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Ausgabe:

1935 Nr. 20

Spalte:

367-368

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

SundarSingh, Gesichte aus der jenseitigen Welt 1935

Rezensent:

Witte, Johannes

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Theologische Literaturzeitung 1935 Nr. 20.

368

verloren hat. Aber geklärt ist damit die Lage auch nicht, hat, einschließlich das Schicksal einzelner Menschen im
denn man darf nicht vergessen, daß, wenn sonst noch ' Jenseits, darunter z. B. das Schicksal eines Philosophie-

alle andern Missionen die Vorrechte haben, der Aus
nahmefall der deutschen Mission, zumal er ein durch
den Krieg erzwungener ist, ohne Wirkung ist auf die
Umstellung der Stimmung gegen die Mission bei der
Regierung Chinas. Zum letzten aber ist dies Buch dadurch
für die weitesten christlichen Kreise interessant,
weil es die Frage in sich schließt, ob und wieweit überProfessors
und eines Theologen. Daß Inder aller Art
Schauungen haben, ist etwas Alltägliches. Ich erinnere
nur an die fabelhaften Schauungen des hinduistischen
Inders Ramakrischna, der auch eine Christus-Vision hatte
! Daß Sundar Singh dies alles subjektiv ehrlich „erlebt
" hat, soll man nicht bezweifeln. Aber daß wirklich
objektiv Geister, Heilige und Engel mit ihm gesprochen

haupt christliche Mission staatlichen Schutz der eigenen haben, und daß er wirklich das Leben im Himmel geRegierung
in Anspruch nehmen darf, wenn die Regie- ' sehen hat, das darf man füglich bestreiten. Was uns
rung des Landes, in dem die Mission arbeiten möchte, i hier geboten wird als Schilderung des Jenseits, ist teil-
ihr das Arbeiten verwehren will. In diese Frage ist dann > weise von plattester Banalität und Kindlichkeit. Im übri-
die andere eingeschlossen, wie sich überhaupt die Aus- gen geht der Inhalt dessen, was hier „geschaut" worden
breitung des Christentums in selbständigen Kulturlän- j ist aus dem Jenseits, nicht über das hinaus, was jeder
dem gestalten kann. Dies Problem ist von der Bibel aus , mit leidlicher Phantasie begabte Mensch sich auf Grund
nicht theoretisch zu lösen, denn zur Zeit der urchrist- ! dessen, was die Bibel vom Jenseits sagt, ausmalen könn-
lichen Mission lagen die Verhältnisse eben ganz anders, j te. So kommen die Leser, die durch den Titel ange-
Damals war Mission religiöse Arbeit im Rahmen des- | lockt dies Buch kaufen, und das sind offenbar viele,
selben Staates. Heute ist Mission Arbeit in fremden j nicht auf ihre Rechnung. Gleichwohl werden viele
Staaten, denen man nicht das Recht wird vorenthalten j schlichte, fromme Leute es mit Inbrunst lesen. Das bedürfen
, ihre religiösen Angelegenheiten so zu ordnen, weist aber natürlich garnichts über Wert oder Unwert
wie sie das meinen verantworten zu können. Wenn nun [ des Buches. Was für naive „christliche" Literatur wird
solche modernen nichtchristlichen Staaten der Mission i nicht bei uns gern gelesen! Dies Buch ist jedenfalls in
entgegentreten, so ist es nicht christlich, darüber ein j vielem unterchristlich. Die Ausmalung des Himmels er-
Wehgeschrei zu erheben und mit Gewalt, wie es leider j innert stark an die Ausmalung des Paradieses im Koran
soviel geschehen ist, die Freiheit für die Mission mit j und an ähnliche Ausmalungen des Jenseits im Hinduis-
Hilfe der Politik zu erzwingen. Sondern die Mission hat | mus und im nördlichen Buddhismus. Daß ein Mann
zu warten, bis sich ihr die Türen öffnen. Will sie das : wie Söderblom diesem Buch ein Geleitwort geschrieben
nicht, so hat sie eben das Martyrium zu tragen, aber ; hat, setzt in Erstaunen. Denn zur Hebung des christ-
nicht zu klagen. liehen Niveaus trägt es sicherlich nicht bei. Das Buch

Berlin. Johannes W i 11e. ist aber für Theologen und Religionswissenschaftler

interessant, weil es zeigt, wie schwer es ist, daß sich exo-

Jung, Dr. Emil: Radikaler Reform-Katholizismus. Grundlagen tische Menschen, die aus dem Heidentum komn.en,

einer deutschkatholischen Kirche. 2. Aufl. Innsbruck: Universitäts- über den Standort ihrer Religion erheben, nachdem sie

Verlag Wagner 1935. (IV, 330 S.) 8°. RM 2.70. Christen geworden sind. Auf den Christen Sundar

Es handelt sich bei dieser zweiten Auflage leider um eine bedauer- j Singh fällt von diesem Buche aus kein günstiges Licht.

liehe Irreführung. Das Buch hat neuen Umschlag, neues Titel- j Berlin. Johannes Witte.

blatt und zeitgemäße Vorrede bekommen, und auch das Inhaltsverzeichnis
ist - wenn auch der ersten Auflage buchstabengetreu gleich — j v„, lrnr^m „„a;.,..
neu gedruckt. Die 328 Seiten des Textes aber sind weder neu gedruckt, I TU1 *ul'ciu cistuicu.
noch neu aufgelegt oder gar neu bearbeitet: hier sind die unveränderten
Bogen des 1906 bei Reinhard in München erschienenen Buches
einfach in einen neuen Umschlag gesteckt. Das bezeichnet man aber
üblicher Weise nicht als eine neue Auflage ! Wozu also war diese Maskerade
— denn anders können wir diese „Zweite Auflage" nicht bezeichnen
— nötig, wenn das stimmt, was der Verfasser in seinem neuen Vorwort
sagt („die Nachfrage nach demselben hat in dieser Zeit nicht aufgehört
, im Gegenteil in der letzten Zeit zugenommnn")? Das Buch hat
als Kampfschrift in der Los von Rom Bewegung vor einem Menschen- [ Morgenland. Darstellungen aus Geschichte Und
alter gewisse, wenn auch nicht unbestrittene, Verdienste gehabt. Heute TT" it i a . TT ft 97

ist es in seinem ganzen Inhalt, in seinen Beispielen und in seiner Front- ns"
Stellung völlig veraltet, es paßt absolut nicht in die ganz veränderten
Zeitverhältnisse. Es geht durchaus nicht an, den Königsberger Systematiker
Dorner (fl 920) als Kronzeugen für die heutige theologische Diskussion

Das ägyptische Märchen

Ursprung und Nachwirkung ältester Märchendichtung
bis zur Gegenwart

von Dr. Max Pieper, Berlin

89 Seiten. Gr.-8°.

Wie bei keinem Volke läßt sich bei den Ägyptern
die Entwicklung von den einfachsten Formen des
Märchens bis zur vollendeten Kunstdichtung nach,
heranzuziehen, die Freimaurerei mit einem Artikel aus dem Wiener „Zirkel" weisen. Am Anfang stehen die Formen der primitiven

von 1905 zu schildern, den Niedergang des Protestantismus mit einem | Völker. Darauf folgen die Märchen lehrhaften Inhalts,

Aufsatz von Ferdinand Jakob Schmidt aus dem Jahre 1904 darzustellen
und A. Erhard als klassischen Typus des Reformkatholizismus von heute
gelten zu lassen. Seit 1906 ist schließlich allerlei geschehen, was auch
die Kirche angeht! Zeitprobleme müssen aus der Zeit dargestellt werden
und solche Darstellungen veralten schnell.

Berlin. Otto Lerche.

Sundar Singh, Sadhu: Gesichte aus der jenseitigen Welt.

10.—12. Tausend. Aarau : Christi. Buchhandlung D. Fröhlich. (75 S.)
kl. 8°.

Der anglikanische Bischof Durand von Lahore und
der verstorbene Erzbischof Söderblom haben dem Buch
ein empfehlendes Geleitwort geschrieben. Der bekannte
indische Christ Sundar Singh, der in vielem umstritten
ist, gibt hier Beschreibungen von Unterhaltungen, die er
mit Geistern, Heiligen und Engeln gehabt hat, sowie
Visionen, in denen er das Leben im Himmel gesehen

wie sie der Buddhismus am reinsten ausgeprägt hat,
am Schluß die künstlerischen Schöpfungen, die an die
Grimmschen Märchen erinnern. Den Nachweis einer
solchen Entwicklung soll diese Schrif terbringen. Darüber
hinaus bringt sie überraschende Zeugnisse für
das Weiterleben ägyptischer Märchen in den verschiedensten
europäischen Ländern bis zur Gegenwart.
Sie wird Interesse bei allen denen finden, denen
Märchenforschung am Herzen liegt.

Preis geheftet RM. 3.—

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN
BUCHHANDLUNG IN LEIPZIG C1

Beiliegend das 3. Heft (Jahrs;. XIV) des „Bibliographischen Beiblattes".
Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 12. Oktober 1935.

Verantwortlich: Prof. D.W.Bauer in Göttingen, Düstere Eichenweg 14; für den Anzeigenteil: C. Kunze, Leipzig.
Verlag der J. C. H i n r i c h s'schen Buchhandlung in Leipzig C 1, Scherlstraße 2. - Druckerei Bauer in Marburg.