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Ausgabe:

1935 Nr. 6

Spalte:

105

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Krüger, Gustav

Titel/Untertitel:

A Decade of Research in Early Christian Literature, 1921-1930 1935

Rezensent:

Heussi, Karl

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105

Theologische Literaturzeitung 1935 Nr. 6.

106

Text wohl überwiegend der ihnen vertrauten Wiedergabe
von C. Schmidt bedienen. Doch ist der für die Erklärung
so bequem bereit gestellte Stoff auch für sie von größtem
Nutzen.

Göttingen. VC. Bauer.

Krüger, Gustav: A Decade of Research in Early Christian
Literature, 1921 — 1930. Cambridge, Mass.: Harvard University
Press 1Q33. (149 S.) gr. 8°. = The Harvard Theological Review, Vol.
XXVI, Nr. 3—4, Jury — Oct. 1933.
Auf diese treffliche Übersicht über die in dem genannten Jahrzehnt
der altchristlichen Literatur gewidmete historisch-kritische Arbeit soll an
dieser Stelle nachdrücklich hingewiesen werden; stammt sie doch von
einem Forscher, der die wissenschaftlichen Fortschritte auf diesem Felde,
allezeit lernbereit und aufnahmefähig, nun schon ein halbes Jahrhundert
lang verfolgt hat. Wir erhalten in den einzelnen Kapiteln und Unterabschnitten
, auf die der Stoff geschickt verteilt ist, jedesmal eine sehr
gründliche, die deutsche wie die außerdeutsche Forschung umfassende
Bibliographie, der dann in zusammenhängendem Text eine kurze Besprechung
der wichtigsten der genannten Arbeiten folgt. Nicht nur diese
äußere Anordnung weckt wehmütige Erinnerungen an unsern alten Theologischen
Jahresbericht, der leider mit dem Jahrgang 1912 sein Dasein
beschloß und um den der Verf. des vorliegenden Überblicks, ein großes
Verdienst hatte.

ien!1 Karl H eu ss i.

Hermelink, Prof. D. Dr. Heinrich: Die Eigenart der Reformation
in Württemberg. Vortrag z. Feier d. 400jähr. Gedächtnisses
d. Einführung d. Reformation i. Württ. geh. i. d. Stiftskirche
i Tübingen am 8. 7. 34. Tübingen : J. C. B. Mohr 1924. (36 S.) 8°.

RM. 1.50.

Es ist erfreulich, daß die württ. Reformationsgeschichte
in weiteren Kreisen Beachtung findet; Joh.
Haller, Hanns Rückert und Karl Bauer haben sie als
Nichtwürttemberger gewürdigt. Nun zieht Hermelink
einen Vergleich zwischen Württemberg und Hessen, was
sehr zu begrüßen ist, in einem Vortrag, den er zum
württ. Reformationsjubiläum in der Tübinger Stiftskirche
gehalten hat. In beiden Ländern lag ein Ausgleich
zwischen der lutherischen und oberdeutsch-bucerischen
Art nahe; die Lösung der Frage führte in Hessen zur
Trennung, in Württemberg zu einem weitherzigen, ganz
biblisch orientierten Luthertum, das in der Auseinandersetzung
mit den außerkirchlichen Strömungen des Täu-
fertums, Schwenkfelds und des Pietismus zu wahrer
Ökumenizität kam. So steht neben Schnepf Blarer, neben
Brenz Alber, neben Kaspar üräter, der mehr Beachtung
noch verdient, Joh. Engelmann. Die Bibel steht
im Vordergrund, nicht die Organisation. In der Kirchen-
und Landesordnung weist H. das hessische Vorbild
nach; auch in der Eheordnung ist es zu spüren und mit
Recht vermutet H.. daß auch in der Gottesdienstordnung
durch Vermittlung eines Schnepf und Öttinger der hessische
Einfluß anzunehmen ist, wie das für die Kastenordnung
feststeht. Alle diese Ordnungen lagen 1536
fertig vor. Dankenswert ist der Hinweis auf die zahlreichen
Laien wie Feige, Bidembach, Lüders, Nik. Mayer,
die ihre in hessischem Dienst erprobten Kräfte für Württemberg
nutzbar machten. Schade ist, daß H. nicht nach
weiteren Anhaltspunkten für die aus Hessen nach Württemberg
gekommenen Theologen Wenz. Strauß und Joh.
Bock suchte. Der letztere könnte der von Kathanna
Zell o-erühmte Prediger in Wildbad sein, wenn es Öttinger
nicht ist. (Vgl. Schieß, Blarer-Briefwechsel 1, 558
zu S. 28). H. zeigt, wie der Gedanke, daß Beamtentum
, Kirche und Staat aus dem Evangelium heraus dem
gemeinen Nutzen dienen müssen, in beiden Ländern
durchschlug und zur Erziehung von tüchtigen Beamten
, Pfarrern und Lehrern trieb. Bei der Aufzählung der
Männer, die den Dienst Hessens von Württemberg
aus zurückerstatteten, hätten auch Wurster und Schöll
erwähnt werden dürfen. Das Gemeindeleben verlief gemäß
der Bucerschen Kirchenzucht und Konfirmation
in Hessen etwas anders als in dem pietistisch bewegten
Württemberg.

Zu berichtigen ist S. 10 1533 statt 1535, S. 17 Martin Nüttel statt
Kaspar. S. 18 sind Landes- und Kastenordnung auseinanderzuhalten.

Die Erwähnung des Briefwechsels zwischen Ulrich und Philipp läßt den
Wunsch nach der Veröffentlichuug des ganzen Briefwechsels des Herzogs
wach werden. S. 27 ist zu Öttinger zu bemerken, daß sein Vater wohl
in badischem Dienst vermutlich in Ettlingen, der Heimat des Kaspar
Hedio und Franz Irenicus, stand und nicht der Ulmer Stadtschreiber ist.

H. hat vergeblich in den Matrikeln gesucht, wo Öttinger studiert
habe. In seiner Tüb. Matrikel 92, 10 kommt ein Konrad Etling von
Blochingen am 8. Jan. 1529 unmittelbar hinter dem am 3. Januar inskribierten
hessischen Edeln Jakob Tresch. Sollte Öttinger 1529 (zum 2.
Mal ?) die Universität für kurze Zeit bezogen haben und durch Treschs
Vermittlung erst 1529 nach Hessen gekommen sein, was zu seiner Bitte
um Gehaltszulage vom A1ärz 1530 paßte? Der in der Matrikel 113,34
erwähnte Paulus Oettingerus Reutlingensis (6. Aug. 1539) kann der Sohn
Ottingers sein, der ca 1521/7 noch in Reutlingen geboren sein dürfte,
1530 (S. 26) „ein jung unerzogen Kind" heißt und dem 1534 ein
hessisches Stipendium in Aussicht gestellt wird. Seinen letzten Gehalt
j als Hofprediger Ulrichs erhielt Öttinger am 14. Sept. 1540 nach der
I Landsehreibereirechnung, während am 13. Dez. seine namenlose Witwe
) genannt ist. Sein Nachfolger Gräter ist noch am 29. Sept. 1540 in
Cannstatt. (Corp. Schwenckf. 7, 179). Man fragt sich, ob Öttinger mit
Alber in Freiburg studiert hat und durch ihn nach Reutlingen kam und
woher die Beziehung Öttingers zu Eßlingen stammt. U. U. ist er identisch
mit Conradus Conradi aus Heidelberg! (Töpke 1,512) und durch
Ludw. Hirter (Töpke 1,495) nach Reutlingen gekommen. Jedenfalls verdient
der Mann ebenso wie Bock und Strauß weitere Beachtung in Württemberg
und Hessen.

Horb- G. Bossert.

Gürsching, Dr. Heinrich: Die Unionspolitik der Reichsstadt
Nürnberg vor dem Dreißigjährigen Kriege (1608—1618). München:
Chr. Kaiser 1932. (VIII, 94 S.) gr. 8°. = Einzelarbeiten a. d. Kirchengesch
. Bayerns hrsg. v. Verein f. bay. Kirchengesch. u. verantw. Schriftltg.
v. K- Schornbaum. XIV. Bd. rm 3—.

Diese kleine, aus einer größeren, seit 1922 abgeschlossenen
Arbeit zusammengedrängte Studie zur politischen
Reichsgeschichte vor dem Beginne des großen
Krieges zeichnet sich durch mancherlei historisch-politische
allgemeine Beobachtungen aus, über die man gerade
heute nicht hinwegliest, z. B.: Man kann füglich
fragen, ob sich nicht, wie es wahrscheinlich ist, die
j größeren politisch-kulturellen Spannungen jener Zeit der
| innerdeutschen Religionsgegensätze zu ihrem eigenen
Austragen bedienten, sie erst an ihrer Glut entzündend,
! oder ob umgekehrt die außerdeutschen Machtfaktoren
I mit ihren politischen Sonderzielen in den „Religionskrieg
" hineingezogen worden sind (S. 4), oder: Die Ge-
i sandten mußten sich sagen lassen, die Reichswohlfahrt
hinge nicht an der Öffnung dieser oder jener Kirchentür
j (S. Ö8), oder: Die lebhafte und sinnverwirrende Auf-
I machung der Union für die große Öffentlichkeit, die man
l Friedrich V. (von der Pfalz) verdankte, der phrasen-
! geschmückte Glanz heterogener Auslandsbeziehungen,
I mit dessen Hilfe man drohen und blenden wollte, all
i das ging Hand in Hand mit der festen Überzeugung wei-
j ter Unionskreise, daß durch solche Mittel nicht einer
neuen Erstarkung des Bundes, sondern seinem endgül-
l tigen Zerfall Vorschub geleistet werde (S. 73). Solche
Betrachtungen, oft nicht zu den Annehmlichkeiten von
Anfängerarbeiten gehörend, sind hier als sehr am Platze
zu begrüßen und führen in das weitschichtige Milieu
glänzend ein. —

Die Union war eine politische Angelegenheit, die
nur im Westen des Reichs zu Bedeutung und Wirksamkeit
kam. Da war der Pfalzgraf-Kurfürst, da waren die
Grafen und Städte am Rhein die geborenen Führer und
: die aktiven Mitglieder der Organisation und ihrer Unternehmungen
. Auch die Stellung zu den beiden politischen
und kriegerischen Hauptfragen der Union, die Haltung
im jülich-klevischen Erbfolgestreite und bei der Schleifung
der Speyerischen Festung Udenheim — die erst
einige Jahre später Philippsburg wurde — war ganz
und gar bedingt durch die allgemeine politische und
militärische Lage an der offenen Westgrenze des Reichs.
Nürnberg hatte an sich dahin keinerlei Bindungen: es
war nach Osten hin orientiert und stand nicht der nach
Frankreich offenen Grenze des Reichs, sondern der in
Böhmen, Österreich und Ungarn kompakt massierten
Hausmacht des Kaisers und des Reichs gegenüber. Nürn-