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Ausgabe:

1934

Spalte:

366-367

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schnitzer, Joseph

Titel/Untertitel:

Die religionspsychologische Grundlage der Feuerbestattung 1934

Rezensent:

Koch, Hugo

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Theologische Literaturzeitung; 1934 Nr. 20.

366

Kroh, Oswald: Universität und allgemeine Volksbildung.
Knopp, Konrad: Der Einfluß der Naturwissenschaft auf das
moderne Bildungsideal. Stuttgart: W. Kohlhammer 1933. (IV,
28 u. IV, 29 S.) gr. 8°. = Öffentl. Vorträge d. Univ. Tübingen Wintersem
. 1932/33. Die Univ., ihre Geschichte, Aufgabe u. Bedeutung
i. d. Gegenwart. Württ. Ges. z. Förderung d. Wiss. 5. u. 7. je RM 1.35.
Die Tübinger Universität hat den wirklich erfreulichen
Versuch gemacht, über das bloße Spezialistentum
der einzelnen Fakultäten und der einzelnen Fachvertreter
hinaus den Gedanken der Universitas zum Ausdruck zu
bringen. Aus diesem Versuch ist eine Vortragsreihe hervorgegangen
, in der von theologischer Seite Rückert die
Stellung der Reformation zur mittelalterlichen Universität
und Fezer das Wesen und die Bedeutung der theologischen
Fakultät behandelt hat. In Heft 5 behandelt
O. Kroh das Verhältnis der Universität zur allgemeinen
Volksbildung. In großzügigem geschichtlichen Uberblick
verfolgt er die Frage durch die Jahrhunderte. Dabei
bemüht er sich um eine sehr ernsthafte Bewertung gerade
auch der religiösen Versuche und Möglichkeiten,
zu einer wirklichen Volksbildung zu kommen. Gern
würde man noch einen Hinweis auf den Pietismus und
die Hallesche Universität gefunden haben, wo die deutschen
Vorlesungen an der Hochschule und die Francke-
schen Stiftungen, vor allem die Bibelgesellschaft, die die
deutsche Lutherbibel als Volksbuch in die weitesten
Kreise zu bringen versuchte, in die Richtung des Themas
wiesen. Den Ertrag aller geschichtlichen Versuche wertet
Kroh negativ: „Weder auf dem Wege über religiöse
Gemeinschaftserziehung noch durch die Versuche einer
Einung auf dem Boden philosophisch fundierter Weltanschauungen
noch gar durch alle Mittel wissenschaftlicher
Elementarbildung; auch nicht durch die bisherigen,
am Staatsgedanken orientierten Versuche planmäßiger
Erziehung zur politischen Willensgemeinschaft gelang
der Prozeß geistiger Volkwerdung" (S. 27). Der Vortrag
, der sich auch mit Krieck ernsthaft beschäftigt
und auseinandersetzt, ist bereits am 30. November 1932
gehalten; und es ist zu hoffen, daß die ganz neue Anpassung
der Frage „Universität und allgemeine Volksbildung
" durch den Nationalsozialismus uns einer Lösung
näherbringt.

K. Knopp untersucht den Einfluß der Naturwissenschaft
auf das moderne Bildungsideal. Er spricht aus
der mathematischen Ebene und meint, damit eine Stellung
zwischen und über den Gruppen der Naturwissenschaften
und der Geisteswissenschaften zu haben. Er
sucht aus der „tausendfältig zerspaltenen Lage der Gegenwart
" heraus ein sturmfreies Gebiet zu finden, wo
„gesicherte, allgemein gültige, von niemandem bezweifelbare
, dem subjektiven Dafürhalten prinzipiell entzogene
Erkenntnisse" gelten. Wenn er allerdings nur auf diesem
Gebiet das Wort „Erkenntnis" zulassen will, so wird der
Geisteswissenschaftler hier ein Fragezeichen machen,
wenn so als „Wissenschaft im strengsten" Sinn nur
die Mathematik und die moderne Physik übrig bleiben.
Und wenn Knopp in seinem Vortrag, den er am 11. Januar
1933 gehalten hat, noch behauptet, daß die „Naturwissenschaften
die führende geistige Macht der Gegenwart
" sind, so hat sich vor allem seit dem 30. Januar
1933 die Lage in Deutschland doch wesentlich
dahin verschoben, daß durch die nationale Revolution
die Interessen wesentlich von den Naturwissenschaften
zur Geschichte verschoben sind und zur Zeit die „politischen
" Fragen — dies Wort in dem neuen Sinn gemeint
— und die religiösen Fragen die Gemüter viel lebhafter
bewegen. Im übrigen macht der Vortrag, der in sehr klarer
und knapper Form bis an die tiefsten Fragen heranführt
, selbst immer wieder auf die Grenzen naturwissenschaftlichen
Erkennens aufmerksam.

Dortmund._H. Werdermann.

Wi ehern, J. H.: Die innere Mission der deutschen evangelischen
Kirche. Eine Denkschrift an die deutsche Nation, im Auftrage d.
Centraiausschusses f. d. innere Mission verfaiit. Zum hundertjähr
Bestehen d. Rauhen Hauses neu hrsg. von Martin Gerhardt. Hamburg
: Agentur d. Rauhen Hauses 1933. (XXI, 287 S.) 8°. geb. RM 2 85

In einer Zeit, in der weithin in der ev. Kirche von
Volksmission geredet und geschrieben wird, sie fast zum
Schlagwort zu werden droht, kommt die sehr sorgfältig
in einem geschmackvollen Band herausgebrachte neue
Ausgabe zur rechten Zeit; sie zeigt in den Anmerkungen
eine erstaunliche Belesenheit des Herausgebers in der
ganzen einschlägigen Literatur, die sich an die Denkschrift
angeschlossen hat, handschriftliche Zusätze aus dem zweiten
Handexemplar Wicherns sind beigefügt; besonders
wertvoll auch sonst kaum zugängliche Statistiken und
ein eingehendes Sachregister. Wichern ist auch für spätere
Zeiten der Herold der I.M. geblieben; sein Wunsch
im Vorwort der ersten Auflage: ich wünsche der J.M.
baldigst den innerlich berufenen Herold, der sie auch
im Wort vollendet, rund, rein und klar dem ganzen Volk
verkünde, hat sich nicht erfüllt. Die Worte am Schluß
dieses Vorworts lesen sich wie für und in unserer Zeit
geschrieben: „Die I.M. will der Herold eines sich verjüngenden
Lebens sein, das unserm Volk aus Christo
neu erblühen soll, wenn in ihm und durch ihn aller
Glaube zur Liebe und alle Liebe zum Glauben kommen
will." In der Denkschrift, hinter der immer wieder der
dunkle Hintergrund der Revolution von 1848 sichtbar
wird, findet die I.M. folgende Definition: „Als I.M.
gilt uns nicht diese oder jene einzelne, sondern die gesamte
Arbeit der aus dem Glauben an Christus geborenen
Liebe, welche diejenigen Massen in der Christenheit
innerlich und äußerlich erneuern will, die der Macht und
Herrschaft des aus der Sünde direkt oder indirekt entspringenden
mannigfachen äußeren und inneren Verderbens
anheim gefallen sind, ohne daß sie, so wie es
zu ihrer christlichen Erneuerung nötig wäre, von den
jedesmaligen geordneten christlichen Ämtern erreicht werden
." Sofort fällt in die Augen der Wandel der Anschauungen
; will man doch in unsern Tagen vielfach I.M. und
Volksmission zur Sache der organisierten Kirche machen
. Es kann hier nicht auf die einzelnen Gedankengänge
der Denkschrift eingegangen werden, so reizvoll
das wäre; mag manches gewiß heute überholt sein,
die biblische Nüchternheit, die offene Aufdeckung vorhandener
Schäden in sittlicher, sozialer, kirchlicher Hinsicht
, die Abgrenzung der I. M. gegenüber anderen Gegebenheiten
und Arbeiten (Familie, Staat, Kirche), macht
sie auch heute noch zu einer wertvollen und anregenden
Lektüre, die allerdings durch lange Perioden und anderes
nicht immer leicht ist. Die Sprache ist alles andere als
volkstümlich, manchen Satz muß man mehrmals lesen.
Wer I.M. oder Volksmission treiben will oder soll, der
hat sich mit der Denkschrift und ihren Gedanken auseinanderzusetzen
und kann reichen Gewinn aus dieseT
bald neunzig Jahre alten Schrift haben, die wahrlich nicht
nur kirchengeschichtliches Interesse hat. Zu fast allen
späteren Arbeiten der I.M. finden wir richtunggebende
Ansätze. Innere Kolonisation, Auslanddeutschrum usw.
finden eingehende Berücksichtigung; es entbehrt nicht
des Interesses, daß W. in den Gesellenvereinszusammenkünften
neben anderem die Einübung rhythmischer Choräle
fordert, um deren Einbürgerung in den Gemeinden
wir uns jetzt nach 90 Jahren mit mehr oder weniger
Erfolg mühen.

Den tiefgründigen Darlegungen Wicherns gegenüber,
die mit großem Ernst auf die tiefsten Quellen Innerer
Mission hinweisen, vergeht alle Lust zu einem fröhlichen
Betrieb, wozu sich hier und da Ansätze zu zeigen scheinen
. Eine kleine Druckfehlerberichtigung: S.'XIII muß
es Zeile 4 1848 statt 1849 heißen.

Halle Saale.__Wilhelm Usener.

Schnitzer, Prof. D. Dr. Joseph: Die religionspsychologische
Grundlage der Feuerbestattung. Luzern i Selbstverlag d. Genossenschaft
Luzerner Feuerbestattung 1933. (71 S.) 8°. = Sonderabdruck
a. d. VI. Jahrbuch d. Großdeutschen Verbandes der Feuerbestattungsvereine
1933.

Aus einem im Dezember 1931 in Luzern gehaltenen
Vortrag erwachsen und mit reichlichen Belegen ausgestattet
, gibt diese Schrift gegenüber der in weiten
kirchlichen Kreisen herrschenden Meinung, das Erdbe-