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Ausgabe:

1935 Nr. 13

Spalte:

228-229

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gotthard, Dr. Herbert

Titel/Untertitel:

Der Text des Buches Nehemia. Prolegomena I-V 1935

Rezensent:

Jonat, Friedrich Karl

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Theologische Literaturzeitung 1935 Nr. 13.

228

Text auf den 18. Oktober 967 datiert ist, ein in den Zaubertexten
einzigartiger Fall. Die von Orohmann bearbeiteten arabischen Texte
sind typische Beispiele für die verschiedenen Amulettarten der muslimischen
Bevölkerung Ägyptens. Sie unterscheiden sich, je nachdem sie aus
Quränstellen, religiösen Formeln oder sonstigen Sätzen und Wortgruppen
gebildet sind. Zu beachten sind ein Zauber gegen die Qarlna und die
Skorpionsamulette (es wird doch wohl dies ihre Bedeutung sein, vgl.
S. 444) mit Skorpionbildern.

Von ganz allgemeinem Interesse, weil für den Text der LXX wichtig,
ist schließlich Nr. 130, ein Stück aus einem griechisch geschriebenen,
orthographisch einwandfreien Psalmentext (Ps. 70 — 72). Er wurde im
10 (!) Jahrhundert (für ein koptisches Kloster?) gefertigt, in dem allgemein
die Kopten kaum mehr Griechisch verstanden. Dieser Text erweitert
unsere Kenntnis der Oberägyptischen Psalmenrezension (Psalmi ed.
Rahlfs p. 28) und gehört zur Gruppe Sa-)-U.

3. Auf die Auswertung des Materials in einem bestimmten
Sinne ist von den Herausgebern verzichtet
worden; ihre Kommentare zu den einzelnen Stücken sind
ganz knapp gehalten. Wir bemerken hier einiges, was
als Anfang weiterer Erklärung angesehen werden kann.

Nr. 112 erinnert an die ähnlichen Darlegungen über die christliche
Religion, die Schenute vor griechischen Beamten gibt; der apologetischen
Wirkung wegen das Material des Gegners zu verändern oder geradezu
umzukehren, dürfte Erbstück der altchristlichen Apologetik sein, man
denke etwa an Piatonauslegung. — In der Fassung der Kyprianoslegende
nach der Hs. Pierpont Morgan ist die Tendenz zu beachten, dadurch
den Eindruck der verzeihenden Liebe Christi zu steigern, daß mit einer
für die Kulturgeschichte hochinteressanten Ausführlichkeit das Treiben
des Heiden Kyprian dargelegt ist. Man kann sich des Eindrucks nicht
erwehren, daß Werbung für die christliche Religion der Sinn der Legende
ist (f. 82 v° I 10 - 18, vgl. f. 84 r° I 13 ff.) Für den zukünftigen Kommentar
verweise ich zu den Geisterbeschwörungen f. 57 v° I 10-59 r° II
7 auf die Versuche der Spätantike, ein Abstraktum in seiner dem Menschen
erfahrbaren Wirkung durch Personifizierung oder Konkretisierung
eindringlich zu machen. Man kann diese Bestrebungen vielleicht als
malerische Phantasie des Abstrakten bezeichnen, wie ich es vor Jahren
tat (s. Astrologie u. Universalgeschichte, Stoicheia IX, S. 128, 4). Zur
Irreführung der griechischen Philosophen durch die Dämonen ist auf die
Irreführung der griechischen Dichter zu verweisen, die von Jupiter sangen,
was die Propheten von Christus weissagten (lustin. mart. I. Apol. cap.
21, 1-2). F. 59 v. II 20 f. scheint die Darstellung vom iranischen Sternenkampf
am Weltende (Tierkreisbilder gegen Planeten) nachzuwirken, die
in anderer Fassung bei Nonnos und Claudian wiederkehrt (Astrol. u.
Universaig. 117); bei diesen Dichtern auch spätantik der Ausdruck xw(?0S
uotocov (a. a. O. S. 19), der aus griechischer Tradition stammt und an
sich ,Tanz der Sterne' bedeutet, aber später sicher mit orientalischen
Vorstellungen vermischt wurde. F. 61 v° I 1 ff.: Vgl. zum Sternenkranz
auf dem Haupte des Teufels den Sternenkranz auf dem Haupte der
Gottheit: Boll, Aus der Offenbarung Johannis 99; Budge, Coptic Apo-
crypha fol. 18 b Zeile 12; Berl. Kopt.-Urk. I 3, 28 f. F. 64 v° I 28
übersetze ich Ejti/uu,ua> mit .rügen, tadeln,' nicht .drohen'. Selbstverwandlung
einer zaubernden Persönlichkeit in einen Vogel (f. 65 v° I 27)
schildert fesselnd Apuleius Met. III 21. F. 67 r° I 21 erinnert an die
Versiegelung von Adams Grab in der gnostisch beeinflußten Schrift
Apoc. Mosis. p. 22 ed. Tischend., vgl. den Kairiner koptischen Zaubertext
49 547 bei Kropp II Nr. 31, 7 ff. und meinen Vortrag „Die Gestalt
Christi in den kopt. Zaubertexten" S. 24, 3. Bei f. 77 v° II 8
scheint mir eine größere Textlücke angenommen werden zu müssen.
F. 81 r° II 14 ist das Mißverständnis des Ländernamens Hellas in einem
Personennamen 0EAIO2 merkwürdig und scheint auf Ägypten als
Quelle dieser Form der Kyprianlegende zu verweisen. F. 90 v°
I 15 f. 'findet man einen Beleg für die militia Christiana. Zur
Dunkelheit des Geistes durch das Erbe der griechischen Philosophie
(f. 94 v° I 15 ff.) kann man auf Orig. c. Cels. III 75 verweisen, vgl. Lact,
ep. ad Pentad. 40. — Im übrigen stammt die Hs. nicht aus dem 9.
(S. 62), sondern aus dem 10. Jahrhdt (Tafel 4).

Zu den Selenodromia im griech. Kyprianosgebet (S. 247) vgl. die
Materialien im Hwbch d. deutschen Abergl. s. v. Planeten. — Zu Nr.
123, 2 (S. 339) ist darauf zu verweisen, daß auch in koptischen Zaubertexten
das Haustor zuweilen als Platz für die Anbringung von Phylak-
terien und Schadenzauber genannt wird (Kropp I Text M 79 ff. 89 f.
95 ; Michigantext Nr. 593 ed. Worrell Am. Journ. of Sem. lang. 46,
239ff. — Zu Nr. 127: Der Gebrauch der Psalmen in der Magie wird
ausführlich besprochen von Pradel (RVV III 3, 69 ff. 129 f., dazu A.
Dieterich, Eine Mithrasliturgie 28, 1, meine Edition der Rainerpapyri
Nr. XLII und Hwbch d. deutschen Abergl. I 1219 f. — Nr. 131, 26
(vgl. S. 380): lies statt Thymas 0Y2IA MA2TIXPI. Z. 55 ergänze ich
[hen tek] nög ngöm vgl. Kropp I J 13. 23. R VI 6 VIII 7; Worrell, Copt.
Mss. = Michigan studies, hum. ser. X p. 323 I 19. — Nr. 132 ist die
Schreibung zakhe (fürAAXH?) zu beachten. — Nr. 133 dürfte kein
Zaubertext im gewöhnlichen Sinne des Wortes sein, sondern das Frg.
einer Sammlung von Mitteln gegen Bezauberung und Krankheit, vgl.
meine Edition der Rainerpapyri Nr. LI, daselbst die parallele Literatur.

| Z. 1. ist der typische Anfang solcher Rezepte. Ähnlich beginnt ein neues
Rezept Z. 7, wo ich zur Ergänzung vorschlage [o]y [shim]e usw.; diese
Krankheit BKU I 25 A 13 und in dem Michigantext ed. Worrell (Am-
Journ. of Sem lang. 46, 239 ff). Z. 16 bezweifle ich die Auflösung von
ENOYHA in Emanuel. — Nr. 135: Z. 26 und 42 beweisen, daß auf
dem Verso wieder Rezepte niedergeschrieben waren. — In Nr. 136 ist
die Verwendung des arabischen Namens Maimün als erstes Beispiel eines

! arabischen Namens zur Bezeichnung eines koptischen Dämons sehr zu
beachten. - Nr. 137 ist eine Verfluchung. Zu den Bindeformeln vgl.
den Bindezauber in PSBA 24, 329, Z. 7 und Or 1013 A Z. 3 ed. Er-
man ÄZ 33, 132 ff.; die zugehörigen Bibelstellen bei Kropp III 142,
2. Z. 37ff. hat eine annähernde Parallele in der Straßburger Verfluchung

1 Ms. copte nr. 135 (7 ff.) ed. Crum in Memoire extrait du Recueil 1922, 541.

J Man vgl. Z. 40 f. marefsöpe nthe noyrebmooyt .... efnez eböl henoytapos
(tdrpoc). Daher ist nefnesz, mißverstanden aus nefnez, in dieses zu
verbessern und zu übersetzen „möge das Fleisch des N. N. sein wie das
eines Toten und möge er liegen (wie) in einem Grabe". — Nr. 139
hat zweifellos, wie auch 140 und 141 derselbe Schreiber geschrieben.

; Z. 52 äfzök eböl heißt „es ist vollendet", „es ist zu Ende" entsprechend
dem lateinischen ,Explicit' in Hss., vgl. Manich. Hss. der Sammlung
Chester Beatty I ed. H. J. Polotzky 85, 32 und 42, 7, ferner ÄZ 70,
127 zu Kropp II Nr. XIX (meine Uebersetzung ÄZ a.a.O. ist mit Kropp
zu berichtigen). Ähnlich Nr. 142, 14 und 23, vgl. auch den Schluß
von Nr. 160 (arab.) tamma 'l-kitäb „Zu Ende ist das Kapitel". — Nr. 140,
32 „in schamloser Weise. Beschwörung." Die Abkürzung fö"| bei Preisen-
danz GZP II Index, vgl. Kropp I F 33 und Komm. II p. 100.

Bei den arabischen Texten ist zu beachten, daß Nr. 158 (Z. 70)
den Namen der Besitzerin enthält. Man hat es also mit einem Gebrauchsamulett
zu tun, das nach Formular gefertigt wurde. Für das arabische
Kyprianosgebet ist im cod. Vat. Arab. 51 das Formular, in PSR Nr.

i 820+8194-818 (1 — 8) das auf eine bestimmte Person ausgestellte Ge-

I brauchsamulett erhalten. Vgl. dazu meine Bemerkungen in der Edition
der Rainertexte S. 4f. — Zu Nr. 160 ist nach Form und Art von
den koptischen Texten zu vergleichen Kropp I K 24 ff. M 79 ff. sowie
Ryl. 104. — Nr. 161 : ein koptisches Skorpionsamulett derselben Zeit,
(10. Jhrh.) dessen Bild zwar gewandter gezeichnet ist, formal aber derselben
Kategorie von Bildern angehört wie die auf den arab. Texten
(s. Taf. 15) enthält meine Ausgabe der Rainerpapyri S. 19) (vgl. S. 41).
Griechische Parallelen aus byzantinischer Zeit GZP II Nr. XXVIII c und P 2,
doch wird Skorpionzauber an sich auch schon bei Piaton Eulhydem.
290 A erwähnt, an einer Stelle, die ein wichtiges Bindeglied zwischen
den altorientalischen und mittelalterlich-orientalischen Belegen darstellt
(zu S. 443).

Wir sprechen am Ende unserer Besprechung des
1. Bandes dieses für die religions- und kulturgeschichtliche
Forschung gleich wichtigen Buches zwei Bitten
aus. 1. Herr Orohmann möge auch die aus den bekannten
religiösen Formeln des Islams zusammengestellten
Amulette übersetzen, da man nicht bei vielen religionsgeschichtlich
arbeitenden Fachgenossen der klass.-philol.
Gruppe, für die dies Material sehr wichtig ist, Kenntnis
der arabischen Sprache voraussetzen darf; 2. Die Her-
I ausgeber mögen für den 2. Band sehr ausführliche
Wort- und Sachindices herstellen, damit das Material in
seiner ganzen Breite auch für die des Koptischen und
Arabischen nicht mächtigen theologischen und philologischen
Forscher verwendbar ist.
Mimmenhausen/Bodensee. Viktor Stegemann.

Gotthard, Dr. Herbert: Der Text des Buches Nehemia.

Prolegomena I- V. I: Riga: E. Plates 1932, u. Mitau: Buchdruckerei
U.Lithographie „Kurreme" 1933/34. II—V: (XII, 112 S.) gr. 8°.
Getroffen von Jahn's(!) Vorwurf, „daß auch die
I bedeutendsten Kritiker nur einen Blick (?) in die LXX
| werfen, wenn MT keinen Sinn gibt, statt dieselbe Wort
I für Wort zu vergleichen, was bei dem verderbten (?)
i Text dieser Bücher (Esra-Nehemia) doppelt nötig ist",
hat der Verf. nicht nur die griechischen Übersetzungen
des Buches Nehemia, sondern auch die äthiopischen,
; syrischen, arabischen und lateinischen gründlich unter-
! sucht. Seine textkritischen Ergebnisse freilich weichen
j stark von denen Jahns, Bewers, Klostermanns und Kittels
ab. Sie sind aber nach zwei Seiten hin wertvoll:
einerseits zeigt Verf., „daß eine falsche oder einseitige
Anwendung der Versionen notwendigerweise auch zu
falschen Ergebnissen führen muß, andererseits (hilft er)
: vermeiden, daß verschiedene verdorbene Übersetzungen
wieder zu Textkonstruktionen benützt werden, nachdem
i ihre Wertlosigkeit eindeutig festgestellt worden ist" (S.