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Ausgabe:

1935 Nr. 10

Spalte:

192

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

50 Jahre evangelischer Arbeit im Fernen Osten 1935

Rezensent:

Richter, Julius

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191 Theologische Literaturzeitung 1935 Nr. 10. 192

aufrichtig ausspricht, dadurch daß man der Wahrheit, | Wiedervereinigung im Glauben — die allein eine Rück-

so herb sie auch sein mag, ins Antlitz schaut. Die ka- kehr in die römische Kirche sein kann — natürlich nichts

tholische Kirche mag unduldsam scheinen, weil sie die | mehr im Wege. S. 119 ff., 140 ff. werden einzelne Falle

Sachlage nimmt, wie sie ist; tatsächlich bleibt sie ein- ! von Konversionen in sanften Farben geschildert: das

fach sich selber treu." Ganz verwirrend heißt es dann I Familienleben wird inniger und das Heimaterlebnis wird

S. 63 „Die Rückkehr zur Einheit im Glauben ist nicht | glühender! So liegt es im wohlverstandenen Interesse

nur eine Frage der Wahrheit, sondern ebenso sehr eine
Frage der Liebe. Doch Liebe allein, ohne Wahrheit,
löst Fragen dieser Art nicht."

Andre Punkte mögen nun kürzer abgemacht werden

des Landes, wenn recht viele Volksgenossen von der
Übertrittsmöglichkeit Gebrauch machen, um so auch
von sich aus zur Beseitigung des 400 Jahre alten Irrtums
beizutragen.

Besonders kränkend hat es B. empfunden, daß der große ! Der französische Protestantismus der Schweiz und

interkonfessionelle Gottesdienst in Lausanne, an dem
Anglikaner, Reformierte, Altkatholiken und Lutheraner
teilnahmen, ausgerechnet von einem Altkatholiken geleitet
wurde, der früher römischer Priester war und jetzt
eine große Rolle in der Freimaurerloge spielt (S. 55 ff.).
Die Furcht der römischen Katholiken vor der Freimaurerei
ist bekannt, eine neue Erörterung der Gründe können
wir uns hier trotz der Ereignisse in Mexiko sparen.
Aber B. ist gewiß der Freimaurerei nicht darum gram,
weil auch sie sich in ihrer Weise um die Wiedervereinigung
bemüht hat, allerdings kann man nicht sagen Wiedervereinigung
im Glauben, sondern mehr in einer dei-
stisch-rationalistischen Gottschau (vgl. C. W. Hering,
Geschichte der Unionsversuche Bd. 2, 1838, S. 419 ff.).
Die scharfen Ausfälle gegen den Altkatholizismus aber
stehen im Gegensatz zu B.'s sonst so milder Haltung. —
Pfarrer Favre lehnt in einem Briefe an Silvester
Baudraz die Schließung gemischter Ehen keineswegs
ab — nein, er hält sie nur für ein Übel, das man möglichst
vermeiden müsse. „Wir verlangen von den Brautleuten
das Versprechen, alle ihre Kinder im katholischen Glau-

Frankreichs hat nun die wichtige Aufgabe, diesem geschickten
und darum nicht ungefährlichen Buche Bes-
sons etwas Gleichwertiges gegenüberzustellen, das Richtigkeit
der Reformation, Segen und Sendung der bestehenden
Glaubensspaltung und schließlich die Einheit
im evangelischen Glauben ins rechte Licht setzt.

Berlin. Otto Lerche.

Hutten, Dr. Kurt: Um Blut und Glauben. Evangelium und völkische
Religion. Stuttgart: J. F. Steinkopf [1932]. (128 S.) kl. 8°. =
Wege zur Wahrheit 3. Bd. RM 2 — .

Der Verfasser ist schon als religionswissenschaftlicher
Schriftsteller gut bekannt, namentlich durch seine
Schrift über die Bhakti-Religion Indiens und den Glauben
im N. T. Diese vorliegende Schrift ist anscheinend
bei ihrem Erscheinen im Jahre 1932 wenig beachtet worden
. Damals waren diese Probleme, abgesehen vom
Tannenbergbund, noch nicht so brennend wie heute. Obwohl
aber unter der Sicht der damaligen Lage geschrieben
kann die Schrift auch heute noch allen christlichen
Kreisen gute Dienste tun. Sie hat Verständnis für die
neue religiöse Schau, welche die Frontkämpfer gewonnen
taufen und erziehen und die Trauung nicht von dem j neu haben, und gibt eine feine Kennzeichnung des reli-

Geistlichen eines anderen Bekenntnisses vornehmen zu | giösen Suchens dieses neuen Geschlechts. Sie deckt
lassen" (S. 217 f.). B. setzt voraus, daß die andre Kon- j aber auch gründlich die Mängel der völkischen Reli-
fession ebenso vorgehen wird, daß dann die Mischehen, j giosität auf, namentlich gegenüber Rosenberg und M.

die eine Gefahr für die Kirche — großmütig: für jede
Kirche — sind, von selbst aufhören. Wir können uns
allerdings vorstellen, daß es evangelische Pfarrer gibt,
die um des Evangeliums willen solche starren Forderungen
vermeiden, daß Theorie und Praxis hier weit
auseinander führen. —

Ludeiidorff. Sie zeigt treffend, wie unernst die völkische
Religion ist, wie alle Dinge verharmlost werden und
daß im Grunde diese Religion „vom Menschen her" ist,
ein Gebilde seiner Selbstvergötterung. Daher deren
Kampf gegen den wirklichen Gott, gegen den persönlichen
Gott als den Herrn. Sehr gut wird zum Schluß

Hinsichtlich des Allerseelentages, des Gedenktages I vom deutschen Christentum geredet, nicht in flacher
für die Verstorbenen, liegt die Gefahr der Verwirrung der Gleichsetzung sondern in der segensvollen polaren Span-
Begriffe nahe. Die evangelische Gedenkfeier für die j nung der Begriffe Deutschtum und Christentum. Viel
Verstorbenen ist etwas ganz anderes als das von der ■ tiefer und ernster wird hier die Frage gefaßt als z. B.
katholischen Kirche vorgeschriebene und als heilsam ; bei Dinter oder Andersen. Diese Schrift kann für die
betrachtete Gebet für die armen Seelen. Wenn die evan- ' praktische Auseinandersetzung mit der völkischen Reli-
gelische Öffentlichkeit gedankenlos die katholischen Feste gion gute Dienste tun.

dieser Art mitbegeht, dann erkennt sie Wert und Wirk- Berlin. Johannes Witte,

samkeit des Gebets für die armen Seelen im Sinne der 50 Jahre evangelischer Arbeit im Fernen ÖIten~1884-1934.

katholischen Kirche stillschwetgend an, was B. nur sehr fetg;lbe der 80slasien.Mission. Ostaeien-jahrbuch 1934. Im Auftr.

heb ist (S. 293 ff.). Wir merken an, daß die großen d. Zentralvorstandes hrsg. von Missionsdirektor Devaranne. Berlin:

gemeinsamen Feiern zur Erinnerung an die Gefallenen Ostasien-Mission 1934. (152 S. m. zahlr. Abb.) 8°. RM 1.50.

des Weltkrieges hin und wieder stark katholisierende Die Ostasien-Mission gibt ihr übliches Jahrbuch dies-

Züge aufweisen und daß da — obwohl zur Zeit andre 1 mal wegen ihres Halbjahrhundert-Jubiläums in etwas

Gefahren andringender sind — einige Aufmerksamkeit erweiterter Form heraus. Hinzugenommen sind Berichte

geboten erscheint. — über frühere Mitarbeiter, Zeugnisse von einflußreichen

Was B. S. 160 f. über Zeitgeist und Papsttum sagt, , Japanern und Chinesen und Berichte über die Entwick-
daß die Päpste lieber als Feinde des Zeitgeistes ver- hing der heimischen Werbung in den verflossenen
spottet werden wollten, als nur ein Jota vom Glauben 50 Jahren, dazu ein allgemein orientierender Artikel des
zu opfern, daß nichts in der Kirchenlehre jemals nach ; Missionsdirektors: „Neubesinnung und Rückblick" (S.10
Zeit und Umständen gewandelt werden könne — das bis 21). Die in früheren Jahrgängen besonders wertwird
man auf evangelischer Seite mit tiefem Verstand- vollen allgemeinen Schilderungen der Lage in China
nis wie eine Offenbarung lesen! — und Japan sind leider diesmal sehr verkürzt (49—55;

Alles in allem dient das geschickt geschriebene Buch : 77—82), was ihren Wert sehr beeinträchtigt. Dagegen
der Übertrittspropaganda, wenn unser protestantischer : ist die Berichterstattung über die eigene, allerdings nur
Pfarrer Curchod der alles in allem doch ein recht einfäl- bedauerlich beschränkte Arbeit der Ostasien-Mission von
tiger schlichter Landpastor ist, sich so leicht und bequem ihren nur je zwei Stationen in Japan und China wertüberzeugen
läßt, daß es sich bei der Abneigung gegen voll. Man kann sich gerade bei der Kleinheit und Über-
die Kirche Roms nur um Vorurteile handle, daß die sichtlichkeit des Werkes gut über alle Einzelheiten einer
Reformation ein Irrtum, daß der 400 Jahre alte Zwie- ungemein schwierigen und immer wieder große Geduld
spalt eine bedauerliche und ganz und gar unnötige Be- erfordernden Arbeit orientieren.

lastung von Land und Volk sei — dann steht einer Berlin. Julius Richter.

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 25. Mai 1935.

Verantwortlich: Prof. D.W.Bauer in Göttingen, Düstere Eichenweg 14; für den Anzeigenteil: C. Kunze, Leipzig.
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