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Ausgabe:

1934

Spalte:

418-421

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Duncan, George S.

Titel/Untertitel:

St. Paul's Ephesian ministry 1934

Rezensent:

Lohmeyer, Ernst

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auch daß sowohl auf dem Gebiet der Synoptiker, als : Paragraph, der juristische Stoff, auch in der Form des juristischen casus
für die rabbinischen Überlieferungen die „synoptische" als Ere.gn.s, Vorfall, als Geschichte, als Erzählung ist, während „Hag-ada"
Frao-p 711 hor^nl-on ist a n,cht-juristischen, nicht-gesetzlichen Stoffe umfaßt, die als „Wort-
»c LU ucuc"hc" l=>1- Überlieferung paränetische, moralische, religiös-erbauliche Aussprüche
Perels legt hier offenbar eine trstlingsarbeit vor. Sentenzen sein können, als „Geschichteniiberlieferung" unterhaltende er-
Das Schwergewicht ruht dabei auf der Wunderuberliete- bauliche, belehrende Anekdoten, Kleingeschichten. Sowohl die Halakha"
rung Er teilt die Wunder Jesu — auf diese beschränkt alsdie„Haggada"trittsowohlals „Wortüberlieferung" alsals „Geschichten-
er den Betriff .Wunderüberlieferung" — nach dem Überlieferung" auf. Fürdie Worte Jesu, für die Bergpredigt, für d"ie Gleichnisse
Aufbau" d h dem Aufbau der einzelnen Wunderge- von „Halakha zu reden, ist falsch. Dieser Irrtum muß aus den formgeschicht-
schichte 'ein' Er unterscheidet „reine Wundergeschich- 'iche" Erörterungen verschwinden. -S.78 redet P. von der rabbinischen Literaten
^und Solche iT denen eine „Mischung von Wunder- i tur als von der „nachchristlichen" jüdischen Literatur. Weiß er nicht,
Ten und SOlcne, Hl .^|V_„ „ j_ . p„a „„w^-I-,0;hö+ ' daß z- B- dle Mischna viele „vorchrist che" Stoffe enthält' — P eianet
und Ausspruchgeschtcnte- vorliegt. Er uiuer,uciuei ; sich Schlatters Urteile an, wonach die Tannaiten keine teHoMlU»)«
Wundergeschichten „mit Pointe und Höhepunkt" und „Wundertäter" kennen. Er beruft sieh auch auf <BVftd^ä??(Sd£
anderseits solche „ohne feste Mitte . tr sagt aarur ! die aber durchaus nicht mit Schlatter übereinstimmt. Was sie saet ist
auch präo-nant-dialogisch", d. h. solche mit einem Redeoder
"Handlungsgang, oder mit mehreren Rede- oder
Handluno-so-änoen, und anderseits solche, die eigentlich
gar keinen" ,Aufbau" haben, „jeder Stilisierung entbehren
" und einfach einen Vorgang erzählen. Die „prägnant
-dialogischen" Wundergeschichten parallelisiert er
mit Bultmanns „Apophthegmata", die er deutsch „Aus-

Spruchsgeschichten" nennt, Und halt diese für die nisto- sich selber tragen", sondern „der Lehre dienstbar gemacht sind" Wen

risch zuverlässigen Wunder. Wo er — im Anschluß an j denn die Wunder Jesu ihren Sinn in sich selber? Was soll das über-

Bllltmann — „hellenistische" Elemente ZU sehen meint, , haupt heißen? Ist nicht in der Geschichte vom Gichtbrüchigen das

ist er meist crecren die Geschichtlichkeit skeptisch. Er i Wunder ein Beglaubigungswunder? — s. 79 lies für: „J. Jose ben Qis-

v^nrht «owohf das Ineinander" von Wort- und Wun- 1 ma R- J°se ben Q'sma- .Es handelt sich hier um einen Tannaiten und

ri^riiherlieferuno- herauszuarbeiten, als „das Nebeneinan- ■__*_■■ tannai'ische Uberlieferung, um ein .Zeichen", um ein Be-

der" sowohl die in der Wortüberlieferung vorhandenen ! "*S°w möge " •oder: .essoll.." p. hätte

der , BOWOni uie c , „ kehr? das Wort in ?°lcne Vergleichsstoffe viel genauer vorlegen und analysieren sollen. -

Hinweise auf das Wunder, als umgeKenn uas wort in s. 7Q: riEnveckung" liegt hier gamicht vor! - Die Chonitreschirhte

der Wunderüberlieterung und die Mischung zwischen ! wi„ garnicht einen Satz der Mischna bestatigen. Sie __-^^Sr

Wort- und Wunderüberlieterung. Er bemuht Sich, die licher mit, was dort nur ganz kurz gesagt ist. — Die Chonigeschichte

älteste Form der Wundergeschichten ZU rekonstruieren, j erwähnt das Lärmblasen überhaupt nicht. Die Parallelen zu ihr sind

Er denkt sich S. SQ die Entwicklung SO: „Am Anfang I nicht nur Bestandteile derGemaroth, sondern sind „Baraithoth". P hätte

Steht die Wundertat Jesu. Mit der Weitererzählung muß : hier das synoptische Problem sichtbar machen können und sollen. —

eine Verkürzung des Tatbestandes eingetreten sein. Da- j S-80f „ordnet" Chanina „an", er befiehlt. Das wird bei p. nicht deut-

bei bildet sich eine bestimmte Form heraus, in der die ! !c,n; — s. 81 gibt P. an daß Schimeon ben jochai „einen Heiden ge-

_ sie sagt, ist

lediglich, daß namentlich die Mischna -weil sie mehr rationalistisch gerichtet
ist — wenig Wundergeschichten enthält, während die spätere
Literatur daran reicher ist. P. hätte das hier vorliegende Problem nicht
so obenhin behandeln sollen. Es handelt sich dabei einerseits um das
„Bedrohen", das sowohl bei den Rabbinen, als bei Jesus auftritt, ferner
darum, daß man nicht nur bei den Rabbinen, sondern auch bei Jesus
von dem Gebet in Verbindung mit dem Wunder reden muß. P. glaubt
sagen zu können, daß die rabbinischen Wunder „ihren Sinn nicht in

Geschichten überliefert werden. Der Grundstock ist die
Bitte oder auch nur die wartende Anwesenheit eines
Hilfesuchenden und das Machtwort Jesu, das die sofor-

tötet, einen Toten erweckt und einen Lästerer getötet" habe Er nennt
als Belegstelle lediglich jer. Schebiith 38 d. Z. 34 ff. Dort ist aber von
einem „Kuthi" die Rede, von einer „Totenerweckung" nicht, auch nicht
von einem „Lästerer". Woher mag P. seine Angaben haben? Eine „Merk-

tige Wirkung mit sich bringt. . . Die Überlieferte Ge- Würdigkeit" und bloße „unterhaltende Züge an einer Geschichte" sind

schichte ist aus historischem Geschehen Und Stilisieren- j hier die Wunder gamicht. — S. 91 sagt P., daß die „Verblassung der

der Überlieferung gemeinsam entstanden. . ." Es erfolgt I Prägnanten, lebendigen Erzählungsform" an den Stil des Talmud erinnere,

dann — nach Ps. Meinung — eine weitere Umgestaltung: J nach S' 82 aber so11 »e'ne Beeinflussung der Wunderform von seiten der

Einerseits tritt eine Verblassung der prägnanten, leben- ; ,ud,scnen. wunderbaren Geschichten nicht stattgefunden haben". Wie

dWn Erzählungsform ein... es wird undeutlich, ab- i _£__?*? .taid™ Au^n?-/ «, Anm. 24, soll die Dämonen-

SBa mit weniger Wärme erzählt . Anderseits tritt | '^^^iT.^t

eine starke Ausmalung der Geschichte ein." Die „Ver- lichkeit sein, bald auch wieder nicht. ungescnicht-

blassung" Parallelisiert P. mit dem Stil des Talmud", j An der aphoristischen Art P.s scheint mir vor allem

^«srerauf-d€nEinflußderwta- s?zudaßs-*sä

So etwa kann man die Ergebnisse zusammenfassen,
z.u denen P. unter viel Wenn und Aber kommt. P.s
Ausführungen leiden an einem fortwährenden Hin und
Her. Wie er selber bald vor-, bald rückwärts weist,
so muß man sich seine Urteile überall zusammensuchen.
Er redet viel von „Aufbau", bietet aber in seinem Buche

aus zweiter Hand arbeitet. Wir brauchen aber
methodische Forschung aus erster Hand. Diese setzt
freilich auf neutest. Gebiet eine Schulung und Vorbildung
voraus, die P. nicht zuteil geworden zu sein
scheint. Ich verkenne dabei durchaus nicht, daß P
mancherlei Wertvolles und Anregendes sagt. Vor allem
•ost er nicht alles in Typen und „stilisierende Über-

,m Ganzen und Einzelnen keinen leicht übersehbaren rung" auf, sondern hält sich den Blick für d e «seh cht"

Aufbau. Da er die Wundergeschichten als die Haupt- liehe Tatsächlichkeit offen. Es ist auch wertvoll I d£

sache behandelt wahrend die Wortuberl.eferung nicht Wundergeschichten einmal nach ihrem Aufbau" iirhr

Gegenstand der Hauptuntersuchung ist hatte er mit der , bar zu machen. Ebenso warnt er wtederhö dawr zn

genauen Vorführung der einzelnen Wundergeschichten meinen, daß nun mit „hellenistisch" ohne veiteres etwas

in einer bestimmten herausgehobenen Aufreihung be- gegen die geschichtliche Tatsächlfchkeit 5»5?3 Wh

ginnen und dann erst die verschiedenen Gesichtspunkte das arbeitet er heraus, daß man ^r^lS^ÄröhS

bringen sollen, die die Beurteilung des Materials ergeben. lieferung nicht auseinanderreißen oder iÄeDa„ !ü

So aber springt er fortwährend vom Einzelnen zum einande? stellen kann, sondern daß beide ArTn /

Allgemeinen und vom Allgemeinen zum Einzelnen. Er Überlieferung eine innere Einheit bilden

macht sich in seiner aphoristischen Art die Auseinander- ; Leipzig

Setzung z. B. mit Dibelius viel zu leicht, auch das Pro-_________ R piebig.

blem des Verhältnisses der svnoptischen Texte zu ein- n!•«<•*.. n>™* c . c* n ., „ .

!„der und zu dem Vergleichsmaterial, namentlich dem ^S£J?SäE^ A Re-

mpnt Fnistlp« I nnrinn ■ HMH».__A o.____, InelmPriSOn-

°- J- (XIV, 303 S.)

rabbinischen. ment Epistles. London: Hodder and Stoughton

An Einzelheiten sei hervorgehoben: P. schleppt einen Irrtum weiter, 8 u , , _ . 8 sh 6 d

as

der sich in die neut. Formgeschichte eingenistet hat und aus ihr ver- 1 . ^er. Titel des Buches sagt deutlich genug was d

schwinden muß: man parallelisiert die „Wortüberlieferung" mit der ' Ziel dieser umfangreichen und sorgfältigen Untersü

„Halakha" und die .Geschichtenüberlieferung" mit der „Haggada". Dabei chung ist; es will ein geschichtliches Bild der drf>i I-ihrp

übersieht man aber, daß „Halakha" der juristische Satz, der Gesetzes- geben, die Paulus in Ephesus gelebt Und erwirkt: hat