Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1934 Nr. 4

Spalte:

67-68

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Baumgärtel, Friedrich

Titel/Untertitel:

Der Hiobdialog 1934

Rezensent:

Kraeling, Emil Gottlieb Heinrich

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

67

Theologische Literaturzeitung 1934 Nr. 4.

68

Schon um der Höhenlage der alttest. Frömmigkeit
willen scheint es mir nötig, sich den Aufstellungen
Mowinckels gegenüber unverblendet kritisch zu verhalten
. Eschatologie ist mehr als Zukunftsprojektion kultischen
Erlebens und Erwartens! Meine Auffassung zum
göttlichen Thronbesteigungsfest ist folgende: Unter den
zahlreichen Parallelen zwischen Hof und Kult, Königsbild
und Gottesbild, befindet sich auch die der Thronbesteigung
. Israels irdischer König feierte sie; das ist
historisch gesichert. Daß auch wiederholte Feiern bei
der jeweiligen Jährung vorgenommen wurden, ist möglich
. Die einmalige Thronergreifung des himmlischen
Königs als Herrschers der Welt lebt in der begeisterten
Glaubenshoffnung. Was sich in den Jahwe-malak-Psal-
men niederschlug, ist teilweise diese eschatologische Erwartung
, prophetisch-dichterisch als Gegenwart vorweggenommen
. Teilweise ist es aber auch das Bild des
Dauer-Königseins Jahwes, konkretisiert nach hebräischer
Ausdrucksart in die einmalige Handlung des Königwerdens
. Es mag kultisch als Einzelfest keinen Niederschlag
gefunden haben, dagegen bei verschiedenen Feier-
gelegenheiten als geeignetes Bild und geläufiges hymnisches
Motiv fungiert haben. In diesem Falle muß
das König-Werden also nicht immer eschatologisch verstanden
werden.

Zu den Einzelheiten gestatte ich mir einige kritische Anmerkungen :
Daß schon in ältester Zeit zwei Neujahrstermine wachstümlich nebeneinander
hergegangen sein sollen, ist doch sehr unwahrscheinlich. Natur
und Glaube, Ackerbau und Kirchentum, konnten da nicht auseinander
laufen. Darum ist es nicht nur einleuchtender, sondern auch mit ungleich
scharfsinnigeren Beweisen unterbaut, wenn Joachim Begrich S. 77 ff.
seines bedeutsamen Buches: Die Chronologie der Könige von Israel und
Juda, 1929, nachweist, daß sich in alter Zeit kein einziges Datum findet
, das die Frühjahrsberechnung voraussetzt. Er scheint mir das Aufkommen
des Frühjahrsbeginns des Jahres S. 71 ff. für die letzte Zeit der
judäischen Könige einwandfrei nachgewiesen zu haben. Die Pap'schen
Beweise für den im Frühjahrsanfang in der alten Zeit sind nicht stichhaltig
. Die Erstnennung des Pesach unter den Jahresfesten beweist für
unsere Frage garnichts. Jeremia ist doch wohl kein Beweis für alte
Zeit!

Die von Wensinck übernommene Erklärung des in Laubhütten
Wohnens könnte für eine primitive Vorstufe in kleinerem Menschenkreise
allenfalls gelten, nicht aber für den Brauch eines ganzen Volkes
in historischer Zeit. Die Angabe Ex. 34, 22 b weist doch auch in
mosaische Zeit!

Die Ansetzung des Aufkommens des Neujahrsfestes ist wohl richtig.
Aber nicht alles, was für diese These, daß es vor dem Exil nicht gefeiert
wurde, angeführt wird, ist stichhaltig. Daß das Wort „Fest" nicht
genannt wird, müßte doch nicht ausschlaggebend sein; vergleicht man
z. B. das über das Lärmblasen Num. 29, 1 ff. mit dem über das Herbstfest
ebenda, 12 ff. Gesagten, so sind es doch fast dieselben Einzelteile,
die da aufgenannt werden.

Für den bab.-ass. Kulturkreis ist die wiederholte Feier des göttlichen
Thronfestes historisch gesichert. Könnte nicht das, was dort
Einzel-Fest war, für Israels Feiern überhaupt ein beliebtes hymnisches
Motiv, eben das vom König Jahwes, haben ausformen helfen?

Seit wann ist „bekannt, daß neben der Chronik auch die Bücher
der Könige erst exil. bzw. nachexilischen Ursprungs" sind? (S. 20.)

Schwach scheint mir das 7. Kap. zu sein. Möglich wäre doch innerhalb
des israelitischen Kultes ein Thronfest des Gottes sehr wohl!
So wie der Verf. wird man die Bedeutung des Kultes nicht einschränken,
den Sinn des Opfers auch nicht einseitig überhöhen dürfen. Aber diese
Ausführungen waren ja nach den vorausgegangenen Kapiteln eigentlich
überhaupt nicht mehr nötig.

Allgemein hätte ich auszusetzen: Während die Einleitung zu ausführlich
gehalten ist — man braucht doch den Gang der Untersuchung,
ja ihr Ergebnis, nicht hier schon vorwegzunehmen — hätte, als in einer
ausgesprochen kritischen Arbeit, unter 2 doch alle erschienene Literatur
skizziert werden müssen! — Das Deutsch ist nicht sorgfältig bereinigt.
Oft finden sich mehrere Fehler auf einer Seite. Der erwähnte stud. theol.
Herzog hätte seines Amtes etwas gründlicher walten dürfen!

Ober-Breidenbach i. Hessen/Marburg. Adolf Wendel.

Baumgärtel, Prof. D. Friedrich: Der Hiobdialog. Aufriss und
Deutung. Stuttgart: W. Kohlhammer 1933. (VIII, 201 S.) gr. 8°. =
Beitr. z. Wiss. v. Alten u. Neuen Testament. Begr. v. R, Kittel f.
Hrsg. v. A. Alt. u. G. Kittel, 4. Folge, H. 9. (Der ganzen Sammig.
H. 61.) RM 7.20.

Man kann die Ausleger des Hiob in zwei Gruppen

einteilen: in solche die das Werk als eine Schöpfung

betrachten und in solche die es für ein Chaos halten.
( B. stellt sich auf die Seite der Letzteren. Er beschränkt
sich in dieser Arbeit auf den Hiobdialog, äußert jedoch
j gelegentlich die Meinung, daß er die Gottesreden als
i Zutat betrachtet. In seiner Kritik des Dialogs geht er
z. T. ganz neue Bahnen. Er hat klarer als wie irgend
einer seiner Vorgänger erkannt wie die einzelnen Reden
aus verschiedenen Bausteinen zusammengesetzt sind und
daß das Gefüge besonders locker ist in den Reden des
j 2. u. 3. Redegangs. Diesen Befund sucht er nun zu er-
i klären. Er nimmt an, daß der ursprüngliche Hiobdialog
1 nur aus einem Redegang bestanden habe und daß darauf
| ein Hiobmonolog gefolgt sei den er aus den Hiobreden
i des jetzigen zweiten Redegangs rekonstruiert. Ein späterer
Kompilator der dem Verfasser der Elihureden nahe
stehen oder gar mit ihm identisch sein soll hat dann
den zweiten und dritten Redegang zusammengestoppelt.
Später ist dann der dritte Redegang (wie ja allgemein
angenommen) einer starken Verwüstung anheimgefallen.
Es sind auch manche Zutaten hinzugekommen, z. B.
Kap. 28—31, die stufenweise angefügt worden sind, und
Stücke wie das Wort über die Gottlosen und die zigeunerhafte
Bevölkerung in Kap. 24. Gewiß ist von B.
viel wertvolles zur Hiobkritik beigetragen worden. Besonders
dankenswert ist es auch daß er sich öfters ausführlich
mit Torczyner auseinandersetzt, und Ball's und
Jastrow's Werke nicht ignoriert. Immerhin erhebt sich
doch so manches Bedenken gegen seine Resultate. Es
wäre doch z. B. denkbar, daß der Verfasser des Dialogs
mit dem Kompilator identisch ist, also daß der Verfasser
seine Bausteine hernahm wo er sie fand. Wenn
es ihm daran lag einen früheren Hiobdialog zu verdrängen
(was ich für richtig halte) so konnte er ja
selbst das Werk ausschreiben, bezw. umgestalten nach
Gutdünken. Man wird B. nur schwerlich folgen können
in seiner Rekonstruktion eines Hiobmonologes aus dem
zweiten Redegang. Der stark kompilatorische Charakter
der Freundereden im 2. u. 3. Redegang ist auch an
sich sehr begreiflich da es doch wahrlich für einen
Hebräer keine Kleinigkeit war so viele Reden über ein
und denselben Gesichtspunkt zu komponieren, nachdem
im Ersten bereits alles gesagt worden ist. Man wird
wohl fragen dürfen ob es nicht besser wäre Halt zu
machen vor kühnen Schlußfolgerungen und sich zu begnügen
mit Aufzeigung der Risse und Nähte. Was B.
in dieser Beziehung geleistet hat ist an sich schon verdienstvoll
und wird von der Hiobforschung dankbar benutzt
werden. Die Gefahr besteht jedoch, daß das was
ein vorsichtiger Mann wie der Verfasser vermutungsweise
ausspricht, von anderen schon als bewiesenes
Resultat der Wissenschaft aufgenommen wird. Zum
Schluß mag noch darauf hingewiesen sein das B. in
seiner Deutung der Dichtung etwa dort ankommt wo
einst schon Volz ankam als er von „Hiob's Klage"
redete. Bekämpfung des Vergeltungsdogmas, meint er,
liege dem Verfasser der ursprünglichen Dichtung fern
und sei erst durch den Kompilator hineingekommen.
New Jork. (USA). Emil G. Kraeling.

Howard, Wilbert Francis: The Fourth Gospel in Recent Cri-
ticism and Interpretation. London: The Epworth Press, J. A.
Sharp 1931. (292 S.) 8°. geb. 7 sh. 6 d.

Die wissenschaftliche Literatur zu den johanneischen
Schriften ist derart angeschwollen, daß vollständige Beherrschung
auch für den, der ihnen einen wesentlichen
j Teil seiner Arbeit widmet, unmöglich ist. Der Verf.,
der über die joh. Forschung der letzten drei Jahrzehnte
, vor allein in England und Deutschland, berichtet
, darf schon deshalb des Dankes der Leser gewiß
sein, zumal sein Bericht außerordentlich objektiv ist.

Die Einleitung entwickelt das den Verf. in erster
Linie bewegende Problem; es ist nicht eigentlich die
Interpretation des vierten Evangeliums, sondern die
j Frage nach seiner historischen Zuverlässigkeit, nach der
Möglichkeit, es als sichere Quelle für das Leben und