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Ausgabe:

1934

Spalte:

409

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Das Gilgamesch-Epos 1934

Rezensent:

Bauer, Walter

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES und Prof. D. Dr. GEORG WOBBERMIN. beide in Göttinnen

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahreheften. Bearbeitet v.Bibliotheksrat Lic.Dr.phil. REICH, Bonn, u.Lic.H. SEESEMANN, Göttinnen

Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

Mana-kripte und |telehrte Mitteilungen *ind • □•■chliefilich an Professor D. BAUER in Göttingen, Düntere Kicfacnweg 14, zu «enden,
Retentiontexemplare aue»chließlich an den Verlag. Gewfihr für Besprechung oder Racksendung von unverlangt gesandten Rezensionsexemplaren
, besonders noch bei Zusendung nach Göttingen, wird nicht Übernommen.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN BUCHHANDLUNG, LEIPZIG C 1
59. JAHRGANG, Nr.23 10. NOVEMBER 1934

Spalte

Auslanddeutschtum und evangelische Kirche
(Usener)..................430

Bertholet: Das Geschlecht der Gottheit
(Merkel)...................409

Dölger: Antike u. Christentum (Dibelius) 421

Duncan: St. Paul's Ephesian Ministry (Lohmeyer
) ...................418

Enelow: The Mishnah of Rabbi Eliezer
(Duensing).................411

Guillaume Farel 1489— 1565 (Köhler). . . 422j

Spalte

Das Gilgamesch-Epos (Bauer)........409

Jones: Christus auf der Bergkanzel (Usener) 429
Klausner: Jesus von Nazareth (Eiebig) 415
L e n h a r t : Seelennot aus Lebensenge

(Lerche) ..................428

Luthardt: Kompendium der Dogmatik

(Koepp)...................426

Mausbach: Grundzüge der katholischen

Apologetik (Jelke).............427

Per eis: Die Wunderüberlieferung der Synoptiker
(Fiebig)..............416

Spalte

Scholz: Goethes Stellung zur Unsterblichkeitsfrage
(Merkel).............423

Siegfried: Das Wort und die Existenz
(Koepp)...................424

Spam er: Die Tätowierung in den deutschen
Hafenstädten (Vorwahl).......431

Wizenmann: Schöpfung und Urschuld
(Hempel)..................413

Wochen mark: Die Schicksalsidee im Judentum
(Duensing).............414

Das Gilgamesch-Epos. Neu übers, u. m. Anmerkungen ver^ von Dr. mäßig, stark hervortreten oder sonst in den Mittel»

Albert Schott. Leipzig: Ph. Reclam [1934J. (93 S.) kK8 . —- Reclams ■ punkt der kultischen Verehrung rücken", während in

Univ.-Bibl. Nr. 7233. km », rp. and€ren Religionen „ganz unbedingt das männliche Göt-

In hübscher Ausstattung und zu billigem Preis ist terelement vorwiege"; eine Reihe von Belegen in vorder-

im Verlage von Reclam eine neue Ubersetzung des asiatischen Religionen werden dafür angeführt Aus der

alten Heldengesanges erschienen, Peter Jensen gewid- Betrachtung der vielgestaltigen Naturgötter ergibt sich

met, dem Manne der sich das größte Verdienst um dem Verfasser das Resultat: daß „Götter Himmels und

die w ssenschaftl.che Erforschung des Gilgamesch-Epos der Erde) des WasserS) des Feuers, des Blitzes, der

erworben hat ( Sonne, des Mondes usw. bald männlich, bald weiblich

D.e Einleitung unternehmet über den Bestand der sein kon daß . , fchen KuIturgeb^ sog„-™„.

Texte, wie er heute vorliegt Was wir besitzen, reicht ha,b einer u'nd derseloen Gottheit daf Geschlecht J^to.

zeitlich vom 24 bis 6. Jahrhundert, räumlich von Sud- se,n kann„ wob,ei f ilich ; ht dje Arf £5(5*2

babylonien bis Kleinasien und beweist die Überlieferung als soiche ' für sein Geschlecht ausschlaggebend" ist

in mindestens vier Sprachen. Da ein Teil des Stoffes i Freilich lasse . h „ . ; üBerraschei de

erst in neuerer Zeit der Wissenschaft zugänglich gewor- Elastizität inbezug auf die Geschichtsauffassung der

den ist, rechtfertigt sich der Versuch einer neuen kunst- Gottheit" beobachten, sodaß „Beispiele von Geschfechts-

lerischen Übertragung in die deutsche Sprache. Darauf wechseI ^ d d€rselben Gottheit keineswegs ehvas

nämlich kommt es Schott besonders an Er will nicht Ungewöhnliches seien" (S.15). Des Weiterei, erläutert

nur den Inha t vermitteln sondern auch das wuch ige . er dann di aIIgemein verbreitete Erscheinung der Vor

Versmaß der Dichtung so treu wie möglich nachbilden, bindung von Göttern verschiedenen Geschlecht! zueinem

Eine Röbec beigefugter Noten dienen neben der Einlei- göttlichen Paar" oder gar das Auftreten androgener

tung dem Sachverständnis. j Gottheiten, wozu verschiedentlich im Kult auf merisch-

Soweit man ohne Kenntnis der Sprachen urteilen iicher Seite die vertauschung der Rolle der Geschkch-

darf, macht die Übersetzung einen guten Eindruck Es ter kommt (S. 19). Höchst wertvoll erscheint es daß

ist sehr erfreulich, daß dieses gewaltige Stuck Welt- ; der Verfasser auch den religiösen Motiven nachz'uspü

literatur, dessen Kenntnis zur allgemeinen Bildung ge- , ren sucht dfc m djesen * Vorstellungen ana?S-

hört, dem weiten Kreis der sprachlich Hilflosen nun- gyner Qottheiten geführt haben und wohl auf dem E

mehr so bequem zuganglich geworden ist. , streben „lithei-vorgehen, „das Wesen der Gottheit nach

Göttingen. w- Bauer. | seinem Vollgehalt, gewissermaßen als Summe männlicher

---- —- j und weiblicher Werte auszuschöpfen", habe doch selbst

Bertholet, Prof. D. Dr. Alfred: Das Geschlecht der Gottheit. 1 (nach Winthuis) das primitive Denken die Eingeschlech-

Tübingen: j. c. B. Mohr 1934 (33 S.) gr 8 . = Sammlung gemein- j tigkeit der Gottheit als etwas Unbefriedigendes emnfun-

^«^*S<^^^U^fg.R^^; den, das der Ergänzung bedürfte. Wohfdarf angenom-

173' , du d« ^LUll^ .i ! men werden, daß „das Geschlecht ursprünglich nicht

Wieder hat der Berliner Religionshistoriker A Ber- zur Gottheit gehörte" (f. Baethgen) allehf d e Ent

tholet uns in dieser Studie auf ein religionswissenschaft- wicklung lehrt, daß als psychologilcher Faktor des Auf

lieh wichtiges Problem - das wechselnde Geschlecht kommen* einer üeschlechtlichkeit der Gottheit auch die

der Gottheit - aufmerksam gemacht mit dem man sich Machtvorstellung bestimmend war (M lastrow) FW

„bisher noch kaum befaß " hatte Von der Frage aus- Mensch will seine Götter mächtig haben dem'fin

gehend, wie der Mensch überhaupt dazu komme Natur- zelgeschlecht aber haftet naturgemäß eine gewisse Be

dinge geschlechtlich zu differenzieren" macht der Ver- schränkung an. Darum ist das Phänomen der ^weT

fasser besonders darauf aufmerksam, daß es „Religionen geschlechtigkeit der Gottheit nur als Versuch zu werten

gebe, in denen weibliche Gottheiten, schon rein zahlen- die Gottheit über eine derartige Beschränkung empor'

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