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Ausgabe:

1935 Nr. 18

Spalte:

325-327

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Steinmann, Alphons

Titel/Untertitel:

Die Apostelgeschichte 1935

Rezensent:

Bauer, Walter

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Theologische Literaturzeitung 1935 Nr. 18.

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Ein Stellenregister würde die Verwendbarkeit des
umfangreichen Buches wesentlich erleichtern.

So ist das uns durch Begrichs Bemühungen und
selbstverleugnende Arbeit erhaltene Vermächtnis des verewigten
Altmeisters unsrer Forschung noch einmal ein
echter „Gunkel": anregend auf jeder Zeile, unablässig
zum Widersprudh und zur Auseinandersetzung herausfordernd
, mit mandier Einseitigkeit und Sonderbarkeit
behaftet, aber alles in allem eine Summa alles dessen,
was in einem drittel Jhdt. über die hebräische religiöse
Lyrik vom Vf. und anderen in oft nicht leichtem Ringen
mit Gegnern von den verschiedensten Seiten her erarbeitet
und zur Klarheit gebracht worden ist. Möge das
reichhaltige Buch dazu beitragen, nicht nur des Vf.s
Andenken zu ehren — dessen bedürfte es bei G.s überreichem
literarischem Erbe kaum — sondern namentlich
G.s Geist, den Geist der weitausholenden, wirklichkeitsnahen
und einfühlenden Forschung auf dem Boden unsrer
Disziplin lebendig zu erhalten.
Bern. Max Hailer.

Rohr, Prof. Dr. Ignaz: Der Hebräerbrief und die geheime
Offenbarung des heiligen Johannes. Ubers, u. erklärt. 4 , neu
bearb. Aufl. Bonn: P. Hanstein 1932. (VIH, 142 S.) gr. 8°. = Die
Heilige Schrift des Neuen Testamentes. Übersetzt u. erklärt i. Verbdg.
m. Fachgelehrten v. F. Tillmann, X. Bd. RM 4.60 ; geb. 6.40.

Stein mann, Prof. Dr. Alphons: Die Apostelgeschichte übersetzt
und erklärt. 4., neu bearb. Aufl. Bonn: P. Hanstein 1934. (XV, 329
S. u. 1 färb. Kartenbeilage) gr. 8°. = Die Heilige Schrift des N. T.
übersetzt u. erklärt in Verbindg. m. Fachgelehrten hrsg. von F. Tillmann,
IV. Bd. RM 11.50 ; geb. 13.70.

Sickenberger, Prof. Dr. Joseph: Die Geschichte des Neuen
Testaments 4., stark erweit. Aufl. Bonn: P. Hanstein 1934. (VIII,91
S.)gr. 8°. = Die Heilige Schrift des Neuen Testamentes übers, u. erkl. In
Verb. m. Fachgelehrten hrsg. v. F. Tillmann. I. Bd. RM 3.20 ; geb. 4.80.
Über die vierte Auflage des sog. Bonner Bibelwerkes
hat die Th. Lz. schon zweimal Bericht erstattet: Bd. 56,
1931, S. 416f. und Bd. 57, 1932, S. 510—514. Unterdessen
hat das Werk rüstige Fortschritte gemacht, so-
daß heute wiederum das Erscheinen von drei neuen Teilen
angezeigt werden kann.

Im 10. Bande hat Ignaz Rohr (1932) den Hebräerbrief
und die geheime Offenbarung des
hl. Johannes behandelt. Er faßt sich ziemlich kurz
und erledigt seine Aufgabe auf 135 Seiten, auf denen die
beiden ntl. Bücher eingeleitet, übersetzt und erklärt werden
. Der Hebräerbriet gehört nach Rom, in den paulini-
schen Kreis. Er wurde vielleicht von Apollos geschrieben
, aber jedenfalls nur so, daß dieser die Form beisteuerte
, während der Inhalt auf den Heidenapostel
selbst zurückgeht. Damit ist auch die Entstehung vor
dem Jahrs 70 gegeben. Der Leserkreis, an den sich Hb.
wendet, sind Judenchristen Palästinas.

Die Apokalypse gehört in die Zeit Domitians. Ihr
Verfasser ist der Apostel Johannes. An dem wesentlich
jüdischen Charakter ist daher nicht zu zweifeln, ebensowenig
an ihrer Einheitlichkeit. Verf. begrüßt es ausdrücklich
, daß an letzterem Punkte die Forschung zur
Einsicht gekommen sei, und man wird seine Genugtuung
teilen dürfen. Die sprachlichen Schwierigkeiten, die —
wie viele meinen — der Rückführung von Apk. und Johannesevangelium
auf ein und denselben Mann entgegenstehen
, erledigen sich nach seiner Meinung leicht (S. 63).
„Im Evangelium spricht die ruhige Überlegung, in der
Apk. zittert die Erregung der Ekstase des Sehers und
seiner Erschütterung durch das Geschaute nach, und in
dieser Erregung sprengt das heimische, aramäische Idiom
die Regeln des angelernten, des griechischen" (S. 69).
Die Deutung verbindet zeit- und endgeschichtliche Erklärung
.

Etwas bedenklich sind in diesem Beitrag gelegentliche
Mängel in den Literaturangaben. Es heißt nicht
E. Blaß (S. 9), sondern F. Bl. Ebenso F. Gogarten statt
J. G. (38). S. 1 hat J. Moffatt fälschlicherweise nur
ein t, S. 15 richtig zwei t, dagegen 61,95 und im Register
wiederum nur eins. S. 15 wird ein H. OVerberg
angeführt, der auch im Register vorkommt und da von

einem Odeberg unterschieden wird unter Hinweis auf
S. 75. In Wirklichkeit handelt es sich beidemal um den
gleichen Forscher, den Schweden Hugo Odeberg.

Sehr viel eingehender hat sich im 4. Band (1934)
Alphons Steinmann mit der Apostelgeschichte
befaßt. Man kann dieses Buch als die neuzeitliche Auslegung
der AG vonseiten der deutschen katholischen
Wissenschaft bezeichnen und muß dem Verf. dafür dankbar
sein, daß er über der Allgemeinverständlichkeit die
Gelehrsamkeit nicht hat zu kurz kommen lassen. Vollständigkeit
ist dabei insofern angestrebt worden als
„wenigstens die Spitzenleistungen der Forscher — ich
denke besonders an Loisy, Jacquier, Ramsay, Weinreich,
: Harnack, Preuschen, Zahn, Wikenhauser u. a. — durch-
gehends berücksichtigt wurden". Die ausführlichste Be-
handelung des Gegenstandes ist freilich nur in den
Nachträgen kurz erwähnt worden: The Beginnings of
Christianity 1—4, 1920—26 (es hätte 1934 schon heißen
j können: 1—5, 1920—33). Aber es ist doch alles Wichtigere
berücksichtigt. Literatur bis in die neueste Zeit
hinein ist in reicher Fülle beigebracht, und die Probleme
werden in sauberer Weise vor dem Leser entfaltet. Daß
auch St. der Kritik mit Zurückhaltung gegenübersteht,
ist selbstverständlich, ebenso, daß der spätere Harnack
hier ein, nach meinem Urteil unverdientes, Ansehen genießt
. Sogar sein auf Hobart aufgebauter Beweis für die
medizinische Durchbildung des Verfassers der AG fin-
[ det Beifall (S. 7 f.), ohne daß die kritischen Bemer-
j klingen berücksichtigt wären, die H.J.Cadbury, Journal
, of Bibl.Lit. 45, 1926, S. 190—209 dazu gemacht hat.

Die AG ist echt und glaubwürdig und gehört noch
| dem apostolischen Zeitalter an. Ihr Zweck ist kein apo-
j logetischer, erst recht nicht der Ausgleich, dem sie nach
j Meinung der Tübinger dienen sollte, sondern „Bestär-
I kung im Glauben. Es handelt sich bei ihr um den histo-
I rischen Nachweis für die göttliche Wahrheit des Evangeliums
. Und dieser ist nur so zu führen, daß Jesu
Fortleben in seinem Werk, der Kirche, möglichst glänzend
geschildert wird".

Verblüffend unempfänglich ist St. (S. 13) für die
I Schmerzen, die der eigentümliche Schluß der AG so
vielen bereitet. Er lehnt, was gemeinhin zur Erklärung
beigebracht wird, als „Phantastereien" ab und gibt sich
I wie Harnack und andere vor ihm mit der Auskunft zu-
I frieden, bei Abfassung der AG wäre der Prozeß des Pau-
| his eben noch nicht zu Ende gewesen. Damit ist die
unglücklichste Lösung, auf die man m. E. verfallen
j kann, wieder empfohlen. Doch an diesem, wie an ande-
| ren Punkten wird man schwerlich zu einer Einigung
| kommen, am wenigsten vielleicht mit mir, der ich weiter
j als je davon entfernt bin, durch die, von Harnack beobachtete
, rückläufige Strömung hin zur Tradition erfaßt
I zu werden. Darauf braucht St. keine Rücksicht zu neh-
| men. Ich bin nicht der Normaltypus seines Lesers. Dem
1 Kreise, für den er in erster Linie schreibt, hat er fraglos
einen wertvollen Dienst geleistet.

Den ersten Band bildet in dieser Auflage die Geschichte
des Neuen Testamentes von Joseph
! Sickenberger, die früher der Synoptikererklärung voraus-
| geschickt worden war. Sie zerfällt in drei Teile, einge-
■ leitet durch einen Abschnitt über „Begriff und Namen"
j des Neuen Testamentes. Die drei Abschnitte handeln
| dann von dem ntl. Text, dem ntl. Kanon und der ntl.
j Kritik. Die Verselbständigung gestattete erheblich größere
Bewegungsfreiheit und damit eine Ausführlichkeit, die
vordem nicht möglich gewesen war.

Die Forschung bis in die neueste Zeit hinein läßt
immer wieder ihre Wirkung spüren. So vernehmen wir
in der Textgeschichte von den ehester Beatty-Papyri und
j den neuen Ausblicken, die sie eröffnen. Die Beurteilung
I des ntl. Kanons und seiner Entstehung ist die in katholischen
Kreisen und darüber hinaus übliche, kann auch
J gegenüber dem, was Sickenberger früher, besonders in
seiner kurzgefaßten Einleitung 4. Aufl. 1925, ausgeführt
I hat, keine Überraschungen bringen.