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Ausgabe:

1935 Nr. 14

Spalte:

250-253

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kittel, Helmuth

Titel/Untertitel:

Die Herrlichkeit Gottes 1935

Rezensent:

Schneider, Johannes

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Theologische Literaturzeitung 1935 Nr. 14.

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die Bekehrung der Fremdvölker als Folge seiner Straftaten
. X. Die freiwillige Bekehrung der Völker auf
Grund der Heilsbotschaft Israels. XI. Jahwe der Allerbarmer
und die Gleichheit aller Völker).

Den Schluß bildet (XII.) Israels Gotteserkenntnis
im Spiegel der Oedanken über Fremdvölker (S. 124 f.),
ein Autorenregister (S. 127) und Stellenregister (S. 128
bis 134). — Es handelt sich also, wie das Thema selbst
und die Aufschriften der einzelnen Teile zeigen, um
einen Ausschnitt aus der israelitischen Religionsgeschichte
von einem bestimmten Gesichtswinkel aus. Und es
ist zu gestehn, daß der Verfasser das Ringen der national
beschränkten Religion Israels um eine Entschrän-
kung von den Fesseln und Banden einer Volksreligion
deutlich und anschaulich vorführt. Die schon vor dem
Auftreten der großen Propheten in Israel vorhandenen
ethischen Gedanken, die untrennbar mit seinem üottes-
begriff, seiner Religion verbunden sind, drängen doch
zu einer Sprengung der nationalen Fesseln. Der Glaube,
daß die Feindschaft gegen Israel eine Auflehnung gegen
Jahwe selbst, als den auf Gedeih und Verderb mit
Israel verbundenen Gott, bedeutet, das Gericht also nur
die Heiden betrifft, für Israel aber Heil, Segen, Weltherrschaft
bringt, ließ sich so nicht halten. Aber war
Israel denn solcher Gnade würdig? Die Propheten antworten
mit Nein! (s. bes. Arnos). So muß also auch
über Israel das Gericht kommen, nicht zu voller Vernichtung
, aber erst zur Läuterung und dann zur Begnadigung
. Natürlich verläuft das alles nicht geradlinig:
so trifft Jesaja zuerst den Assyrer als Zuchtrute in
Jahwes Hand, daß er Israel und Juda schwer heimsuche
. Darnach aber als es Ernst ward und der Assyrer
im Land erschien, ja auch Jerusalem selbst bedrohte,
lenkte Jesaja in die Bahnen der Nationalreligion ein,
hielt das Vornehmen des Assyrers, Jerusalem mit dem
Tempel Jahwes dort zu erobern für einen Kampf gegen
Jahwe selbst, der also hier wieder an sein Volk, seinen
Tempel, sein Land (Canaan) gebunden scheint. (S. 42).
Am reinsten erscheint die Entschränkung bei Jeremia
und Deuterojesaja. Sie ist aber auch in der nachexili-
schen Gemeinde trotz Einschnürung in Kult und Forin
nicht zum Stillstand gekommen. Ja, selbst im PC. finden
wir in der Urgeschichte (Schöpfung, Flut) den Universalismus
deutlich ausgesprochen, finden wir, daß der
nach Gottes Bilde geschaffene ,Adam' nicht der israelitische
, sondern der Mensch überhaupt ist (S. 113 f.).
Auch das Büchlein Rusch, Jona wie der Dichter des
Hiob zeigen diese Weltweite, ja kämpfen bewußt gegen
die nationale Einschnürung der Religionen, wie ja auch
die Weisheitsliteratur stark universalistisch eingestellt ist.
Die Vollendung nach dieser Seite bedeutet dann Leben
und Lehre Jesu, zu dessen „Predigt . . . die Entwicklung
der alttestamentlichen Theologie der Auftakt und
die Vorbereitung ist" S. 122. — Der Hauptsache nach wird
man den Ausführungen des Verfassers beipflichten können
. Im Einzelnen muß man ja mancherlei Bedenken
haben. Ist früher vielleicht des Kritischen hier und da
zu viel getan, so schlägt das Pendel, wie das zu sein
pflegt, jetzt doch zu sehr nach der anderen Seite. Man
hat auch heute noch Grund genug, der jüdischen Überlieferung
, sowohl was das Geschichtliche wie auch den
Text und seine Erhaltung wie Überarbeitung betrifft, mit
Kritik gegenüber zu stehn. Daß der Dekalog von Mose
stammt, erscheint jetzt als festes Dogma, ob mit Recht
ist doch sehr die Frage. Damit ist noch nicht gesagt,
daß die in ihm niedergelegten religiösen und sittlichen
Gedanken sogar jung sein müßten. Vor allem darf man
die ernste kritische Arbeit der früheren Generation nicht
so abtun, wie es dem Verfasser beliebt, wenn er z. B. zu
Jes. 11,10, einem gewiß mit Recht dem Jesaja abgesprochenen
Verse, bemerkt (S. 108 Anm. 3): die Zweifel
an der Echtheit dieses letzteren Wortes beruhen lediglich
auf der bekannten liberal istischen Zwangsvorstellung
, derzufolge man den Erweis wissenschaftlicher
Befähigung nur durch möglichst reichliche negative Kritik
erbringen zu können glaubte". Abgesehn davon,
daß es nicht zutrifft: man verschone uns in der wissen-

, schaftlichen Arbeit mit Schlagworten, die aus dem politischen
Jargon genommen sind — und auch da nicht
immer zutreffen. —

Im Einzelnen ist zu bemerken: daß die Lade durch
Scheschonk mit anderen Schätzen nach Ägypten ver-

, schleppt wurde (zur Zeit des Rehabeam) 1. Kön. 14,
25 f., ist eine Vermutung, die angesichts Jes. 6,1 f.,

[ vor allem aber Jer. 3,16 (wonach der Schmerz um die
verlorene oder vernichtete Lade um 586 noch frisch ist),

; sich kaum halten läßt. Die Annahme, daß Jeremia wohl

i für sich selbst auch das Überlaufen ins babylonische
Lager ins Auge gefaßt habe (S. 78), ist angesichts der

I deutlichen Abweisung dieses Verdachtes durch den Propheten
(Jer. 37,14), schwer glaublich. Man soll ihn
doch nicht ohne Not zum Lügner stempeln. Nicht Jer.

| 51,4 erscheint Israel als das „Licht der Welt" (S.110),
eher Jes. 42, 6 — wenn man nämlich unter dem Knecht

1 Jahwes Israel versteht. — S. 43 Z. 23 v. o. lies statt

: „Babylonierheeres" „Assyrerheeres", S. 66, Anm. 34
W statt

Bonn. J. Mein hold.

Kittel, Lic. theol. Heiiniith : Die Herrlichkeit Gottes. Studien
zu Geschichte u. Wesen eines Neulestamentlichen Begriffs. Gießen:
A. Töpelmann 1934. (XII, 275 S.) gr. 8°. = Bein. z. Zeitschr. f. neu-
test. Wiss. u. d. Kunde d. ält. Kirche hrsg. von H. Lietzmann u. V.
Fitester, 16. RM 15—.

Der Vf. verfolgt zunächst die Geschichte des Wortes
86|ä bis zum 3. Jh. v. Chr. Er legt das in Betracht
kommende Material in breiter Fülle vor und kommt
| zu dem Ergebnis, daß sich alle Bedeutungen, die Ö6!=a
in der griechischen Literatur bis 200 v. Chr. aufweist,
I auf die Grundvorstellung des Meinens zurückführen las-
j sen. Etymologisch gehe 86t« auf den Stamm Sex (annehmen
) zurück. Die Worte des 8ex-8ox- Stammes sind
dann als geistiges Hinnehmen zu deuten. Eine sehr
gründliche Behandlung wird dein Gebrauch des Wortes
in der LXX zuteil. Ausführlich werden die hebr.
Aequivalente von 86|a in der LXX behandelt. Die Frage,
wie 86?<x zu der Bedeutung „Herrlichkeit" kam, beantwortet
K. folgendermaßen: Er geht von dem hebr.
tos aus und stellt fest, daß "fos an den meisten Stellen
, an denen es Aequivalent von 86fa ist, Ehre bedeutet
oder eine hiervon abgeleitete Bedeutung hat. 56$a ist
dann auch an den Stellen, wo "riaa eine andere Bedeutung
als Ehre, Ruhm u. dgl. hatte, zur Übersetzung von
Tina verwendet worden. Es handelt sich demnach um
ein ganz äußerliches, schematisches Verfahren bei der
Übersetzung der LXX. Die Übersetzer behandelten öüSa
als Schema für "1*13$. K. berührt sich in dieser Auffassung
sehr eng mit Caspari, der 665u als Beziehungsbegriff
wertet. Die Frage, ob nun auch die Leser der
LXX, die doch außerhalb dieses Übersetzungsprozesses
j stehen, öö£a im Sinne von Herrlichkeit (Offenbarungs-
herrlichkeit) verstehen konnten, erörtert der Vf. nicht.
' Aber es ist doch eine entscheidende Frage: was hatte
i die Übersetzung für einen Sinn, wenn die Leser, die
- nach dem Urteil K.'s 5<S|a immer nur als Meinung, Ehre,
Ruhm verstehen konnten, 86|a lasen und mit dem Be-
griff nicht die eigentümlich alttestamentliche Bedeutung
j O/fenbarungsherrlichkeit verbinden konnten? Sie mußten
doch z. B. bei dem Buche Ezechiel vor einem Rät-
i selwort stehen. Konnte denn hier öd?u überhaupt eine
1 Vorstellung erwecken, die auch nur einigermaßen der
i adäquat war, die sich für den hebr. Leser selbstver-
, ständlich mit STjrr} "rtas verband? Ich meine, K. kann
durch seine Hypothese wohl psychologisch verständlich
machen, wie die Übersetzer verfahren sind; er kann aber
nicht begreiflich machen, was die Leser der LXX, die
doch zum größten Teil garnicht mehr mit dem at. Text
vertraut waren, mit dem Wort Ö6£« anfangen sollten.
Hier kann m. E. nur die Hypothese helfen, daß 5ö;ö
| schon im Volksgriechischen die Bedeutung Lichtglanz