Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1935

Spalte:

344

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Feine, Paul

Titel/Untertitel:

Theologie des Neuen Testaments 1935

Rezensent:

Bauer, Walter

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

343

Theologische Literaturzeitung 1935 Nr. IQ.

doch dieser: Jede Mazze ist „Brot", aber natürlich nicht
jedes Brot ist „Mazze". So macht J. auch sonst mancherlei
Irrtümern den Garaus, die sich besonders bei
Lietzmann und Otto finden. — Im übrigen aber sieht
J. an grundlegenden Punkten noch nicht deutlich genug
und wehrt die bis auf den heutigen Tag bei der Erklärung
der neutestamentlichen Abendmahlstexte noch immer
grassierenden „heidenchristlichen" Mißverständnisse
nicht deutlich genug ab. J.s Oedanken müßten auch

— schon um der Wirkungsfähigkeit seines Buches willen

— noch mehr auf alles das eingehen, was angesichts
des Abendmahls die kirchlichen Praktiker und vor allem
viele Laien bewegt. Diese Nöte betreffen z. B.: das
„i s t" der Abendmahlsworte, für das ja noch immer die
Meinung verbreitet ist, man könne im Hebräischen und
Aramäischen dieses „ist" durch ein besonderes Wort
nicht ausdrücken, während das doch durch ,,hu'" oder
„hi"' sehr wohl möglich ist (vgl. Dalman, Jesus-Je-
schua). Ferner werden viele durch die Frage nach
Einzelkelch, Gruppenkelch und Gesamtkelch bewegt und
nach der „sitzenden" im Unterschied von der „wandelnden
" Kommunion. Auch diese Fragen hätten von
J. genauer erörtert werden müssen, schon deswegen,
weil er doch sicher wünscht, daß seine Arbeit — vgl.
sein Vorwort — eine möglichst weitreichende Wirkung
ausübt. Auch die Frage wird von J. nicht genau genug
erörtert, welchen Sinn das „dankte" hat, d. h. die Be-
rakha. Hier handelt es sich darum, dem „heidenchristlichen
" Gedanken der „Konsekration" den Oaraus zu
machen. J. hätte den Sinn der „Berakha" erörtern
müssen. Im Zusammenhang damit wäre seine Terminologie
zu ändern; denn unter „Tischgebet" pflegt man ja
gewöhnlich auf rabbinischem Gebiet etwas anderes zu
verstehen, als er darunter versteht, auch der Sinn des
„Qiddusch" müßte deutlicher gemacht werden. Vor allem
aber: Nicht deutlich genug sieht J., daß es sich bei
„Leib und Blut" um „Fleisch (ohne Blut) und
Blut (ohne Fleisch)" handelt — vgl. „gupbo schel
pesach", Pes. X, 3 (Baneth); Joh. 6 —, um „Leib und
Seele" — basar wadam—, um den ganzen Jesus, nicht
etwa nur um seine „Leiblichkeit". An diesem „heidenchristlichen
" Mißverständnis von der „Leiblichkeit" Jesu
hängen ja z. B. diejenigen Mißverständnisse, die beim
Abendmahl von der „verklärten" Leiblichkeit Jesu reden
. — Ebenso sieht J. nicht, daß die „Aufforderung
" Jesu zum Essen und Trinken außergewöhnlich
ist und voraussetzt, daß Jesus von diesem Brot und diesem
Wein nicht mitgenießt, also die Jünger auffordern
mußte, da diese — der Sitte gemäß — sonst darauf gewartet
hätten, daß er selbst aß und trank, ehe sie aßen
und tranken. Daher ist mit dem Nichtessen und Nicht-
trinken Jesu, wodurch er sich ja von der vollen Tischgerneinschaft
ausschloß, der Hinweis auf das Neutrinken
im Reiche Gottes eng verankert. — J. lehnt bei dem
„Brot" die Ausdeutung des „Brechens" als einer symbolischen
Handlung — im Widerspruch zu seinen eigenen
Aussagen, wonach es sich dabei lediglich um die
ganz geläufige Art der Austeilung handelt — nicht deutlich
genug ab. Das hängt damit zusammen, daß ihm
die Begriffe „Leib"-„Fleisch (ohne Blut)" und „Blut"-
„Blut (ohne Fleisch)"-„See!e", beide Begriffe als in
ihrer Getrenntheit schon an sich den Tod enthaltend,
nicht deutlich genug geworden sind.

Es ließe sich noch mancherlei — z. B. zu Joh. 6
und dem Problem, inwiefern und ob Jesus bei seinem
heiligen Mahl nicht nur das Passahmahl, sondern auch
die hellenistischen Mysterienmahle hat beseitigen, ersetzen
und „erfüllen" wollen — sagen, aber ich breche
hier ab. Wünschenswert wäre, daß sowohl Dogmatiker
und praktische Theologen, als kirchliche Praktiker das
Buch von J. läsen und daraus allerlei unentbehrliches
Rüstzeug erlernten, das man kennen muß, um über die
Abendmahlsfragen sachkundig urteilen zu können.
Leipzig. Paul Fiebig.

Feine, Prof. D. Dr. Paul: Theologie des Neuen Testaments.

6. Überarb., Aufl. Leipzig: J. C. Hinrichs 1934. (XVI, 456 S.) gr. 8°.

RM 10-; geb. 12.50.
Die 6. Aufl. der weitverbreiteten Ntl. Theologie von P. Feine ist
' inhaltlich der vierten von 1922 gleich. Anläßlich des 5. Erscheinens im
| Jahre 1931 hatte der Verf. kurz in der Vorrede die für ihn bestehende
Möglichkeit dargethan, den Wortlaut unverändert zu lassen. Er glaubte
zu sehen, daß die Neuaufstellungen der Wissenschaft seit 1922 nur
I Fehlgänge bedeutet hätten, von denen man sich entweder selbst schon
| zurückzufinden begonnen habe oder deren Übertreibungen sich jedenfalls
bald abstumpfen mußten. So war nur nötig, einige Literatur nach-
i zutragen. Nach dem Tode Feines hat E. Stauffer die Weiterführung
| übernommen. Auch er hat den Textbestand unangetastet gelassen. Eine
, irgendwie nennenswerte Umgestaltung hätte wohl schon die Kürze der
| Zeit verboten. So wurde ein Manul-Neudruck hergestellt, der die Mög-
, lichkeit offen ließ, die Literaturangaben zu verjüngen, teilweise durch
I Streichung älterer Titel. Hierin sollte mit starkem Schritt weitergegangen
! werden. Sehr viele Beiträge haben wirklich nicht den inneren Wert, der
eine stets erneute Vorführung berechtigt erscheinen läßt. Und vor man-
j eher Fragestellung einer früheren Zeit dürfen wir unser Ohr heute
kurzerhand verschließen. Nur so wird es möglich sein Studenten-
' bücher auf den Umfang zu bringen, der den Oegenwartsbediirfnissen
i in mehr als einer Hinsicht entspricht.

Göttingen. W. Bauer.

i Origenes Werke XI. Band. Origenes Matthäuserklärung II: Die lateinische
Übersetzung der Commentariorum Series. Hrsg. i. Auftr. d.
Kirchenväter-Commission d. Preuss. Akademie d. Wissenschaften unter
Mitwirkung von Lic. Dr. Ernst Benz von D. Dr. Erich Klostermann
. Leipzig: J. C. Hinrichs 1933. (XI, 304 S.) gr. 8°. = Die
Oriech. Christi. Schriftsteller der ersten drei Jahrhunderte. 38. Bd.

RM 21 — ; geb 27 — .

Der vorliegende Band enthält ein Stück der Erklärung
des Origenes zum Matthäusevangelium, und zwar
das zweite, nämlich die sog. Commentariorum series.
Man versteht darunter den Teil der Auslegung des Matthäusevangeliums
, der nur lateinisch vorhanden ist. Die
lateinische Übersetzung der Matthäuserklärung setzt mit
Kap. 16,13 ein, doch ist bis 22,33 auch die griechische
! Gestalt erhalten. Die Commentariorum series beginnt
daher erst mit 22, 34 und läuft bis 27, 63.

Der, noch für dieses Jahr in Aussicht gestellte, erste
Teil wird die vollständig erhaltenen Tomoi 10—17 der
griechischen Matthäusdeutung bringen. Ein dritter endlich
soll eine Sammlung der echten und zweifelhaften
Bruchstücke, die Register und eine ausführliche Einleitung
enthalten.

Eine ausreichende kritische Ausgabe der lateinischen
j Übersetzung der Matthäusauslegung hat es bisher nicht
| gegeben. Weder die beiden de la Rue noch Lommatzsch
oder die Mignesche Patrologie sind sehr wesentlich über
die Editio prineeps des Jacob Merlin von 1512, die eine
einzige, und zwar zweitrangige Handschrift zu Grunde
gelegt hatte, hinausgekommen. Nur eine Varianlensamin-
lung aus zwei weiteren Handschriften, die sich der ältere
de la Rue besorgt und die sein Neffe veröffentlicht
1 hatte, war in den späteren Ausgaben schlecht und recht
! verwertet worden.

Die von E. Klostermann (unter Beihilfe von E. Benz)
vorgelegte Textgestaltung stellt demgegenüber etwas
j Neues und wohl Abschließendes dar. Sie ruht auf voll-
' ständiger Vergleichung dreier Handschriften, aus Rouen,
Brügge und London, von denen die erste dem 10., die
; anderen dem 12. Jahrhundert angehören. London ver-
; tritt einen jüngeren — in fünf Codices erhaltenen —
Texttypus, dem sich seiner Zeit schon Merlin angeschlossen
hatte. Rouen und Brügge sind Zeugen eines
älteren. Diesen enthielt auch jene Handschrift aus dem
9., wenn nicht gar schon 8. Jahrhundert, die Hincmar
von Rheims dem heimischen Kloster St. Remigii geschenkt
hatte und die verschwunden ist, nachdem sie
I von de la Rue noch benützt worden war. Ihre Lesarten
j müssen heute leider aus de la Rues Angaben erschlossen
werden und sind auf diesem Wege auch in die neue Ausgabe
eingegangen.

Der kritische Apparat hat grundsätzlich alles Belanglose
ausgeschlossen. Die Rechtschreibung folgt der ältesten
vorhandenen Handschrift, wobei freilich zu beden-