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Ausgabe:

1935 Nr. 7

Spalte:

135-136

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Werdermann, Hermann

Titel/Untertitel:

Die deutsche evangelische Pfarrfrau 1935

Rezensent:

Achelis, Th.

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Seite 1

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135 Theologische Literaturzeitung 1935 Nr. 7. 136

liehen Bande vorliegt, ja wirklich die Historiker, Geo- ; verschiedensten deutschen Landschaften in Erstaunen
graphen und Völkerkundler mehr angehen als uns Theo- setzt. Bei der Bedeutung, welche das deutsche evange-
logen. Allein, das ist doch verkehrt gedacht. Denn diese lische Pfarrhaus für die Geschichte des deutschen Vol-
Geschichte Südwestafrikas ist auch Geschichte eines ehe- i kes in den letzten vier Jahrhunderten gehabt hat, ist
mals deutschen Landes, das hoffentlich wieder einmal j das Buch zugleich ein wichtiger Beitrag zur inneren' Gedeutsch
werden wird, dann ist hier ein Stück religiös- j schichte unseres deutschen Volkes.

interessanten Volkstums gezeichnet. Und die Entwick- Aus meinem Arbeitsgebiet möchte ich noch einige Hinweise und
lung dieses Volkstums ist ganz eng verwoben mit dem, ; Ergänzungen geben. Zur Förderung der Pfarrehen durch die Landes-
Was das Christentum an ihm durch die Mission getan herrschaft im Zeitalter der Reformation (S. 37) verweise ich auf die „Ar-
hat. Die Verdienste der Rheinischen Mission von Süd- ; «ekel vor de Kerckheren op den Dörpem" von 1528, die sog. Haderswestafrika
treten in diesem Buch fast zu bescheiden zu- 1 ,ebener Artikel< w0 es im 14. Artikel heißt: „Sie Scholen ock altomale
rück. ES Wird viel mehr von Land und Leuten, ihrem echte wiuere hebben d>e s,e opentlicken vortrwet und nha christlicker

Rinnen um ihr nacktes leben und ihren unseligen eewonhelt slch nebben dorch einen P"ster geuen laten. Szo auerst
Kingen um inr nacktes Leoen unci inren unseligen jemandt nich, frien wolde sal he uns effte d die wii dartho vor-

Kampfen gegen einander geredet, sowie von der moder- ordnet he5ben orsake antekeni warumb he njch't frjet Jwcnte

neu Zivilisation und Kultur und Wirtschaft, die in dieser geUen grote kuskeit vore, die doch mit wiueren beruncktiget sin",(S»n-

älteren Zeit schon das Leben der Völker dort Stark be- derjydske Aarboger 1889, S. 235; Schriften des Vereins für Schl'eswig-

einflußten. Das alles wird aus einer hervorragenden Holsteinische Kirchengeschichte, 1. Reihe, 18. Heft (1934), S. 98,9). —

Sachkenntnis gründlich Und wissenschaftlich dargestellt. Ueber die im 16. und 17. Jahrhundert verbreitete Unsitte, daß Pfarrer

Die Festlegung der älteren Geschichte Südwestafrikas Krugwirte waren (S. 42), vgl. Johanna Kachel, Herberge und Gastwirt-

durch dies Buch ist SO wichtig, weil die Völker dieses Schaft in Deutschland bis zum 17 Jahrhundert (1924), S. 152- 159,

riesigen Landes heute so nicht mehr bestehen wie in £« ^Ts^H^^^TT^^rs'

jener alteren Zeit. Denn der unselige Aufstand hat sie 21_22 _ Als BeispieI von iiPfarrdynastien» (s. 93) sei auf die Familie

zerschlagen, durch einander gewürfelt, Und die neue ßoysen verwiesen, der die Mutter Langbehns, des Rembrandtdeutschen,

Zeit hat Sie stark entwurzelt, Und niemand weiß, ob sie entstammt, vgl. Archiv für Sippenforschung Bd. ö (1929), S. 81—84:

je wieder ZU dem alten, stolzen Volksein zurückkehren Von der Reformation bis 1850 waren sie ununterbrochen Pastoren. —

können. Über keinem Teil Afrikas liegt ja eine solche Zahlreiche Leichenpredigten für Schleswig-Holstein (S. 118) verzeichnet

Tragik wie Über der Geschichte dieses Landes. Man Bibliotheca Danica III (1896). — Ueber die schicksalsreiche Führung

möchte wünschen, daß alle Kolonialfreunde und Mis- ^.nes WarrT in ^*d*"* der Zerstörung der Stadt und seiner

sionsfreunde besonders dies gute Buch gründlich stu- ,F™

», , . 0 & rj& 1 _ (Kiel I6&6) und Chr. Krähe, Biblisches Epitaphium Val. Schmidt von
dieren. Man wartet mit Spannung auf den angekündigten Eisenbergs (1685). _ s. 316 muß es Bisenoff heißen, S. 12 Christian
Band Über die deutsche Zeit Sudwestatrikas. III. _ Endlich seien noch K. Lamprechts Kindheitserinnerungen (1918)
Berlin. Johannes Witte. und Th. Kaftans Erlebnisse und Beobachtungen (1924, bes. S. 14,70 ff.)
-■ erwähnt.

Werdermann, Prof.D.Dr. Hermann : Die deutsche evangelische Hadersleben Th r> a « h o 1 i .

Pfarrfrau. Ihre Geschichte in vier Jahrhunderten. Witten : West- _m.u. Acneus.

deutscher Lutherverlag 1935. (XI, 369 S. u. 1 Bildn.) kl. 8°.

geb. RM 5.80

Hermann Werdermann, der 1925 das bekannte Buch
„Der evangelische Pfarrer in Geschichte und Gegenwart"
als einen Rückblick auf 400 Jahre evangelisches Pfarrhaus
in der Sammlung „Wissenschaft und Bildung"
herausgab, bietet uns hier eine neue Geschichte des
deutschen evangelischen Pfarrhauses und zwar von der
deutschen evangelischen Pfarrfrau her. Er versteht es,
durch vier Jahrhunderte uns die deutsche evangelische
Pfarrfrau und das Pfarrhaus, indem sie waltet, lebendig
zu machen; gerne läßt er dabei die Quellen vergangener
Tage zu uns reden, sodaß ein lebendiges und wahres
Bild deutscher Vergangenheit vor unseren Augen ersteht.

Er beginnt mit der Trauung Martin Luthers und Katharina
von Boras, die mehr Staub aufgewirbelt hat als
jemals früher oder später irgend eine Eheschließung,
schildert dann kurz die Zustände im katholischen Cöli-
bat des ausgehenden Mittelalters, die dunkle Folie für
das Bild der evangelischen Pfarrfrau in der protestantischen
Kirche. Hier folgt er den geschichtlichen Perioden
seit der Reformationszeit, erzählt also von der deutschen
evangelischen Pfarrfrau im Reformationszeitalter, in dem
Zeitalter der Orthodoxie, im Dreißigjährigen Kriege, in
der Zeit des Pietismus, im Aufklärungszeitalter, im
19. und im 20. Jahrhundert; in einem Schlußwort faßt
er die Ergebnisse dieser geschichtlichen Wanderung zusammen
. Angehängt ist ein kleiner Aufsatz: „DasGästebuch
unserer Eltern."

Vorarbeiten gab es so gut wie nicht; es mußten daher
die Jahrgänge der kirchengeschichtlichen Zeitschriften
in den verschiedenen deutschen Landesteilen — oft nur
mit geringem Ertrag — durchgearbeitet werden, Biographien
, Leichenreden mußten herangezogen werden. Trotzdem
ist das ganze nach den Worten des Verfassers ein
„Versuch" geblieben, aber ein sehr gelungener Versuch,
der klar die Hauptlinien der Entwicklung aufzeigt, und
der durch die Fülle des dargereichten Stoffes aus den

Theologia militans

Schriften für littherifche ©eftaltung
in "Eerbinbung mit Sßaul 'Hltljaits, SBerrter Cclert,
21bolf Äoeberle herausgegeben oon SPTortin SDoerne.

Sic $efte erfdjeinen in sroanglofer 3olge mit oerfd)iebenen
Umfangen unb greifen.

<r»eft 1: 3>oewe, SÖtarttn, SBas Ijeifet <£ol6s&trd)e?

einjeln 45 spfg.

10 (Srempl. ä 42 <Bfg. I 50 grempl. ä 38 <Bfg.

20 „ ä 40 „ i 100 „ ä 36 „
"Bcljanbelt bie 3rage ber «Bolkskirdje junädift in begriffst
gefd)id)tlid)er (Erklärung, bann unter bem ©efidjtspunkt einer
lutberifdjen etfjik ber Äirche; es kommen babei aud) bie
neueren 'Jluseinanbcrfetsungen über bas Sfjenia ber 'Solkskirdje
(u. a. 215. Stapel) sur 6prad)e.

$eft 2: @lert, SBertter, Karl 33artf)0 Snbcf bcr ocr=
botenen SBÜdjer. einzeln etroa 60 <Bfg.

®eaenioottsfragen
in bcr neitteftamentlid)en 3Biffenfri)aft

«Bon ^rof. D. S)r. 3. Ü e t p 0 l b t.

1935. IV, 133 6. gm 3.80

3 n h a 11: 3efus als Kämpfer. Wat 3efus 3ube ? «Mrtgemäfjes
CSbriftcntum.

2In einer großen 'ftetbe reiner Satfaajen obne jebe «Berjerrung
unb ofjne jebes ,23erfd)roeigen erfdjeint hier ber ©briftus, ben
mir beute brauchen, unb ber nod) äugleid) ber in ber ®efd)id)te
rotrkltd)e Gb"ftus ift.

SDer 25rief bes Paulus an bie ^ilipper

■J3on <Brof. D. <TJ511 rj e I m t d) a e 11 s.
1935. VIII, 77 6. 9*9H. 1.90, geb. «MK. 3.—

3)iefes «IBerk bildet <23anb 11 oon: Sfjeologifdjer S)anb-
ttommenlar mm 3?euen Seftament.

3u begeben burd) jebe <8ud)banb(ung.

■21. SDeicrjcrtfchc 33erlogsbud)f)onblung, fietyjtg

Beiliegend das 1. Heft (Jahrg. XIV) des .Bibliographischen Beiblattes".
Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 13. April 1935.

Verantwortlich: Prof. D. W. Bauer in Göttingen, Düstere Eichenweg 14; für den Anzeigenteil: C. Kunze, Leipzig.
Verlag der J. C. H i n r i ch s'schen Buchhandlung in Leipzig C 1, Scherlstraße 2. — Druckerei Bauer in Marburg.