Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1935 Nr. 1

Spalte:

340-342

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Rad, Gerhard von

Titel/Untertitel:

Die Priesterschrift im Hexateuch 1935

Rezensent:

Rudolph, W.

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

339

Theologische Literaturzeitung 1935 Nr. 19.

;;40

man die diplomatischen Ost-West-Beziehungen schwerlich
schon mit Karl dem Großen beginnen lassen (51,
141); die naiven fränkischen Erzählungen sind bislang
nirgends durch orientalische bestätigt (DLZ LI11, 1932, i
1615ff.).

Aber Br. dringt viel weiter vor. Er will die Ursache .
des kirchlichen Zusammenbruchs im Osten ergründen. !
Reicht dazu das heutige Material wirklich aus? Oder I
sind die Urteile vielmehr gefällt aus einer bestimmten

Perspektive: Jedenfalls seien zu jeder der folgenden
ausgewählten Sätze einige Bedenken geäußert: Das j
Orientchristentum habe die Demut bis zur Entwürdigung
mißverstanden — aber die Abu Kurra, Kindi, Jachja b.
Adi usw. (64 ff.) versuchen doch, das Evangelium aus
ihrer Lage heraus zu verstehen. Es sei zu sehr in Askese
und Wunderglauben aufgegangen — es bekannte sich j
eben zum ungekürzten Evangelium einschließlich Wü- j
stenfasten und Teufelsaustreibung; andererseits gesteht j
Thomas von Marga ehrlich, daß er keine Mirakel berichten
kann (83), und mit Kritik an Auswüchsen des j
Mönchtums hält Kindi nicht zurück (83ff.). Selbst das
härte Wort von Burkitt: eine der Ursachen des Untergangs
sei die „intellectual cowardice" (4), wiederholt j
Br. mit ziemlicher Zustimmung; im ganzen habe es an j
der vom NT. stets geforderten Kraft gefehlt (84 ff.) —
auch Erdulden verzehrt Kraft. Bei alledem verfährt j
Verf. nicht etwa unfreundlich; er wendet selbst ein, ob
die westliche Christenheit unter ähnlicher Lage standgehalten
haben würde (92) — die Frage scheint aber mehr
bloß rhetorisch gestellt und reizt zu einer vielleicht me- |
chanisch klingenden Gegenfrage: die Orientchristenheit ,
ist Jahrhunderte älter; wer weiß, wie ein mit dem Maßstabe
des Verf. abgenommenes Prädikat über die Westchristenheit
um 2300 aussehen wird. Das letzte Kapitel
heißt „The empty Triumph of Islam" — auch hier ist
manches gut gesehen, daß z. B. nicht einfach der Mongolensturm
für allen Niedergang des Orients haftbar
gemacht werden kann; für das Thema aber ist es entscheidender
, daß in der neuen Zeit zu wenig Christen
mehr vorhanden sind, welche die Renaissance mitmachen
könnten, während die Moslemen ihre Leere sehr auffüllen
. Gegen die Nestorianer wird der Vorwurf erhoben
, sie hätten sich an weltliche Mächte gehängt —
ausgerechnet sie, welche sich so sehr gegen kaiserliche
Reichskonzile gesperrt, sich gegen weltliche Mächte
durchgesetzt hatten; wohl ist der Einzelfall zuzugeben,
daß der übertretende Häuptling der turkmenischen Kerait
seinen ganzen Stamm mitzog (lOlff.); ist damit aber
schon der spätere Abfall im voraus begründet, wenn im
Westen ähnliche Massentaufen, wenigstens bis jetzt, solches
Ergebnis nicht hatten? Die Mission sei zum Teil
recht äußerlich aufgetreten, so am Kaspischen Meere
(90, 95) — aber diese gerade hat Th. Hermann (ThBl
IV, 1925, 12) mit der des Bonifatius parallelisiert.

Abschließend charakterisiert Br. (107) die Mission
dieser großen Ostkirche, welche vor 1000 Jahren mit
in vorderer Front des Christentums stand, durch Römer
10, 2 — Ref. traut sich nicht, die Religiosität von Orlen- I
talen zu beurteilen, fürchtet beim heutigen Quellenstand j
auch, daß die Forschung noch nicht ohne Gefahr über
schlichte Sachdarstellung weit hinausgehen darf, während
Verf. im Orient selbst mitten drin steht in den |
„missionary activities of the Churches of the West" j
(185). Er wirkt an Henry Martyn School of Islamics I
zu Labore in Indien und widmet das Werk dem Andenken
eines ihm gleichnamigen ehemaligen Priesters der j
Anglikanisch-Erzbischöflichen Mission in der Assyrischen
Katholikatsresidenz zu Kotschannis. Kotschannis existiert
nicht mehr, der Katholikos lebt als Exulant bei
Genf, und als nach dem jüngsten Unglück der Assyrer
Erzbischof Cosmas Lang am 29. November 1933 im
Hause der Lords für sie eintreten wollte, erhielt er von
der Regierungsbank eine glatte Absage. Dies Buch aber
klingt aus in die Hoffnung, „that the faithful remnants
of the Churches of the East . . . will play their part in

the new evangelisation of Asia" (185). So ist es in die
Sphäre gläubiger Hoffnung entrückt. Der Besprechung
geht es allein um die Darstellung der Tatsachen, und
diese verdient volles Lob wegen ihrer Bedeutung für
zwei brennende Fragen: Christentum-Islam und Chri-
stentum-Orienitalentum. Es gibt ein Gebiet, wo sie wirklich
sachlich untersucht werden können, dort wo sie
ihren Ursprung haben und konkrete Gestalt gewannen:
Orientchristentum.
Hamburg. R. S t r o t h m a n n.

Rad, Lic. theol. Gerhard von: Die Priesterschrift im Hexa-

teuch. Literarisch untersucht u. theologisch gewertet. Stuttgart: W.
Kohlhammer 1934. (IV, 246 S.) gr. 8°. = Beitr. z. Wiss. vom Alten
u. Neuen Testament. Begr. von R. Kittel t- Hrsg. von A. Alt u. O.
Kittel. 4. Folge H. 13. (Der ganz. Sammig. H 65.) RM 15—.
Die Methode, literarische Unstimmigkeiten durch
Quellenscheidung zu erklären, der wir in der Anwendung
auf das jahwistische Werk die Geburt eines E und
neuerdings eines J 1 (L) verdanken, wird in der vorliegenden
Arbeit erstmals auf die Priesterschrift angewandt
: die priesterliche Grundschrift (P« ), die nach
Abzug alles sekundären Zuwachses (Ps ) übrig bleibe,
sei nicht aus einem Guß, sondern eine Zusammenarbeitung
zweier parallelgehender selbständiger Quellenschriften
PA und PB. Daß innerhalb von P« Spannungen
bestehen, ist richtig, und der Verfasser hat uns in
dieser Beziehung die Augen noch geschärft, wenn er
auch manchmal zu scharf sieht; der Weg der Quellenscheidung
scheint mir aber zu des Rätsels Lösung nicht
der richtige zu sein. Man wird von Rad beistimmen dürfen
, wenn er in den Levitenabschnitten Num. 1,50 ff.
3, 5 ff. 8,5 ff. 18, lff. zwei durchlaufende, jeweils in
gleicher Weise sachlich unterschiedene Reihen findet
(nach der einen gehören die Leviten Jahwe, nach der anderen
Aaron); auch darüber läßt sich reden, daß hinsichtlich
der Zuweisung des Landes zwei Auffassungen
nebeneinander hergehen („teils geneiell durch die Israeliten
nach Geschlechtern, teils durch das Verlosungskollegium
nach Stämmen" S. 162); aber damit ist m. E.
diese Erklärungsmöglichkeit erschöpft.

Es kanin nicht Aufgabe einer Besprechung sein, das
im einzelnen nachzuweisen; es muß genügen, die Bedenken
zu formulieren und mit Beispielen zu belegen.

1) Ob P« immer richtig abgegrenzt ist, ist zu bezweifeln
. Für mich gehört z. B. der Hauptteil von
Gen. 37,2 ebenso sicher zu J wie Ex. 1,14 a (14 b ist
R) oder wie Dt. 34,7 oder wie Num. 32, 2. 4. 5. 21f.
(in V. 2 ist, wie V. 4f. lehren, „und zu dem Priester
Eleasar und zu den Fürsten der Gemeinde" nachträglicher
Einschub; in V. 4 ist 'adat mit (?6l> durch &ns

j zu ersetzen; durch die Zuweisung von 21f. an P bliebe
| 20 ohne Nachsatz). Ex. 12, 50 ist als Abschluß von 12,43
bis 49 Ps ; Ex. 12, 51 gehört mit Ex. 13,1 zusammen
(lies thösi' ). Nrn. 25,16—18 ist ein sekundärer Zusatz
, der schon den Zusammenschluß von 25, lff. (J)
mit 25,6ff. (P) voraussetzt. Der Aufbau von Ex. 16
scheint mir wesentlich anders zu sein, als von Rad annimmt
, und daß in Jos. 1 —12 P nicht zu Worte kommt,
ist auch Eißfeldts Ansicht (Einleitung ins AT., S. 280).

2) von Rad sieht mehrfach Dubletten, wo keine
sind, sondern wo ein einheitlicher Text läuft. Ex. 6, 26
ist nicht parallel 6, 27, sondern V. 26 erwähnt den Befehl
Jahwes, V. 27 den Beginn seiner Ausführung. Ex.
8,14b drückt den Zustand nach dem Mißerfolg der
Zauberer aus. Ex. 29, 46 kann unmöglich an V. 44, sondern
nur an V. 45 anschließen (der doppelte Zweck des
Offenbarungszelts Ex. 29,42 f. findet sich ganz ähnlich
in dem einheitlichen Bericht Ex. 33,7 ff.). In Ex. 31,
12 ff. wird der Übergang von der 2. Person (14 a) auf
die dritte (16) durch die Passivkonstruktion in V. 14 b.
15 vermittelt und erleichtert, und daß in einer Rede Moses
Jahwe in der 1. Person vorkommt (13), ist wirklich
nicht so unerhört, wie R. tut (z. B. Num. 28, 2). Ex. 34,
32 ist nicht Dublette, sondern Fortsetzung von V. 31: