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Ausgabe:

1935

Spalte:

465-467

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Künneth, Walter

Titel/Untertitel:

Antwort auf den Mythus 1935

Rezensent:

Witte, Johannes

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Seite 1, Seite 2

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES, Göttingen, und Prof. D. Dr. GEORG WOBBERMIN, Berlin

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER. GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften. Bearbeitet v.Bibliotheksrat Lic.Dr.phil. REICH, Bonn, u.Lic.H. SEESEMANN, Riga

Jährlich 26 Nrn.— Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

Manuskripte und gelehrte Mitteilungen «inrl ausschließlich an Professor L». BAUER in Göttingen. DüMere Eichenweg 14, iu senden,
Keiensionsexemplare a n ■ s c h 1 i e 11 i c h an den Verlae. Gewähr für Besprechung von unverlangt geftandicn Rezensionsexemplaren
, besonders noch bei Zusendung nach Göttingen, kann nicht übernommen werden.

l'rinted in Germany.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN BUCHHANDLUNG, LEIPZIG C 1

60. JAHRGANG. Nr. 26 21. DEZEMBER 1935

Spalte

Doerr: Das Institut der Inclusen in Süddeutschland
(Bossert)...........473

Eichrodt: Theologie des Alten Testaments
(Meinhold).................468

Hern tri ch: Neuheidentum und Christenglaube
(Witte)...............477

Jacob: Das erste Buch der Tora (Duensing) 467

Koch: Geschichte der Christianisierung

Spalte

Deutschlands (Wolf)............472

Kristensen: De antieke opvatting van

dienstbaarheid (Windisch).........467

K ü n n e t h : Antwort auf den Mythus (Witte) 465
— u.Schreiner: Die Nation vor Gott

(Eger) ...................478

[O eko 1 a m päd] Briefe und Akten zum Leben

Oekolatnpads (Wolf)............476

Spalte

Religio. Rivista di studi religiosi (Koch) . . 470
Revue d'histoire ecclesiastique (Köhler) . . . 471
Schlanck: Die Not der Konfirmationspraxis
im Uchte jiigetidpsychologischer Erkenntnisse
(Knevels)...............477

T h i m m e : Christi Bedeutung für Luthers
Glauben (Fr. W. Schmidt).........474

Künneth, Privatdozent Lic. Dr. Walter: Antwort auf den Mythus.

Die Entscheidung zwischen dem nordischen Mythus und dem biblischen
Christus. Berlin: Wichern-Verlag 1935. (216 S.) 8°. RM 4.50.

Nach manchen kleinen, meist recht ungenügenden
Broschüren ist in diesem Buch die erste größere Auseinandersetzung
mit Rosenbergs bekanntem Buch vom
evangelischen Standpunkte aus gegeben. Der große Absatz
des Buches, das schon nach 5 Tagen in 2. Auflage
erscheinen mußte, zeigt nicht nur, wie groß das Interesse
an diesen Dingen ist, sondern auch, daß hier ein wirklich
gutes Buch vorliegt. Meiner Meinung nach ist in
diesem Buch alles Wesentliche vom evangelischen Standpunkte
aus gesagt, und zwar wirklich gut gesagt.

Daß an dem Buch nun doch auch von evangelischer
Seite manche Kritik geübt wird, verwundert nicht. Man
hat gesagt, Künneth hätte zuerst einmal alles das zusammenstellen
sollen, worin wir mit Rosenberg übereinstimmen
und zeigen sollen, bis zu welchem Punkte man
mit ihm als evangelischer Christ zusammengehen kann
und muß. Nun, das hätte wohl geschehen können.
Es hätte vielleicht einen versöhnlichen Eindruck gemacht
. Aber wesentlich anderes, als Künneth gesagt
hat, hätte man doch auch dann nicht sagen können. Wir
hätten z. B. anerkennen können, daß Rosenberg eine
hohe Verehrung für Jesus hat. Aber für welchen Jesus?
Da hätte schon unsere Kritik einsetzen müssen. Denn
der Jesus Rosenbergs ist eben der Jesus Rosenbergs,
aber nicht der der Evangelien, die doch die allein maßgebliche
Quelle darüber sind, wer Jesus wirklich war.
Also, viel gewonnen wäre mit einer solchen voranzustellenden
Aufstellung dessen, was wir mit Rosenberg
gemeinsam haben, nicht. In der Sache selbst, um die
es geht, haben wir eben keine Übereinstimmung mit
Rosenberg, sondern stehen zu allem, was er über Religion
sagt, in einem ausschließenden Gegensatz.

Man hat ferner getadelt, daß Künneth an Rosenberg
vorbeispreche, ihn nicht in Wirklichkeit treffe. Das halte
ich für ein ganz ungerechtfertigtes Urteil. Künneth
spricht nicht an Rosenberg vorbei, sondern er spricht
gegen ihn. Und das mit Recht. Es geht hier in allem
Entscheidenden um ein Entweder-Oder. Das darf man
in keiner Weise verdecken, oder man begeht Verrat an
der Sache Christi.

Man hat schließlich geredet von der zu engen, theologischen
Schmalspurbahn, auf der sich Künneths Oedanken
bewegen. Auch diesen Vorwurf halte ich für

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ganz ungerecht und unhaltbar. Künneth hat auch auf
dem Gebiet der Frage von Rasse und Religion durchaus
keinen engen Standpunkt. Aber er zeigt mit Recht, daß
in der Rasse, und sei es auch die edelste, keine Erlösung
liegt von all dem Argen, daß auch unsere Rasse
birgt, und auch unser Blut. Hier hätte Künneth noch
viel schärfer reden können von den großen und groben
Sünden, die auch unsere Rasse und unser Blut hat, und

! von der wir auf dem Wege Rosenbergs nicht frei werden.
Ich habe nur eines an dem Buche auszusetzen, und
das liegt auf einer ganz anderen Linie, daß dies Buch
wohl eine Antwort auf den Mythus ist, aber viel zu
wenig Angriff auf den Mythus in dessen eigenen Positionen
. Mit der mystischen Religiosität wird von Rosenberg
doch z. B. nur gespielt und nicht ernst gemacht.
Mystik ist, wenn sie ernst ist, eine sehr schwere Sache.
Und wo findet sich dafür auch nur ein einziges Wort
bei Rosenberg, daß, Mystik zu üben, eine ungeheure
Aufgabe ist? Übt denn Rosenberg selbst Mystik? Und
wie kann man so einfach Gott und Mensch gleich setzen,

; wie Rosenberg das tut? Wie kommt er wie so viele andere
heute dazu, zu erklären, der Mensch ist gottgleich?
Woher weiß er das denn? Und wie ungeheuerlich ist

: das, den empirischen Menschen mit seiner Sünde, seiner
Bosheit als gottgleich zu setzen? Alle diese und noch an-

j dere Dinge könnte man im Angriff noch tiefer fassen.

I Das ist mein Wunsch für spätere Auflagen des Buches.
Man könnte auch vielleicht noch in religk>nsge-
schichtlicher Hinsicht allerlei sagen gegen Rosenberg,

i was bei Künneth fehlt. Z. B. daß man nicht für die

| pantheistische Mystik schwärmen kann und zugleich

i die Idee der Persönlichkeit, die Jesus nach Rosenberg
der Welt geschenkt hat, als bleibenden Höchstwert
feiern. Das geht eben nicht. Pantheismus in
jeder Form schließt die Hochschätzung der Persönlichkeit
aus, absolut aus! Man kann daher nicht das
Brahman der Inder bewundern und zugleich für die
personalistische Forin des Lebens sich begeistern, wie
es Rosenberg tut. Es gibt nur das eine oder das andere,
aber nicht beides zugleich.

Aber das sind nur Nebensachen gegenüber dem
großen Wert dieses Buches, das die beste Waffe ist ge-

j gen den Mythus. Man sollte es in viele Hände geben.

I Es bleibt abzuwarten, ob Rosenberg auch auf dies Buch

i antworten wird wie auf die Studien.

Schließlich sei in aller Bescheidenheit hingewiesen

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