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Ausgabe:

1935 Nr. 2

Spalte:

28-29

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Newton, William L.

Titel/Untertitel:

Notes on the Covenant 1935

Rezensent:

Caspari, Wilhelm

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Theologische Literaturzeitung 1935 Nr. 2.

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Aus dieser Zeitschrift, die über einen Stab ausgezeichneter Mitarbeiter
verfügt und ebenso wegen ihrer gehaltvollen Aufsätze wie wegen
ihrer Buchbesprechungen Beachtung verdient, kann nur das wichtigste
herausgehoben werden.

Bd. CVII. O. Möautis, L'origine egyptienne de l'idee de trans-
substantion (S. 5—7), vergleicht wie schon früher Loisy zu Mt 26,
26- 28 die Formeln ägyptischer Zauberpapyri nach dem Schema
et) et... . owt ei . . . äXkä.. . . , z. B. „Du bist Wein, du bist nicht
Wein, du bist das Haupt der Athene", sowie von Ritualtexten, wo eine
Opfergabe einem Glied oder Teil der Gottheit gleichgesetzt wird, z. B.
„. . . . Honig, das Auge des süßen Horns, die Ausscheidung des Auges
des Ra". Er sieht aber selber, daß es dort nie der Gott ist, der die
Formel ausspricht und den Ritus einsetzt. — M. Lot-Borodino
führt die im vorigen Band begonnene Untersuchung über La Doctrine de
Ia de deification dans l'Eglise Grecque jusqu'au Xle siecle zu Ende (S.
8—55). — M. Debes untersucht Fontenelles Essai „De l'origine des
Fables" (1924) auf Abfassungszeit, Stellung in der Geistesgeschichte
jener Epoche und Quellen (S. 56—73). — Dhorme (S. 107—125)
behandelt das akkadische Opfer anläßlich von Furlani, II sacrificio nella
religione dei Semiti di Babilonia e Assyria (1932), wobei er m. E. mit
Recht gegen F. die bekannten Fälle von Stellvertretung durch ein Tier
als Opfer faßt, in stärkerem Maße mit Menschenopfern (sakraler Tötung
von Kriegsgefangenen, Kindertötung in Stellvertretung) rechnet, den
Kommunionscharakter des Speiseopfers und die weitgehende Verwandtschaft
der akkadischen mit den gemeinsemitischen Anschauungen betont. —
A. H. Krappe (S. 126—133). gewinnt aus Josephus (Ant. II 9,2) und
der Kyrossage mit ihren Ausläufern eine ältere Form von Moses Geburtsgeschichte
, die die Königstochter als seine Mutter und ein unheilvolles
Orakel an den König kennt; die ägyptischen Hebammen, die das
Knäblein ertränken sollten, setzen es aus Mitleid aus, worauf es von
niederen Leuten aufgefunden und aufgezogen, später als Enkel des Königs
erkannt und von ihm verbannt wird : so sicher der allgemeine
Zusammenhang mit jenem Sagentypus ist, so wenig gelingt doch solch
genaue Rekonstruktion. — E. Cavaignac verteidigt Forrers Gleichsetzung
von Davids Gegner Hadadezer von Zoba mit dem Aramäer-
König, an den unter Assurrabi II. Pitru und Mutkinu verloren gingen.
(S. 134—136). Ch. Picard, Les buchers sacres d'Eleusis (S. 137-154)
bespricht die sakrale Selbstverbrennung (Euadne). Ed. Dujardin,
La date de l'institution eucharistique dans la tradition chretienne primitive
(S. 155-177) versucht aus Luk 24, 30ff. 36ff. Jon. 20, 19, 21, 4ff.
19 ff. den Nachweis, daß die Einsetzung des Abendmahles ursprünglich
vom auferstandenen Jesus erzählt wurde.

Bd. CVIII. R. Dussaud, Les Pheniciens au Negeb et en Arabie
(S. 5—49), setzt seine höchst anregende sachliche, zumeist religionsgeschichtliche
Erklärung der Epen von Ras Schamra aus Bd. CIV und
CV am dritten Epos, dem von der Geburt der „gnädigen Götter" fort,
das Virolleaud in Syria XIV 127—151 veröffentlicht hat. Er sieht darin
— und erklärt damit auch die scheinbare Zusammenhangslosigkeit des
Textes — eine Art Textbuch zu einer Fruchtbarkeitszeremonie im Frühling
und geht dann namentlich dem auffallenden Vorkommen südpalästinischer
Namen nach: Asdod, Wüste Qades, in einem noch nicht veröffentlichten
Text auch noch ngb = Negeb; im Heros sb'ny, den das Weib
des Etrah oder Terah gebiert, sieht er Beerseba (sib'ä Gen 26, 33), vgl.
sibc änä Hiob 42, 13 im mdbr spm die „Steppe am Weg nach dem
Schilfmeer" Nu 14,25 Dt 2,1 (?). Diese auch durch einen neuen Fund
aus Byblos, eine Dolchscheide, belegten Beziehungen zum Negeb — die
Auffindung einer Tafel mit der alphabetischen Keilschrift von Ras
Schamra in Ain Scherns (Bull, of the American Schools of Or. Research
52, 5 f. 53, 18 f.) Konnte ihm noch nicht bekannt sein - ergeben ihm
zusammen mit Herodot I 1 VII98 denselben als ursprünglichen Wohnsitz
der Phöniker, womit sich auch das Fehlen des Gottes Hadad in
diesen Texten erklärt. Beziehungen zum AT findet er bei Terah bei
der Geburt des Sib'any in der Steppe (: Gen 16!) und bei Krt, mit
dem er Kereti kombiniert. Die Unterbindung der noch unter Salomo
bestehenden phönikischen Schiffahrt auf dem Roten Meer durch das
Königtum Juda führt zur Benutzung des Landwegs durch den phönikischen
Handel, den ihm Ez 26 f. belegen. Bleibt auch manches ungewiß
, so ist die einzigartige Bedeutung dieses Textes sicherlich richtig
gesehen - Dhorme, Pretres, devins et mages dans l'ancienne religion
des Hebreux (S. 113 — 143), entwirft ein reiches und anschauliches Bild
der verschiedenen Zweige hebräischen Priestertums auf dem Hintergrund
des phönikischen und akkadischen Materials; S. 117f. eine Etymologie
für Könen (zu akk. känu [dazu muskenu, sukennu] „sich neigen". Darum
noch oft mit le). S. 136 eine für hartöm (zu arab. hurtüm „große
Nase"). — Saintyves, De l'immersion des idoles Antiques aux
baignades des statues saintes dans le christianisme (S. 144 — 192), reich
belegt und interessant für das Weiterleben heidnischer Bräuche im
Christentum bis in die Gegenwart hinein. — Pernot streicht im
Prolog des Johannesevangeliums v. 15 und stellt v. 6—8 hinter v. 18
(S. 193- 196). — J. Herber legt ein interessantes Material für apo-
tropäischen und prophylaktischen Gebrauch von Lüge und Täuschung
in Marokko vor (S. 229—245).

Bd. CIX: P. Alphand£ry bespricht euhemeristische Deutungen
aus den Anfängen religionsgeschichtlicher Forschung im Mittelalter (S.

5—27). G. Dossin, Le dieu Gibil et les incendies de vegetations (S.
28- 62) unterbaut Deimels Etymologie des Gottesnamens Gibil als
„Feuer im Röhricht" durch entsprechende Belege für göttlichen Urheber
von Wald- oder Steppenbrand AT (Jes. 9, 17 f. 10, 16—19 usw.).
— Cumont befaßt sich anläßlich neuer Mithrasinschriften aus Rom mit
der Gleichsetzung des Mithras mit Phanes und seinen Beziehungen zum
Orphismus (S. 63 -72). — D ussau d (S. 114 128) lehnt die Gleichsetzung
der Hyksos. mit den Mitani ab und betont ihren überwiegend
semitischen Charakter; Avaris, Pi-Ramses und Tanis sind aufeinanderfolgende
Namen einer undderselben Stadt; eine Ära von Tanis ist jetzt inschriftlich
belegt (S. 121), das Pferd nicht erst von den Hyksos eingeführt. Weniger
leuchtet ein, daß D. wiederum die Israeliten, den „Stamm Jakob" (!)
mit den Hyksos nach Ägypten gekommen sein läßt und in Gen 46, 36
gar eine historische Erinnerung daran findet. — Marc Lods (S. 129
bis 148) wagt für und Wider des vielumstrittenen „Räucheraltars" von
Ta'anek ab und neigt angesichts der drei religiösen Motive in der Skulptur
(Knabe mit Schlange, „Lebensbaum" mit Ziegen, Cheruben) zur
sakralen Deutung, muß aber die Möglichkeit, daß dieselben im 8. Jahrh.
auch schon an profanem Gerät angebracht wurden, offenlassen, womit
sein Entscheid eigentlich illusorisch wird. — H. Pernot verbreitet sich
über Hilfsmittel und Methoden der Textkritik in den Evangelien und
legt eine Anzahl Konjekturen zu Mk. 1 f. vor.

Basel. W. Baumgartner.

Newton, Prof. William L., M. A.: Notes on the Covenant. A

study in the Theology of the Prophets. Cleveland: St. Mary's Se-
minary Press 1934. (XX, 234 S.) kl. 8°. $ 2—.

Der Vf., ein amerikanischer katholischer Priester,
hat die deutsche und westliche theologische Facharbeit
(S. XI—XVII) zu seinem Gegenstande fleißig, jedoch
mit den von ihm zu erwartenden Vorbehalten, gelesen.
Er sagt manches, z. B. S. 172 f., was zu Tagesfragen
Beziehung sucht. In den beiden letzten Kapiteln VI VII:
Das Schicksal des Alten Bundes; die Wiederherstellung
und der Neue Bund, legt er Nachdruck auf die Ablös-
barkeit des Alten Bundes: trotz der im Gesetz enthaltenen
Neigung zu Unabänderlichkeit (S. 168) lassen die
Profeten deren Bestätigung vermissen und (S. 184 f.) der
von ihnen erwartete Neue Bund erhält ein, von dem
Alten abweichendes, Gepräge durch seine — wenn auch
nicht vorbehaltlose — Rücksichtnahme auf fremde Völker;
denn der Alte Bund hat zu seiner Aufgabe die Bildung
des Eigenvolks. So heißt ja auch berit-'olam nicht
„e w i g e r Bund"; andererseits hätte der Vf. die herkömmliche
Auffassung von Ex. 20, 6 A kritisieren müssen
. In Übereinstimmung mit seinem Endergebnis weist
er schon in Kap. II (über den Begriff: Bund) ein Recht
Gottes auf — einseitige — Kündigung des Bundes als
profetische Lehre nach. In Kap. III zeigt sich, daß Bünde
mit Einzelnen — Levi David Noa — rechtsgeschichtliche
Selbstverständlichkeiten sind. Lautet ein solcher
Bund auf den Namen des Vorstandes einer Zunft oder
Dynastie, so schließt er deren übrige Mitglieder ein und
von Nichtmitgliedern ab. Da letztere fehlen würden,
läßt sich aus Gen. 2,3 kein Adam-Bund gewinnen. In
Kap. IV V verbreitet sich das Buch über das Verhältnis
des Bundes zum Gesetz. Offenbar gehören in einen
Bund Forderungen eines Teilhabers an den anderen; ist
vollends der Bundesgedanke aus der Rechtspflege hervorgegangen
, so liegt es nahe, eine innerhalb eines Bun-

i desverhältnisses aufgetretene Gesetzessammlung, also die
Tora oder einen Kern der Tora, für den Keim des Bundes
selbst zu halten. Das führt zu weitläufigeren Ermittelungen
von Zeugnissen der Pnofeten zugunsten des
afttestamentlichen Gesetzes und des Sinnes ihrer Stellungnahme
zur kultischen Praxis Rechtspflege und Sitte
— worüber der Vf. begreiflicherweise doch nicht viel
Neues sagen kann. Es ist ihm indes nicht: verborgen
(S. 11), daß die Auffassung der Gottesbeziehung als
eines Bundes die Erkenntnis der Gottesbeziehung be-

[ einträchtigt, sobald Bund der Oberbegriff sein soll, dem
die religiöse Beziehung unterfallen würde. „Bund" ist
schon seiner rechtlichen Herkunft wegen auf religiösem
Gebiete ein Gleichnis und nur ein Behelf. Die Vor-
stellbarkeit eines Bundes mit einem unübersichtlichen
Partner, wie es eine Nation nun einmal ist, ist von vornherein
erschwert. Von den mit Einzelpersonen geschlos-