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Ausgabe:

1934 Nr. 24

Spalte:

435-437

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Grether, Oskar

Titel/Untertitel:

Name und Wort Gottes im Alten Testament 1934

Rezensent:

Meinhold, Johannes

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Theologische Literaturzeitung 1934 Nr. 24.

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kenntnis wichtigste. Die Eschatologie mußte nicht notgedrungen
in diesem Rahmen behandelt werden. Es
tragt sich auch, ob die spätjüdische Literatur hier eine
Stelle haben mußte. Aber wenn schon der Rahmen so
weit gespannt wurde, dann mußten die Etappen schärfer
geschieden werden, damit einigermaßen wenigstens ein
Eindruck von der Entfaltung des Engel-Bildes in der
Geschichte geschaffen wurde. Daß etwa stilgeschichtlich
an der Esraapokalypse Erhobenes zur Erklärung von
Genesis-Stellen verwandt wird (S. 13 ff.), läßt sich verteidigen
, weil es da nur um das Auffinden stilistischer
Gesetze geht. Aber wie können inhaltlich spätjüdische
und neutestamentliche Stellen z. B. die Frage klären
helfen, ob in den alten Texten „ein" oder „der" Engel j
ahwes gemeint ist? (S. 42 ff.). Zu schärferer Trennung
ätten da die folgenden Frage-Stationen zur Geltung
kommen müssen: 1. Seit wann taucht der Engel Jahwes
in den Quellen auf? 2. Ist er an diesen Stellen ursprünglich
? 3. Seit wann werden wir ihn, eventuell vor dem
literarischen Belegtsein, im Volksdenken anzunehmen ha- i
ben? 4. Was ist über seine Person zu erkennen? a) in-
haltlich-alttestamentlich; b) stilistisch - alttestamentlich, j
c) aus altorientalischen Parallelen. 5. Wie und unter
welchen Einwirkungen hat sich die Gestalt gewandelt?
In der jetzigen Gestalt hat man eben Mühe, aus dem
In- und Neben-Einander klug zu werden!

S. 142 fehlt die Überschrift: „3. Eigenart und Ori-
ginalität der alttest. Vorstellungen vom himmlischen We- 1
sir". S. VIII muß heißen: „Monatsschrift", nicht „Zeit-
Schrift" für Geschichte und Wiss. d. Judentums. S. VII
muß heißen: „semitistische", nicht „semitische" Studien.
Wohl ist auch mit dieser Untersuchung das Problem j
des Engels Jahwes nicht voll gelöst; wie erwähnt, muß
die textgeschichtliche Vorfrage sowie die historische j
Etappen-Abgrenzung besser beachtet werden. Aber ein
kräftiger und fördernder Vorstoß, in neuer Richtung und |
mit gutem Ansatz, ist mit ihr getan. Eine beachtliche ,
und besonnene Arbeit eines vielversprechenden An- i
f ängers!

Ober-Breidenbach i. Hessen Marburg. Adolf Wendel.

Grether, Lic. Oskar: Name und Wort Gottes im Alten Testament
. Gießen: A. Topelmann 1934. (VIII, 200 S.) gr. 8°. = Beihefte
z. Zeitschr. f. alttest. Wiss. 64. RM 9—.

Es ist eine umfang- und ertragreiche Studie, die
Grether vorlegt. Dem Titel entsprechend handelt sie j
zuerst von dem Namen (S. 1—58) und zwar (Kap. I) j
von dem Namen und seinem Träger, (Kap. II) von j
dem Tetragramm, (Kap. III) von dem Schern-Begriff
in der Zeit vor dem Deuteronomium, von dem Deutero- j
nomium und dem Schern-Begriff, von dem Schem-Be- j
griff nach dem Deuteronomium. Der zweite Teil (S. 59 i
bis 158) über das Wort Gottes behandelt in Kap. I die 1
verschiedenen Bedeutungen und Etymologien von dabar, i
in K. II Dabar innerhalb und außerhalb der Status<-
Gonstructusverbindungen: d'bar jahwe und dibre jahwe,
in K. III den dabar-Begriff als Bezeichnung für das ge- I
setzliche Gotteswort in vordeuteronomischer Zeit, K. IV
den dabar-Begriff als Bezeichnung für das prophetische
Gotteswort, K. V das Deuteronomium und den dabar-
Begriff; K. VI den dabar-Begriff in der Zeit nach dem
Deuteronomium. Schon diese allgemeine Angabe des
Inhaltes, dem ein ausführliches Stellenregister beigefügt
ist (S. 186—200), mag eine Vorstellung geben von der .
Fülle des Stoffes und seiner geschickten Teilung in dem |
Buche. Gewiß ist Vieles schon bekannt, mancherlei Aus-
fährungen auch zu breit und Selbstverständlichkeiten bietend
(so die Bemerkungen auf S. 163, 2. Absatz oder
S. 169). Aber das ließ sich wohl nicht vermeiden. Bei
Manchem wird man Fragezeichen machen, so bei der
Behauptung, daß „trotz der Klarheit, die Name und Wort
der Gottheit schaffen, der Träger des Namens un- j
sichtbar bleibe" nach prophetischer Anschauung:
„Jahwe Sebaoth habe ich mit meinen Augen geschaut
" sagt und klagt Jesaja (6,5)! Auch wird man

Bedenken haben Jes. 18,17 „zu dem Ort des Namens
Jahwes, zu dem Berge Sion" (S. 32) und (S. 30). Jes.
30,27 „der Name Jahwes kommt von fernher" für
Jesaja und seine Anschauung vom Namen Jahwes zu
verwenden — beides scheint späterer Eintrag deuterono-
mistischer Tendenz zu sein. Und die Behauptung, daß
„die Propheten auch zu Hütern des Dekalogs berufen
sind" (S. 117), wird dadurch nicht sicherer, daß man
sie jetzt vielfach als feststehenden Satz findet — der
sich eben doch nicht beweisen läßt. Auch gegen die
Übersetzung Jes. 49,1 ff.: Jahwe hat meinen Mund zum
scharfen Schwert gemacht, doch(!) hält er mich verborgen
. . . Er hat mich zum glatten Pfeil gemacht, doch
hält er mich versteckt . . . wird man etwas einzuwenden
haben u. a. m. Vielfach wird ja die verschiedene kritische
und historische Einstellung hier eine wesentliche
Rolle spielen. Aber bei alledem hat man Grund dein
Verfasser für seine sorgfältig hergestellte und gut gelungene
Arbeit dankbar zu sein. Die Entwicklung des
Begriffes „Name Gottes" von der primitiven Auffassung,
nach welcher „der Name Träger einer Dynamis ist, die
seinen Träger zwingt" (S. 2) zu der Anschauung, daß
die „Mitteilung des Namens nicht mehr als Auslieferung
einer Zauberformel, sondern als Legitimation, als Übermittlung
einer Kenntnis von Gottes Person, als Offenbarung
gedacht wird" (S. 18 ff.) ist anschaulich dargestellt
und genau belegt. Der „Name im Sinn von Ehre
und Ruhm" (S. 25 f.), „der Name als Wechselbegriff
für Jahwe" (S. 26—28), „der Name als selbständige
Offenbarungsform" (S. 28—30) leitet dann über zu dem
deuteronomischen Schern-Begriff. „Hier wird der an
eine Zentralkultstätte lokalisierte schem gemäß seiner
dauernden Aufgabe, Jahwe dort zu vertreten zur Hypostase
" (S. 35). Treffend ist ebenda die Bemerkung,
daß es sich hier nicht um eine müßige Spielerei, sondern
um eine mit der Zentralisierung des Kultes gegebene
Notwendigkeit handelte. Mit der Vielheit der Kultstätten
im Lande war die Ubiquität Jahwes und seine Überwelt-
lichkeit gewährleistet. Durch die Zentralisation wurde
Jahwe an einen Kultort gebunden, seine Überwelt-
lichkeit litt starke Einbuße." Das Deuteronomium begegnete
dieser Gefahr durch die Unterscheidung von
Jahwe im Himmel und seinem schein auf Erden. Nach
dem Deuteronomium findet sich der schem am häufigsten
als Wechselbegriff für Jahwe, während er dem Deuter.
Vertreter Jahwes am Kultusmittelpunkt ist (S. 41). Daneben
aber tritt er in der nachdeuteronomischen Literatur
geradezu als Hypostase auf (S. 44 ff.) u. s. f.

Von Interesse ist es nun — und Verfasser hat das
hübsch durchgeführt—wie das „Wort Jahwes" schließlich
mit den „Worten Jahwes" zusammenfließt. Nach ihm
hat man die „dibre Jahwes", die „debarim" deutlich
von dem „d^bar" Jahwes zu unterscheiden. Bei den
ersten hat man an die zehn Worte des Dekalogs zu
denken, die von Gott so gegeben und für alle Zeiten
unweigerlich und unverändert festzuhalten sind. Dem
steht das einzelne ,dabar' bei den Propheten gegenüber.
Diese haben es nicht so sehr mit Träumen und Gesichten
noch mit Ekstase als mit Audition zu tun. Ein
solches Wort vernimmt der Prophet in seinem Innern
und spricht es dann mit seinen Worten aus. Es ist zeitgeboren
, für die Zeit bestimmt, also auch geschichtsr
bildend. Es kann als eine für sich stehende mit Dynamis
geladene Macht gefaßt werden (Jes. 9, 7), die sich
in der Geschichte durchsetzt. Es liegt in der Natur der
Dinge, daß dieses dabar im Gegensatz von den debarim
des Dekalogs je nach den Wandlungen der Zeit selbst
der Wandlung unterlegen ist (S. 129). Diese beiden
Ströme fließen im Deuteronomium zusammen, was kein
Wunder ist, da es ja ein aus prophetischen Kreisen entstandenes
Gesetzbuch ist. So erscheint ja auch Mose
als der erste und größeste Prophet. Drum sind auch
seine Worte und die auf ihn zurückgehenden Gesetze
den debarim des Dekalogs gleichzusetzen, d. h. gesetzliches
und prophetisches dabar werden zu einem. „So