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1935 Nr. 1

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8-10

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(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Revue d'histoire ecclésiastique. Tome XXIX ; 1993 1935

Rezensent:

Köhler, Walther

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Theologische Literaturzeitung 1935 Nr. 1.

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Tochter, an den Jüngling zu Nain und an Lazarus zu denken ! Begreiflich
, daß Gr. dann auch kein Bedenken hat, um die Doxologie 9, 5 auf
Christus zu beziehen. Die Gründe der Vertreter der gegenteiligen
Meinung (darunter K. Barth) glaubt er abweisen zu können. Das entscheidende
Argument, daß ein so strenger Monotheist wie Paulus unmöglich
gerade diese absolutistische Doxologie auf Christus übertragen konnte,
nimmt der Vf. wohl zu leicht. Von da aus ist es ihm dann möglich,
zu 14, 4 ff. zu bemerken, mit dem xvqioc, sei wohl der Herr Christus
gemeint, aber dann als ■deoq. Als Beispiel, wie der Vf. das Erlösungswerk
überall hineinträgt, sei die Erklärung zu 14, 14 iriiteiaum ev xvoicp
5It)goü angeführt: Durch das Werk seiner Versöhnung und Erlösung
hat unser Heiland die (durch die Sünde unrein gewordenen) Dinge wieder
alle geheiligt. Daß die Wendungen oüöev .. 8i' iavxov und das
Sätzchen 14 b diese Auffassung unbedingt verbieten, ist nicht beachtet.

Hierzu einiges Soteriologische. öixuioown ftgoü Rom. 1,17
ist die deugd en werking Gods, wodurch er die Sünde an dem Heere
Christus strafte und so in ihm Versöhnung und Erlösung für den Sünder
bewerkstelligte und dies offenbart im Evangelium. Diese selbe deugd
Gottes, die die Sünde straft und strafen muß, ist auch 3, 25 gemeint.
Entsprechend muß das öCxcuov 3, 26 im vollen göttlichen Sinn genommen
werden: in vollkommener Uebereinstimmung mit Gottes Offenbarung
(in seinem Wort), vollkommen der Forderung seines Wesens und Sprechens
in Drohung und Verheißung entsprechend. Und i^aanipiov 3, 25 ist
nicht der Sühndeckel, sondern neutrisch oder maskulinisch (eine
Entscheidung zwischen beiden Möglichkeiten ist hier nicht zu treffen):
als Sühnopfer oder als Versöhner. Endlich wird der Genetiv (Siu luotEcog)
'Iticwü Xpicrroü 3, 22 ausführlich als ein objektiver aufgewiesen.

Besonderes Interesse hat endlich noch die Erklärung von Rom. 7,
7—25. Reformierter Tradition folgend, vertritt Gr. die Beziehung des Ich
in beiden Abschnitten (die des perfektischen und des präsentischen Ich) auf
den „Apostel" Paulus, vornehmlich in Auseinandersetzung mit dem
jüngsten Vertreter der gegenteiligen Auffassung W. Kümmel („Rom 7"),
dessen besondere Idee der Stilform er strikt ablehnt: Doch ist Paulus
auch „Vorbild" für alle Gläubigen, die eben alle auch nach ihrer „Erneuerung
" ständig gegen Gottes Gesetz sich wenden, infolge der Sündigkeit
ihres Fleisches, wenn auch gegen ihren Willen. Die andere
Auslegung wird vor allem darum verworfen, weil sie im Gegensatz zu
Rom. 3, 10—18; 6, 13; 8,5-9; Eph.2,1—5; Col. 2, 13 dem Un-
bekehrten eine positive Einstellung zum Gesetz und Willen Gottes zuschreiben
würde. Daß der Text, wörtlich genommen, auch auf den
Christen nicht paßt, sieht auch Gr. Er hilft sich damit, daß er die
notwendigen christlichen Einschränkungen von sich aus hinzufügt: der
Mensch von Rom. 7 ist — von sich selbst — unfähig, die Gebote des
Gesetzes auszuführen ; er weiß keinen — menschlischen oder kreatürlichen
— Helfer. Dabei bleiben die Argumente, die die Beziehung auf den
Nichtbekehrten erzwingen, leider unerörtert. Gewiß, dem Unbekehrten
wird hier auf den ersten Anschein zu viel Ethos zugeschrieben, aber
von dem Ethos und Heilsbesitz des Christen, vollends des Apostels wird,
in stärkerem Maße, zu wenig gesagt, vom Heilsbesitz überhaupt nichts
und das scheinbare „zu viel" hat seine Analogie an den sonstigen positiven
Aussagen des Paulus über das „Sittengesetz der Heiden". Ich
halte an der These fest, daß auf die Zeichnung von Rom. 7 eine hellenistische
Lehre vom Menschen von Einfluß gewesen ist, wie denn wirklich
die nächstkommenden Analogien sich in der hellenistischen Literatur
finden.

Der Druck ist korrekt, insbesondere in den häufigen
Zitaten. Einige Akzentfehler in den griechischen Worten
stören nicht weiter.

Der Kommentar sei auch den deutschen Exegeten
zum Studium und zum Nachschlagen warm empfohlen.
Kiel. H. Windisch.

Pribnow, Lic. Hans: Die johanneische Anschauung vom
„Leben". Eine biblisch-theologische Untersuchung in religionsgesch.
Beleuchtung. Greifswald: L. Bamberg 1934. (165 S.) gr. 8°. =
Greifswalder Theol. Forschungen i. Auftr. d. Pomm. Ges. z. Förderung
d. ev.-theol. Wiss. hrsg. von D. Deitmer u. D. Freiherr v. d. Goltz.
Bd. 4. RM 4.20.

Eine Dissertation, hervorgegangen aus der Schule
von Deißner. Die eingenommene theologische Gesamthaltung
und die Hauptergebnisse entsprechen den Veröffentlichungen
von Deißner. Die Bedeutung der Arbeit
liegt darin, daß sie in gründlicher Auseinandersetzung
mit den entgegengesetzten Auffassungen den exegetischen
Einzelnachweis zu erbringen sich bemüht. Besonderes
Interesse nimmt Pribnow an der Eschatologie
des Johannes. Er geht soweit, zu urteilen: „es siegen
bei ihm mitunter die esehatologischen Gedanken über
alle anderen; es ist bei ihm die Heilshoffnung stärker
als das Bewußtsein des Heilsbesitzes" 135. Aber er
hält doch daran fest: „Das ewige Leben ist ein gegenwärtiges
Gut, das durch den Glauben angeeignet wird,
aber zugleich und ebenso auch ein zukünftiges Gut,
> auf das die Hoffnung sich richtet. Beide Momente sind
unlösbar in dem Begriff ,ewiges Leben' enthalten" 139.
Er unterscheidet demgemäß ein „unvollkommenes" und
ein „vollkommenes" ewiges Leben, das schon gegenwärtige
und das erst nach der Auferstehung besessene
126 f. Die Lebensvorstellung der Offenbarung Joh. rückt
er demgemäß von der des Evangeliums und der Briefe
nachdrücklich ab.

Pribnow verkennt, daß der joh. Lebensgedanke ursprünglich
eschatologisch ist und daß die Gegenwärtigkeit
des Lebens, die Joh. gewiß reichlich zur Darstellung
bringt, entsprechend dem johanneischen: die Stunde
kommt und ist schon jetzt, das die Zukunft in die
Gegenwart hineinnimmt, Vergegenwärtigung von Zu -
- künftigem ist; demgemäß überschätzt Pribnow auch den
j Abstand der Lebensvorstellung der Ofbg. von der des
Evgls. und der Brf. — Die Ausführungen auf S. 32 bis
I 34 und 141f. sind zu schnell fertig. 5,25 ist nicht ausreichend
gewürdigt. Grade diese Stelle liefert den bündigen
Beweis, daß das ewige Leben ursprünglich die
Auferstehung am letzten Tage ist und gegenwärtig nur
darum, weil der Sohn Gottes es jetzt schon zusagt und
i damit gibt. Auch die Beziehungen zwischen dem Leben
| und dem Geiste hätten eine eingehendere Herausarbei-
i tung verdient, als sie in den wenigen Sätzen S. 73 erhalten
. Schade ist, daß Pribnow auf die Vorgeschichte
des joh. Lebensgedankens nicht näher eingeht.

Rostock. F. Büch sei.

Matth es, Heinrich: Grundlinien der Geschichte der Christusreligion
. Mit besonderer Berücksichtigung d. Ringens m. d. Säkularismus
. Heidelberg: C. Winter 1933. (IV, 94 S.) 8°. kart. RM 3.50.

Eine Kirchengeschichte auf 94 Seiten bleibt immer
ein Wagnis, wenn sie nicht nur eine trockene Übersicht
darstellen will, sondern zugleich in das innere Leben
der geschichtlichen Epochen einführen möchte. Kirche
und Welt, das ist der große Gesichtspunkt, der der vorliegenden
Schrift ihre Eigenart verleiht und in 14 Paragraphen
durchgeführt wird. Dabei vermißt man insbesondere
ein Eingehen auf die Lösungsversuche desFrülv

j Mittelalters in den Formen des Stammeskirchentums und
der Eigenkirche. Ein wenig zu rasch erfolgt der Übergang
von Augustin zum Hl. Franziskus. Auf die aller-
neuste Entwickelung der K. G. ist nicht mehr eingegangen
. Daneben ist für die Darstellung charakteristisch die
besondere Berücksichtigung des Gemeindelebens und der
volkstümlichen Frömmigkeit. So ist nicht nur eine der
üblichen popularisierten kurzgefaßten Überblicke entstan-

j den, sondern eine eigene charaktervolle Leistung, die die
großen Linien klären hilft und neben dem Kampf zwischen
Glauben und Unglauben in der reizvoll wechselnden
Auseinandersetzung zwischen Christusreligion und
ihren Verweltlichungsversuchen das Thema der Kirchengeschichte
findet.

j Wittenberge. Wilhelm Scholz.

Revue d'histoire ecclesiastique. Tome XXIX, 1933. Louvain:
Bureaux de la Revue 1933. (1132 u. 666*S.) gr. 8°.

D. van den Eynde: Lu double edition de De uni-
j täte de S. Cyprien stellt zu dem viel verhandelten Pro-
j blem folgende These auf. Rezension A (nach Batiffol
j = B nach Koch) stammt aus der Zeit vor 255/56, nämlich
a. d. J. 251, Rezension B (= A nach Koch) nach
I dieser Zeit d. h. apres la controverse baptismale. Das
Ergebnis wird gewonnen durch Vergleich mit Parallel-
I stellen aus anderen Schriften Cyprians. Der hic - illic
Wechsel soll in A „historisch" = lapsus-schismaticus,
i in B „Iitecarisch" (simplement au contexte litteraire) verstanden
werden. — C h. Mercier: Les theories poli-
tiques des calvinistes dans les Pays Bas ä la fin du
XVIe et au debut du XVI Ie siecle charakterisiert die
Spannungen zwischen den von Frankreich kommenden,
| streng religiösen calvinistischen Ideen und der nieder-