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Ausgabe:

1935 Nr. 1

Spalte:

239

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Jung, Carl G.

Titel/Untertitel:

Seelenprobleme der Gegenwart 1935

Rezensent:

Neumann, Johannes

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Seite 1

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239

Theologische Literaturzeitung 1935 Nr. 13.

'240

sehen davon, daß eine Reihe von Nervenärzten und Psychotherapeuten
mit anderen Inhalten diese Methode ausüben
. — All unser Ringen um die Seele des Menschen
wendet sich am sein zu waches intellektuelles Bewußtsein
des inteUektualisierten abendländischen Menschen,
ein für den Seelenkundigen erkennbares fruchtloses Bemühen
, weil der Mensch zentral nicht aus seinen bewußten
Scihiichten lebt. R. versucht hier ganz nüchtern aufzuweisen
, wie die Versenkung, Meditation (nicht a dem,
was unsere Pfarrer irrig Meditation nennen) ein Weg
des unruhigen modernen Menschen ist, zur Ruhe zu kommen
. Die Inhalte der Versenkung können verschiedene
sein. R. selbst: zeigt die Meditation mit Worten des
Joh.Ev., die so zu tiefer heilender Wirkung kommen.
Wir verwendeten bei religiösen Patienten diese Meditationen
mit gutem Erfolg in der psychotherapeutischen
Praxis, natürlich neben anderen Methoden. R. irrt, wenn
er meint, daß diese Meditationen, wie er sie gibt, allein
heilend wirken zur Aufhebung der Konflikte des heutigen
Menschen, wie wir aus R.'s-Kreis selber sehen mußten.
Gießen. Johannes Neu mann.

Jung, C. G.: Seelenprobleme der Gegenwart. Zürich: Rascher
& Cie. 1931. (VII, 435 S.) 8°. = Vortrage u. Aufsätze. Psycholog.
Abhandlgrt., hrsg. v. C. G. Jung, Bd. III. RM 11.20.

Jung bietet aus seiner (neben Freud und Adler)
3. Schule der Psychotherapie eine Reihe von Aufsätzen
und Vorträgen zur Psychologie der Neurose und zur
Kulturpsychologie. Er hebt sich unter Anerkennung beider
von Freud und Adler ab, wobei ihm aber ein Mißverstehen
Adlers unterläuft. Er irrt, wenn er meint, daß
Adler den Menschen aus der Ecke des Geltungsstrebens
her versteht, und sieht nicht, wie eine Totalschau finaler
Ganzheitsbetrachtung vorliegt, wie wir an anderen Stellen
zeigten. Umfassender sind seine Beiträge zur Kulturpsychologie
des heutigen Menschen, die für den Theologen
beachtlich sind, weil Jung sowohl die Grenzen unserer
abendländischen Welt, auch in der Religion, sieht
wie das Ringen der Seele um neue Gestalt und Form in
den Konflikten der Gegenwart.

Gießen. Johannes Neu mann.

Weltmission in unserer Zeit, die soviel andere Sorgen
und Anliegen hat, die scheinbar für die stille und innerliche
Arbeit der Mission keinen Raum lassen. Aber doch
zeigt der Verfasser mit Recht, wie das Evangelium den
Völkern gerade heute nottut. Richter behandelt auch
kurz die Lage der deutschen Mission in der Heimat,
ihre Geldnöte und die Sorge um die Frage, wie die
deutsche Mission in die neu entstehende Reichskirche
so eingeordnet werden könne, daß sie aus der Enge ihres
vereinsmäßigen Betriebes in das Gesamtleben der Kirche
eingebaut werde und doch ihr die ihr nötige Freiheit
nicht verkürzt werde. Das ist natürlich eine brennende
Frage. Sie ist einstweilen dadurch in den Hintergrund
getreten, daß die Reichskirche, durch die Streitigkeiten
absorbiert, für die Neuordnung des Missionslebens heute
keine Möglichkeit hat. Aber kommen muß einmal diese
Neuordnung, das ist richtig. Freilich bin ich der Meinung
, daß die Zerrissenheit der deutschen Mission in
etwa 30 Gesellschaften unter allen Umständen beseitigt
werden muß. Das wird aber nicht möglich sein ohne
die Verkirchlichung der Mission, die ihr nur zum Heil
sein kann. Freilich haben nun die Missionen ihre eigene
Lage sehr dadurch erschwert, daß sie sich entgegen aller
bisherigen Übung und entgegen den Grundsätzen, wie
sie D. G. Warneck vertreten hat, in den kirchenpolitischen
Streit eingemengt haben, indem sie sich ausdrücklich
mit der sogenannten Bekenntnisfront für solidarisch
erklärt haben. Ich halte diesen Beschluß auf jeden Fall
für unheilvoll, mag der Kirchenstreit ausgehen, wie er
will. Denn der gute Grundsatz der Neutralität in kirchenpolitischen
Dingen, wie ihn die Missionen bis dahin
immer gewahrt hatten, ist damit verlassen worden. Man
kann nur wünschen, daß dieser Schritt nicht allzuviel
Unheil nachwirke zum Schaden der Mission.

Berlin. Johannes Witte.

Soeben erfdjien 33anb II:

2f|eoioc?ie

bes Slltett Seftaments

23on gJrof. D. SBaltfjer <£icf>robt, Söafel

I. 'Bb.: ©Ott unb ^Jolfe 300 6. gr.8°. 9vOT 6.50; geb7.50.

II. «b.: (Sott ttnb 'SBell Sprets 2.50; geb. 3.30

III. 53b.: (Sott unb äHeiijc!). 3n Vorbereitung
.5)08 oorltegenbe 2Berk uerfpricht uns enblid) bas
Sit bieten, roas fdjon lange als ein befonberes 93e=
btirfnis in ber altteftamentlidjen "JBiffenfdjaft utib bann
rocitcr in ber Rheologie überbaupt empfunben roorben
Ift: eine Shcologie bes 21 bic unter forgfamer

Sätze im vorliegenden Jahrbuch ist offensichtlich die «eniefe^tigung ber neuen Bef*l*t[id)en unb «Ilgions-

Die deutsche evangelische Heidenmission. Jahrbuch 1935 der
vereinigten deutschen Missionskonferenzen. In ihrem Auftr. hrsg. von
Julius Richter. Hamburg 13: Verl. d. Deutschen Ev. Missionshilfe 1935.
(120 S.) gr. 8°. RM 1 —.

Das neue Missionsjahrbuch bringt wie in jedem Jahr
neben der Bücherschau und dem Überblick über die Entwicklung
der deutschen Mission auf allen Missionsfeldern
der Welt eine Reihe sehr lehrreicher Aufsätze über
sehr verschiedene Themen. Die Leitlinie dieser Aufsätze
im vorliegenden Jahrbuch ist offensichtlich die roiffenfd,aftlid,en Sorf*ung "bic Religion bes ^"s als
Frage, die uns ja auch heute in der Heimat stark be- cinc tro) m^tivMa edjtchfale in fid, gefd)loffeitc
wegt, wie das Christentum in die Volksart der einzelnen
Völker eingewurzelt werden kann. Diese Frage ist in
den fernen Ländern noch schwieriger als bei uns, weil

das Christentum zu jenen Völkern im Gewände eines
abendländischen Christentums und auch Kirchentums
kommt. Keine Mission und kein Missionar kann ja die
Art ganz abstreifen, die er aus der Heimat mitbringt.
Wie die Mission darum mit Ernst ringt, daß wirklich ein
für jene Völker passendes Christentum ausgebaut werde,
natürlich ohne Entleerung der Christusbotschaft, das
zeigen die Aufsätze von D. Hartenstein über das Evangelium
in den Volksordnungen Afrikas und von D. Knak
über Wesen und Aufgaben der christlichen Gemeinde
in heidnischer Umgebung. Diese beiden Aufsätze heben
sich aus dem Inhalt des Buches als besonders wichtig
heraus. Aber auch der Aufsatz von D. Richter über die

Weltmission in der Zeitwende verdient der Erwähnung. B,.„U1.J .....

Er gibt ein offenes Bild von den Nöten der christlichen BUCHHANDLUNG IN LEIPZIG C1

Beiliegend das 2. Heft (Jahrg. XIV) des .Bibliographischen Beiblattes".
Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 6. Juli 1935.

©rufte uon befonberer ©runbtenbenä unb gleid)bleibenbc;u
©runbeharahter barftellt. 9Jtan kann bem "JScrf. nur
äufttmmen, roenn er jttr ©rreidjung biefcs 3ielcs bie
geiuo^nten ©letfe foroohl bei ber Einteilung bes 6toffes
tnie and) i" ber 'Beurteilung ber ©runbfragen altteftament»
lieben ©lattbens otelfad) oerläßt unb ftatt bogtuattfd;cr
ober entroicklungsthcuretifdjer 6d)emata fid) leblglid)
oon beut f)iftorifd)en Befunb ber altteftamentlichen Quellen
leiten läfjt. öo roirb mich bic ©lieberung bes 6toffes
tiidjt rote meift foult burd) bie cbriftlirbe Sogmatik, fon»
bem burd) bic bem 91. Z. felbft eigene Sialektik ber
Offenbarung qcliefert. . . .

©eifteskampf ber ©cgenroart (1933 9tr. 10).

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN

Verantwortlich: Prof. D.W.Bauer in Göttingen, Düstere Eichenweg 14; für den Anzeigenteil: C. Kunze, Leipzig.
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