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Ausgabe:

1934 Nr. 8

Spalte:

148-149

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Jungmann, Josef Andreas

Titel/Untertitel:

Die lateinischen Bussriten in ihrer geschichtlichen Entwicklung 1934

Rezensent:

Wolf, Ernst

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Theologische Literaturzeitung 1934 Nr. 8.

148

sie lediglich orthographischer oder grammatischer Art
sind, treffen 70 Lesarten mit dem Sinaisyrer zusammen.
Es wird gezeigt, daß diese Handschrift in der Mitte
zwischen der altsyr. Überlieferung und der Peschitta
steht. R. Edelmann behandelt Bestimmung, Heimat und
Alter der synagogalen Poesie. H. Engberding kommt
bei einem Vergleich der eucharistisehen Hochgebete der
ostsyrischen Liturgie der Apostel Addai und Mari mit
der maronitischen des heiligen Petrus zu dem Ergebnis,
daß diese die ursprüngliche Gestalt enthält. S. Euringer
ediert und übersetzt den Kommentar des Isödäd von
Merw zum Hohenliede, der in ungefähr zwei gleich
lange Teile zerfällt, in die schon von Diettrich veröffentlichte
Vorrede und den eigentlichen Kommentar
in Scholienform. Seltene und schwierige Wörter werden
erklärt; inhaltlich bestehen Beziehungen zu Gregor von
Nyssa. Johann Georg, Herzog zu Sachsen, beschreibt
ein syrisches Email, das er in Damaskus gekauft hat.
P. Kahle übersetzt die 12 Marka-Hymnen aus dem
„Defter" der samaritanischen Liturgie. C. M. Kaufmann
behandelt zwei altkoptische Festbrotstempel aus
dem Gebiete von Antinoupolis in Oberägypten. A. M.
Kropp veröffentlicht die koptische Anaphora des heiligen
Evangelisten Matthäus. E. v. d. Meer übersetzt
und erläutert fünf kappadokische Geschäftsbriefe. Th.
Michels versucht nachzuweisen, daß Christus, der auf
den Himmelfahrtsdarstellungen die Buchrolle in der linken
Hand hält, hierdurch als advocatus gekennzeichnet
werden soll. K. Mohlberg zeigt, daß der Sammler
des Martyrologium Hieronymianum Maximianus von Ra-
venna gewesen sein muß, da Oberitalien als Heimat
des Martyrologiums gilt und der Biograph des Maximianus
erwähnt, er habe Heiligenleben redigiert. G.
Peradze legt seinen Vortrag vom Oxforder Orientalistenkongreß
1932 vor, der sich mit der ältesten Kirchengeschichte
Georgiens befaßt. Die Anfänge des Christentums
in diesem Lande sind noch dunkel. Die Quellen,
die in den verschiedenen orientalischen Sprachen zerstreut
sind, widersprechen sich oft. So ist es zu begrüßen
, daß P. in diesem Aufsatze eine Hauptquelle
„Die neue Variante des Lebens der heiligen Nino" analysiert
. E Peterson bringt neue Belegstellen für seine
an anderer Stelle aufgestellte These, die Häretiker
der Philippusakten seien die Euchiten, indem er diese
Schrift mit den aus messalianischen Kreisen stammenden
Homilien des Makarius vergleicht. Da bisher nur
57 Homilien dieses Pseudo-Makarius bekannt sind, der
literarische Nachlaß dieses Schriftstellers aber viel umfangreicher
'ist, so wird das Vergleichsmaterial noch
bedeutend größer sein, wenn erst alles im Druck vorliegt
. A. Rücker untersucht die Bedeutung des „Oberen
Klosters" bei Mossul für die nestorianische Liturgie
und stellt fest, welche liturgischen Bücher der Reform
dieses Klosters unterlagen, dessen Geschichte er aus
Berichten christlicher und islamischer Autoren verfolgt
und dessen Lage er bestimmt. J. Sauer berichtet von
den christlichen Denkmälern im Gebiet der Krim, dem
alten Gothica. Viel Material ist in den vergangenen
Jahrhunderten durch menschliche und übernatürliche Gewalten
vernichtet worden; aber das, was S. 1929 dort
noch vorfand, genügt, um ein anschauliches Bild von
der Gegend in Vergangenheit und Gegenwart zu zeichinen
. O. Spies übersetzt aus dem Äthiopischen die Abhandlung
des Euagrius über die 8 Laster, nachdem er
zuvor den von Bachmann edierten Text mit besseren
Handschriften kollationiert hat. Seit Greßmann den
Auftrag erhielt, den Euagrius herauszugeben, sind abgesehen
von Frankenbergs Ausgabe syrischer Handschriften
nur kleinere textkritische Arbeiten erschienen.
Notwendig ist eine kritische Gesamtausgabe unter Berücksichtigung
der Übersetzungen in den orientalischen
Sprachen. Dürfen wir von Sp., der noch eine besondere
Studie über die arabische Überlieferung ankündigt, eine
solche Edition erwarten? J. Strzygowski verteidigt unter
Anführung fast all seiner Werke und Aufsätze seine bekannte
These. Dem Mittelmeerglauben, der die gesamte
altchristliche Kunst nur von Rom aus sehen und werten
will, stellt er die altgriechisch-indisch-iranisch-norcl-
eurasische Kunst entgegen. F. Taeschner zeigt, daß
' die islamische Kunst zuerst von Ungläubigen, Christen
und Zarathustrabekennern, gepflegt wurde, bis später
auch diese gebildeten Schichten islamisiert wurden. Aber
irgendein Unterschied in stilistischer oder sonstiger Hinsicht
läßt sich bei der Kunst der Omajjadenzeit nicht
feststellen, ob die Werke von einem Muslim oder einem
Christen angefertigt sind. Auch scheidet sich die Kunstproduktion
nicht in Richtungen, die durch Konfessionen
innerhalb des Islam bedingt sind. E. Tisserant bestimmt
auf Grund von Vatikanischen Urkunden als Geburtsjahr
des Orientalisten Stefan Evodius Assemani das Jahr
1711. Sein Biograph wünschte, daß er 1730, als er
zum Priester ordiniert wurde, wie Vincent von Paul
23 Jahre alt sein sollte; deshalb mußte er 1707 geboren
sein. E. Wellesz liefert eine Epocheneinteilung der byzantinischen
Notenschrift. O. Casel untersucht den Begriff
X.siTovQYia-munus, dessen Inhalt aus der antiken
Kultur stammt. G. Millet beendet die Aufsatzreihe mit
der Erklärung einer Grabinschrift. Den Abschluß des
Bandes bildet der wertvolle Literaturbericht, der in sorgfältiger
Weise von Heffening zusammengestellt ist.

Uber 30 Jahre hat Baumstark mit einer kurzen Unterbrechung
diese Zeitschrift geleitet und für sie gekämpft.
Ihm ist es zu verdanken, daß sie trotz der Ungunst der
Zeiten immer wieder erscheinen konnte. So ist es
berechtigt, daß sie zu seinem Ehrentage seine Widmung
trägt. Möge es ihm vergönnt sein, noch recht lange für
den Orlens Christianus zu wirken, in dem er selbst so
viele bedeutende Aufsätze hat erscheinen lassen!

Göttingen. Werner Strothmann.

Jungmann, Prof. Dr. Josef Andr., S. J.: Die lateinischen Bußriten
in ihrer geschichtlichen Entwicklung. Innsbruck: Fei. Rauch
1932. (XII, 338 S.) gr. 8°. = Forschgn. z. Geschichte d. innerkirchlichen
Lebens. Hrsg. v. F. Pangerl. 3./4. H. RM 10—.
Auf der breiten Grundlage von ungefähr 170 verschiedenen
liturgischen Quellen: Sakramentaren, Ordinarien
, Pontifikalien, Ritualien, Bußbüchern, über die
man sich zweckmäßig vor der Lektüre der Untersuchungen
durch den Anhang (Der liturgiegeschichtliche Hintergrund
, S. 317—321) und durch das Register der liturgischen
Quellen unterrichtet, sucht Vf., a. o. Prof. an
der Universität Innsbruck, eine Geschichte der lateinischen
Bußriten zu zeichnen; ein Versuch, den vor
ihm und innerhalb derselben zeitlichen Grenzen eigentlich
nur der Konvertit und Oratorianer Johannes Morl
nus (f 1659), bekannt durch die Pariser Polyglotte,
unternommen hat mit seinem Commentarius historicus de
disoiplina in administratione sacramenti poenitentiae XIII
primis seculis in ecclesia Occidentali et huc usque in
Orientali observata, 1651. Dazwischen liegt einmal die
starke Vermehrung des zugänglichen Materials samt
seiner fortschreitenden kritischen Bearbeitung — Fin-
sterwalders Untersuchung zu den sog. canones Theodori
Cantuarensis, 1929, ist dem Vf. allerdings entgangen —
und vor allem der bekannte Fortschritt der neueren
Liturgiewissenschaft und ihrer Methode.

Auf die ritengeschichtliche Untersuchung der Kirchenbuße
in der römischen Liturgie (I, S. 5—126), in der
gallischen Liturgie (II, S. 127—168) und in den „neuen
1 Formen seit der Karolingerzeit" bis hin ins späte Mittel-
I alter (III, 169—237) folgt eine mehr dogmengescbicht-
liche des Verhältnisses der Bußriten zum Bußsakrament
j (IV, 238—316), geleitet von der Frage, in welches
Element des Bußritus man „jeweils den Vollzug des
sakramentalen Aktes verlegt" habe. — Im Rahmen dieser
j Anzeige ist es nicht angängig, auf Einzelheiten der gelehrten
und erstaunlich umfangreichen Materialdarbie-
I tung einzugehen, wohl aber auf einige dem Vf. wichtige
j Ergebnisse: dazu gehört zunächst der Aufweis der Umwandlung
der oratio super poenitentes nach der Post-