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Ausgabe:

1935 Nr. 2

Spalte:

29

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bleeker, L.H.K.

Titel/Untertitel:

De kleinen Profeten II 1935

Rezensent:

Caspari, Wilhelm

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Theologische Literaturzeitung 1935 Nr. 2.

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senen Bünden aus müßte das Verständnis des Bundes
mit Israel gesucht werden — während Newton im üblichen
Anschlüsse an die Tradition umgekehrt vorgeht; —
und schon hier zeigt sich, wie vorsichtig und kritisch
der Bundescredanke gesichtet werden müßte, ehe er sich

für Neues Testament auch in dieser Zeitschrift (1930,
368f.; 1931, 151/53) bekannt worden. Im vorliegenden
Buch bewegt er sich auf demselben Boden wie in der
zweitgenannten Arbeit, auf dem Boden der beginnenden
römischen Kaisergeschichte und des Urchristentums. Mit

wenn überhaupt — zum Ansätze einer biblischen j erschöpfendem Aufgebot der Literatur zum antiken Herr-

Theolocrie eignen würde. Hindernisse, deren der Vf. nicht | scher- und Heldenkult wie der Literatur zum Gottes-

Herr wird oder die er sich selbst zuzieht, treten schon j sohntitel Jesu, mit klarer Gedankenführung und Sprache

anderswo auf. Um wenigstens eines zu nennen, so ist j müht sich der altphilologisch und althistorisch geschulte

ihm der Ausdruck „Schriftprofeten" — writing pr. —
ohne Weiteres eine literaturgeschichtliche Behauptung:
durch Aufzeichnung hinterlassen Profeten ihre Werke
der Nachwelt. Die von dieser Gesamtvoraussetzung beeinflußte
Einzel-Auslegung bleibt dem Original-Sinne
mehr schuldig als man zu Anfang erwartet.

Kiel. Wilhelm Caspari.

Bleeker, Prof. Dr. L. H. K.: De kleinen Profeten II. Joel,
Obadja, Jona, Micha. Groningen: J. B. Wolters 1934. (192 S.) 8°. =
Tekst en Uitleg, prakt. Bijbelverklaring, hrsg. v. Böhl u. von Veld-
huizen. I. het oude Testament. Fl. 2.90.

Das, durchweg mit reichhaltiger Gelehrsamkeit, strek-
kenweise zugleich mit herzlicher Wärme geschriebene,
Bandchen setzt das über Hosea und Arnos vorausgegangene
fort. Jona soll nicht allegorisiert werden, ist
aber eine reine Lehrerzählung von der Geduld, Beharrlichkeit
und weitherzigen Güte Gottes. Samt dem sog.
Jona-Psalm, der vielleicht ein Dank Schiffbrüchiger war,
darf auch das Abenteuer mit dem Fisch aufgegeben
werden; der dazu erforderliche Übergang von 1,15 zu
3,1 bleibt dahingestellt. Die Nachbarschaft zu Mika
im hebräischen Kanon befolgt II. Reg. 14,25 —
Die Parallele Jon. 49 zu Obadja wird in Kolumne vorgelegt
. In Ob. 15 besteht eine literarische Verschränkung
der beiden Halbverse: ein früh - nachexilischer
Schlußteil knüpft an ein exilisches Zwischenstück (V
11 ff.) an. V 1—10 sind älter, wegen des Platzes Obad-
jas in der hbr. Reihe. — Dem Willen und Ansätze zur
fortschreitenden Erkenntnis der Profeten steht andererseits
auch konventionelle Gelehrsamkeit gegenüber, wohl
hauptsächlich zu Mika. So ist in M. 6, 6 ff. der
„Mensch" der gewöhnliche Judäer. Er wird über die
Entbehrlichkeit des Kults aufgeklärt. Der „Wandel mit
Gott" ist der Glaube, und Liebe bewahrt den Rechtssinn
vor Härte. Zuerst sollte die Frage gestellt werden,
wer der „Mensch" sei; was sonst als Inhalt der Verse
angegeben ist, wäre freilich unalttestamentlich, aber nicht
deshalb schon neutestamentlich. Traditon erschwert
auch dem umsichtigen Ausleger den unmittelbaren Zutritt
zum Original; was wir von dort zu hören bekommen
, muß etwas in alttestamentlichen Grenzen Vorstellbares
sein. Den Anschluß des Auslegers an eine internationale
Schriftgelehrsamkeit bezeugen zu den einzelnen
Profeten wertvolle Literatur-Verzeichnisse; aber gegen
diesen Anschluß dürfen hier und da Einwände zugunsten
eines möglichst lebensvollen Geschichtsbildes rege werden
. Zwischen der Wirklichkeit von einst und dem Bemühen
um gegenwartnahe Gestaltung des Erbes besteht
eine Spannung; sobald letzteres unwirklich zu erscheinen
anfinge, würde es auch unergiebig. Dagegen
bietet eine spröde Vergangenheit immer etwas, das Späte
noch brauchen können — weil schon jene Menschen
vor Gott standen und wir ebenfalls. — Wie bisher ist
die äußere Ausstattung auch dieses Bändchens haltbar
, bequem, gefällig.

Kiel. Wilhelm Caspari.

Lösch, Stephan: Deitas Jesu und antike Apotheose. Ein Beitrag
zur Exegese u. Religionsgeschichte. Rottenburg a. N.: Bader-
sche Verlagsbuchhandlung 1933. (XV, 137 S.) 8°. RM 7.50.

Durch seine Sammlung von Aktenstücken und Briefen
zur Geschichte Joh. Adam Möhlers (1928) und durch
seine Studie über „Epistula Claudiana und Urchristenr
tum" (1930) ist der Tübinger katholische Ordinarius

und geprüfte und als guter Lehrpraktiker bewährte Verfasser
um die Frage: Ist es zum Glauben an die Deitas
Jesu geradeso gekommen, wie die hellenistische Zeit
zur Apotheose der Kaiser und Helden kam? Oder besagte
bei Jesus von Nazareth der Titel Gottessohn mehr
als bei den Herrschern und Helden der Antike?

In einem ersten Abschnitt wird dargetan, daß auch den Verfassern
der neutestamentl. Schriften die antike Apotheose bekannt war (Apg. 12,
20 ff.; 14, 7 ff), daß von ihnen aber jegliche Apotheose scharf abgelehnt
wurde (vgl. bes. Apg. 10, 26 mit Luk. 5, 8). Ein zweiter Abschnitt bringt
den interessanten, reichlichen Nachweis, daß die Apotheose keineswegs
allgemein anerkannt, sondern von vielen, und zwar führenden, Nicht-
christen bekämpft wurde. Erst im dritten, schwierigen Abschnitt gelangt
die Untersuchung an die neutestamentl. Schriften u. zwar an das pau-
linische Schrifttum. Paulus kann eine Apotheose Jesu nicht geschaffen
haben, denn sie hätte seiner ganzen Predigt nur geschadet, nicht genützt
; aber auch Lukas 1 u. 2 liegen keine hellenistischen, sondern
judenchristliche Quellen zu Grunde: dies ist das Ergebnis des 3. Abschnitts
. Der letzte, vierte, Abschnitt prüft die Gottessohn-Aussagen (der
Dämonischen, des Petrus, Jesus selbst) bei den Synoptikern und bei Johannes
und stellt überall mehr als bloße Vergöttlichung eines Menschen,
vielmehr Offenbarung des schon vorhandenen Göttlichen in der Person
Jesu fest.

Zwar hält Rez. die Folgerungen des Verf. hier nicht
immer für ganz schlüssig, anerkennt aber die große
Umsicht und Vorsicht desselben in Verwertung einzelner
Ergebnisse. Die Arbeit ist im ganzen ein sehr beachtenswerter
Beitrag zur Christologie auf Grund der neutestamentl
. Schriften und ihres hellenistischen Umkreises,
um so beachtenswerter, als die christologische Hauptfrage
von theologischer Seite in der hier versuchten
Weise bisher noch nicht geprüft wurde. Gute Register
am Schluß zeugen für die peinlich saubere Arbeitsweise
des Verfassers. Einige Irrtümer im sonst trefflichen
Druck wurden dem Verfasser unmittelbar zu Wissen
getan.

Tettnang, Württ. Wilhelm Koch.

Fritz, D. F.: Ulmische Kirchengeschichte vom Interim bis
zum dreißigjährigen Krieg (1548 — 1612). Stuttgart: Chr.
Scheufeie o. J. (VIII, 326 S.) 8°. = Durchgeseh. u. durch Beigabe
v. Registern vermehrter Sonderabdr. a. d. Blättern f. württ. Kirchengesch
. RM 3—.

Der Verfasser hat es unternommen, die Geschicke
der ev. Kirche im Gebiet der Reichsstadt Ulm vom Interim
bis zum Beginn des dreißigjährigen Krieges darzustellen
. Es ist die Zeit, an der sonst die lokale Kirchengeschichtsschreibung
kurz vorbeigeht; der Abstand
gegen die Zeit des Beginnes der ev. Kirche dünkt zu
groß zu sein. Und doch rechtfertigt hier die Darstellung
den Versuch. Der Verfasser hat es verstanden die mannigfachen
Linien dieser Zeit in der Geschichte der Ulmer
Kirche klar heraus zu stellen und durch Aufweisung
ihrer wechselvollen Beziehungen ein lebensvolles, fesselndes
Bild zu zeichnen.

Seinen Ausgangspunkt nimmt der Verfasser beim
Interim, mit vollem Recht. Denn in dem Verlauf des
Interims liegen für die Ulmische Kirche die Richtlinien
begründet, die bis zum Ende der Reichsstädtischen Zeit
bestimmend waren. Dadurch, daß sich der Rat nicht
den schmalkaldischen Bundesgenossen anschloß, war
auch die Möglichkeit genommen, den rein evangelischen
Charakter der Reichsstadt durchzusetzen. Wenn auch
die katholische Gemeinde bis zum Ende der reichsstädtischen
Zeit klein genug war, die Gunst des Kaisers,
die Zugehörigkeit so mancher Ratsherren zu ihr verhinderte
, daß die Bemühungen der Superintendenten, eine