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Ausgabe:

1935 Nr. 14

Spalte:

243-245

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Elliger, Karl

Titel/Untertitel:

Deuterojesaja in seinem Verhältnis zu Tritojesaja 1935

Rezensent:

Wendel, Adolf

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'243

Theologische Literaturzeitung 1935 Nr. 14.

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halt der NT.lichen Schriften; so ist es weit mehr als
nur eine Inhaltsangabe nach Büchern und Kapiteln, man
möchte es mit dem Verfasser am besten als „AT.liche
Quellenkunde" bezeichnen. Überall tritt der wissenschaftliche
Unterbau deutlich zu Tage, sei es in den
Vorbemerkungen über die Quellenschriften der historischen
Bücher (S. 1—5; 65 f.), im Aufbau der Prophetenbücher
oder in der Anordnung von Hiob 28 und
32—37 (Elihureden) als Zutaten und Korrekturen, wofür
eine genaue, wenn naturgemäß auch knappe, Begründung
gegeben wird (S. 89).

Die Einleitung der Psalmen (S. 104) ist zu knapp; vor allein ergeben
sich Bedenken gegen die lange Reihe makkabäischer Psalmen
(S. 105). Bei Esra stört (S. 75) die einander nicht entsprechende Druckanordnung
von 4, 1 und 4, 2. Auch erscheint zu Gen 1 die Gliederung
in „Werke der Trennung" und „Werke der Ausschmückung" (S. 6)
nicht ganz glücklich. Doch das sind Kleinigkeiten.

Da das Büchlein als Hilfsbuch für die Studenten und
Bibelleser gedacht ist, muß man dankbar begrüßen, daß
der Verfasser in bewußter Beschränkung die „wissenschaftliche
Durchsehnittsrneinung" darzustellen bestrebt
ist. Das schließt natürlich seine eigene selbständige Stellungnahme
zu den schwebenden literarischen Fragen
nicht aus. Daß das Büchlein, dem wir recht viele Leser
wünschen, auch unter Nichttheotogen, bereits in zweiter
Auflage vorliegt, ist ein erfreuliches Zeichen für seinen
praktischen Wert. Möchte es recht vielen ein Führer
sein zu besserem Verständnis des Alten Testaments.
Berlin-Frohnau. Curt Kühl.

Elliger, Karl: Deuterojesaja in seinem Verhältnis zu Tritojesaja.
Stuttgart: W. Kohlhammer 1933. (XII, 308 S.) gr. 8°. = Beiträge
z. Wiss. vom Alten u. Neuen Testament. Begr. v. R. Kittel t- Hrsg.
v. A. Alt u. G. Kittel. 4. Folge H. 11. (Der ganz. Sammig. H. 63.)

RM 21—.

Nachdem Mowinkel in ZAW 1931, S. 87 ff. durch
seinen Aufsatz „Die Komposition des Deuterojesaiani-
schen Buches" die Djes-Forschung erneut angeregt und
behauptet hatte, daß Djes. selbst weder für die Sammlung
des Buches noch für die Ebed-Jahwe-Lieder als
Abfasser oder Einfüger in Frage komme, nimmt in der
vorl. Schrift Elliger den ganzen Fragenkreis noch einmal
auf. Er hatte in „Die Einheit des Tritojesaia"J
1928, nachgewiesen, daß diese 11 Schlußkapitel des Buches
Jesaia, abgesehen von einigen Zusätzen, aus der
Hand eines einzigen Propheten stammen, der ein ausgesprochener
Schüler Djes. war und im letzten Drittel des
6. Jhdts. wirkte.

Seither hatte er das Verhältnis der Beiden wesentlich
von der Seite her gesehen, daß Tjes. Werk, als das
des Schülers, abhängig war von dem Djes., als dem des
Meisters. L. Qlahn und L. Köhler: Der Prophet der
Heimkehr, Jes. 40—66, 1934, wollen gar beweisen, daß
auch 56—66 von Djes. stammen! Nun stellt E. die Frage
, ob nicht des Schülers Hand auch am Werk des
Meisters gearbeitet hat, vielleicht auch an Stellen, „in
denen man bisher ohne weiteres djes. Vorbilder für
tjes. Kopieen sah". Gerade für Stücke, die man bisher
Djes. abgesprochen habe, müsse diese Frage gestellt
werden.

Elliger nimmt den Ausgangspunkt seiner Untersuchung
bei Jes. 52, 13—53, 13, einem Stück, das bereits
von Sellin in NKZ 1930, S. 37ff. und 145 ff. mit
Wahrscheinlichkeit Tjes zugewiesen worden war. Nachdem
so, eben von Sellin, der erste Schritt getan sei,
müsse der Boden weiter in dieser Art untersucht werden,
d.h. der Anteil Tjes. an der Verkündigung Djes. nachgewiesen
werden.

Was die Untersuchungs-Methode betrifft, so ist der
Verfasser der Meinung, daß Inhalt und theologiscner
Gehalt bisher genugsam Erhebungswege gewesen seien.
Zu ihnen müßten, noch wichtiger erachtet, Sprache und
Stil treten.

Das Buch hat folgende Anlage: Ausgegangen wird
von Sellins These zu 52,13—53, 12, als tjes. Von da

1 werden die übrigen Gottesknechts-Lieder auf tjesaiani-
sche Autorschaft hin untersucht. Danach wird die exegetisch
-inhaltliche Frage für den Ebed gestellt. (I). Darauf
wird das ganze Buch Djes. auf die Frage tjes. Bestandteile
hin untersucht. Zuletzt wird nun der Anteil
Tjes. an der Komposition des ganzen Buches Djes., dargelegt
. (II.) 2 Exkurse beschäftigen sich mit Jes. 34
u. 35 sowie mit der Einheitsfrage bezüglich Jes. 56—66.
Eine literarische Analyse von Jes. 40—55 ist am Schlus-

! se als Tabelle beigegeben und trägt samt einem Num-
mernregister zur übersichtlicheren Verwendung des Buches
bei.

Die Ergebnisse sind folgende: a) Sellin hat Recht;
ein ganzes Lied stammt von Tjes; b) auch sonst finden
sich tjes. Zusätze zu den Ebed-Liedern; c) darüber
hinaus ist auch sonst im Buche Djes. tjes. Arbeit zu er-

; kenuen. Tjes. gehören in Djes. an: 42,6b und 19—23:
43,20bf (?); 44, 26 b ß und 28b; 45, 9 f und 13bßr;
46, 12 f; 47; 48; lbi und 2 und 4 und 5 b und 8 b—10
und 16b; 49,7aß—8aY und 8b«ß und 17—19 und
22—26; 50,1—3 und 10; 51, 4f und 10 b und 12—14;
52,3 und 13—53,12. 54. 55. Es soll freilich die Mög-

j lichkeit offen gelassen werden, daß manche, besonders

' unter den kleineren Stücken, doch nicht Tjes. angehören.
Trotzdem muß die These als bewiesen gelten, daß auch

i außer in den Ebedliedern Tjes. in Djes. bemerkbar ist.

1 — Der Sammler und erste Redaktor von Djes. war
Tjes., es kann sich nicht nur um ein paar belanglose Zu-

1 sätze handeln, die ihm zuzuweisen sind. Das 4. Ebedlied
gilt dem Meister, Djes. Der Ebed ist überhaupt inhaltlich
auf Djes. zu deuten. Djes. ist keine literarische Einheit
; es ist letztlich nur eine Sammlung, aber mit sinnvollem
, inhaltlich ordnendem, Plan im Einzelnen, durchgeführt
von Tjes. Den Grundstock zu Jes. 40 ff. bildet,
was Djes. bei seinem Tode an Reden, Sprüchen und
Liedern hinterließ. In Jes. 40—53 kommen Djes. etwa
420, Tjes. etwa 140 Stichen zu. In 54 und 55 kommen

I noch 50 tjes. Stichen hinzu. Jes. 40—55 als Material
wie als Sammlung ist exilisch; Jes. 56—66 ist in beiderlei
Sinn nachexilisch; 56—66 sind ausschließlich von

i Tjes. Indirekt ist so auch die These abgelehnt, Djes.

i sei überhaupt keine indiv. Persönlichkeit; so W. Caspari:

j Lieder und Gottessprüche der Rückwanderer (Jes. 40

: bis 55), 1934.

Ein Urteil über das Buch hat anzuerkennen, daß der
Verfasser prinzipiell im Rechte ist, wenn er Sprache und
Stil als in geringerem Maße der Subjektivität des Forschers
unterliegende Erhebungswege ansieht als den

• Inhalt. In dem in der Tat ausgeprägten Stil Djes. liegt

i ein Berechtigungsausweis für stilgeschiehtl. Beobachtungen
. Aber auch in der Handhabung seiner Methode

, im Einzelnen ist dem Verfasser Anerkennung zu zollen.
Die Beweise sind so gut unterbaut, der stilgeschichtlich-
sprachstatistische Weg ist mit so viel Nüchternheit, Un-
voreingenommenheit und Selbstkritik gegangen, daß die
literarischen Resultate zum mindesten im Großen einsetzender
Kritik voraussichtlich standhalten können. Der
Verfasser geht vorsichtig zu Werke, von Fall zu Fall
und Schrift für Schritt sich sichernd. Er läßt sich nicht
von vorgefaßter Meinung blind machen, verläßt sich auch
nicht auf die Stilgeschichte allein, deren Beweiskraft-
Grenzen ihm bewußt sind. So grenzt er eine Reihe von
Stücken, wie etwa 42,19—23 auch ihres Inhaltes wegen
gegen Djes. ab.

Der religionsgeschichtliche Ertrag, die Gleichsetzung
des Ebed mit Djes., wird wohl nicht die gleiche Anerkennung
finden und finden können. Mit der individualistischen
Deutung wird man sich — trotz Eißfeldts
scharfsinniger Schrift: Der Gottesknecht bei Djes., 1933

! — ja wohl befreunden können, weniger mit der auf die
Person des Propheten, mit der Mowinkels ältere Behauptung
wieder gestützt und neu aufgenommen wird.
Könnte die Lösung nicht in der Mitte zwischen Messias-
(Heilands-)Gestalt und Prophet zu suchen sein, in dem
Sinne, daß ältere Messias-Lieder auf eine bestimmte