Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1935

Spalte:

354-355

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Pohlenz, Max

Titel/Untertitel:

Antikes Führertum 1935

Rezensent:

Breithaupt, G.

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES und Prof. D. Dr. GEORG WOBRERMIN, beide in Göttingen

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER. GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften. Bearbeitet v.Bibliotheksrat Lic.Dr.phil. REICH, Bonn, u.Lic.H. SEESEMANN, Göttingen

Jährlich 26 Nrn.— Bezugspreis: halbjährlich RM 22,50

Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind a u s t c h 1 i e ß I i eh an Professor D. BAUER in Göttingen, Düstere Eichenweg 14, zu senden,
Rexensioosexemplare ausachliefilich an den Verlag. Gewähr für Besprechung oder Rücksendung von unverlangt gesandten Rezensionsexemplaren
, besonders noch bei Zusendung nach Göttingen, kann nicht übernommen werden.

Printed in Germany.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN BUCHHANDLUNG, LEIPZIG C 1
60. JAHRGANG. Nr. 20 28. SEPTEMBER 1935

Spalte

Bornhäuser: Studien zum Sondergut des

Lukas (Seesemann).............357

Brierre-Narbonne: Exegese Talmudi-

quedes Propheties Messianiques (Duensing) 356

Ekklesia (Schowalter)............. 362 Liebert: Goethes Piatomsmus (Hoffmann) 361

Goldschmidt: Der babylonische Tal- 'Manichäische Handschriften der Sammlung

Spalte

Jung: Radikaler Reform-Katholizismus

(Lerche) ..................367

de La br i o 11 e : La Reaction pai'enne (Koch) 359

mud (Duensing)..............355

H u s e m a n n : Die rechtliche Stellung Christlicher
Missionen in China (Witte) .... 366

A. Chester Beatty (Bauer).........357

M er esch k ow sk i j : Jesus der Kommende
(Leipoldt)..................356

Spalte

Poh lenz: Antikes Fiihrertum (Breithaupt) 354
Polotsky: s. Manichäische Handschriften
Reimers: Jonathan Swift (Süßkand) . . . 364
Sorokin: Soziologische Theorien im 19.

und 20. Jahrhundert (Sch inner)......365

Spieß: Deutsche Volkskunde als Erschlie-

ßerin deutscher Kultur (Vorwahl).....353

SundarSingh: Gesichte aus der jenseitigen
Welt (Witte)...........367

Sp i e 6, Karlv.: Deutsche Volkskunde als Erschließerin deutscher
Kultur. Berlin: Herbert Stubenrauch 1934. (269 S. m. 54

gebung bereits verwirklicht, jenes durch die Einrichtung
des Schlosses Bellevue als Studienhaus der Volkskunde

Abb. im Text u. a. Taf.) kl. 8°. geb. RM 4.80. vor der Verwirklichung. So ist das Buch zwar ein lei-

Nordische Rasse als Träger, arische Sprache als i denschaftliches Bekenntnis, aber nicht geeignet, die Wis-
Gefäß weisen auf ein Drittes, die Überlieferungswelt,, j senschaft zu fördern.

die in der Dreiheit von Saggut, Brauchtum und Zeitord- | Quakcnbiück. H. Vorwahl,

nung eine Einheit bildet. Ihre Untersuchung ergibt eine
scharfumrissene Weltanschauung, die durch blutgebundene
Kräfte bis auf unsere Tage in allen zugehörigen
volkskundlichen Zeugnissen unverkennbar nachwirkt (10).
Das arische Saggut ist durch eine gesetzmäßig aufgebaute
, mit bestimmten Zügen ausgestattete Erzählung
gekennzeichnet, welche die Auseinandersetzung des Helden
mit der Außenwelt zum Gegenstand hat. Auf Grund
dieser Begriffsfestlegung scheiden aus Erzählungen aus
der dämonologischen Welt und der der Zauberei (82),
die beide dem arischen Menschen ursprünglich fremd
waren. Alt dagegen im arischen Saggut sind die Zahlen
3 und 9, die mit den 3 Lichtgestalten und der 4. des

Pohlenz, Max: Antikes Fiihrertum. Cicero De offieiis und das
Lebensideal des Panaitios. Leipzig: B. Q. Teubner 1934. 0V, 148 S.)
gr. 8°. = Neue Wege zur Antike. II. Reihe: Interpretationen H. 3.

RM 7.60.

1926 hatte Pohlenz, nachdem die Forschung so oft
die Kultur nichtgriechischer Völker in ihrer Abhängigkeit
von den Griechen untersucht oder dargestellt hatte,
in einein Vortrage (Neue Jahrb. f. d. kl. Alt. 1926, 257)
einmal den Standort des Betrachters gewechselt und
die Griechen ihren Platz im Mittelpunkt mit einem solchen
an der Peripherie vertauschen lassen. An dem Beispiel
„Stoa und Semitismus" hatte er das Eindringen
Schwarzen auf das Mondgeschehen weisen, das als Aus- artfremden und zwar semitischen Denkens in griechisches
einandersetzung zwischen dem Lichten und dem Schwar- Wesen nachzuweisen unternommen. Gehören doch von
zen erscheint (136). Zenon ab zahlreiche Vertreter der alten Stoa nach ihrer

Der Verfasser folgt somit dem C. W. von Sydow- Herkunft dem Kulturbereich des Orients an. Der Aufsehen
Versuch, W. Grimms „Erbtheorie" wieder zu i satz schloß mit einem Hinweis auf den Stoiker Panaitios,
Ehren zu bringen, für den es ausgemacht war, daß in in dem hellenisches Empfinden wieder durchbricht, so
den Märchen „lauter urdeutscher Mythus" zu erkennen daß mit ihm die mittlere Stoa angesetzt wird. Sein,
war. Sie wird nur dadurch weitergeführt, daß Phasen 1 wie Pohlenz in dem gegenwärtigen Buche nachweist,
des Mondwechsels der gelehrten Phantasie Stoff bieten. : bald nach Scipios Tode (129) entstandenes Werk xeqI
Zudem werden die Verhältnisse der skandinavischen toü xcdh'ixovroc hat Cicero nach eigener Angabe in De
Heimat Sydows vorschnell auf das Festland mit seiner | offieiis I und II ausgeschrieben (die Nachträge II52ff.
sehr viel bewegteren Kulturentwicklung übertragen, denn i und II 86ff. lassen sich auf Poseidonios bezw. Antipater
der deutsche Märchenschatz ist ein Sammelbecken, in ; von Tyros zurückführen). Die vorliegende Analyse von
den seit den Kreuzzügen Erzählungen von allen Seiten : Ciceros beiden Büchern — das dritte stellt ein Problem
zusammengeströmt sind. Wir finden die gleichen Mär- j für sich dar, das Pohlenz inzwischen in den Nachr. d.
eben bei Ungarn, Türken und Lappen; im fernen und | Gört. Ges. d. Wiss. 1934 behandelt hat — bildet nun die
nahen Orient wird nicht viel anders erzählt als bei uns; ' nähere Ausführung des 1926 nur Angedeuteten und
und bei einzelnen Märchen kann man gar behaupten, gipfelt in der Feststellung: „Panaitios' Philosophie ist
daß sie a 11 e n Völkern der Erde gehören (Ranke). Wenn die Hellenisierung der Stoa". Über Unklarheiten und
der Verfasser bedauert, daß viele Märchensammlungen ! Flüchtigkeiten, Kürzungen und Unfertigkeiten des Rö-
nach der Grimmschen nicht wieder neu gedruckt sind, ' mers hinweg läßt Pohlenz die Lehre und Persönlichkeit
braucht man nicht sofort böswillige Ausmerzung „we- des Rhodiers erstehen. Die so oft mit sicherer Hand
senhaft deutscher Überlieferung" gleich der bewußten geübte Kunst der Scheidung von Original und Kopie
Verdrängung der wertvollen Rasse zu wittern, denn ne- ' bewährt sich auch hier bestens. Es zeigt sich, daß das
ben der Verlegerfrage gibt es auch ein Absterben. Wenn ', Lebensgefühl, das des Panaitios Philosophie durch-
der Verfasser ein „Heim der deutschen Volkskunde" j strömt, tatsächlich von dem des Begründers der stoi-
und Rassenpflege fordert, so ist diese durch die Gesetz- sehen Schule, der dem ethischen Optimismus der Grie-

353 354

UrB.TÜB.

?RSFPi93E _