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Ausgabe:

1935 Nr. 21

Spalte:

374-376

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Montgomery, James A.

Titel/Untertitel:

Arabia and the Bible 1935

Rezensent:

Duensing, Hugo

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373

Theologische Literaturzeitung 1935 Nr. 21.

374

Ähren s, Prof. Karl: Muhammed als Religionsstifter. Leipzig:
Deutsche Morgenl. Ges., in Komm, bei F. A. Brockhaus 1935. (VIII,
216 S.) er 8°. = Abh. f. d. Kunde des Morgenlandes XIX. Bd., Nr. 4.

RM 12-.

Das Buch ist eine sorgfältige Darstellung des Inhaltes
der Verkündigung Muhammeds unter Herausarbeitung
der allmählichen Entwicklung seiner Lehren, getragen
von der Überzeugung, daß der Stifter des Islam
im Wesentlichen vom Christentum abhängig war. Der
Verfasser hat hier Vorarbeiten in dem Buche von R. Bell,
The Origin of Islam in its Christian Environment
(London 1926) und besonders in Tor Andrae's „Der
Ursprung des Islams und das Christentum" (Uppsala
1926) und hat selbst in der Abhandlung „Christliches
im Qoran" (ZDMO. N.F. IX) eine Grundlegung für
die hier gebotene weitere Ausführung seiner Auffassung
geschaffen. Er zieht die wichtigere abendländische Literatur
vielfach bei, wenn auch eine so wichtige Schrift
wie Fr. Buhl's Muhammeds religiöse Forkyndelse efter
Quränen (Kobenhavn 1924), soweit ich sehe, nicht benützt
ist.1 Im Wesentlichen ist die Arbeit aber nicht
etwa eine Auseinandersetzung mit anderen Auffassungen,
sondern eine umfassende Darstellung auf Grund des
Qurän. Sie ist gewissenhaft und besonnen gearbeitet
und zweifellos von Nutzen. Ich glaube auch, daß die
These von dem überwiegend christlichen Einfluß auf
die frühere Entwicklung Muhammeds richtig ist, wenn
auch in jüngster Zeit noch abweichende Meinungen
durchaus ernst vertreten werden können, wie durch das
(in den Nachträgen noch erwähnte) Buch von Ch. C.
Torrey, The Jewish Foundation of Islam (New York
1933). Im Einzelnen ist der Beweis natürlich nicht
leicht zu führen.2 Ahrens fühlt sich nicht selten genötigt
, die vermutete Abhängigkeit durch ein Vielleicht
oder Wahrscheinlich einzuschränken. Referent würde
hierin eher noch weiter gehen, glaubt aber doch, daß
der Vf. die Klärung der Frage entschieden gefördert hat.

Es ist vor allem die Fassung des Titels, die zu
einem weiteren Worte nötigt. Das Buch ist keineswegs
eine Biographie des Propheten. Es vermittelt aber auch
kein Bild von der religiösen Wirksamkeit des Propheten.
Es ist eine nüchterne trockene Darstellung seiner dogmatischen
und ethischen Lehren. Als solche ist es gut
und nützlich. Aber „Muhammed als Religionsstifter"
begreifen wir auf diesem Wege nie. Die Wirkung Muhammeds
ging ganz gewiß nicht von seinen Lehren aus.
Was wirkte, war die inspirierte Persönlichkeit. Es ist
natürlich nicht leicht, diese Wirkung nachträglich logisch
sezierend zu erfassen. Aber wir haben doch wenigstens
den unmittelbaren Niederschlag seiner Inspiration in den
älteren Suren vor uns. Und die Wirkung, die diese
Suren auch auf den heutigen kritischen Leser noch zu
machen vermögen, wird in dem Buch nirgends anschaulich
. Warum, das ist S. 35 ff. mit Händen zu greifen.
Ahrens lehnt bei der Besprechung der ekstatischen Zustände
des Propheten die Auffassung Sprengers ab, daß
Muhammed als ein „mit unwiderstehlicher Neigung zu
Lüge und Betrug behafteter Hysteriker" aufzufassen
sei — eine Auffassung, die er übrigens in Anm. 4 seltsamerweise
auch Buhl zuzuschreiben scheint, was doch
nur bei völliger Verkennung der Tragweite der angeführten
Stelle'verständlich ist —, um seinerseits zu vermuten,
daß Muhammed „durch den Genuß gewisser Kräuter
einen rauschähnlichen ekstatischen Zustand hervorzurufen
" gewohnt gewesen sei, „um in diesem Zustand
die Offenbarungen der Gottheit zu empfangen" (S. 38).
Ahrens kann sich allem nach eine religiöse Inspiration

1) Auch bei Einzelfragen vermißt man öfter selbst wichtige Literatur;
so dürfte bei der „Oemeindeordnung von Jathrisb" S. Wensinck, Mohammed
en de Joden te Medina, S. 73 ff. nicht fehlen.

2) Wenn Ahrens S. 150 in der Gemeindeordnung und überhaupt
in der arabischen Überlieferung die Erwähnung der medinischen Christen
vermißt, so scheint mir doch die nächstliegende Folgerung, daß es diese
in der von A. vorausgesetzten Form eben nicht gab, was noch keineswegs
gegen seine These vom vorwiegend christlichen Ursprung des Islam
spricht.

nur durch solche äußerliche Methoden absichtlich herbeigeführt
vorstellen. Er erkennt zwar S. 36 Anm. 5 die
Ausführungen von Tor Andrae, Mohammed, S. 35 ff.
als „sehr beachtenswert" an, vermag aber offenbar keine
Stellung zu ihrem Gegenstand zu gewinnen. Ein schönes
Beispiel für Ahrens' Einstellung findet sich S. 135: das
Qor'än-Wort 20,113 „Übereile dich nicht mit dem Koran,
bevor seine Offenbarung an dich beendet ist!" soll heis-
sen: „bis das, was er [Muhammed] von seinen Gewährsmännern
gehört hat, von ihm reiflich überlegt und in
die Lorm gebracht ist, in der er es als Wort Gottes
verkünden kann". Ja, wenn sich die „Offenbarung" so
vollzogen hätte, dann wäre über Sprengers platt rationalistische
Deutung kaum hinauszukommen, die Ahrens
doch als überwunden ansieht. In Wahrheit vermag ich
in seiner Erklärung kaum einen Fortschritt gegenüber
Sprenger zu sehen. Die religions-psyehologische Forschung
scheint spurlos an ihm vorbei gegangen zu sein.
Nach dem schönen Buche von Tor Andrae hätte man
eine so rationalistische Betrachtung kaum mehr für
denkbar gehalten. Die älteren Offenbarungen Muhammeds
zeigen doch gerade als Musterbeispiele die eigentümliche
Form inspirierter Rede. Und wie an einem
Schulbeispiel sieht man an ihm die Erfahrung, „daß
jede Spur von Absicht, jede eigene Initiative den spontanen
Fluß der Inspiration nachteilig beeinflußt" (T. Andrae
, S. 39). Von solchen Dingen, die doch den eigentlichen
und einzigen Schlüssel zum Verständnis eines
religiösen Genies bieten, findet sich in dem Buche, das
den „Religionsstifter" uns nahe bringen will, kein Wort.

Was man nach dem Titel von ihm erwarten dürfte,
das enthält das Buch also nicht. Wohl aber enthält es,
i wie gesagt, eine recht gute historische Darstellung der
theoretischen Lehren Muhammeds. Auch eine solche
Darstellung ist nötig. Und wenn das Buch, für sich allein
genommen, leicht ein Bild des arabischen Propheten erwecken
könnte, das sein Werk unverständlich erscheinen
ließe, so ist die Lösung der Teilaufgabe, die sich der
Verfasser gestellt hat, doch zur Ergänzung anderer Darstellungen
wichtig und ein Verdienst, für das man dem
Verfasser Dank schuldet.
Göttingen. R. Hartmann.

Montgomery, Prof. James A.: Arabia and the Bible. Philadelphia
: University of Pennsylvania Press 1934. (X, 207 S.) 8°.

S2-.

Der vorliegende Band enthält die Substanz von schon
im Jahre 1930 gehaltenen Vorlesungen, die für ein
weiteres Publikum berechnet sind. Der Überblick über
1 die Beziehungen zwischen biblischer Geschichte und Arabien
wird in 8 Abschnitten gegeben.

1. Die Abhängigkeit Palästinas von der benachbarten
Zivilisation des Nil- und Euphrattales ist mit wechselnder
Betonung der einen oder anderen Seite anerkannt.
Zu diesen beiden Ländern hat sich als dritter Herd des
Einflusses die ägäische Kultur und als vierter das
Reich der Hetiter in Kleinasien gesellt. Erwähnung
verdienen wenigstens auch die Horiter, die jetzt mit den
Hurri des nördlichen Mesopotamien gleichgesetzt wer-

! den. Als ein gleichbleibender Faktor dauernder Beeinflussung
tritt zu den genannten wechselnden Einflüssen
Arabien und d. h. die Palästina umgebende Wüste hinzu
. Das Wüstenkolorit der Patriarchenerzählungen, die
historischen Erinnerungen an den Wüstenaufenthalt, die
bis auf den heutigen Tag anhaltende Infiltration der ansässigen
Bevölkerung u.a.m., all das spiegelt sich in

J der Bibel wieder.

2. In diesem Kapitel werden die Ausdrücke Araber,
arabisch und Arabien und ihr Vorkommen in der Bibel
erörtert.

Im 3. „Die Hebräer und ihre Vettern" überschriebe-
nen Kapitel werden die biblischen Stammbäume und
genealogischen Schemata aus Genesis 10 und 11 und anderen
Stellen zusammengestellt und erörtert.

Das 4. Kapitel bringt alte außerbiblische Nachrich-