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Ausgabe:

1935 Nr. 4

Spalte:

71-72

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Stange, Carl

Titel/Untertitel:

Die Bedeutung des Gebetes für die Gotteserkenntnis 1935

Rezensent:

Jelke, Robert

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung 1935 Nr. 4.

72

Schließlich kommt Sch. auf 30 Seiten zu einem Gesamturteil
über B.s wissenschaftlichen und persönlichen
Charakter. Sch. versucht in diesem Abschnitt keine allgemeine
Rettung B.s mehr. Auch da, wo er in der Darstellung
zuvor B.s Tätigkeit und Leistung zu verteidigen
suchte, lehnt er hier so manches und schließlich den
Mann als Kirchenpolitiker und als Gelehrten bezw. als
Schriftsteller völlig ab. Darnach bliebe nur das nicht
ganz unsympathische Bild eines freundlichen alten Pastors
, der für seine Kapläne und — etwas bedenklich —
für den Anhang seiner oft wechselnden Wirtschafterinnen
ein sorgsamer und besorgter Hausvater war. Das ist das
Endurteil, das Sch. schließlich über B. abgibt:

Alles in allem: Binterims Persönlichkeit hat starke Licht- und
Schattenseiten. Es ist wahr, daß der vielgeschäftige Mann auf kirchenpolitischem
Gebiete im großen und ganzen keine glückliche Hand hatte,
daß er einen wesentlichen Teil der Schuld trägt, wenn das Verhältnis
zwischen Rom und Deutschland auf längere Zeit getrübt, wenn nicht
vergiftet wurde, und daß er manchen verdienten Männern ohne Not
große Schwierigkeiten bereitet hat. Insbesondere wirkt seine freiwillige
lichtscheue Korrespondenz mit den höchsten kirchlichen Stellen abstoßend.
Auf der anderen Seite aber gab er seinen Mitbrüdern ein leuchtendes
Beispiel ehernen Fleißes und förderte unter seinen Zeitgenossen die
Liebe zur Wissenschaft, namentlich zur kirchenhistorischen, sogar dann,
wenn er nicht bloß zur Arbeit anregte, sondern auch zum Widerspruch
herausforderte. Seine zum Teil sehr umfangreichen Werke bedeuten
trotz aller Mängel eine anerkennenswerte Bereicherung der theologischen
Literatur. Schließlich gehörte Mut dazu, durch Schrift und Tat — wenn
auch mit mehr oder weniger Recht und Glück — in gefährlicher Zeit
gelehrte und kirchenpolitische Fragen zu erörtern, mochte es sich nun
handeln um die Verteidigung der katholischen Lehre und der kirchlichen
Rechte im weltlichen Staat, oder der Rechte des niederen Klerus im
Organismus der Kirche, die ihm zu seiner Zeit verkürzt schienen. All
dies und das idyllische Pfarrhaus in Bilk, wo der väterliche
und freundliche B. sich von seiner menschlich
anziehenden Seite zeigte, ist geeignet, mit den Schatten seines
Charakters und Wirkens zu versöhnen. Die vielen Kämpfe und Leiden,
Hoffnungen und Enttäuschungen geben seiner Persönlichkeit eine Tragik,
deren geheimnisvoller Anziehungskraft sich nach seinem Tode wohl auch
diejenigen nicht ganz entziehen konnten, die ihm im Leben kämpfend
gegenüber standen.

Dazu schreibt aber niemand ein so dickes, in mancher
Hinsicht recht sorgfältiges und gut ausgestattetes
Buch. Das ganze ist — beneidenswert zeitlos und mona-
stisch!

Berlin. Otto Lerche.

Stange, Prof. D.Karl: Die Bedeutung des Gebetes für die
Gotteserkenntnis. Gütersloh: C. Bertelsmann 1933. (43. S.)
gr. 8°. = Studien des apologet. Seminars. Hrsg. i. A. d. Vorstandes
von E. Stange. H. 37. kart. RM 1.40.

Alle philosophische Welterklärung mündet in eine
reine Verneinung aus. Nur da, wo sich der Mensch
seines Eingegliedertseins in den Zusammenhang der Welt
bewußt wird, kommt es zu positiven Verstehen der gesamten
ihn umgebenden Welt. Dabei muß sich das Gefühl
des Abstandes mit dem Gefühl der Lebensverbun-
denheit erfüllen, so wird aus der Ehrfurcht der Glaube.
Sein Wesen besteht darin, daß er die Gewißheit der
Lebensverbundenheit mit dem in unserm Weltverhältnis
uns begegnenden Jenseits des uns in der Welt gegebenen
Lebens ist. Beim Glauben handelt es sich um
einen Lebensvorgang, durch den in uns ein neues Leben
entsteht. Das Auftreten dieses neuen Lebens aber vollzieht
sich in einzelnen Regungen, und diese Regungen
sind das Gebet. Nur im Gebet ist uns die Vorstellung
von Gott gegeben. Es ist infolge dessen der einzige
Weg zur Erkenntnis Gottes. Von besonderer Bedeutung
für die Gotteserkenntnis ist vor allem das Bittgebet
. Seine eigentliche Bedeutung tritt immer deutlicher
zutage, je mehr die Übung des Bittgebetes die Gotteserkenntnis
vertieft, bis schließlich Gott in keiner Weise
mehr der Welt, sondern die Welt bedingungslos Gott
untergeordnet wird und damit in allem Geschehen in
der Welt Gott erkannt wird. Dem Verhalten des Menschen
, das im Bittgebet zum Ausdruck kommt, entspricht
das Christentum, speziell das Christentum Luthers. In der
Not der Sünde sollen wir Gott um Hilfe anrufen. Nur

: dann sind wir der Sünde gegenüber wehrlos, wenn wir
! die Fähigkeit zum Gebet verloren haben. Freilich geht
die Fähigkeit zum Gebet verloren, wenn man sie nicht
übt. Deshalb soll man mit dem Gebet nicht warten,
bis die Versuchung kommt. Es gehört vielmehr zu
den Bedingungen eines gesunden Christenlebens, daß
man beständig in der Übung des Gebetes bleibt. Aus
! dem Gebet stammt alle Gotteserkenntnis, im Gebet
kommt es zu immer größerer Vertiefung der Gotteserkenntnis
, im Gebet haben wir zugleich den Lebensvorgang
, in welchem das von Gott uns zugedachte Heil
uns zu eigen wird.

Das sind in ,Kürze die reichen Gedanken unserer
, Schrift. Wenn man sie liest, muten sie einem so selbst-
I verständlich an, daß man sich wundert, daß sie nicht
schon längst einmal gedacht, vorgetragen und geschrieben
sind. Man muß unserm Autor Dank wissen, daß
er so alle Theologen und damit jeden Theologen unerbittlich
an den Punkt geführt hat, wo es ein Ausweichen
nicht gibt. Ora et labora; das und nichts anderes klingt
i dem Theologen aus dieser Schrift entgegen. Dabei ist
! sie nichts weniger als ein erbaulicher Traktat; zum
Teil — vorab im ersten Abschnitte — merkt man den
allem Speculativen gewiß nicht abholden Denker Stange
sehr wohl. Aber das erhöht nur den Reiz der beachtenswerten
Arbeit, die unter den „Studien des Apologetischen
Seminars" besonders genannt zu werden verdient.
Heidelberg. Robert Jelke.

Clarke, W. K. Lowther, D. D.: Liturgy and Worship. A Com-
panion to the Prayer Books of the Anglican Communion. With the
assistance of Charles Harris, D.D. London: S. P. C. K. 1932.
(VII, 868 S.) 8°. 15- sh.

Alle 31 Aufsätze des starken Bandes bewegen sich
„rund um das Common Prayer Book". Sie bilden insgesamt
nicht einen Kommentar, sondern a oompanion.
Geplant war ursprünglich, wie der Herausgeber berichtet
, ein Kommentar zu dem zu erwartenden revidierten

i CPB; als das Parlament dessen Ausgabe verhinderte,
wurde der Plan in anderer Form und mit Beziehung
auf das CPB in seiner bisherigen Gestalt durchgeführt.

i Der Editor Clarke hat außer der Einführung 9 eigene
Beiträge geliefert, sein Helfer Harris 4; sonst ist noch

; K. D. Mackenzie mehrfach beteiligt; die Mehrzahl der

; Verfasser ist nur einmal vertreten. Alle Mitarbeiter bis
auf 2 sind Priester der Kirche von England. Der Umfang
der Beiträge ist recht verschieden. Daß der Aufsatz
The Eucharist in East and West über 40 S. zählt,

1 ist sehr berechtigt; er gibt ja eine Übersicht über die
umfassende geschichtliche Entwicklung; aber ein Beitrag
, der die Visitation of the Sick behandelt, ist noch
länger, und daneben steht ein über 70 S. zählender Aufsatz
The Communion of the Sick. Das hat nun freilich
besondere Gründe. Zwar ist die gesamte Geschichte

1 des Gottesdienstes mitberücksichtigt, aber im Vordergrund
steht doch durchaus das CPB; und außerdem ist

! der Eucharistie einerseits, den im 20. Jahrh. brennend
gewordenen Problemen anderseits absichtlich besondere
Aufmerksamkeit gewidmet. Um die Kommunion für die
Kranken aber ging es sehr stark in dem Streit der letzten
Zeit. Zu diesen Richtlinien paßt ebenso die Ausführlichkeit
des The Holy Communion Service behandelnden
Beitrags (über 70 S.) wie die Aufnahme je eines
Aufsatzes über Liturgical Silence und das Extempore
Prayer. Alle Stücke des CPB sind einzeln behandelt;
auch der Krönungsgottesdienst. Darüber hinaus kommen
allgemeine Themata, wie das Kalendariutn, Fasten und

: Abstinenz, die Leseordnung u. a. zur Besprechung. Auch

; der historische Teil beschäftigt sich großenteils mit dem

i CPB dessen Geschichte ein gutes Drittel dieses Teils
gewidmet wird. Es war aber die Absicht, die anglikanischen
liturgischen Probleme against a background of
wider Knowledge — of worship in general zu studieren;

[ daher fanden Aufsätze über den Gottesdienst im Allgemeinen
, im A.T., in der Synagoge des ersten Jahrh. und
über die Gesamtentwicklung der Eucharistie Aufnahme.