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Ausgabe:

1935

Spalte:

137-138

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Erman, Adolf

Titel/Untertitel:

Die Religion der Ägypter 1935

Rezensent:

Roeder, G.

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES und Prof. D. Dr. GEORG WOBBERMIN, beide in Göttingen

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften. Bearbeitet v.Bibliotheksrat Lic.Dr.phil. REICH, Bonn, u.Lic.H. SEESEMANN, Göttinnen

Jährlich 26 Nrn. — Bezugepreis: halbjährlich RM 22.50

Manuskripte und gelehrte Mitteilungen Bind ausechliefilich an Professor D. BAUER in Göttingen, Düstere Eichenweg 14, » senden,
Rezensionsexemplare ausschliefilich an den Verlag. Gewfihr für Besprechung oder Rücksendung von unverlangt gesandten Rezensionsexemplaren
, besonders noch bei Zusendung nach Göttingen, wird nicht übernommen.
Printed in Germany.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN BUCHHANDLUNG, LEIPZIG C 1

60. JAHRGANG, Nr.8 13. APRIL 1935

Spalte

Blake u. de Vis: Epiphanius de gemmis

(Krüger)..................142

Dibelius: Heimkehr zum Wort (Usener) . 151
Erman: Die Religion der Ägypter (Roeder) 137

Oroot: I.Samuel (Caspari).........138

H a r n a c k: Die Kirche, ihr Amt, ihr Regiment
Üelke)....................151

Spalte

Die heilige Schrift des Alten und des Neuen

Bundes (Jonat)...............140

M o 11 a n d : Das Paulinische Euangelion

(Michel) . ..................141

Quint: Die Überlieferung der Deutschen

Predigten Meister Eckeharts (Schröder) . . 144
Schubert: Große christliche Persönlichkeiten

(v. Campenhausen).............142

Spalte

[T a u 1 e r:] Ausgewählte Predigten Johann

Taulers (Benz)................147

Teilenbach: Römischer und christlicher

Reichsgedanke (Ders.)...........143

Zeitschrift für bayrische Kirchengeschichte

(Bossert)..................150

Zeitschrift der Gesellschaft f. niedersächsische

Kirchengeschichte (Fleisch).........147

Erman, Adolf: Die Religion der Ägypter. Ihr Werden u. Ver- j Was den Fernstehenden die Einfühlung in die agyp-
gehen in vier Jahrtausenden. Berlin: W. de Gruyter & Co. 1934. (XVI, tische Götterwelt SO schwer macht, ist die Unausgegli-
465 S. m. io Taf. u 186 Abb. i. Text) gr. 8°. geb. RM 7.50. | chenheit der Vorstellungen verschiedener Zeiten, die ne-
Ermans Religion, die zu dem festen Bestand unserer j ben einander bewahrt werden. Da stehen einerseits vertäglich
gebrauchten Handbücher gehört, erschien in der j schiedene Namen für Gottheiten ähnlichen Charakters
ersten Auflage 1905 im Umfang von 261 Seiten mit 165 j (Himmel, Erde,, Schöpfer, Totenschützer usw.); ande-
Abbildungen in den „Handbüchern der Königlichen Mu- ; rerseits verbergen sich unter einzelnen Namen verschie-
seen", in der zweiten Auflage 283 Seiten mit 164 Ab- j dene Züge, die ursprünglich selbständigen Gottheiten
bildungen, und jetzt zu seinem 80. Geburtstag als dritte ! entsprachen. Es ist Ermans Verdienst, von Anfang an
Auflage von 465 Seiten mit 186 Abbildungen. Die erste j auf diese inneren Widersprüche aufmerksam gemacht und
und zweite Auflage darf ich als bekannt voraussetzen, , sie erklärt zu haben, und er ist 1934 darin viel weiter
und ebenso die Tatsache, daß Ermans Buch von Anfang i gekommen als 1904. Wer hier einmal übersichtliche
an die reizvollste und lebendigste Darstellung dieses j Gruppierungen schaffen wollte, dürfte des Dankes meh-
Stoffes in der Ägyptologie aller Länder war, auf eine j rerer Wissenschaften sicher sein und der religionsge-
umfassende Kenntnis der Denkmäler und Texte gegrün- , schichtlichen Entwicklung eine feste Grundlage unter-
det, auf eine sorgfältige Feststellung des Tatsachenbe- : bauen.

Standes gerichtet. Theologen und Religionshistoriker, I Durch alle Zweige der ägyptischen Kultur geht ein
besonders solche aus der vergleichenden Schule, haben ! tiefgreifender Gegensatz zwischen der offiziellen Außen-
an dem Buche das Eingehen auf die inneren Probleme j seite des Staates, der Bauten, der Kunstformen, des Glau-
der Götterpersönlichkeiten sowie auf den Sinn der volks- : bens sowie der Sprache und Literatur — und dem persön-
tümliehen Glaubensvorstellungen und der theologischen : liehen Inhalt dessen, was der einfache Mann schafft,
Spekulationen vermißt, ebenso die so leichte Heran- j will, denkt und empfindet. Dieser Gegensatz hat Erman
Ziehung von Vergleichen aus dem Ritual und den Ideen veranlaßt, als erster mit feinsinnigem Verständnis von
bei anderen Völkern. Ich greife einige Punkte aus dem der priesterlichen Dogmatik den persönlichen Glauben
Buche heraus, um ein vorbildliches Beispiel dafür zu i abzusondern. Seine neue Darstellung in Kapitel 8—11
zeigen, wie auch der reifste Gelehrte noch an sich zu ; ist einer der Glanzpunkte des Buches, voll von wirkarbeiten
vermag. j liebem Leben, von einem erfahrenen Kulturhistoriker
In der geographischen Eigenart Ägyptens ist die , gesehen. Jeder Zug, der uns für das Empfinden des
Bedeutung der von einander isolierten Lokalkulte be- i einfachen Mannes weiterhin zusammen getragen wird,
gründet, die an die Gaue und ihre Hauptstädte mit den [ vervollständigt ein Bild, das uns die alten Ägypter an
Ortsgöttern gebunden waren (Kapitel 3). Die Selbstän- J einem der inhaltreichsten und bahnbrechenden Punkte
digkeit der einzelnen Gaugötter, ihre heiligen Tiere, 1 ihres Geisteslebens verstehen lehrt. Denn an dieser
Symbole und Attribute ist die Grundlage des religiösen i Stelle muß es zum Schluß noch ausgesprochen werden:
Lebens in Ägypten. In richtiger Würdigung dieser Lage ! Was der ägyptischen Religion ihre weltgeschichtliche
hat Erman jetzt mehr Wert als früher auf die Erfassung Bedeutung verleiht, ist ihre Wirkung auf die Nachbar-
der Lokalkulte gelegt, und er hat die Gegensätze zwi- j Völker in der frühen und ihr Fortleben bei ihnen in
sehen den Gottheiten der einzelnen Städte schärfer als i später Zeit. Gerade dieser Teil der Darstellung, der
bisher herausgehoben. Von welcher Wichtigkeit diese j Theologen wertvoll sein wird, ist bei Erman wieder ein
geographische Grundlage für das Verständnis der ägyp- • Meisterwerk
tischen Religion ist, erkennt man sofort in den Abschnitten
dieses Kapitels, die sich nicht mit Ortsgöttern beschäftigen
, sondern mit sachlichen Gruppen von Gottheiten
, wie den Horus-Göttern und den Himmels- oder
Löwen-Göttinnen: der sichere Boden entgleitet sofort,
wenn man nicht mehr auf den bodenständig erwachsenen
Vorstellungen fußen kann. Hier liegt eine dankbare Aufgabe
für zukünftige Einzeluntersuchungen.

Hildesheim. Q. Roeder.

Groot, Prof. Dr. Joh.: I. Samuel. Tekst en Uitleg, praktische
Bijbelverklaring, hrsg. v. Böhl und van Veldhuizen. 8°. = Groningen
u. den Haag: Verlag J. B.Wolters 1934. (186 S. mit 10 Kartenskizzen).

geb. Fl 2.90.

Zur Zeit wäre in Deutschland ein Bedürfnis nach
einer gemeinverständlichen Verbreitung einer wissen-

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