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Ausgabe:

1935 Nr. 14

Spalte:

257-258

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schrenck, Erich von

Titel/Untertitel:

Baltische Kirchengeschichte der Neuzeit 1935

Rezensent:

Seesemann, Heinrich

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Theologische Literaturzeitung 1935 Nr. 14.

258

Bischof geweiht, gestorben war, wurde sein Bruder
Olaus Magnus (geb. 1490, gest. 1557) alsbald vom
Papste zum Erzbischof von Upsala ernannt, obwohl der
erzbischöfliche Stuhl schon seit 1531 in Lorenz Peters-
son einen lutherischen Inhaber erhalten hatte. — Die
von Buschbell unter Schwierigkeiten zustande gebrachte
Sammlung enthält 73 Briefe aus den Jahren 1524 bis
1555, von denen vier auf Johannes Magnus und 67 auf
Olaus Magnus fallen — dazu kommen eine Denkschrift
und ein Bericht der Kardinallegaten über Johannes Magnus
. Ausführlich berichtet Buschbell über die Fundorte
der Briefe und die notwendigerweise nicht ganz einheitliche
Wiedergabe der Texte; eine Übersicht aller hiermit
gedruckten Briefe der beiden Prälaten geht voran (S. XIX
bis XXIV). Wertvoll sind insbesondre die Briefe des
Olaus vom Tridentiner Konzil (1545—1549) und seine
gelegentlichen Bemerkungen über die Zeitgenossen, sowie
seine vereinzelten bissigen Randbemerkungen zu den
reformationsgeschichtlichen Ereignissen. Bugenhagen bekommt
den Ehrentitel „insignis hereticus, omnium ca-
tholicorum crudelissimus persecutor", während Justus
Jonas gar als „primogenitus diaboli, Lutheri spunus"
bezeichnet wird; Melanchthon geht ohne solche Auszeichnungen
durch diese Briefe. Olaus Magnus würde
am liebsten alle neuen, dem Zeitgeiste der Reformation
verfallenen Hochschulen in Deutschland — besonders
Wittenberg und Königsberg — schließen. — Auch literar-
geschichtlich ist die eine und die andere Bemerkung
hier und da nicht ohne Reiz, zumal wir wissen, daß
gerade Olaus Magnus an der Beschaffung und der Bearbeitung
des Materials für den „Index librorum prohi-
bitorum" (Paul IV. 1559) stark beteiligt war.

Berlin. Otto Lerche.

Schrenck, Erich von: Baltische Kirchengeschichte der Neuzeit
. Riga: Emst Plates 1933. (VI, 220 S.) gr. 8°. — Abhdlgn. d.
Herder-Ges. u. d. Herder-Instituts zu Riga. 5. Bd. Nr. 4. RM 7.60.
Erst nach dem Tode des Verfassers (f 1930) sind,
im Auftrage der Theologischen Abteilung des Herder-
Instituts zu Riga, die von Schrenck dort gehaltenen Vorlesungen
über die baltische KO der Neuzeit von seinem
Freunde und Kollegen Joh. Kirschfeldt herausgegeben
worden. So dankbar wir für diese Veröffentlichung sein
dürfen — eine Darstellung der baltischen KO der Neuzeit
fehlte bisher völlig — so wehmütig berührt es einen
dennoch, daß es dem Verf. nicht mehr vergönnt war,
die von ihm gehaltenen Vorlesungen zu einem streng
wissenschaftlichen Buch auszuarbeiten. In der vorliegenden
Form haftet ihm doch der Charakter etwas Unfertigen
an. Es setzt mit 1710 ein, d. h. mit dem Nordischen
Kriege, der für die baltischen Länder einen der
wichtigsten Einschnitte bedeutete. Über das ganze 18.
Jahrh. erfahren wir aber nur sehr Weniges, auf zusammen
nur etwa 30 Seiten. Auch die Darstellung der ersten
Hälfte des 19. Jahrh. ist kurz und zusammengedrängt
. Ausführlicher wird der Verf., wo seine eigenen
Erinnerungen einsetzen. Lebhaft und eingehend wird
die Darstellung der Dorpater Theolog. Fakultät, wie sie
der Verf. erlebt hatte, und mit der er durch persönliche
und wissenschaftliche Beziehungen eng verknüpft war;
lebhaft ist die Darstellung der Russifizierungsbestrebun-
gen seit 1887, der Revolutionsjahre 1905/06 und der
Zeit des Weltkrieges; eingehend geschildert wird dann
auch die Nachkriegszeit bis etwa 1929; hier tritt auch
das persönliche Urteil des Verf. stark hervor, dem man
sehr oft zustimmen kann, manchmal aber doch auch
einen anderen Standpunkt einnehmen möchte. — So bietet
das Buch im ganzen genommen nur einen Abriß
der neueren baltischen KQ; man hätte es gern gesehen,
wenn das im Titel erwähnt wäre. Den Verf. trifft bei
alle dem kein Vorwurf. Er konnte bei der vielfachen
Arbeit die er zu leisten hatte, nicht die ausführlichen
Quellenstudien treiben, die für eine genaue Darstellung
nötig wären. Er mußte sich mit dem begnügen, was ihm
in Riga zur Hand war. So erklärt es sich auch, daß

bei der ganzen Darstellung die Schicksale der Stadt Riga
und Süd-Livlands zu stark im Vordergrund stehen, und
die anderen Landesteile zu kurz kommen. Am stärksten
vermißt man ein Verzeichnis der Quellen, die einem für
die Zeit seit 1710 zur Verfügung stehen. In den Anmerkungen
findet sich manches. Das Wichtigste hätte
aber in einem einleitenden Kapitel zusammengestellt werden
müssen. — Zusammenfassend ist also zu urteilen:
das Buch füllt eine Lücke in der vorhandenen Literatur
aus; eine auf gründlichen Quellenstudien beruhende
gleichmäßige Darstellung der baltischen Kirchengeschichte
der Neuzeit bleibt aber weiterhin ein dringender
i Wunsch.

Güttingen. H. Seesemann.

Schaefer, Paula: Die katholische Wiedergeburt der Englischen
Kirche. München: Ernst Reinhardt 1933. (166 S.) gr. 8°.

RM 4.50; Leinen RM 6.50.
Mit peinlicher Sorgfalt hat die Verfasserin alles zusammengetragen
, was zur Stützung ihrer Idee von der
katholischen Wiedergeburt der Englischen Kirche dienen
1 kann. Auch wer einen andern Standpunkt einnimmt und
die Sache nüchterner ansieht als ein Mensch, der wie die
Verfasserin in der anglikanischen Kirche gelebt hat,
wird seine Freude an der streng wissenschaftlichen und
doch leicht lesbaren Darstellung haben.

Obwohl das Buch vor 1933 erarbeitet ist, mutet es
an, als ob es auf die Wirren in der heutigen Evangelischen
Kirche Deutschlands zugeschnitten sei. Jedenfalls
könnte man schon aus den ersten 40 Seiten lernen,
welche Irrwege beim Aufbau einer Kirche zu vermeiden
sind. Tatsächlich ist das Buch zur Jahrhundertfeier
der Oxford-Bewegung (1933) geschrieben, jener Glau-
, bensrichtung, die in akademischen Kreisen in Oxford
begann und sich dann nach vielen Schwierigkeiten zur
Volksbewegung entfaltete. Es wird die ganze Entwicklung
über Traktarianismus, Puseyismus, Ritualismus bis
in die neueste Zeit hinein geschildert. Die Oxford-Bewegung
will nichts anderes sein als die Wiederbelebung
der alten englischen Kirche, in der man „die Fortsetzung
der alten angestammten katholischen Kirche vor der Reformation
" erblickt, während „die neueste Entwicklung
der römischen Kirche in manchen Punkten als eine Fehlentwicklung
und ein Abfall vom alten Ideal" empfun-
j den wird. Vor dem „römischen Fieber" wird zwar gewarnt
, doch wird die Tatsache festgestellt, daß die
anglikanische Kirche durch das allmähliche Ausscheiden
vieler evangelischgesinniter Glieder, die in die Freikirchen
übergegangen sind, immer katholischer geworden ist. Sie
hat sich im Gegensatz zur „Wort"-Religion des Protestantismus
für den katholischen Sakramentarismus ent-
! schieden: „Die Eucharistie ist ein Opfer, das nur von
; einem in der Sukzession stehenden Priester dargebracht
: werden kann." Trotzdem hat die anglikanische Kirche
noch evangelische Momente genug (Ablehnung der päpstlichen
Unfehlbarkeit, Abendmahl in beiderlei Gestalt,
Priesterehe, freie wissenschaftliche Forschung u. s. w.),
daß sie für den „Westländer germanischer Abkunft"
geradezu als die ideale Kirche, ja als „Brückenkirche"
zur Einigung der gesamten Christenheit gepriesen werden
kann.

Da ist nun der Punkt, wo wir nicht mehr mitkönnen
. Wir bringen dem Engländer, seinem Verhältnis
zum Staat, seinem „Denken in Erdteilen" auch auf religiösem
Gebiete Verständnis entgegen, aber — „das Wort
sie sollen lassen stahn".

Neben dem Namen- und Sachverzeichnis am Schluß
ist die vollständige und zuverlässige Zeittafel für den
Historiker wertvoll.

Stettin. Hugo S tel ter.

Schoeps, Hans Joachim: Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie
in der Neuzeit Band 1. Berlin: Vortrupp Verla?
1935. (132 S.) 8°. RM 5.50

Der Verfasser ordnet — wohl stark unter dem Ein-