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Ausgabe:

1934

Spalte:

390-391

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Rendtorff, Heinrich

Titel/Untertitel:

Kirche im Kampf 1934

Rezensent:

Eger, Karl

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38«J

Theologische Literaturzeitung 1934 Nr. 21.

390

Gegenwart in negativer wie positiver Hinsicht (S.14—49), Rendtorff, Heinrich: Kirche im Kampf. Evangelische Rufe und
Um sodann die gesamte völkische Religiosität der Ge- Reden aus d«r Zeit des Kampfes um Deutschlands Erneuerung. Schwe-
genwart in ihrer sehr verschiedenartigen Stellungnahme 1 lah? lg34- ^S.) 8". RM 3.80; geb 4.80.
zu Christentum find Kirche darzustellen" (S. 50—122). Beyer, Prof Hermann Wolfgang: Im Kampf um Volk und Kirche.
DM^SSeßS e?"reLhUcrfchematiich, zwischen ™™ ™« ^ Günther „34. (208 s.) gr. 8«
Ablehnung, Gleichsetzung, Umdeutung, Angleichung und Müller, Prof. Hans Michael: Der innere Weg der deutschen
Gleichberechtigung der christlichen Religion seitens der Kirche. Tübingen: j. c. b. Mohr 1933. (72s) su rm —so
völkischen Glaubens-und Gedankenwelt. Schließlich wer- Alt haus, Prof. D. Paul: Die deutsche Stunde der Kirche!
den die Brennpunkte der Auseinandersetzung an der Güttingen: Vandenhoeck& Ruprecht 1933. (60 s.) gr. 8°. RM i.60*
grundsätzlich verschiedenen Auffassung von Mensch und Eger, D. Johannes: Der nationalsozialistische Staat und die
Gott, an dem Kampf um das AT., der Judenfrage, der evangelische Kirche. Leipzig: m. Heinsius 1934. (46 s.) 8°.
Frage nach den Zusammenhängen von Rasse, Volkstum „. c , ... _ ,. , „ rm 120.
undWon sowie einer kurzen geschichtlichen Betrach- | , Dx£ Sctr'ften. fvon *e"dt(?r-!,f u"d Beyer wollen
tun* übe? die Christianisierung der Germanen aufgezeigt ! den Weg beleuchten den die beider. Vf. in den Jahren
(S 123-166) Unter Berufung auf andere diese Fragen j der kämpferischen Vorbereitung und beim Anbruch der
behandelnde Arbeiten kommt der Verfasser zu dem Er- [ f«en.Lage in Staat und Kirche gegangen sind. R. hat
J Deutschtum und Christentum (S. 167 ff.) sind ! Aufsatze, Reden Predigten aus den Jahren 30/33 zu-
feine unuterbrückbaren Gegensätze. Beide stehen in f™™"^SttiRbeS!nnend m't Gedanken zum Pfingstener
nkht zu leugnenden Spannung. Aber diese Span- ! [f 93,0' schließend mit der Predigt zur Eröffnung der
nung ist ia geradTdas Wesen der deutschen Seele und , Mecklenburgischen Landessynode 12 Sept. 33, dem ein-
desCh-stentums" (wobei wohl-vgl.S.lOu. a. - an das fpe" Stuck der Sammlung das aus der Zeit n a c h dem
Sil lS eförmatori che in der Hauptsache gedacht ist). 1 fi*** •fi^LÄ^ÄSS^ Kampfzeiten offen

— Den Abschluß bildet ein Zitat von Prof. Weinel, aus
dessen Aufsatz in der R. G. G.2 V, Sp. 1625, das die

bart sich dem redlichen Kämpfer am deutlichsten das
Ziel und die Quelle der Kraft. Darum dürfen solche
1 Zeiten nicht vergessen werden." Natürlich wollen diese
Möälichkeit""gegenseitiger Vertiefung von Deutschtum und ( Erinnerungen an gestern" auch „geltendes Zeugnis für
ChrtstaKn TierWhetrt, um zudem in der vorliegenden | ^ mfendes Bekenntnis für morgen" sein, und sie

sind es in z. T. sehr eindrücklicher Weise.

Beyers Reden und Aufsätze reichen bis zum Nov.
33; er führt also weiter als Rendtorff in die Zeit der
Umgestaltung der Kirche auf dem Boden des Neuen
hinein. Er bringt zunächst eine Reihe politischer Reden,
die er aber stets bewußt als Theologe zu halten versucht
hat; der größere Teil bezieht sich auf kirchliche Fragen.
Er will mit der Veröffentlichung Zeugnis davon ablegen,
„wie die schicksalsschwere Zeit an der deutschen Unterschrift
nicht mehr gebrachten, mehr verallgemeinernden
Schluß zu kommen:

„Das Christentum ehrt und heiligt auch
das Volkstum als eine Schöpfung Gottes."
Wir würden hinzufügen müssen, so sollte es sein;
und wäre dieser Grundsatz immer ernstlich beachtet,
so würden weite Kreise viel eher die Spannung zwischen
Gottes Schöpfungs-, Erlösungs- und Heilsordnung nachempfinden
anstatt den Gegensatz zwischen christlichem
Gottesglauben und völkischem „deutschem Gottglauben"
zu behaupten und hervorzukehren. Zwar bemüht sich
der Verfasser die Hauptgedanken herauszuarbeiten, wird
aber den völkisch Denkenden nicht immer gerecht. Auch
sei festgestellt, daß er z. B. Tögel Unrecht tut, wenn
er ihm Gleichsetzung von Deutschtum und Christentum

sität und in der evg. Kirche durchlebt ward"; zugleich
soll sie ein Ausdruck der heißen Sorge für die Zukunft
sein, für die uns die Verantwortung aufgetragen ist. Für
die Gegenwartslage grundsätzlich bedeutsame Ausführungen
bieten besonders die Stücke: Vom Staat, wie weit

nachweist (S. 101). Ob die Dorfkirchenbewegung richtig j man, lhm, Gehorsam schuldig sei (14. 7. 33); Gegen
eingegliedert ist, mag ebenfalls fraglich erscheinen (S.118 i wartssendung und Zukunftsaufgaben der Deutschen Evg.
unter der Gruppe „Angleichung"). Maurenbrechers „Hei- [ £{ch% <7- 8- 33)'> Luthers Wort in unsre Zeit (10. 9.
land der Deutschen" als eigenartige Darstellung Jesu | Germanische Lebenshaltung und Christentum (24.

und des Volkes Israel vom völkischen Standpunkte mit j f.

einem einzigen Satze unter derselben Rubrik abzutun, | , Uer grundsätzlichen Erörterung der Frage nach Stel-
dürfte ebenfalls nicht angängig sein. Wenn so schon : 'ung.,und Weg der Kirche im neuen Reich dienen die
christlich bestimmten Gruppen und Männern gegenüber 1 äcnr'TTen von Muller, Alt haus, J. Eger.
eine wirklich wertvolle Gedankenwiedergabe und Deu- , R Jr?. stärksten tragt das besondere Gepräge ihrer
tung fehlt, so werden die rein völkischen Gruppen und u , ,?gszöt (Vorwort 14. 11. 33) die Schrift von
Führer fast nur negativ gewertet (S. 51 ff., S. 75 ff., ; »- M. Muller. Auch bringt sie die persönliche Ein-
und sonst). Umso wichtiger sind die Ausführungen des 1 Stellung «es Vf. in Darstellung wie in Polemik sehr stark
Verfassers zur Judenfrage, deren letzte Folgerungen in ?ur Geltung, wie sie auch mit einem persönlichen Be-
der Forderung des Gastrechtes klar gezogen werden. , *enntnis zur Person des Reichsbischofs schließt. Schon
Auch in dem Abschnitt Rasse, Volkstum und Religion ! 1? A.nsp wird an der „Schöpfung" das Kämpferische,
finden sich beachtenswerte Ansätze zur rechten, evan- I "eroische unter Vernachlässigung wesentlicher anderer
gelisch-christlichen Wertung der Rassen- und Vererbungs- ! 2?°/r,?"tf herausgestellt. Die vergangene theologische
lehre die es auszuwerten, aber auch noch auszubauen gilt. £ntwieklung und die jetzigen Gegner des Vf. (besonders
Abschließend ist zu sagen, daß für eine erste F3e- j (V ti a r 1" ) werden durchaus von den persönlichen
schäftigung mit dem ganzen Fragengebiet diese Schrift Voraussetzungen des Vf. aus dargestellt und abgetan,
gute Ansätze bietet; nur sollte keiner übersehen, daß , ^odurcn dl€ Ausführungen naturgemäß an sachlicher
ein ziemlich umfassendes Literaturverzeichnis zu weite- ' Klarungs- und Durchschlagskraft erheblich verlieren. Von
rer Vertiefung in die angeregten Fragen anleiten will da aus muß selbstverständlich die „Reformation heute"
wenn auch in diesem Verzeichnis, das zwar auf Vollstän- !ln wesentlich anderes Gepräge bekommen als die Re-
dickeit von vornherein verzichtet, eine gewisse Einseitig- ! to[matlon Luthers. — Der Satz: „Es gibt nur eine deut-
kett vorherrscht. Auch inbezug auf die notwendige Aus- f, F Küche, und sie ist evangelisch" zeigt eine starke
einandersetzung muß das gesagt werden; wir vermissen Unbekümmertheit um das, was tatsächlich vorhanden ist

zugunsten dessen, was nach Meinung des Vf. sein soll

P. Alt haus bringt 4 neue Aufsätze zur theologischen
Besinnung über das Verhältnis der Kirche zur
gegenwärtigen Volksbewegung (Das Ja der Kirche zur
deutschen Wende; Volkserlebnis und Offenbarung-
Volksgeschichte und Heilsgeschichte; Drittes Reich und
Reich Gottes), denen er eine Aufsatzreihe: Gott und Volk
aus 1932, eine Auseinandersetzung mit W. Stapel

u. a. die bisher einzig grundlegende, wirklich sachliche
und darum zusagende Auseinandersetzung mit Rosenberg
von Grundmann, Gott und Nation sowie Schairer, Blut,
Glaube, Gott, vor allem Heinrich Spiero, Die Heilands-
gestalt in der neueren deutschen Dichtung und vieles andere
mehr. —

Ellensen, in Hannover. Martin Nöldeke.