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Ausgabe:

1934 Nr. 1

Spalte:

23

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dibelius, Otto

Titel/Untertitel:

Das Wiedererwachen des Glaubens in der Gegenwart 1934

Rezensent:

Schian, Martin

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung 1934 Nr. 1.

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den Veränderungen bürgerlicher Wertungen, sondern
Auflösungs- und Zerstörungstendenzen in der heutigen
Gesellschaft überhaupt. Ein stattlicher Haufen von Kulturschmutz
wird zusammengekehrt ; aus Liberalismus, Kapitalismus
, Marxismus, Bolschewismus das Negative
gesammelt; es erhebt sich aus Fäulnis und Dekadenz der
Brandgeruch des kommenden Zusammenbruchs. Retten
kann nur Autorität, Volkstum; aber auch diese nur, wenn
sie durch die christliche Idee geheiligt sind. — In der
Beurteilung der aufgewiesenen Gefahren sind sich alle
einig. Es dürfte verschwindend wenig Menschen in
Deutschland geben — ob Christen, Juden oder Heiden —,
die den hier gezeichneten Kulturverfall nicht zu bekämpfen
gewillt wären. Das aber ist gerade die Schwäche
dieser Art Apologetik. Wenn man Hölle und Himmel
so deutlich trennt, dann ist es keine Frage mehr,
daß man sich für den Himmel entscheidet. Die Folge
•ist, daß sich niemand von der Anklage getroffen fühlt.
Jeder Liberalist, Marxist und Bolschewist wird das hier
von ihm gezeichnete Bild ablehnen; er wird also nicht
überzeugter. Überzeugen wird es nur die, welche schon
überzeugt sind: die ordentlichen normalen Christen. Und
sollte es nötig sein, für sie ein solches Buch zu schreiben
? — Der vom Verfasser gezeichnete „Kulturbolschewismus
" muß freilich bekämpft werden; es geschieht
aber mit Erfolg nur, wenn man ihm an die Wurzel geht,
d. h. wenn man versteht, warum es einen „Kulturbolschewismus
" überhaupt gibt.

Marburg._Georg Wünsch.

Dibelius, Generalsuperint. D. Dr. Otto: Das Wiedererwachen
des Glaubens in der Gegenwart. Vortrag, geh. i. d. Lessing-
Hochschule zu Berlin. Charlottenburg: Buchholz & Weißwange 1933.
(43 S.) 8°. RM -75.

Diese Schrift trägt die Jahreszahl 1933. Aber sie ist vor der
großen Umwälzung geschrieben. Auf den Nationalsozialismus nimmt sie
wohl Bezug, aber sie sieht ihn als einen Faktor neben anderen
unter dem Stichwort: Wendung vom Idealismus zur Gemeinschaft an.
Im Uebrigen redet sie von Gottlosenbewegung, Wiedererwachen des
Glaubens in der Kirche und ähnlichen Dingen so, daß dem Leser gerade
daran die ganze Wucht der jetzt vollzogenen Wendung zum Bewußtsein
kommt. Wenige Monate nach Abfassung der Schrift liegen alle diese
Dinge völlig anders. Gerade dieser Umstand macht das gewandt,
pointiert, mit weitem Umblick geschriebene Heft in besonderer Weise
interessant.

Breslau. _M. Schi an.

Willst du gesund werden? Beratung u. Betrachtungen für Kranke
an Leib, Seele u. Geist. Unter Mitarbeit von Fachkollegen hrsg. von
Anstaltspfarrer Dr. Karl Alt. Halle a. S.: C. Marhold 1932.
(IV, 156 S.) 8°. geb. RM 3—.

Ein Andachtsbuch von seltener Art! Es wendet sich
in erster Linie an Nerven- und Gemütskranke, darüber
hinaus aber an alle Leidenden überhaupt. Zweierlei ist
bezeichnend für diese Andachten: einmal eine tiefe und
phrasenlose Frömmigkeit, zweitens aber eine weite
menschliche Aufgeschlossenheit für das Wesen von Leid
und Krank-sein, für die inneren Zusammenhänge zwischen
Krankheit und Sünde. Man kann der Krankheit
nicht lediglich von der körperlichen Seite beikommen,
sondern not tut vor allem seelische Hilfe, Seel-sorge.
Krankheit (besonders Krankheit des Gemütes) erzeugt
ein Gefühl des Alleinstehens, des Ausgeschlossen- und
Ausgestoßenseins. Hier ist die beste Hilfe eine neue Erfahrung
der Gemeinschaft der Christgläubigen, die
allzumal schuldbeladene Sünder sind vor Gott, denen
aber — ohne Ausnahme — dieser Gott doch ein gnädiger
Vater sein will. Krankheit, die so oft ein Weg
von Gott weg ist, kann gerade auch ein Weg zu Gott
hin werden. Und auf diesem letzteren Wege liegt die
eigentliche Heilung und Gesundung: in der Erfahrung
des Geborgenseins und Friedens, trotz allem.

Ein frommes, ein weises, ein wesentliches Buch. Ein
Buch für alle leidtragenden Kranken und für alle, die
solchen Kranken helfen möchten.

Düsseldorf. Gustav Würtenberg.

Werner Jaeger

PAI DEIA

Die Formung des griechischen Menschen

Erster Band. Grofi-Oktav. VII, 513 S.
1933. Geb. RM 8.—

Das Buch stellt sich die bis heute nicht in Angriff
genommene Aufgabe, die Selbstformung des griechischen
Menschen zum Ziel einer neuen Gesamtbetrachtung
des Griechentums zu machen. Es deutet
das griechische Menschenbild, wie es sich in Gesellschaft
und Staat, Literatur und Philosophie
geschichtlich von Stufe zu Stufe aufbaut, als den
höchsten Ausdruck jenes einzigartigen erzieherischen
Schöpfertums, das die letzte Ursache der unvergänglichen
Wirkung der Griechen auf die Jahrtausende
ist. Die Vergegenwärtigung ihres geistigen
Ringens um die höchste Form des Menschen — das
heißt für ihre klassische Zeit: des politischen Menschen
— wird für den heutigen Betrachter notwendig
zur Besinnung auf das Wesen und Schicksal
aller menschlichen Erziehung und Kultur.

Ein ausführlicher Prospekt steht kostenlos zur
Verfügung.

Walter de Gruyter & Co., Berlin W 10
Genthiner Str. 38.

Soeben erschien:

Formen und Motive in den apokryphen
Apostelgeschichten

VonLic. Martin Blumenthal, Wolfen-Bitterfeld VIII

167 Seiten. 8°. Preis geh. RM 13.50

Texte und Untersuchungen zur Geschichte der
altchristlichen Literatur. Bd. 48, I.

Die von E. v. Dobschütz angeregte Untersuchung will
den Blick auf die neben der offiziellen altkirchlichen
Theologie hergehenden Strömungen christlicher Volksreligiosität
und auf ihre schriftstellerischen Ausdrucksformen
lenken. Dadurch wird zugleich der Versuch
gemacht, die „formgeschichtliche" Betrachtungsweise
an neuem Stoff zu erproben, aber auch den religionsgeschichtlichen
Zusammenhängen dieses Stoffes gerecht
zu werden. Es ergibt sich eine immerhin überraschend
starke Abhängigkeit vom Neuen Testament, neben der
sich aber sowohl bei den Formen als auch bei den
Motiven tiefgehende Einflüsse von anderen Seiten her
zeigen. Die Mischung christlicher und nichtchristlicher
Elemente bedingt den schriftstellerischen und religiösen
Charakter jener Schriften, und von hier aus bietet
sich eine neue Möglichkeit dar zur Beantwortung der
alten Streitfrage, in welchem Verhältnis die Akten zur
Gnosis stehen. So ist die Arbeit ein Beitrag zum Verständnis
der altkirchlichen Apostelliteratur, der in
einem Augenblick veröffentlicht wird, in dem die Herausgabe
der neugefundenen Acta-Pauli.Fragmente durch
C.Schmidt unmittelbar bevorsteht und infolgedessen ein
Neuaufleben der Aussprache über die apokryphen Apostelgeschichten
zu erwarten ist.

Verzeichnis der Sammlung „Texte und Untersuchungen"
(P. 953) steht zur Verfügung.

Verlag der J. C. Hinrichs'schen Buchhandlung in Leipzig

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 20. Januar 1934.

Verantwortlich: Prof. D. W. Bauer in Göttingen, Düstere Eichenweg 14.
Verlag der J. C. Hinrichs'schen Buchhandlung in Leipzig C 1, Scherlstraße 2. — Druckerei Bauer in Marburj;.