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Ausgabe:

1935

Spalte:

337-340

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Browne, Laurence E.

Titel/Untertitel:

The Eclipse of Christianity in Asia 1935

Rezensent:

Strothmann, Rudolf

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES und Prof. D. Dr. GEORG WOBBERMIN, beide in Göttingen

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften. Bearbeitet v.Bibliotheksrat Lic.Dr.phil. REICH, Bonn, u.Lic.H. SEESEMANN, Göttingen

Jährlich 26 Nrn.— Bezugspreis: halbjährlich KM 22.50

Manuskripte and gelehrte Mitteilungen sind a u 11 c h I i e ß 1 i ch an Professor I). BAUKK in Göttingen, Düstere Eichenweg 14. xu »enden,
Heeensionsexemplare ausschließlich an den Verlag, Gewahr für Besprechung oder Rücksendung von unverlangt gesundteu Re/.ensions-
exemplaren. besonder noch bei Zusendung nach Güttingen, kann nicht übernommen werden.

Printed in Germany.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN BUCHHANDLUNG, LEIPZIG C 1
60. JAK RGANG. Nu. 19 14. SEPTEMBER 1935

Spalte Spalte

Browne: The Eclipse of Christianity in Jerem ias: DieAbendmahlsworteJesu (Fiebig) 342

Asia (Strothmann).............337

Feine: Theologie des Neuen Testaments

(Bauer)...................344

Haller: Tracts on hberty in the Puritan

Revolution 1638—1647 (Hall)......347

Die Kirche und das Staatsproblem in der

Gegenwart (Usener)............350

Origenes Werke XI. Band (Bauer).....344

Rad: Die Priesterschrift im Hexateuch
(Rudolph).................340

Spalte

Schöffler: Die Anfänge des Puritanismus

(Hecht)...................345

Schomerus: Missionswissenschaft (Richter) 349
Schulz: Die Bedeutung der vom angelsächsischen
Methodismus beeinflußten Liederdichtung
(Günther)...........348

Browne, B. D. Laurence E.: The Eclipse of Christianity in Asia zu wollen, das wäre keime historische Wissenschaft
from the timeof Muhammad tili theFourteenthCen- , mehr. Berichte über Kirchen unter Ausschluß der orien-
tury. Cambridge: University Press 1933. (VII, 198 S.) 8". | talischen sind nicht Kirchengeschichte, obwohl — oder

o sh. 6 d. geinäß i. Kor. 10,11a gerade weil? — letztere so dürf-

Einordnnng der Schrift: Jetzt ist Epoche der Kirchengeschichte
: vordringende Aktivität auf Missionsfeldern,
Defensive in alten Kerngebieten und z. Tl. bereits im

tig geworden sind. Sie sind aber nicht zu verstehen
ohne die mittelalterliche Verbindungslinie zwischen den
Notizen aus ihren ersten Zeiten und den gelegentlichen

Neuland, leidendes Erdulden in der Orientchristenheit. Nachrichten über heutige Vorfälle; westkirchliche Histo-
lhre heutige Existenz wird wenigstens blitzartig zwar | riker des Mittelalters empfinden meist so wenig kirchen-
nicht geklärt, aber doch in Erinnerung gebracht, wenn j geschichtlich, daß sie jenes einzige Mal, wenn sie zum

Alarmnachrichten über Katastrophen etwa der Armenier
oder der Assyrer bei westlichen Christen vorübergehend
eine gewisse erregte Teilnahme erwecken. Ihre alte Geschichte
wird immerhin gestreift anläßlich der Konzile.
Wenn auch vom westlichen Blickpunkt aus verfaßt, so
lassen doch die Kirchengeschichtsbücher erkennen, daß
es damals noch um die Kirche ging, ehe man sich mit
einer Mehrheit von Kirchen, an sich einer prinzipiellen
Unmöglichkeit, abfinden wollte. Seit sie Tatsache wurde,
zerfiel die Kirchengeschichte in Partikularhistorien mit
wenig gegenseitiger Bezugnahme und ohne innere Bezogen
heit. Inzwischen ist die Erde zu einem kleinen
übersehbaren Raum geworden; die östlichen Kirchenschicksale
sind eng mit westlichen verknüpft, religiös
durch die Missionen, religionspolitisch durch die westöstlichen
diplomatischen Beziehungen, ist doch die jüngste
Vernichtung orientalischer Christen, wenn nicht der
Ursache, so doch dem Anlaß nach, Begleiterscheinung
eines inr.ereuropäischen Krieges auf orientalischem Boden
. Schon diese Tatbestände mahnen daran, das Ganze
nicht zu übersehen über den Teilen. Hinzu aber kommt
ein Umstand, den die westliche Christenheit bislang
kaum ins Auge zu fassen brauchte. Ihre Partikulargeschichten
konnten dem gegenseitigen Ringen der Einzelkirchen
einen großen Raum widmen (wodurch erst Kirchengeschichte
den Rang einer Wissenschaft intensiver
Forschung erhielt). Unterdes schoben sich außer- und
antikirchliche Fronten vor, gegen welche die innerkirchlichen
zweitrangig erscheinen. Angefangen hat es einst
im Orient mit der Gegengründung des Islam, grundsätzlich
wie in der Auswirkung etwas ganz anderes als bisherige
westliche sektiererische, philosophische, freigeistige
, wirtschaftliche u. a. Gegenströmungen'. Und
fortgesetzt ist es im Orient bis in die Gegenwart, da
der Volksganzstaat der Türkei für Christen keinen Raum
mehr ließ. Heute noch etwa das Christemschicksal bei
ihrem osteuropäischen Nachbar isoliert davon betrachten

Orient hinübergreifen, anläßlich der Kreuzzüge, gerade
von den dortigen Kirchen kaum Kenntnis nehmen.

An dieser Lücke setzt Verf. ein. Nicht als ob er sie
annähernd ausfüllte — das kleine Buch will eine Zeit
von 700 Jahren und einen Raum von Egypten bis China
und Indien decken; auch nicht als ob der Stoff völlig
unbekannt wäre. Aber Verf. trägt das weitverstreute
Material aus Originalen, Übersetzungen oder auch aus
zweiter Hand geschickt zu einem anschaulichen Mosaikbild
zusammen.

Inhalt: Äußerer Bestand und politische Bedingungen
und Erlebnisse des Christentums zur Zeit Muhammeds,
während der arabischen Eroberung, unter den Chalifen,
in der Kreuzzugs- und der Mongolenzeit; inneres kirchliches
Leben, Mission, Lehre, Wechselbeziehung zum
Islam. Verf. begnügt sich nicht mit der Zusammentra-
guing des Stoffes, sondern versucht ihn auch zu deuten,
um schließlich zu kirchengeschichtlicher Stellungnahme
von ernster Tragweite zu gelangen. Man kann aufrichtig
bewundern, wie gewandt er aus großer Belesenheit einen
allgemeinen Eindruck vermittelt, und sich doch verwundern
über seinen Mut zum abschließenden Urteil. Beides
werde an einigen Beispielen erläutert:

Br. räumt, wenn auch nicht als erster, manche geläufige
Vorstellungen weg: Bei der konfessionellen Haltung
der Ostkirchen liegt der Schwerpunkt garnicht im
Dogmatischen, für das der Orientale überhaupt keine
besondere Anlage zeigt; schon der im Westen formulierten
Dreieinigkeit steht der nestorianische Patriarch
beim Chalifen Mahdi sowie Metropolit Elias von Nisibis
ziemlich hilflos gegenüber (123f.; vgl. 6,70); berechtigt
ist die Anerkennung der nestorianischen Kulturhöhe
(51); klärend wirkt die Betrachtung der Kreuzzüge vom
Osten her; für die Gegenwart nachdenkenswert bleibt
es, wie die Einmischung des Westens in der anfangs
verheißungs-, dann so verhängnisvollen Mongolenzeit
die christliche Lage nur verschlimmerte. Übrigens kann

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für. vHR