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Ausgabe:

1935 Nr. 1

Spalte:

10-13

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Nigg, Walter

Titel/Untertitel:

Die Kirchengeschichtsschreibung 1935

Rezensent:

Heussi, Karl

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Theologische Literaturzeitung 1935 Nr. 1.

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ländischen nationalen Revolution. Die Anhänger des zahl von Bücherbesprechungen und eine ausgezeichnete

Calvinismus saßen in der Bourgeoisie, nicht im Volke. 1 Bibliographie beigegeben.

— J A. de Aldama: Deitas innascibilis untersucht Heidelberg. W.Köhler,
an Hand der Drucke und Manuskripte die Anathema-

tili 1 MliU *J^i m^.»— ---— - _ -_ (

tismen des libellus in modum Symboli ( _ Regula fidei Nigg) Waher. Dje Kirchengeschichtsschreibung. Grundzöge

toletana), mit dem Ergebnis, da» der Satz. Sl quiS jhrer historischen Entwicklung. München: C. H. Beck 1934 (XI

dixerit vel crediderit, deitatem innascibilem esse, ana- 27i S.) gr. 8°. rm 8.50'

thema sit, nicht ursprünglich ist. - J. Geßler: Les Es ist über 80 jahr€ her seit p c ßaur gein über_

catalogues des bibliotheques monastiques de Lobbes et aus lehrreiches Buch über die Epochen der kirchlichen

de Stavelot - von 1049 bezw. 1105. — A. Lambert: Geschichtsschreibung herausgab (1852). Seitdem ist kei-

Sur les Escntos postumos de la V. M. Kafols — die ne größere zusammenfassende Darstellung über diesen

Schriften der 1853 verstorbenen venerabilis virgo von ; Gegenstand mehr erschienen, obwohl die" wissenschaft-

Saragossa, die als aus ihrem Nachlaß herrührend be- liche Erkenntnis des ganzen Bereichs in den letzten

zeichnet werden, sind eine Fälschung, womit der Verfas- jahrzehnten durch nicht wenige Monographien erheb-

ser aber dem advocatus d.aboli des Kanonisationspro- ,ich gefördert worden ist. Nun hat ein Schweizerischer

zesses kein Material geliefert haben will. — L. Gou- Theolog, Walter Nigg, der sich bereits durch ein Buch

gaud: Sur les routes de Rome et sur le Rhin avec les über Franz Overbeck bekannt gemacht hat, ein Ruch

„peregrini" insulaires stellt d.e Nöthen über die Statio- , uber diesen Gegenstand veröffentlicht. Es ist ohne Fra^e

nen der Scoti peregrinantes zusammen, insbesondere den mit schriftstellerischem Geschick ^schrieben N weiß

iroschottischen Einfluß in der schweizerischen Rhein- dtlrch lebhafte und farbenreiche Darstellung'den'I e<er

gegend (Disentis Pfäfers, Sack.ngen) behandelnd. - , „, fesseln. Neben manchem Guten und Richtigen enthält

L. de Lagger: L'Albigeois pendant la crise de l'albi- seine Darstel,un? aiierdingS auch nicht weniges was

geisme. L'episcopat de Guilhelm Pe.re 1185-1227, will Widerspruch herausfordert g '

die Albigenserkriegc betrachten per les yeux de ce | Die si€ben Abschnitte des Buches handeln über die

drei Teilen, L geographie politique et religieuse, 2. die
Vorkrieo-speriode. der Bischof als seigneur d'Albi und
Seelsorger, 3. die Kriegszeit mit der geschickten Manövrierfähigkeit
des Kirchenfürsten, sein Land durch alle
Fährlichkeiten hindurchzusteuern. — J. Mo Hat: A pro-
pos du droit de depouille bringt eine Ergänzung zu
der Straßburger These von M. d'Aussac: Le droit de
depouille (ius spolii) 1930, indem er, z.T. in Anschluß
an die Arbeiten von Göller, die Ausübung des Spolienrechtes
durch Johann XXII. und Benedikt XII. darstellt
. Die geographische Abgrenzung der Ausübung,
die juristischen Grundlagen, die betroffenen Gegenstände
, der erhobene Widerspruch werden dargestellt. Gegenüber
dem Appetit von Königen und Herren war die
curialistische Praxis maßvoll; sie setzte erst ein „quand

seine Fortsetzer), die „konfessionelle" (die Zenturien.
Baronius), die „spiritualistische" (Gottfried Arnold), die
„pragmatische" (von Mosheim bis Planck), die „romantische
" (Neander, Hase), die „idealistische" (Baur) und
die „profane" (Karl Müller). Solche Stichworte für
die Überschriften zu verwenden ist ja meist üblich. Aber
die von N. gewählten Prädikate entstammen sehr verschiedenartigen
Kategorien und treffen nicht ausschließlich
das Phänomen, das sie charakterisieren sollen. „Mythisch
" (wie der Verf. das Wort S. 15. 18 definiert) ist
nicht nur die Kirchengeschichtschreibung des Eusebius,
sondern auch noch die der folgenden 14 Jahrhunderte;
noch Mosheim hat sich nicht ganz von Bestandteilen
befreit, die in N.s Sinn „mythisch" sind. Der Wandel
von Baur zu Karl Müller wird nicht getroffen, wenn man
listische Praxis maßvoll; sie setzte erst ein „quand j auf die „idealistische" Kirchengeschichtschreibung die
la liquidation (Schuldenbezahlung u.dgl.) etait acheyee". | „profane" folgen läßt; denn schon Baur hat immer wie-
— A de Poorter gibt den Catalogue des livres der betont, daß sein Standpunkt „einfach der rein histo-
d'heures et de pries de la bibliotheque de Bruges, zu- j rische" sei, und dieses ist es, was Müller will, während
meist aus dem 15. Jh. stammend. — L. J. M. P h i 1 i p- | die durch die unfruchtbare Diskussion um Overbeck
- - Mode gewordene Bezeichnung „profane" Kirchengeschichtschreibung
leicht irreführt und am besten schleunigst
über Bord geworfen wird. Und warum charakteri-

pen: S^ Rombaut,'sa patrie, son episeopat zerpflückt
die von F. Prims (in Collectanea Mechliniensia 22,
1933) beigebrachten Argumente für die irländische Herkunft
undöden Episkopat des h. Rumold. — E. Lousse: siert N. die Kirchenhistoriker des 18. Jahrhunderts nach
Les origines des etats des prineipautes des Pays Bas. einem Merkmal ihrer historischen Methode als praggibt
keine Darstellung, sondern methodische Winke zur matisch und die des 16. nach ihrer dogmatischen Stel-
Lösung des Problems. (Literatur, Quellen u. dgl.). — : iun.g als konfessionell? Mosheim ist ebenfalls „kon-
P- Lefevre: Le sejour du mystique brabancon Jean fessionell", ja in gewissem Sinne ist es auch Baur, wie
de Ruusbrooc ä Bruxelles prüft an Hand der reichen n. selber richtig hervorhebt (S. 215). Im ganzen füh-
Archivalien der S. Gudulakirche in Brüssel die von Po- ren Auswahl des Stoffes und Anordnung der Kapitel
merius (Anfang des 15. Jh.) gebotenen Nachrichten uber nicht über Baur hinaus, nur daß Baur, von seinen idea-
R.'s Wirken dortselbst und mahnt zur größten Vorsicht listischen Voraussetzungen aus, einen sehr viel feine-
ihnen gegenüber. — J. Zeil ler: La coneeption de ren, geschlosseneren und zwingenderen Aufhau zu geben
l'eglise aux quarre premiers siecles gibt einen Über- vermochte. Ganz wie Baur läßt N. der Charakteristik
blick, nicht ganz frei von dogmatischem Vorurteil, aber ' des Eusebius nur eine kurze Schilderung von dessen
gut orientierend, auch in dem Sonderabschnitt: les de- , Fortset/ern folgen und geht dann gleich zur Kirchenge-
buts de la primaute Romaine. — M. Bouyges: Coii* Schichtschreibung der Reformationszeit über. Augustin
naissons-nous le Mauricius hvspanus interdit par Ro- wjrd nur flüchtig gestreift; die ungeheure Bedeutung,
bert de Courcon en 1215? Antwort: nein, wie auf Grund die seiner üeschichtstheologie für mehr als ein Jahr-
einer Vorführung der verschiedenen Hypothesen anhe- tausend zukommt, tritt nicht mit erwünschter Deutlichbend
mit Renan, der unter Mauricius Averroes vermu- keit in Sicht. Dies hängt nun freilich mit der Begren-
tete, dargelegt wird. — M. Thibaut de Maisie- ( zung zusammen, die N. seiner Aufgabe gegeben hat;
res: Les musees diocesains gruppiert und charakterisiert er wjn nur von den eigentlichen Kirchenhistorikern spre-
die Diözesanmuseen nach den einzelnen Ländern, chen, und zwar nur von denen, die eine Gesamtkirchen-
Deutschland und Holland stehen an der Spitze. — G. geschichte verfaßt und diese Disziplin gefördert haben
Constant: Le reveil religieux en France au debut du (vgi_ S. IX). Man muß aber fragen, ob eine Begrenzung
XIXe siecle setzt ein mit Chateaubriand, der eingehend /.weckmäßig ist, bei der der Leser von der seit
charakterisiert wird; der Aufsatz ist noch nicht abge- einigen Jahren akut gewordenen Problematik der augu-
schlossen. stinischen oder der joachitisch - franziskanischen Ge-
Wie immer ist auch diesem Bande eine reiche An- schichtstheologie überhaupt nichts erfährt, ja bei der