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Ausgabe:

1934

Spalte:

49-50

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Rabbinische Texte 1934

Rezensent:

Bauer, Walter

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Theologische Literaturzeitung 1934 Nr. 3.

50

i^eilD nennen dürfen, da sie gleichsam Ausgrabung
V™ Restauration vermengt. Allgeier hat in Biblica 11,
ö .u> ?6—107 eine Antikritik vorgetragen. — Einzelne
Berichtigungen und Ergänzungen zu Allgeiers Altlateinischen
Psalterien findet man noch in den Besprechungen
von Capelle Rech. anc. med. 1929, 1 12 ff., Bur-

1QonJ",°nf0]?- St 30> 1929> 395 ff" Vaccari Biblica 10>
'^9 108 ff., De Bruyne, Rev. Bibl. 38, 1929, 261 f.

Vogels Th. Rev. 1929, 197 ff.

Marbure- Hans von Soden.

Rabbinische Texte. In Verbindung m. A. Marmorstein hrsg.
von G. Kittel u. K. H. Rengstorf. 1. Reihe Bd. 3, Liefg. 1 u.
2: Die Tosefta. Text, Übersetzung, Erklärung: Seder Naschim von
Karl Heinrich Rengstorf 1. u. 2. Heft: Jebamot (I, 1—IX, 1 hebr.;

1, 1 —XI, 6 deutsch). 2. Reihe Bd. 2, Liefg. 1 u. 2: Tannaitische Mi-
draschim: Sifre zu Numeri. Bearb. u. erklart von Dr. Karl Georg
Kuhn. Unter Verwendung einer Übersetzung von Prof. Dr. Jakob
Winter u. m. Beiträgen von Prof. Dr. Hans Windisch. I. u.

2. Heft: § 1—59. Stuttgart: W. Kohlhammer 1933. (VI, 96 u. 32
hebr. S. O. VIII, 160 S.) gr. 8°. in RohAr. je l.ieff. RM 5—.

In den letzten Jahrzehnten hat die Überzeugung
von der Notwendigkeit rabbinischer Studien immer weitere
Kreise ergriffen. Nicht nur die Theologen, vor allem
soweit sie die beiden Testamente zum Gegenstand ihrer
Arbeit machen, auch Profan- und Kulturbistoriker, Philologen
und Juristen haben sich ihnen zugewendet oder
doch Nutzen aus ihnen zu ziehen versucht. Doch ist
es aus verschiedenen Gründen nicht leicht, der rabbini-
schen Denk- und Ausdrucksweise beizukommen. Und
selbst wer sich ein wenig in beide hineingelebt hat,
zieht gern eine Übersetzung zu Rate, um mit möglichst
geringem Zeitaufwand einen ersten Überblick über die
meist weit ausgesponnenen Gedankengänge zu gewinnen
, bevor er sich aus eigener Kraft an dem versucht,
was ihm im Einzelfalle wichtig ist.

Hier nun ergab sich bisher daraus eine Schwierigkeit
, daß manche gerade von den ältesten rabhinischen
Schriften noch niemals vollständig in irgend eine moderne
Sprache übertragen worden waren. Für einzelne
unter ihnen fehlte es selbst an einer befriedigenden Ausgabe
des Urtextes; und keine war ernstlich einer, neuzeitlichen
Ansprüchen genügenden, religionsgeschichtlichen
Erklärung unterworfen worden. So wird dem
neuen Unternehmen niemand die Zeitgemäßheit absprechen
wollen.

Für das Gesamtwerk sind zwei Reihen vorgesehen.
Die erste wird Text, Übersetzung und Erklärung der
sechs Ordnungen der Tosefta bringen. Für sie ist auch
eine Neugestaltung des Textes erforderlich, da der bisher
allgemein benützte von M. S. Zuckermandel 1880
nicht mehr ausreicht. Die Ausgabe ist vor allem durch
K. H. Rengstorf vorbereitet worden, der speziell noch
den Seder Naschim behandelt und mit dem 1. Heft zum

1- Traktat dieses Seder (Jebamot) das ganze Unternehmen
eröffnet hat. Er scheint dazu besonders berufen
, nachdem er in dem Gießener Mischnawerk dem
Traktat Jebamot (Von der Schwagerehe) 1929 eine
sehr eindringende und stoffreiche Arbeit gewidmet hat.
Dort S. 46*ff. hat er auch dargetan, weshalb Zucker-
mandels Ausgabe durch eine neue ersetzt werden müsse.
Die „Grundsätze für die Bearbeitung des Textes der
Neuausgabe der Tosefta" entwickelt er in der 1. Lieferung
der „Rabbinischen Texte" S. IV—VI. Die bisher
erschienenen beiden Hefte der 1. Reihe (Nr. 1 u. 4 des
Ganzen) führen die Behauptung von Jebamot bis IX 1
des hebräischen Textes mit Apparat und XI 6 des
deutschen samt Erklärung.

Die zweite Reihe bringt „Tannaitische Midraschim",
Q- h. nach dem „Plan des Gesamtwerkes": 1. Sifre
zu Deuteronomium; hier wird G. Kittel seine 1922 begonnene
, dann aber abgebrochene Arbeit fortführen.

2- Sifre zu Numeri. 3. Sifra zu Leviticus. Die Me-
chilta zu Exodus scheint ausgeschlossen zu bleiben,
trotzdem sie an Alter und wissenschaftlicher Unberührt
neit jenen gleichstehen dürfte. Auch von dieser Reihe

sind bisher zwei Hefte erschienen (Nr. 2 u. 3 des Ganzen
), in denen K. G. Kuhn die Behandlung von Sifre
Numeri begonnen und bis zu § 59 geführt hat. Eine
Neubearbeitung des Urtextes ist für die 2. Reihe nicht
vorgesehen und insofern entbehrlich, als die Textausgaben
des Corpus Tannaiticum zugrunde gelegt werden
könnnen. Für Sifre Num. handelt es sich dabei um
! die Ausgabe von H. S. Horovitz = Corp. Tann. III 3, 1917°.
Freilich: dies diem docet. Und so ist seit 1917 eine
neue Handschrift (Berliner Staatsbibl. Ms. Orient. Quart.
1594) bekannt geworden, die Kuhn herangezogen hat, um
dadurch nicht nur den Apparat erhebüch zu bereichern,
sondern auch für die Bewertung der einzelnen Textzeugen
neue Einsichten zu gewinnen. Der Übersetzung
kam eine von dem, seit Jahrzehnten in solcher Arbeit
bewährten, J. Winter gefertigte Übertragung zu Gute,
die Kuhn als Handschrift benutzen durfte. Der Umschlag
seiner Hefte gedenkt außerdem besonderer Unterstützung
durch H. Windisch, dem S. V des Vorworts
Kittel und Marmorstein zur Seite stellt. Nimmt man
hinzu, daß beide Bearbeiter natürlich die vorhandenen
literarischen Hilfsmittel sich nicht haben entgehen lassen,
so fühlt man sich zu der Erwartung berechtigt, daß
das durch ihre Tätigkeit begonnene Unternehmen den
rabbinischen Studien einen neuen Auftrieb geben und
sie in erheblichem Maße fördern wird. Möge es in
rascher Folge weiterschreiten.
Göttingen. W. Bauer.

Kroll, Josef: Gott und Hölle. Der Mythos vom Descensuskampfe.
Leipzig: B. G. Teubner 1932. (IX, 569 S.) gr. 8°. = Stud. d. Bibliothek
Warburg, hrsg. v. F. Saxl, XX. RM 25—.
Seit J. Kroll 1914 mit seinem Buche „Die Lehren
des Hermes Trismegistos" für die Öffentlichkeit sichtbar
in die wissenschaftliche Arbeit eingetreten ist, kennen
wir diesen klassischen Philologen als einen jener Forscher
, die wie etwa H. Usener, A. Dieterich, R. Reit-

i zenstein oder Fr. Boll, um von Lebenden zu schweigen
, besonders durch solche Fragen angezogen werden,

i die den Theologen nicht minder als den Sprachforscher
berühren. Auch daran hat er uns gewöhnt, daß er
keine Mühe scheut, sondern in ebenso stoff- wie ideenreichen
Arbeiten die Lösung jener Probleme anstrebt.
Ich erwähne nur die beiden Abhandlungen zum Vorlesungsverzeichnis
der Braunsberger Akademie: Die
christliche Hymnodik bis zu Klemens von Alexandra
(Sommer 1921 u. Winter 1921/22) und Beiträge zum
Descensus ad inferos (Winter 1922/23). Die zweite dieser
Studien gehört umsomehr hierher, als sie eine

I Vorarbeit zu dem neuen Buche darstellt. War doch

, Kroll zu seinen Untersuchungen vor Jahren angeregt
worden durch die Beobachtung, daß die Schilderungen
der Niederfahrt Jesu zur Hölle starke Ähnlichkeit zeigen
mit antiken Erzählungen von Abstiegen zum Hades.
So hatte sich zunächst die Notwendigkeit ergeben, Klarheit
zu schaffen über Art und Bedeutung der altchristlichen
Anschauung vom Descensus Christi. Damit ist
der Gegenstand jener „Beiträge" angegeben, zugleich der
Ausgangspunkt für das neue Werk.

In dieses sind die „Beiträge" völlig umgearbeitet
und erweitert eingegangen als 1. Kapitel: „Der Descensus
im christlichen Altertum" (S. 1—125). Bestimmte
Triebkräfte der Entwicklung, die hier zu Tage getreten
sind, verfolgt dann das 2. Kapitel über die Grenze des
Altertums hinaus: „Der Descensus im Mittelalter" (S.
126—182). Das wichtige Ergebnis beider Anfangskapitel
ist, daß es im Christentum von Anfang an und unverwüstlich
sich erhaltend einen feststehenden Tvpus
der Katabasisschilderung gegeben hat (S. 180). Damit
jedoch stehen wir sofort vor dem Problem: sollte diese,

: zahlreiche seltsame Einzelzüge begreifende Vorstellung,
die ein so zähes Leben zeigt, wirklich in ihrer Zusammengesetztheit
vom jungen Christentum erzeugt und
unter den Gläubigen in Umlauf gebracht sein? Will
es dem Religionsgeschichtler nicht ungleich wahrschein-