, dann aber auch in Moab das Gelände um
den Berg Nebo zu prüfen, aber weiter das ganze Land
der Araba vom toten bis zum roten Meer hin wisseni-
schaftlich zu erforschen und namentlich durch genaue
| Prüfung der gefundenen Scherben nach Möglichkeit das
Alter der einzelnen Baustellen zu bestimmen. Ein bis
I auf die Minute genauer Tagesbericht gibt über die Reise
j vom 19. März 1934 bis zum 11. Juli sichere Kunde,
die durch die Vorführung einer Reihe vortrefflich wiedergegebenen
Photographien belebt wird. Eine Zusam-
j menfassung am Schluß (S. 123—140) bringt die ge-
i wonnenen Ergebnisse. Als Resultat bucht der Verfasser:
i 1) Moab und Edom Wurden gleichzeitig besetzt, ihre
Geschichte läuft parallel. Das Verlassen und Wiederbesetzen
der Gebiete erklärt sich nicht so sehr aus klimatischem
Wandel (so Ellsworth Huntington in „üeo-
grafiska Annaler" 1935 S. 579—590) als vielmehr aus
j rein menschlichen, vor allen politischen und ökonomi-
i sehen Gründen. 2) In Moab wie Edom blühte vom
; 23. bis 18. Jahrhundert v. C. eine fortgeschrittene Civi-
j lisation. Die Haupthandelsstraße zog sich durch Ost-
' Palästina in seiner ganzen Länge. Die Töpferarbeit
! in der ersten Bronzezeit ist in Moab und Edom dieselbe
wie in Westpalästina. 3) Von dem 18. bis 13. Jahr-
. hundert klafft für Moab wie Edom eine vollkommene
Lücke in der Geschichte. Man fand keine Baustelle
noch Scherbe, die der mittleren oder späteren Bronzezeit
angehörte. Weder die ägyptischen Städtelisten die-
! ser Zeit noch die Teil el-Amarna-Briefe beziehn sich in
dieser Zeit auf Ostpalästina. 4) Zwischen dem 13. und
8. Jahrhundert haben wir für Edom eine hoch entwickelte
Zivilisation anzunehmen. Die Kriege von David
I bis Josaphat, von Amaziah bis Ahaz, dann die Angriffe
| der Assyrer und Babylonier, schließlich auch Wohl der
Perser führten eine vollständige „Destruction" des edo-