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Ausgabe:

1935 Nr. 25

Spalte:

459-461

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Heimbucher, Max

Titel/Untertitel:

Die Orden und Kongregationen der katholischen Kirche 1935

Rezensent:

Dörries, Hermann

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459

Theologische Literaturzeitung 1935 Nr. 25.

460

Es ist lehrreich, ein vielumstrittenes Gelände von
einem Standort abseits des Kampfes aus zu sehen. In
drei Londoner Vorlesungen stellt hier ein englischer
Kirchenhistoriker den Beitrag der Angelsachsen zur frühmittelalterlichen
Kirchengeschichte dar. Mit raschen,
sicheren Strichen zeichnet er zuerst den Hintergrund
dieses Wirkens, die kirchliche Qesamtlage im 7. Jht,
um dann die Arbeit angelsächsischer Missionare und die
Übermittlung der antiken Kultur durch angelsächsische
Gelehrte eindrücklich zu schildern. Der Vorzug des
Büchleins liegt nicht so sehr in neuen Forschungsergebnissen
, als in der Kunst, mit der aus langjähriger Vertrautheit
heraus eine gestaltende und ereignisreiche Zeit
anschaulich und übersichtlich dargestellt wird. Die
Klarheit, mit der in der Darstellung Anfang und Schluß
aufeinander bezogen sind, überträgt sich dem Vrf. bisweilen
auf die dargestellten Personen, so daß es ihm
möglich erscheint, Gregor, ,der größte aller Päpste',
habe das Bekehrungswerk unter den Angelsachsen begonnen
, um sie und die missionseifrigen Kelten in Römische
Dienste zu ziehen und auf diesem Umwege die
festländischen Nationalkirchen zurückzugewinnen. Der
Römische Standpunkt des Vrf.s selbst macht sich etwa
in der Schätzung des Uniformen geltend, die die Unwirksamkeit
des merowingischen Mönehtums im Fehlen
einer einheitlichen Regel begründet sieht. Vielleicht aus
gleichem Grund beschränkt sich ihm der Unterschied
zwischen der Römischen und der Keltischen Kirche auf
Kirchenordnungsfragen, während doch wohl ein anderer
Kirchenbegriff im Hintergrund des Zwiespalts stehen
dürfte.

Über Einzelheiten zu rechten, wie der Verwechslung
Bischof Suidberts mit Eoban von Utrecht, oder der
festgehaltenen Zuweisung der vita Willehadi an den
Dänenapostel Ansgar, ist bei einem posthumen Werk
nicht angebracht; und so freue man sich nur der anziehenden
Hinterlassenschaft!

Döttingen. H.Dörries.

Heimbucher, Prälat Dr. Max: Die Orden und Kongregationen
der katholischen Kirche. 3., vollständ. neubearb. Aufl. 2 Bde.
Paderborn: F. Schöningh. (VIII, 831 u. 829 S.) gr. 8°.

geb. RM 18— u. 21—.

Für die 3. Auflage des wohleingeführten Werkes,
das keiner Vorstellung mehr bedarf, hat der greise Vrf.
mit rastlosem, durch freiwillige Mitarbeit zahlreicher
Ordensangehöriger unterstütztem Fleiß die Fortschritte
des letzten Menschenalters auf dem schon fast unübersehbaren
Gebiet der Geschichte des Mönehtums zu verwerten
gesucht. So wird nicht nur die neuere Literatur nachgetragen
und am Text nachgebessert, sondern nicht selten
in ihn tiefer eingegriffen (wenn auch die Verengung
des Umfangs von 1787 auf 1660 Seiten sich vornehmlich
durch engeren Druck erklärt). Freilich die Anordnung
ist, abgesehen von einigen Umstellungen bei den
Kongregationen, ebenso unverändert geblieben wie die
Eigenart des Buches überhaupt. Das Buch stellt ja
nicht eigentlich eine Geschichte des Mönehtums dar und
ist doch mehr als nur eine Übersicht über den gegenwärtigen
Bestand. Indem es Gegenwartsaufgaben (auch
praktischen: Anschriften der Niederlassungen!) dient,
schildert es zugleich die Entstehung der einzelnen Orden
und Kongregationen, ihre Leistungen und Widerfahrnisse
. Der lebenden Mönchsgeneration wird so ein Bild
von dem vermittelt, was ihre Vorgänger einst gewesen
sind. Die wissenschaftliche Erforschung der Vergangenheit
soll also das leisten, was die alten Mönchsschriftsteller
von Athanasius und seiner vita Antonii an ihrer
Zeit zu geben versucht haben: ein Vorbild, das zur Nacheiferung
aufruft.

So erklärt es sich, daß ein kritisches Urteil kaum je
laut wird, dagegen mit preisenden Worten nicht gespart
ist. Die Massenkonversionen der Gegenreformation z. B.
werden der Predigt ,heiliger Apostel' zugeschrieben, die
Gewaltmaßnahmen nicht erwähnt. Auch wo die Kritik

dem Vrf. leichter fallen müßte, vermeidet er sie. Die
chinesischen Riten der Jesuiten werden nicht als Fehler
bezeichnet (II, 307), ihre pädagogische Weisheit bei
den Paraguay-Reduktionen nicht in Frage gestellt (II,
325). Gelegentlich wird die geschichtliche Darstellung
; zur Kriegsberichterstattung, sodaß dann wie bei den Kapuzinern
in Irland nach so viel Erfolgen der plötzliche
■ Niedergang des Ordens völlig rätselhalt bleibt; denn die
Aufhebung zweier französischer Klöster und eine
Hungersnot wären zu anderen Zeiten doch eher Gründe
i des Aufstiegs gewesen (I, 743)! Umso ausgiebiger wer-
i den die Verdienste der Orden vor Augen geführt, immer,
; nachdem die Gründung eines Ordens erzählt, ein Über-
, blick über seine Entwicklung und ein Bericht über den
gegenwärtigen Bestand gegeben ist; ohne Gleichmäßigkeit
(den Verdiensten der Benediktiner sind 34 Seiten,
den Franziskanern 45, den Dominikanern 28, den Augustinereremiten
11, den Kapuzinern 33 und den Jesuiten
125 Seiten gewidmet), und so, daß die Darstellung vielfach
zu einer Liste von Schriftstellernamen wird, unter
Rubriken geordnet (z. B.: ,als hervorragende Philosophen
und Theologen seien angeführt:', ,um Erforschung
und Erklärung der hl. Schrift machten sich die Jesuiten
i hochverdient. Vornehmlich:', ,durch schönen Stil ragen
| hervor die Schriften der Jesuiten:'. Unter der Rubrik
Erforschung der Tier- und Pflanzenwelt': ,auch der
Truthahn ward von den ersten Jesuiten in Mexiko nach
Europa gesandt und besonders in Livland gezüchtet;
in Paris sagt man noch heute einen Jesuiten' verspeisen
'), vielfach unverarbeiteter Rohstoff, wie er aus den
verschiedenen Orden beigesteuert wurde, Bedeutendes
und Unbedeutendes noch ungeschieden!

Daß nicht eigentlich wissenschaftliche Erkenntnis der
Vergangenheit erstrebt wird, sondern eine geschichtlich
untermauerte Ordensstatistik, zeigt schon die Anlage
des Buches. Nachdem (noch ohne Einwirkung der Arbeiten
von Butler, Preuschen, Reitzenstein und Bousset)
die Anfänge des Mönehtums skizziert sind, führt Antonius
sogleich die uniert-maronitischen Antoniusmönche
an, bald darauf Basilius den Basilianer-,Orden' (das
Einflußgebiet der Basiliusregel ist nicht ,Orden' im mittelalterlich
-lateinischen Sinne!). Auf Benedikt folgen die
Orden der Benediktinerregel, einschließlich der Zisterzienser
und Karthäuser. Die regulierten Kleriker bezeugen
durch ihre Stellung erst hinter den Benediktinern
den Primat des eigentlichen Mönehtums und das Recht
der historischen Kritik (Unechtheit der sog. Regel Augu-
stins!). Unbekümmertheit um geschichtliche Zusammenhänge
verrät dann wieder die Zuordnung der Prämon-
stratenser zu den Orden der Augustinerregel, unverbun-
den mit den Zisterziensern, wie der Dominikaner, fernab
von den anderen Bettelorden.

In welcher Richtung das Interesse eines Buches
! geht, ist an den Indices zu sehen. Hier stehen neben
j 126 Seiten des Personen- und Ortsregisters 32 Seiten
l eines Sachregisters, das im wesentlichen nur eine Ergän-
j zung des Personenregisters für die Namen der Institute
darstellt, aber von der Gedankenwelt, selbst von den
' Ordnungen des 'Mönehtums kaum etwas aufführt (z. B.
: ,Tod, Brüder, Väter des Todes'; Todespein .Schwestern
der hl. Todespein Jesu Christi'). So versteht sich das
' Werk denn vorzüglich als ein Repertorium, in dem mit
großer Vollständigkeit alle wichtigeren Erscheinungen
; des Mönehtums der Gegenwart ihren Platz beanspruchen
dürfen, für sich und ihre Vergangenheit.

Ist damit zum Ausdruck gebracht, welche Wünsche
er zu befriedigen sucht, und daß es andere unerfüllt läßt,
i so muß man doch vor allem den Blick auf das Geleistete
heften. Auch hier gilt, daß der Lebende Recht hat.
Es ist eine Gegenwartsgröße, der das Werk dienen soll
und, wie der Erfolg beweist, auch dient. Und die Treue,
mit der diese Gegenwart an ihren Erinnerungen hängt,
der Riesenfleiß, den jede Seite der beiden stattlichen
Bände bezeugt, machen es für jeden, der mit dem Mönch-
tum sich beschäftigt, wertvoll, ja unentbehrlich, auch