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Ausgabe:

1935 Nr. 25

Spalte:

453

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Luther, Ralf

Titel/Untertitel:

Neutestamentliches Wörterbuch 1935

Rezensent:

Seesemann, Heinrich

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Seite 1

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453

Theologische Literaturzeitung 1935 Nr. 25.

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buten auf Rom und die Kaiser bezieht, wenn er auch eine genaue Be- ! die schon gute Früchte gezeitigt hat. Ganz im Argen
rechnung des letzten Kaisers ebenso ablehnt wie eine bestimmte Deutung liegt die Sichtung Und Verarbeitung der Werke des
der Geheimzahl 666 — Doch werden die wichtigsten Deutungen (ich Athanasius, obwohl der Ruf nach einer kritischen Aus-
vermisse nur die neueste von R. Schütz) dem Leser vorgelegt In Uber- be de,. Schriften dieses großen „Gegenspielers des

einstimmung mit Lohmeyer deutet B die,144 000 (Oftb 7 4 ff) au die romis.chen Kaisertums" nie verstummen wollte. - Aber
Ohnstenhe t das wahre Israel; weshalb darnach (7, 9 ff.) noch eine un- ._ , , , , . , ,. , , „

zählbare Schar ersehest, vermag auch er nicht begreiflich zu machen; ^ letzten Jahren War bekannt geworden, daß man

mir ist die Beziehung auf Judenchristenheit und Judenkirche noch immer Sich besonders in den Vereinigten Staaten mit diesem
die wahrscheinlichste. In den trefflichen Ausführungen über die mytho- Plane lebhaft beschäftigte Und schon manchen Spaten-
logischen Voraussetzungen an Offb. 12,1 ff. vermisse ich nur den klaren stich zu seiner Ausführung getan hatte. Es waren die
Satz, daß die Szene die mythische Geburt des Israelitischen Messias be- Herren Kirsopp Lake von der Harvard Und Robert Casey
schreibt, die sich dann 19, li ff. erfüllt in der Epiphanie dieses inzwischen von der Universität in Cincinnati, an deren Arbeiten uns
zum Mann herangereiften Christus. ihre Aufsätze in der Harvard Theological Review teil-

Der Gefahr einer Modernisierung, d. h. einer An- ; nehmen ließen. Diese Herren waren es auch, die mit
passung der Offb. an die Gegenwart mit ihrem mehr erfreulicher Vorurteilslosigkeit an die Berliner Akademie
als 1800 jährigem Abstand von dem Zeitalter der Offb., mit dem Plan herantraten, in einem ge neinsamen Lindas
doch an der Schwelle der Endzeit stehen sollte, hat ternehmen, für das von amerikanischer Seite reiche
B. nicht immer standgehalten. Ich denke vor ^lem Unterstützung zugesagt wurde, und das dann auch be-
an die mehrfach sich findende Versicherung, die Offb. reitwillige Förderung durch die Notgemeinschaft der
gebe Weissagung, nicht Wahrsagung, hafte nicht am , deutschen Wissenschaft fand, die Schriften des alexan-
Einzelnen, an der Folge der konkreten Ereignisse, die dänischen Erzbischofs kritisch herauszugeben. Sie fan-
sie malt: so möchten wir heute es wohl ansehen — so den in Hans-Georg Opitz, einem Schüler Lietzmanns,
ist es aber ursprünglich gewiß nicht gemeint. einen Mitarbeiter, wie sie sich ihn besser nicht hätten

Genug, der Leser lernt an dieser Auslegung, wie wünschen können. Bei dem Zustand der Überlieferung
schwer und mühevoll die Theologie an dem letzten ; der Schriften war die Aufgabe besonders schwierig. Um
Buch der Bibel arbeitet, wie die Gemeinde die Arbeit so nachdrücklicher muß darauf hingewiesen werden
der Theologie und der christlichen Religionswissenschaft daß man weder Mühe noch Kosten gescheut hat, etwas
zu achten hat, wie der schlichte Bibelleser sich hüten wirklich Bleibendes zu Stande zu bringen. Der Prospekt
muß, eigene auf die Gegenwart bezugliche Fundlein darf mit einem gewissen Gefühl des Stolzes darauf hinfür
die Auslegung geltend zu machen und wie doch ein weisen, daß die künftige Ausgabe nicht nur die bisher
letzter Sinn, der auch uns ergreift, in diesem in beson- , maßgebende Ausgabe von Montfaucon (1692) weitüber-
ders starkem Maße zeitgebundenen Buche verhüllt und ; treffen*, sondern daß mit Erscheinen der neuen Ausgabe
enthüllt ist. _ . j ein in jeder Hinsicht kritisch gesicherter Text geboten

Möchte mit der Fertigstellung des Matthaus (Schnie- j werden wird, der alle älteren Ausgaben außer Kurs
wind) und des Lukas (den jetzt Rengstorf übernommen , setzen wird. Das gesamte handschriftliche Material einhat
) das Werk recht bald seinen Abschluß finden. ! schließlich der lateinischen und orientalischen Über-
Haiie a. S. H. Windisch. 1 Setzungen, ist herangezogen worden. Das Ganze soll auf

__- zwei Bände verteilt werden, von denen der erste die

Luther, Pastor Ralf: Neutestamentliches Wörterbuch. Eine dogmatischen und asketischen Schriften, der zweite die
Einführung in Sprache und Sinn des urchristl. Schrifttums. Mit einem Apologien und die außerhalb der Sammlungen Überliefer-
Nachwort von Otto Schmitz. 7., unver. Aufl. Berlin: Furche-Ver- 1 ten Schriften enthalten wird. So lange Opitzens „Unterlag
(1934) (236 S.) 8°. = Die urchristl. Botschaft, eine Einführg. i. d. j suchungen über die Überlieferungsgeschichte der Schrif-
Schriften des Neuen Testaments 24 Abt. RM 3.90; geb. 4.80. ten des Athanasius" noch nicht vorliegen, läßt sich über
Dies Wörterbuch ist aus der Gemeindearbeit des all- j diesen Teil des Unternehmens nichts weiter sagen. Doch
zu früh verstorbenen Pfarrers der Dorpater deutschen , möchte ich nicht unterlassen, auf den Aufsatz von Opitz
Universitätsgemeinde entstanden und ist ebenso für die über „das syrische Corpus Athanasianum" (ZNW 33,
Gemeinde bestimmt. Alle wichtigen NT.lichen Begriffe 1934, 18—31) hinzuweisen, der einen eingehenden Be-
werden hier durchgenommen, besprochen, und so er- rieht über die in dem Co. Mus. Brit. orientalis 8606 entklärt
daß das Buch wirklich zu einer Einführung in haltenen Schriften des Athanasius bringt.
Sprache und Sinn des urchristlichen Schrifttums gewor- Es ist nun ejn besonderes Zeichen der Umsicht, mit

den ist. Es ermöglicht es dem mit dem Urtext nicht ver- der das Unternehmen geleitet wird, daß man sich enttrauten
Leser, sich in die Gedanken des N T. so hinein- ; schlössen hat, sich mit der Herausgabe der Schriften des
zuarbeiten, daß er „ihren eigenen Gehalt aus ihnen ( Athanasius nicht zu begnügen, sondern einen dritten
herauslesen kann". Dem Verfasser ist es in seltenern Band hinzuzufügen, der zunächst die Urkunden zum
Maße gelungen, sein Ziel zu erreichen Sein Wörterbuch arianischen Streit, die zu ordnen längst ein dringendes
bringt wirklich „die Sprache des N.T. dem Menschen ( Bedürfnis war, enthalten soll. Diese Aufgabe hat Opitz
von heute reinlich zu Gehör". Es ist daher verstand- übernommen, und von diesem Bande lelt er jetzt die
lieh und ebenso erfreulich, daß es binnen kurzer Frist ersten Lieferungen vor, die die Urkunden vom Anfang
schon mehrere Ausgaben erlebt hat; im Sommer 193o des Streites bis zum Tode Alexanders von Alexandrien
erschien bereits die 8. Auflage. (328) enthalten. Wer wie der Referent aus eigener Ar-

Riga. H. Seesemann. . beit die Schwierigkeiten kennt, die bei der Feststellung
■-----der Chronologie der orientalischen Patriarchengeschich-
Athanasius' Werke. Hrsg. i. Auftr. d. Kirchenväter - Kommission d. , te zu überwinden sind (ich denke dabei für meine Per-
Preuri. Akademie d. Wiss. 3. Bd. 1. Tl.: Urkunden zur Geschichte des i SOn an die Zeit der UlOnophysitischen Streitigkeiten),
arianischen Streites 318—328 von Lic. Hans-Georg Opitz, l. Liefg. der wird mit uneingeschränkter Bewunderung den Au-'-
Beriin: w. de Gruyter & Co. 1934. (40 S.) Lex. 8°. RM 6.50. führungen folgen, in denen Opitz in seinem Aufsatz
Das große Unternehmen der Preußischen Akademie über die Zeitfolge des arianischen Streites (ZNW. 33
der Wissenschaften, die Herausgabe der Griechischen 1934, 131 — 159) sich durch das dichte Gestrüpp der
Christlichen Schriftsteller, ist mit Bedacht auf die ersten Urkunden einen Weg gebahnt hat, von dessen Zuver-
drei Jahrhunderte beschränkt worden, das heißt auf die lässigkeit man sich nun an Hand der Ausgabe überzeu-
Zeit der werdenden Kirche. Es ist seit Jahrzehnten von gen kann. Von neuem kommt einem zum Bewußtsein,
einer großen Zahl von Mitarbeitern betreut und geför- , welche epochemachende Bedeutung den Arbeiten von
dert worden. Inzwischen ist für die klassische Zeit der , Schwartz in den Nachrichten der Göttinoer Gesellschaft
Patristik so gut wie nichts geschehen. Der einzige Gre- ! der Wissenschaften beizumessen ist, vornehmlich der die
gor von Nyssa erfreut sich unter dem Protektorat der bisherige Auffassung von der Vorgeschichte völlio- um-
Wilamowitz-Möllendorff-Stiftung stärkerer Beachtung, ! stoßenden Auffindung jener nur syrisch erhaltenen Ur-