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Ausgabe:

1935 Nr. 20

Spalte:

359-361

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Labriolle, Pierre de

Titel/Untertitel:

La réaction païenne 1935

Rezensent:

Koch, Hugo

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359

Theologische Literaturzeitung 1935 Nr. 20.

360

Seiten links der koptische Wortlaut, rechts die deutsche
Übersetzung, soweit sie möglich ist, stehen. Manche
Wörter und Buchstabengruppen ergeben keinen Sinn.
Es schließen sich Indices der griechischen und koptischen
Wörter an. Auch die Namen verschiedener
Art sind in besonderen Listen zusammengefaßt. Über
einiges Orthographische und Sprachliche unterrichten
die S. XVIII f. Eine eingehendere Darstellung des Mani-
chäisch-Subachmimischen soll folgen, wenn mehr Texte
vorliegen.

Nicht ganz aufgegangen sind mir die Gesichtspunkte,
nach denen auf den deutschen Seiten die griechischen
Lehnwörter in Klammer gesetzt worden sind. 3,25 ist
z. B. elxwv vermerkt, aber 3, 24 e^ovaia nicht. 4,3 steht
dya'ftdv, 4,4 sogar -einmal itvsüna, aber weder 4,2 a&»a,
noch 4,5 xaTowpcovelv. Wer sich über den Umfang des
griechischen Sprachgutes innerhalb des Koptischen unterrichten
will, der muß sich jedenfalls an den Index
der griechischen Wörter halten, der annähernd vollständig
ist. Ob ein des Koptischen Unkundiger S. 5,4:
„Sie haben getreten (Hend.)" richtig dahin verstehen
wird,, daß im Koptischen hintereinander zwei verschiedene
Wörter stehen, die beide bedeuten: „Sie haben getreten
" (Hend. = Hendiadyoin), ist mir nicht sicher.
Ebensowenig, ob eine Literaturangabe wie die (S. 7 a):
Jackson Res. 176/7 ohne Mühe aufgelöst werden wird:
A.V.W. Jackson, Researches in Manichaeism 1932. Doch
das sind Kleinigkeiten äußerlichster Art.

Oöttingen. W. Bauer.

de LabrioIIe, Prof. Pierre: La Rdaction paTenne. Etüde sur
la Polemique Antichretienne du Ier au VIe siecle. Paris: L'Artisan
du Livre 1934. (519 S.) 8°. Fr. 40—.

So oft auch in jüngster Zeit einzelne Auseinandersetzunigen
zwischen Heiden und Christen in den ersten
Jahrhunderten wissenschaftlich untersucht und erläutert
wurden, so hat doch der geistige Kampf des Heidentums
gegen das aufstrebende und siegreiche Christentum noch
keine, dem heutigen Stand der Forschung entsprechende
Oesamtdarstellung gefunden. Es war darum ein guter
Griff des im altchristlichen wie im klassischen Schrifttum
so hervorragend bewanderten französischen Philologen
, den ganzen Verlauf dieses Ringens darzustellen,
und er hat die Aufgabe, die er sich stellte, in glücklicher
Weise erledigt. Das Buch ist offenbar für weitere Kreise
berechnet, beruht aber auf gediegenster wissenschaftlicher
Grundlage. In fünf Teilen führt uns der Verf.
durch die heidnischen Angriffe und ihre christlichen
Erwiderungen von den Anfängen bis ins 6. Jahrhundert:
der erste behandelt die Zeit bis Celsus, der zweite die
Zeit von Celsus bis Origenes, der dritte die neuplatonische
Gegenwirkung, der vierte den geistigen Widerstand
des Heidentums unter dem christlichen Kaisertum, der
fünfte die letzten Kämpfe bis zur Schließung der neuplatonischen
Hochschule zu Athen i. J. 529. Innerhalb
dieser Abschnitte schildert er jeweils in kurzen Strichen
die einzelnen Persönlichkeiten, die als Gegner des Christentums
auf den Plan treten, ihren Lebens- und Bildungsgang
, soweit er uns bekannt ist, die politische,
wissenschaftliche und religiöse Umwelt, aus der heraus
sie ihre Anschauungen formten, die besondern Umstände,
unter denen sie zur Feder griffen. Sodann geht er in
ausführlichen Erörterungen, meist mit Anführung des
übersetzten, Wortlautes, auf Sinn und Tragweite der
Einwürfe und Vorwürfe gegen die christliche Weltanschauung
ein. Da uns diese meistens nur aus den christlichen
Entgegnungen bekannt sind, so verbindet sich
damit von selbst die Darstellung der christlichen Abwehr
. Der Verf. betrachtet die Dinge vom katholischen
Standpunkt aus, ohne diesen aufdringlich herauszukehren
. Immerhin hindert ihn diese persönliche Einstellung,
z. B. die Schlagkraft der bibelkritischen Einwände eines
Porphyr und Julian des „Apostaten" und die Schwäche
der kirchlichen Erklärungen bis auf den heutigen Tag
voll zur Geltung kommen zu lassen. Im Übrigen sind

gerade die Abschnitte über Porphyr (S. 223—296) und
Julian (S. 369—436), ebenso wie die über Celsus (S.
111 — 169), Philostratus (S. 170—205) und andere, wahre
Muster sorgfältiger, sachlicher Erwägung und ruhigen
,, reifen Urteils. Natürlich versäumt es de L. nicht,
auch auf die Abhängigkeit späterer Gegner von früheren
aufmerksam zu machen und darnach den Grad ihrer
„Originalität" zu bestimmen. Wir lernen so einen gewissen
Bestand von Einwürfen kennen,, der sich durch
dieses Streitschrifttum hindurchzieht, wie gegen die Lehre
von der Weltschöpfung, der Gottessohnschaft Jesu,
der Auferstehung Jesu und aller Menschen, ferner von
bibelkritischen Erwägungen. Auch weniger bekannte gelegentliche
Seitenblicke und Seitenhiebe auf das Christentum
oder bestimmte christliche Erscheinungen werden
angeführt, wie z. B. S, 200 die Grabschrift eines ge-
I wissen Gaius in Phrygien mit ihrem Ausfall gegen die
! Auferstehiungslehre, S. 470 ff. die Angriffe des Rutilius
J Namatianus auf das Mönchtum, S. 479 ff. die des Ge-
i Schichtsschreibers Zosimus, S. 481f. Anspielungen eines
| Grammatikers Palladas von Alexandrien in der griechi-
[ sehen Anthologie. In andern Fällen lehnt de L. die Ziel-
[ richtung gegen das Christentum auch ab oder läßt sie
i dahingestellt, wie z. B. bei den Auslassungen des Apu-
leius gegen seinen Schwager Ämilianus in seiner Apol.
c. 55 oder bei der Schilderung der „Megäre" in den
Metamorph. IX, 12 (S. 65 ff.). Auch die neu entdeckte
Epistula Claudiana v. J. 41 n. Chr. hat nur eine judenfeindliche
Strömung, nicht die christliche Mission im
Auge (S. 20 ff.). Den angeblichen Brief Hadrians an
seinen Freund Servianus über die Zustände in Ägypten
(bei Flav. Vopiscus, vita Saturnini 8,1) erklärt de L.
mit Recht für eine Fälschung (S. 50 ff.), wie er überhaupt
den „Geschichtsschreibern" der Historia Augu-
sta, der neuesten Forschung entsprechend, mit größter
Vorsicht gegenübersteht (S. 337ff.). Dankenswert ist
S besonders auch der Hinweis, daß in der Literatur der
Quaestiones noch zahlreiche heidnische Einwürfe stecken
(S. 487ff.). Daß er die Forschung, auch die deutsche,
ebenso wie die Quellen beherrscht, braucht bei einem
Gelehrten wie de L. kaum bemerkt zu werden. Wohl
aber verdient die Beigabe eines Namen- und Sachverzeichnisses
rühmende Erwähnung.

s. 141 wäre wohl eine kurze Erklärung am Platze gewesen, wie
Origenes zur Vorstellung kam, daß Christus von Aussehen häßlich
(Suoeiöt'ic,) gewesen sei. — S. 143 wird mit Recht bemerkt, daß
Origenes (c. Cels. VII, 16), distingue nettement entre les elements com-
plexes que Jesus associa en sa personne', daß er also jede sog. Com-
municatio idiomatum ablehnt. Dasselbe ist auch im Abendland bei
; Novatian (de Trin. 24, S. 86, 11 ff. Fausset) der Fall, während Tertullian
hierin bekanntlich anderer Ansicht ist. — Zum Oedanken des Origenes
(c. Cels. II, 30) von der vorsehungsmäßigen Zusammengehörigkeit von
Römerreich und Christentum (S. 151) vergleiche, was schon Bischof
Melito von Sardes (bei Euseb. hist. eccl. IV, 26, 7 ff.) darüber geäußert
[ hat. Der Name des bekannten Kaisers lautet doch wohl Severus Alexander,
| nicht umgekehrt (S. 185 u. 283). — Zu S. 202 A. 1 : bekanntlich
i streiten die Theologen darüber, ob Mark. 6,3 („der Zimmermann") oder
! Mt. 13, 55 („des Zimmermanns Sohn") ursprünglich sei. — S. 267 f.
i führt de L. ein Wort von Vigouroux an, das der Schrifterklärung Porphyrs
an einigen Stellen gegenüber den Antworten des Hieronymus
Recht giebt, und er nennt ihn „un exegete catholique, que sul ne soup-
connera de temerite." Es wurden aber doch durch Indexdekret vom 15.
Dez. 1923 mehrere Bände der von ihm in Verbindung mit andern
herausgegebenen biblischen Handbücher verurteilt! — Zu S. 277 A 2:
in dem Satze (Porph. Fr. 92) Sl Christi, inquiunt, quomodo potest haec
convenire ressurrectioni natorum ex semine, eins qui nnlla seminis condicione
natns est? verbindet de L. im Gegensatz zu Harnack, der ex semine eius
quietczusammennimmt, mit haec: giebt aber zu, daß diese Verbindung
I „un peu dure" sei. Soll man nicht eins auf Christi zurückbeziehen? —
S. 304 versteht de L. die Worte des Laktanz (Div. Inst. V, 2, 2) ut eo-
dem tempore Dei iemplum everteretur, wie es fast allgemein geschieht, von
der Zerstörung der Kirche in Nikodemien. Daß aber diese Deutung
angesichts des Laktanzischen Sprachgebrauchs unstatthaft ist, glaube ich
im Philologus 1920, S. 235 ff. nachgewiesen zu haben. Leider hat sich
j auch O. Krüger (bei Schanz, Gesch. d. röm. Litt. III', 1922, S. 416.
nicht davon überzeugen lassen. Ich halte aber unbedingt daran fest)
Man darf nur de mort. 1,2; 1,5; 2,6; 16,6 u. 48,13 mit den genannten
l Stellen vergleichen. Und wenn er de mort. c. 2 von Petrus in Rom
j sagt: Deo templum fidele ac stabile collocavit, so meint er sicher kein