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Ausgabe:

1934

Spalte:

97-99

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wilamowitz-Moellendorff, Ulrich von

Titel/Untertitel:

Der Glaube der Hellenen ; 2 1934

Rezensent:

Pfister, Friedrich

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES und Prof. D. Dr. GEORG WOBBERMIN, beide in Göttingen

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften. Bearbeitetv. Bibliotheksrat Lic.Dr.phil. REICH, Bonn, u.Lic.H. SEESEMANN, Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind ausschließlich an Professor D. BAUER in Göttingen, Düstere Eichenweg 14, zu senden,
Recencionsexemplare ■ □■•cbliefclich «n den Verlag. Gewahr für Besprechung oder Rücksendung von unverlangt gesandten Rezensionsexemplaren
, besonders noch bei Zusendung nach Göttingen, wird nicht übernommen.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN BUCHHANDLUNG, LEIPZIG C 1
59. JAHRGANG, NR.6 17. MÄRZ 1934

Spalte

Baer: Die Juden im christlichen Spanien

(von Harling)................102

Bauch: Anfangsgründe der Philosophie

(Kesseler)..................104

Eilers: Jesus der Lebenskünder (Knevels). 99
Gassert: Psychologie der Kindes- und

Jugendreligion (Kesseler).........106

Hasse: Schopenhauers Religionsphilosophie

(Kesseler)..................106

Jahrbuch für Liturgiewissenschaft (Schian) . 109

Spalte

Mahr: Religion und Kultur (Heger). ... 107
Moe: Apostelen Paulus's Brev til Roinerne
(Mosbech)..................100

Möller: Hamburger Männer um Wichern
(Strasser)..................103

Niebergall: Das Gesangbuch als kirchliches
Bekenntnis (Eger)..........108

Die Philosophie des Als Ob und das Leben
(Kesseler)..................105

Spalte

Revue d'histoire ecclesiastique (Köhler) ... 101
Schaeder: Der Pfarrer und die gegenwärtige
Lage der Theologie (Rendtorff) ... 110
Selchow: Der Glaube in der deutschen
Ich-Zeit (Knevels).............Hl

Vorwahl: Die Gebärdensprache im Alten
Testament (Duensing)........... 99

W i 1 a m 0 w i t z-M oellendorff: Der Glaube
der Hellenen (Pfister)......... 97

Zimmermann: Lehrbuch d. Aszetik (Piper) 108

Wil amo wi tz-Moellen d o rf f, Ulrich von: Der Glaube der können, was man Aberglauben nennt, findet sich wenig,
Hellenen. Bd. II. Berlin: Weidmann 1932. (XII, 620 S.) 8°. ; nichts von den Zauberpapyri und Verfluchungstafeln'

rm 36- ; geb. 40—. , etwas weniges von der Astrologie, die ja literaturfähig
Bald nach dem Erscheinen des ersten Bandes ist j war und ist. Da der Glaube der Hellenen das Thema
v. Wilamowitz gestorben. Den 2. Band hat er als Torso j ist, werden auch die in der Zeit des Hellenismus ein^-
hinterlassen, doch so, daß der weitaus größte Teil ! dringenden orientalischen Kulte nur ganz knapp gedruckfertig
, zum Teil auch schon mit dem Imprimatur , streift, Reitzensteins und Schaeders neuere Forschundes
Verfassers versehen war. Für den Schluß über gen überhaupt nicht berührt, nicht einmal das Problem
Porphyrios und die Gründe für den Sieg des Christen- l der hermetischen Schriften erwähnt, von der auch reli-
tums lagen nur einige Notizen vor, die Klaffenbach, gionsgeschichtlich interessanten alchem istischen Literatur
der den Druck des Ganzen sorgsam betreute, und auch , zu schweigen. Dagegen wird die Ausbreitung der grie-
einige Nachträge zum ganzen Werk beifügte, zusam- einsehen Religion im Westen (Rom, Etrurien; zum Teil
mengestellt hat. Drei Anhänge stammen noch vom Ver- ' gegen Altheim) und im Osten genauer betrachtet, dann
fas&er selbst, die überaus reichen Register von H i 11 e r | der Untergang des Hellenismus und die Restauration
v. Gaertringen. So ist im Wesentlichen, vom im Imperium Romanum geschildert, wo auch erneut
Schluß abgesehen, das große Werk vollendet und ein ! die eleusinischen Mysterien aufblühen, schließlich das
Ganzes. j Ende des alten Hellenentums im 3. Jahrhundert n. Chr.

Den ersten Band habe ich ausführlich o. 1932, 148 ; Mit Plotin bricht die Darstellung ab: „Hier endet das
bis 153 besprochen, indem ich besonders auf die prin- ! ausgearbeitete Manuskript". Dann folgen noch einige
zipiellen Fragen einging; er schließt mit den Göttern Sätze über Porphyrios und über das Christentum,
des homerischen Epos und Hesiod. Der 2. Band be- „Der Glaube der Hellenen" heißt der Titel des

ginnt mit dem Heroenkult, den man jetzt hoffentlich Buches, nicht „Die Religion der Griechen". Aber auch
Bald allgemein für vorhomerisch halten wird, nach- in dieser Beschränkung ist der Titel noch zu weit ge-
dem es auch Wilamowitz ausgesprochen hat, mit dem ; faßt, da eben der Glauben des hellenischen Volkes
delphischen Apollon, Demeter und Dionysos, Erschei- zu wenig berücksichtigt ist. Es steht gewiß nicht so,
nungen, die von Homer überhaupt nicht oder nur ganz „daß weite Reiche des lebendigen Glaubens der brei-
nebenbei beachtet werden, die aber doch in die ho- j ten Volksmassen unserer Erkenntnis unzugänglich sind"
merische, zum Teil auch in vorhomerische Zeit hin- (II 174). Es gibt schon Quellen und Hilfsmittel, um
aufreichen. Diese Schilderung gehört also sinngemäß j die Religion des Volkes und die Kollektivfrömmigkeit
noch zum 1. Band, da sie der wirklichen Reli- 1 zu erforschen. Aber sie werden in dieser Darstellung
gion zur Zeit der Entstehung des homerischen Epos, ! wie auch sonst von W. beiseite gelassen. Dazu gewicht
der wirklichkeitsfremden „homerischen" Religion hören auch die zahlreichen lokalen Kulte und Feste,
gewidmet ist. Mit dem 6. Jahrhundert, das sich nun : deren Begehung sicherlich zum Glauben der Hellenen
anschließt, stehen wir wie bei der politischen Geschichte I gehörte, die aber in W.s Werk fehlen. Auch das weite
so auch in der griechischen Religionsgeschichte erst auf ; Gebiet der Kathartik, der Glaube an Befleckungen und
festerem Boden. Der Zeit von etwa 600 an bis zu den i Reinigungen, der die griechische Religion von der vor-
Neuplatonikern ist die folgende Darstellung gewidmet, j homerischen Zeit an bis zu ihrem Ende durchzieht,
Es ist fast eine Kulturgeschichte, zum mindesten eine I w'rd nur gelegentlich gestreift. Hier wie in so manchem
Geistesgeschichte, die an uns vorüberzieht; freilich die ' anderen bietet immer noch das gerade vor 40 Jahren

erschienene Werk von Erwin Rohde die notwendige
Ergänzung, und es ist bewunderungswürdig, wie das
alte Buch noch heute neben dem neuen des einstmaligen
Gegners bestehen kann.

So schließt eine große Epoche religionsgeschicht-
97 98

Kultur und die Religion der Höhe und nicht die Tiefen
des Volksglaubens sind es, die W. uns schildert, Pin-
dar, Aischylos, Sophokles, Euripides, die Philosophen
bis zu den spätesten und den unerfreulichsten. Vom
Glauben der Hellenen, den wir aus dem erschließen

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