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Ausgabe:

1935 Nr. 26

Spalte:

472-473

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Koch, Karl

Titel/Untertitel:

Geschichte der Christianisierung Deutschlands 1935

Rezensent:

Wolf, Ernst

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Theologische Literaturzeitung 1935 Nr. 26.

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Schluß an das Buch Buonaiutis mit diesem Titel (Modena 1934). Ebenso
P. Qrassi S. 530—533 über ,Aromi inutili' mit Bezugnahme auf
die Gewürze und Salben, die die Frauen für den Leichnam Jesu bereitet
hatten. — C. Rocchi handelt S. 439 — 448 von der Bedeutung, die
„Das Reich Gottes und sein Bevorstehen" für das religiöse Leben des
Einzelnen und der Gesamtheit hat. — J. Schnitzer legt unter dem i
Titel ,Paulus und die Sünde des Christen', S. 539 —545, dar, ;
daß der Apostel, obwohl er schweren Verfehlungen in seinen Gemein- ;
den gegenübersteht, keine kirchliche Nachlassungsgewalt für Sünden nach
der Taufe kennt, aber anderseits getaufte Sünder auch nicht verloren gibt.
K i rchen gesch i ch te. Altertum. J.Schnitzer sucht in seinem
Aufsatz, Minucius Felix und die Feuerbestattung' S. 32
bis 44 (es ist die Studie, die er in seiner Abhandlung über die
religions - psychologische Grundlage der Feuerbestattung 1933, S. 31 !
A. 11, angekündigt hat, siehe diese Ztg. 1934, Sp. 366 f.) nachzuweisen
, daß im Octavius gegenüber der Behauptung des Heiden j
Cäcilius in 11, 4: inde videlicet et execrantur rogos et damnant ignium
seputturas (sc. Christiani) der Christ 34, 10 offenbar erkläre: nee, ut cre-
ditis, ullum damnum (ignis oder ignium) sepulturae timemus, sed veterem etmeli- j
crem consuetudinem humandi frequentamus, ein ignis oder ignium also
in der Handschrift ausgefallen oder weggelassen worden sein müsse.
Zugleich zeigt er, daß die darin ausgesprochene Anschauung die der j
altgriechischen Schriftsteller überhaupt ist, die Feuerbestattung also nicht
an sich und grundsätzlich verworfen, und das Begräbnis nur als die j
ältere und bessere Gepflogenheit vorgezogen würde. Nun ist die Möglichkeit
, daß ignium infolge der gleichen Endung (damnum) ausgefallen [
ist, sicher zuzugeben. Aber mir will scheinen, daß der Sinn der Stelle
auch ohne diese Ergänzung auf dasselbe hinausläuft. Nachdem Octavius
vorher gesagt hat, daß jeder Körper, wie immer er sich auch aufgelöst
haben möge, bloß uns Menschen entzogen, für Gott, den Erhalter der
Elemente, aber noch vorhanden sei, fährt er fort: so fürchten wir auch
nicht irgend einen Verlust durch die sepultura, d. h. (wie z. B. A. Müller
in der .Bibliothek der Kirchenväter'2 1913, S. 74 übersetzt) durch die
Art der Totenbestattung, aber wir üben usw. — A. Pincherle beschließt
seine Abhandlungsreihe, Jl Decennio di preparazione
di Sant' Agostino' 386-396 (siehe diese Ztg. 1934, Sp. 195)
S. 215 — 249 mit V. ,La crisi resolutiva': in seinem Werke De I
div. quaest. ad Simplic, worin Augustin uns an seinem Denkfortschritt
teilnehmen läßt, erbt noch in Hb. I quaest. 1 (zu Rom. 7, 7 — 25) die |
Menschheit von Adam nur die Sterblichkeit, also nicht die Sünde, j
sondern nur die Strafe, und auch die Begierlichkeit ist nur eine Folge j
der Sterblichkeit, also ebenfalls nur Strafe. Dagegen treten in quaest. j
2 (über Rom. 9, 10—29) zum erstenmal die neuen Grundgedanken
seiner Theologie von Gnade und Prädestination hervor, wonach die I
Menschheit durch Adams Sünde nicht bloß in den Tod, sondern auch |
in die Sünde selbst verstrickt ist und die Begierlichkeit zur Erbsünde I
gehört, der Anfang des Glaubens von Gott ausgeht und die .Verhärtung
des Herzens' im Nichtgebrauch der Barmherzigkeit von Seiten Gottes j
bestellt. Der Ausdruck massa ist allerdings noch nicht gebraucht, aber
auch durch den erklärten Schriftabschnitt nicht nahegelegt. Daß hier der
Wendepunkt liegt, bezeugt A. später selbst in seinen Rückblicken.
Mittelalter. B. Du ff schildert S. 301—314 nach der vita Bcniardi
des Wilhelm von St. Theoderich den Gang der ,Berufung des hl.
Bernard' bis zur Gründung des Klosters Clairvaux und seiner Priesterweihe
von der Hand Wilhelms von Champeaux, des Bischofs von Chalons-
sur-Marne. — Neuzeit. S. 153—161 giebt S. Riva einen kurzen
Ueberblick über ,Die Religion in der englischen Dichtung' i
von der Reformation bis zur Gegenwart, A. Dännerivi S. 333—345
über den ,Geist der religiösen Musik im Italien des 17.
Jahrhunderts'. D ogm en ge s ch i ch t e. Fr. Ruffini führt uns
in seiner Abhandlung, Iproblemi della Riforma,I: La questi-
onedellibero arbitrio e della pre d es tina zione ', S. 45 i
bis 79, in raschem Gang durch die Streitigkeiten über Freien Willen
und Gnade bei Pelagius und Augustin (wobei auch der Rassengegensatz I
zwischen Nordländern und Südländern gestreift wird), bei den sog. |
Semipelagianern, bei Gottschalk, Luther, den beiden Socin, Calvin, I
Stancaro (der schließlich auf Petrus Lombardus zurückgriff), vom Konzil
von Trient bis zum Schluß der Congregatio de auxiliis gratiae 1602 j
einerseits, der Synode von Dordrecht 1618/19 andererseits. Der aus dem
Nachlaß des verstorbenen Senators S. 481 — 524 veröffentlichte II. Teil:
,La questione eucaristica' schildert zuerst den Streit zwischen I
Luther und Zwingli nebst Bullinger über das Abendmahl, der mit keiner
Verständigung, nicht einmal mit einem gegenseitigen Verständnis endete, |
geht dann auf die Haltung Melanchthons ein, legt hierauf die Anschauung
Calvins und des Johannes a Lasco dar und schließt mit Stancaro, |
mit dem sich Ruffini eingehend beschäftigt hat (siehe diese Ztg. 1934,
Sp. 196).

München. Hugo Koch.

Revue d'histoire ecclßsiastique. Fondee par A. Cauchie et P
Ladeuze. Directeurs: A. de Meyer, R. Draguet, R. Koerperich, J. Le-
bon, R. Maere, Ch. Terlinden et L. van der Essen. Universite Catho-
lique de Louvain. T. XXX. (1030 u. 60 S.) gr. 8°. = Louvain:
Bureaux de ia Revue 1934.

Ch. Mercier: L'esprit de Calvin et la democratie
gibt eine ansprechende Darstellung des viel verhandelten
Problemes: Calvinismus und Demokratie. C., der
hier scharf vom Calvinismus zu trennen ist, kennt die
souverainete du peuple nicht, leistet ihr aber Vorschub
durch seinen Ausbau der Gemeinde als eines lebendigen
Organismus und sein Eintreten für die Freiheiten
des Volkes. — Q. Constant beendet seine Studie:
Le reveil religieux en France au debut du XIXe siecle
durch Charakterisierung von de Maistre, Bonald, Ballan-
sche (aus Lyon, Vf. eines Buches „La ville des ex-
piations"), Lamennais (bei dem aber der Umschwung in
seinen Ansichten nicht klar wird), Lamartine, S.-Beuve. —
J. Duhr: A propos du De fide de Bachiarius verteidigt
seine R H E 24, 1928 aufgestellte These, die Schrift
De fide sei 383/84 geschrieben und an Hieronymus gerichtet
, gegen die Einwände von d'Ales (Rech, de science
relig. 23, 1933). — J. de Ghellinck: La carriere de
Pierre Lombard gibt auf Grund eines Mscr. des Trinity
College in Cambridge einige precisions chronologiques,
stellt u. a. das Todesjahr 1160 sicher. — G. Barra-
c 1 o u g h: Un document inedit sur la soustraction d'obe-
dience de 1398 teilt aus der Vaticana mit Avisamenta
necessaria pro ecclesiasticis, tarn prelatis quam aliis; quo-
modo se regent post substractionem von August 1398,
die neues Licht auf die entscheidende Pariser Synode
dieses Jahres werfen. — J. Thomas: Les ebionites
baptistes arbeitet aus den Ebioniten einen besonderen,
von den Essenern beeinflußten Täuferkreis heraus, entdeckt
dessen Spuren in den Pseudoclementinen und vollzieht
von da aus eine neue Quellenscheidung in denselben
. — L. Gougaud: La societe lettree de Londres
observee par un ecrivain francais en 1839 veröffentlicht
das Tagebuch von Alexis Francois Rio, eines Bre-
tonen, Verfasser eines Buches „L'art chretien"; Persönlichkeiten
wie Gladstone, Disraeli, Louis Napoleon, Alfred
de Vigny, Carlyle, Macaulay u. a. begegnen. — G.
Mo Hat: Les debuts de l'occupation francaise ä Rome
en 1849 d'apres une correspondance inedite veröffentlicht
aus den Manuskripten der Straßbuirger Universitätsbibliothek
die Briefe des französischen Agenten Caillier
an den in Paris befindlichen Grafen Gobineau. — P.
Galtier: A propos de la penitence primitive; metho-
des et oonclusions rechtfertigt sein 1932 erschienenes
Buch L'eglise et la remission des peches aux premiers
siecles gegenüber seinen Kritikern, vorab gegen Poschmann
in Theol. Rev. 1933; S. 267. Es handelt sich nach
G. um Versöhnung mit Gott, nicht nur mit der Kirche
durch den Priester. L'objet propre de la reconciliation
par l'eglise est la reconciliation avec Dieu lui-meme.
Natürlich kommt auch TertuUian de pudicitia zur Sprache
, aber G. begnügt sich mit Erörterung der Gründe,
die gegen Calixt als den bekämpften pontifex maximus
sprechen. Nach Behandlung von Augustin (De fide et
operibus) und der Iroscbotten begründet G. seine These
von der Existenz der Privatbuße seit TertuUian und stellt
die Formen der Absolvenden dar; die Bedeutung der
Irosehotten für die Verbreitung der Privatbuße ist einzuschränken
. — J. Zeiller: Le montanisme a-t-il penetre
en Illyricum? Die auf dem 3. internationalen Kongreß
für byzantinische Studien gehaltene Abhandlung hält
auf Grund des Briefes des Auxentius de vita et obitu
Wulfilae (vgl. Kauffmann: aus der Schule des Wulfila,
1899) in aller Vorsicht eine Bejahung der Frage für
möglich. — O. Lottin: Une question quodlibetique
inconnue de Godefroid de Fontaines, mitgeteilt aus
Mscr. G 30 der Universitätsbibliothek Löwen, herrührend
aus S. Jakob in Lüttich.

Die eingehenden Besprechungen und die Nachrichten
aus den verschiedenen Ländern nebst der Bibliographie
sind von bekannter Güte.

Heidelberg. W.Köhler.

Koch, Karl: Geschichte der Christianisierung Deutschlands.

München: J. Kösel & F. Pustet 1932. (44 S. u. 6 Ktn.) Lex. 8°.

RM 1.50.