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Ausgabe:

1935 Nr. 12

Spalte:

215

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wilkens, Cornelius August

Titel/Untertitel:

Otium Kalksburgense (2. Teil) 1935

Rezensent:

Walters, Peter

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215

Theologische Literaturzeitung 1935 Nr. 12.

216

Das wird in sorgsamem, oft Satz für Satz ausdrücklich
belegendem Vorgehen entwickelt, dann und wann
etwas breit, aber zuverlässig und im ganzen klar.
Das Bild der Anfänge des Erasmus hat ein gut Stück
Ausgeglichenheit gewonnen, und die Überbewertung der
devotio moderna als der Wurzel des erasmianisch-christ-
lichen Humanismus ist in m. E. zutreffender Weise ein

Engelhardt, Lic. Hans: Das Bayreuther Ordinationsbuch
(1612—1821). München: Chr. Kaiser 1934. (XI, 235 S.) gr. 8°. =
Einzelarbeiten a. d. Kirchengesch. Bayerns hrsg. i. Auftr. d. Vereins f.
bayr. Kirchengesch, von D. Dr. Schornbaum. XVI. Bd. RM 7.50

Der Verf. teilt im Vorwort mit, daß er das von ihm
veröffentlichte Ordinationsbuch im Jahre 1927 unter den
Bücherbeständen des ehemaligen Konsistoriums Bayreuth

geschränkt. Es wäre sehr zu wünschen, daß Vf. das un- j gefunden hat. Es ist einer Ausgabe des Concordienbu
ternähme, was Mestwerdt durch einen frühen Tod ver- ches beigebunden. Die 606 beschriebenen Seiten des Or-
sagt wurde, nämlich die Aufhellung der weiteren Sta- I dinahonsbuches enthalten 1678 meist eigenhändig durch
dien des Werdens der neuen, an Paulus und Christus
orientierten humanistischen Theologie. Die vorliegende
Arbeit läßt hier das Beste erwarten. — Im reichhaltigen
Literaturverzeichnis vermisse ich u.a. O. Glöckner,
Das Ideal der Bildung und Erziehung bei Erasmus von
Rotterdam. 1889. S. 74, Z. 6 soll man statt „Muse"

wohl besser „Muße" lesen.

Bonn. E. Wolf.

Leisegang, Hans: Luther als deutscher Christ. Berlin: Junker
u. Dünnhaupt 1934. (V, 142 S.) gr. 8°. RM 4.80.

Man merkt der ganzen Schrift an, daß sie nicht von
einem zünftigen Theologen geschrieben ist, sondern von
einem Philosophen. Denn die Philosophie nimmt darin

die Ordinanden vollzogene Ordinationseinträge und Verpflichtungserklärungen
auf das Concordienbueh. Als Beispiel
zitieren wir Nr. 841:

„Feria quarta, die 26. Septembris.
Ego Johannes Friedericus Pfündel Mislareutha Variscus, sacrosanctae
theologiae Studiosus, annum agens trigesimum, nunc legitime vocatus et
ordinatus pastor adjunctus Altensteiniensium, Augustanae confessioni
reliquisque libris symbolicis nomen fidemque do Iubensque subscribo die
dicto. Anni 1714."

Ein Personen- und Ortsregister erleichtern die Benutzung
dieses in mühsamer Arbeit entzifferten Buches
für die Lokalkirchengeschichte und die Aufstellung
einer series pastorum.

Kloster Loccum. Th. Laasch.

Der bekennenden Gemeinde dargeboten. Oöttingen: Vandenhoeck &
Ruprecht 1934. (88 S. m. 1 Bildn.) kl. 8". geb. RM 2.85.

Ein Büchlein von ganz besonderem Reize ist es, was

einen breiten Raum ein. Und das ist gut so. Man sieht steege, Heinrich: Ludwig Harms. Ein lutherischer Glaubenszeuge.
Luther, der ja niemals auszuschöpfen ist, wieder einmal
in einem andern Lichte. Es wird (gegen Karl Barth) die
Verbindung zwischen Luther und Eckehart gesucht. —

Luther sei kein eigentlicher Führer gewesen, sondern I uns von Heinrich Steege ^ör^
habe sich von den jeweiligen Verhältnissen treiben las- i Eigenartige nicht etwa das, daß es uns über den Mann,
sen. Auch wer in diesen beiden Stücken anderer Auf- , von dem es handelt, so ganz Neues und so ganz Bahnfassung
ist und die Synthese findet, wird durch Leise- i brechendes enthüllt. In dieser Beziehung dürfte kein
gangs Arbeit mancherlei Anregung bekommen. Das j Buch über Ludwig Harms zu erwarten sein. Seine Indi-
flott und überzeugend geschriebene Buch bedeutet ent- ; vidualität, seine Größe und auch seine Schranke sind
schieden eine Bereicherung auch der theologischen Wis- | bekannt. Wer die ausführliche Darstellung Ludwig
senschaft. ! Harms, die der dazu doch wie keiner berufene Abt Uhl-

Stettin. Hugo Stelter.

horn in der Realencyklopädie gegeben hat, kennt, der
bekommt eigentlich neue Aufschlüsse über Ludwig
Wilkens, Cornelius August: Otium Kalksburgense (2. Teil). HanT>s aus unserem Büchlein nicht wenn es auch viel
Eine neue Auswahl, besorgt von Otto Lerche. Gütersloh: C. Ber- sonst nlCht veröffentlichtes Material benutz . Und doch
telsmann 1928. (XX 231 S) 8°. RM 5—; geb. 6.50. | hat unser Buch eine ganz besondere Bedeutung, gerade
Diese 2. Auswahl aus Zehntausenden Tagebuchseiten ; «r unsere Zeit und unsere kirchliche Situation. Von
des reformierten, resignierten Pfarrers W., der in Kalks- ! Hai;ms ™uss™ ™ heute lernen: die Kirche die heute
bürg bei Wien, einer Niederlassung der Jesuiten, seinen no£h etwa's bedeuten will muß erstens echte Volks-
Lebensabend vollbrachte und ein Jünger Luthers und ! «ahe u"d zweitens volksnahe Predigt zeigen.
Vilmars und Stahls war, ist im Umbruch der Zeiten Harms spricht und versteht wirklich die Sprache seiner Luneburger
nicht veraltet und wird ihre Frische noch lange bewah- Bauern- Wie hebt er die heimatliche Mundart m der er sich mit seinen
ren. Ist doch der mit sich stets unzufriedene, durch ] "a"sgenosT und 0«neindegliedern unterhäh! Das ist die rechte
c i u • i- -c a- c i + • a„ Muttersprache unseres Landes und Volkes , sagt er, „mir geht immer
schweres Erleben immer tiefer in die Erkenntnis der das He'z anf wenn ich ejnen lattdeutsch reden höre.« wsird er von

Wege Gottes hineingeleitete hochverdiente Kirchenhisto- einem seiner Qeineindeglieder hochdeutsch angeredet, so sagt er wohl:

riker einer der wenigen Sturmvogel, die den Untergang i)Min Kindi lat uns man piattdütsch saaken, das ist dat Beste." (s. 34).

des Bestehenden ankündigten. Von den 1291 mitgeteil- Und dann in der Predigt: Das gefällt ihm, wie er ausführt, so

ten Apophthegmen nenne ich 187/8 (Leugnung der Sün- gut an diesen Patriarchen, daß sie selber backen und schlachten und

de Auffassung der Sünde als Krankheitserscheinung) : ihre Gäste bewirten. Und dann fährt er fort: „heute ist das anders

245 (Aufgabe der Innern Mission, übersehbare Gemein- geworden, die Frau bäckt ihr Brot nicht mehr selbst, die Arbeit ist ihr

den mit eignen Kirchen und Pfarrern herzustellen), ! ^u gering und "tartJteMvi^hhr *ej» *»»■,Sie steht nicht

Tr.X Vo- a nt_____i. mn iio /n „a;^ ona mehr am Waschbalg, die Finger konnten ihr entzweigehen, und waren

349 (Sinn des Pfarramts) 390-418 (Predigt) 808 ; sje entzweigegange~ dann mü(Ue Arnika darauf und das beißt. Sie

(„Dahn ist pantheistischer Determinist vom reinsten kennt aud] kdne 0arten;1rbeit mehr, und es kann vorkommen, daß sie,

Wasser, voll Hohn gegen Christum. Historisch ist in wenn sie eine stiege aushacken soll, die Hacke bei den Zinnen faßt

seinen Romanen nur die Garderobe, die Gestalten sind ! und mit dem stiel loshackt. — Die Mägde wollen auch keine Mägde

moderne Sprachrohre des AntiChristentums. Isländische ! mehr sein, sondern Damen ihrer Art. In den Kuhstall wollen sie nicht

Bauern des 17 Jahrhunderts salbadern ä la Strauß"). mehr, denn sie sind bei kleinem dahintergekommen, daß der Kuhmist

819 (Goethes Faust) 823 (Gerhart Hauptmann) 830 i stinkt, und das kann die feine Nase nicht mehr vertragen." (S. 36).

(KellerundGotthelf) 844/5 (Tolstoj) 868 (Mendelssohn) So derb spricht Harms. Ihm ist eins gewiß: Abfall

864, 869 (Richard Wagner) 970/89 (Judenfrage) 1254/ von der Natur, von ländlich-bäuerlicher Art und Sitte

74 (Jenseits). Der Herausgeber bemerkt mit Recht, zu feinerer Kultur und Zivilisation gilt ihm als Abfall von

daß in den Tagebüchern die Kampfstätte sei, von der Gott und göttlichen Ordnungen. Auch über das weitere

Wilkens als der abgeklärte Mann des Friedens stets Kapitel: „Fest im lutherischen Bekenntnis" wäre man-

wieder heimkehrte, als der ihn seine Umgebung sehen ches zu sagen. Für die Breite der Evangeliumsverkün-

durfte, und daß diese 2. Auswahl dem Material entspre- digung aber scheint mir das über sein rechtes Verwur-

chend schroffere Züge aufweisen mußte, als die erste, zeltsein in Blut und Boden gesagte heute besonders

von seinen Freunden besorgte. ' beachtsam zu sein. Bei unserm Ringen um die Seele

Koblenz. Peter Katz. unseres Volkes kann uns das Büchlein von hoher Be-

; deutung sein; auch dadurch, daß der Verfasser sehr