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Ausgabe:

1935

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1

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(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Mitteilungen der Schlesischen Gesellschaft für Volkskunde ; Bd. XXXIV 1935

Rezensent:

Vorwahl, Heinrich

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖBRIES und Prof. D. Dr. GEORG WOBBERMIN. beide in Güttingen

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D.WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften. Bearbeitet v.Bibliotheksrat Lic.Dr.phil. REICH, Bonn, u.Lic.H. SEESEMANN. Göttingen

Jährlich 26 Nrn.— Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

„ . . i._. »■-,*.«ind ausschließlich an Professor D. BAUER in Göttineen, Düstere Eichenwee 14, zu senden,

Manuskripte und Belehrte Mitteilungen »inu «" n e

_ . r * klt^llUh m den Vcrlae. Gewfihr für Uesprechunp oder Rficksenduns von unverlangt pesandten Hczen-ioni-

Rezcnsionsexrniplare au •BcnlienlicD «n ueu e r » . . » e> o

exemplaren besonder» noch hei Zusendung nach Böttingen, wird nicht üoernomnien.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN BUCHHANDLUNG, LEIPZIG C 1
60. JAHRGANG, Nr. 1__5. JANUAR 1935

Spalte

Archiv für elsässische Kirchengeschichte (Adam) 14
G r a b e r t: Die Kirche im Jahre der deutschen

Erhebung (Hees)..............20

Q r e i j d a n u s: De brief van den apostel Paulus

aan de gemeente te Rome (Windisch) ... 6
Gutmann: Zurück auf die Gottesstraße

(Witte)....................22

Koch: Gestirnverehrung im alten Italien

(Rohde)......•............ 2

Uber memorialis (Koch)............23

Spalte

Matthes: Grundlinien der Geschichte der
Christusreligion (Scholz)..........

Spalte

Revue d'histoire ecclesiastique (Köhler). ... 8
Rudolph: Jesaja 24—27 (Galling)..... 5

Mitteilungen der Schleichen Gesellschaft für Schlemmer: Von Karl Barth zu den Deut-
Volkskunde (Vorwahl)............ 1 sehen Christen (Wobbermin)........18

Nigg: DieKirchengeschichtsschreibg. (Heussi) 10:Scnwarz. Christentum, Nationalsozialismus
Pabst: Volkskirche und Freikirche (Hees) . 20j und Deutsche Glaubensbevregung (Hees) . 20
Pribnow: Die johanneische Anschauung vom jSeeberg: Meister Eckhart (Merkel).....15

Leben" (Büchsei).............. 7

Rauscher: Württembergische Reformationsgeschichte
(Schornbaum)..........16

Thomas von Aquin: Die Deutsche Thomas
Ausgabe (Piper)............13

Zwingliana (Bossert)..............17

Mitteilungen der Schlesischen Gesellschaft für Volkskunde

hrsg. von Theodor Siebs. Bd. XXXIV. Breslau: M. & H. Marcus
in Komm. 1934. (V, 380 S. m. 1 Bildn.) gr. 8°. RM 12-.

Die gesteigerte Bedeutung der Volkskunde in der
Gegenwart kommt in dem programmatischen Beitrag
von W. Steiler zum Ausdruck, der mit dem Satze beginnt
: „Deutsche Volkskunde als Wissenschaft ist ihrem
Wesen nach nationalsozialistisch." Freilich zeigen die
Mitteilungen selbst, die seit 1S94 erscheinen, wie der
Beitrag von W. Kroll über „die Erforschung des antiken
l'olksglaubens", die wesentlich durch O. Jahns
Abhandlung „Der Aberglaube des bösen Blicks bei den
Alten'' (1S55) beginnt, daß das Interesse für die Volks-

Koch, Carl: Gestirnverehrung im alten Italien. Sol Indiges
und der Kreis der di Indigetes. Frankfurt a. M.: V. Klostermann
1933. (120 S.) gr. 8°. = Frankf. Stud. z. Religion u. Kultur d. Antike.
Hrsg. von W. F. Otto. Bd. 3. RM 7.50.

Der Sonnenkult in Griechenland wie in Rom stellt die
Religionswissenschaft vor ein eigentümliches Problem:
so groß die Lichtfreudigkeit der antiken Völker ist,
so starke Beachtung die Sonne bei ihnen findet, so unbedeutend
ist ihr Kult. Helios hat noch eben am Rande
des Mythos seinen Platz, sein Dienst trägt deutlich die
Züge vorhellenischen Wesens und gilt bei den Griechen
selbst vielfach als barbarisch; in Rom nimmt die Verehrung
des Sol einen großen Raum erst ein, als der

künde sehr viel früher erwacht ist und mit dem vor sie- j Orientalismus eindringt und mit ihm die ganze östliche
ben Jahren begonnenen „Handwörterbuch des deutschen | Lichtmythologie. So ist es natürlich, daß die Zeugnisse
Aberglaubens" das Stadium encyklopädischer Verarbei- für altitalischen Sonnenkult spärlich und umstritten sind,
tung^erreicht hat. So besteht auch der Ertrag des vor- 1 Nur das eine ist sicher: die bisher fast allgemein get-
liegenden Bandes in der umsichtigen Weiterführung äl- tende Überzeugung, die Kulte des Sol und der Luna seien
terer Probleme, z. B. über den Ursprung der mittelalter- erst im 3. vorchristlichen Jahrhundert aus Griechenland
liehen Steinkrettze, den M. Hellmich mit Recht in einer nach Rom gelangt, hat von vornherein die Unwahrschein-
dem Totschläger auferlegten Sühneleistung sieht. W.Siel- lichkeit gegen sich, daß ein „auf der ganzen Linie
ler hat dazu eine sorgfältige Aufzählung und Beschrei- sterbendes Gebilde", wie der Helioskult es darstellt,
bung der niederschlesischen Steinkreuze beigesteuert. A. nach Italien hinübergezeugt haben sollte. So ist es be-
H. Krappes Beitrag über den Getreidedämon „Bilwis" rechtigt, nach den Spuren genuinen italischen Sonnenversucht
die rätselhafte Figur auf den keltischen Frucht- kultes zu fragen (der Mond tritt in Kochs Darstellung
barkeits- und Todesgott Beli zurückzuführen und macht sehr zurück), und der Verfasser unternimmt dies durch
die Ableitung des Namens in der Tat einleuchtend, über- eine Art von Schichtengrabung, indem er mit jedem Ka-
geht aber leider völlig den Ausgangspunkt des Glau- pitel in eine frühere Epoche vorzustoßen sucht,
bens, die schmalen Straßen in den Halmen, die man In Kapitel I „Orientatio" geht er das Gelände ab
neuerdings auf Kugelblitze und unterirdische Wasser- und behandelt solar orientierte Riten und Gebräuche des
ädern zurückführen will (Byloff). J. Klappers Beitrag römischen Lebens: die salutatio der Sonne, die freilich
„Das Volksgebet im schlesischen Mittelalter", H. Heckeis nur schlecht bezeugt ist, die Gebetsostung, die Bedcu-
Abhandlung „Schlesisches Schrifttum als Ausdruck schle- tung der Sonne in der Auspizin, die Drehung nach rechts
sischer Stammesart". Und G. Scharfs Sammlung „Schle- bei der adoratio, schließlich das Lustrum, das er auf der
sischer Redensarten, Sprüche und Sprichworter" sind Grundlage der Deutung W. F. Ottos als „kultische Nacheine
wertvolle Ergänzung zu Peuckerts „Schlesischer ahmung solarer Umleuchtung" versteht (mit der AbVolkskunde
". So dienen die „Mitteilungen" dem Eigen- leitung des Wortes von luere setzt er sich nicht auseinleben
der Heimat, zugleich aber werden sie durch die ander). Alle diese Riten, dessen ist der Verfasser sich
Vielseitigkeit der behandelten Probleme (Etruskerfrage bewußt, lassen jedoch keinen Schluß auf wirklichen
Bd. 1Q22!) dem übergreifenden Zusammenhang der For- Sonnenkult zu.

schung gerecht. Eine Literaturübersicht vervollständigt In Kapitel II wird versucht, die bisher übliche Entendlich
mit ihren zuverlässigen Berichten (Siebs, Ura < wertung der Überlieferung über den römischen Sonnen-

Linda Chronik) den Überblick über das gesamte Gebiet
der Volkskunde.

Quakenbrück. H. Vorwahl.

kult aufzuheben. Wer diese als Erfindung von Annalisten
und Antiquaren abtut, beraubt sich selbst einer
wichtigen Erkenntnisquelle; auch die späteste, noch so

B.TÜB.