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Ausgabe:

1934

Spalte:

322-324

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Kulturgeschichte des Alten Orients 1934

Rezensent:

Roeder, Günther

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES und Prof. D. Dr. GEORG WOHRERMIN, beide in Göttingen

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften. Bearbeitet v.Bibliotheksrat Lic.Dr.phil. REICH, Bonn, u.Lic.H. SEESEMANN, Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

Manuskripte und gelehrte Mitteilungen aind a u I b c h I i e fi 1 i ch an Professor D. BAUER in Göttingen, DüMere Eichenweg 14, zu senden,
Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. Gewahr für Besprechung oder Rücksendung von unverlangt gesandten Rezensionsexemplaren
, besonders noch bei Zusendung nach Göttingen, wird nicht übernommen.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN BUCHHANDLUNG, LEIPZIG C 1

59. JAHRGANG, Nr. 18 1. SEPTEMBER 1934

Spalte

Bü c h sei: Die Johannesbriefe (Schneider) 326
Dilthey: Der junge Dilthey (Niedermeyer) 329
Götz: Die Bedeutung des Opfers bei den

Völkern (Witte)..............321

Kulturgeschichte des Alten Orients (Roeder) 322

Spalte

Kern: Das Tugendsystem (Lempp).....328

Luce: The Gospel according to S. Luke
(Seesemann)................326

Palästinajahrbuch (Horst)..........324

Spalte

Wilhelm von Rubruk: Reise zu den Mongolen
1253 -1255 (Lempp).......328

Schlunk: Führer fremder Völker und das
Christentum (Witte)............335

Schlütz: Isaias 11, 2 (Seesemann) .... 327

Götz, Bemdt: Die Bedeutung des Opfers bei den Völkern. genügen, um diese „Religionspsychologie" zu kennzeich-
Stuttgart: c. L. Hirschfeld 1933. (III, 82 S.) gr. 8°. = Sociologus. , nen_ jcn möchte wohl wissen, mit welchem Recht die
Zeitschr. f. Völkerpsychologie u. Soziologie. Hrsg. R. Thnrawaid. i biblische Sündenfall-Geschichte irgendwie mit Sexuali-
Beiheft 3- . „ " tät in Verbindung gebracht werden kann! In Persien ist
Diese rehgionspsychologische Arbeit will den Be- , der Sündenfall das Lügen der Menschen. Ist das auch
griff des Opfers klaren. Zunächst wird gesagt: Von seXuell? Wo ist irgendwo auch nur eine Andeutuno- da-
einem Opfer sprechen wir, sobald eine Persönlichkeit hin daß der Mensch durch Zeugen sterblich wird! Und
oder eine Gemeinschaft durch Preisgabe eines Wertes daß das Kind schuldig ist, weil es gezeugt worden ist'
sich um eines ihr höher geltenden Zieles willen einen 1 Das sind doch nichts ajs Phantasien. Götz schreibt wei-
schmerzlichen Verlust selbst beibringt Diese Erklärung ter> bei d€n großen Entsühnungen spiele der wesenhafte
wird dann (S. 75) dahin ergänzt, „daß von einem wirk- j Gott) niöge er auch sonst noch so aktiv sein, keine beliehen
Opfer nur dann die Rede war, wenn der passive j deutende Rolle; „auch beim Opfer Christi tritt der
Teil seine „Leiden" willig und freudig auf sich nahm - Hochgott ganz zurück." „Vielleicht richten sich die
Im antiken Ritual habe so das Opfertier durch Kopf- Qpfer garnicht an den wesenhaften Gott." Mir erscheint
nicken seine Zustimmung erteilen müssen Hier muß diese e Arbeit wie ein geistvolles Rätselraten, bei
gesagt werden, daß dies durchaus nicht allgemein gilt. , dem man die Rdj ion nicnt ernst genug nimmt Der
Die Inder entschuldigten sich geradezu bei den Opter- Spott, mit dem p w Schmidt bedacht wird, man mag
tieren, daß sie sie wider ihren Willen als Opfer schlach- zu ihm stehe wie man wiU ist sachlich unbegründet,
teten. Daß Isaak sich bei seiner Opferung passiv ver- : Es wird in dkser Schrift einiges an sich wertvolle
hielt, nimmt dieser Handlung keineswegs den Charak- Material gesammelt, aber die religionspsycholooische
ter als Opfer Was dann über die verschiedenen Arten j Deutung ist ganz unbefriedigend. Der Inhalt des Buches
der Opfer und ihre rehgionspsychologische Bedeutung ' wird dem Xn?el nicht gerecht.

gesagt wird, fordert fast auf jeder Seite zum Wider- j Berljn. Johannes Witte

spruch heraus. Bleiben wir zunächst bei dem behau

iIt€nFrbioo^ ' Ku.turgeschichte des Alten Orients von A. Alt, A. Christensen,
es: „Er (Gott) unterwirft Abraham einer uenorsams- , A 0otze A Grohmann, H. Kees, B. Landsberger, l. Abschnitt:
Prüfung; der Allmachtige und Allwissende muß Sich also j Hermann Kees, Ägypten. München: C. H. Beck 1933 (XXVI
erst von der Eignung eines Menschen, Stammvater eines { 372 s. u. 32 Taf., 6 Textabb. u. 1 Kte.) gr. 8°. — Handbuch d.'
Volkes zu werden, mühsam überführen." Wie kann Altertumswdss. Begr. v. J. von Müller. Hrsg. v. w. Otto. 3. Abt-
jemand den Sinn einer religiösen Handlung so verken- J I. Teil. 3. Bd., 1. Abschnitt. RM 18—; geb. 24—.
nen! Die Sündenfalls-Geschichten, auch die biblische, Innerhalb des „Handbuchs der Altertumswissenwerden
als göttliche Gehässigkeit gewertet, Gott habe | schaft" steht eine „Kulturgeschichte des alten Orients",
nun endlich einen Anlaß, den Menschen die Unsterblich- | und in dieser hat Kees den Abschnitt Ägypten ge-
keit, welche „er ihnen in einem beklagenswerten Anfall schrieben. Die wesentlichen Fortschritte der früheren
von Güte ihnen bereits verliehen hatte", wieder zu Bearbeitungen des Themas liegen bei Wilkinson (1836)
entziehen! Das Essen der Früchte symbolisiere, wie und bei Erman (1885), dessen „Ägypten und ägypti-
schon K. Th. Preuß angedeutet habe, den Sexualakt! sches Leben im Altertum" 1923 von Ranke neugestaltet
Der Sündenfall bestand in nichts anderem als dem Ge- j wurde. Es war ein Wagnis von Kees, nach einem Jahr-
schlechtlichwerden! „Durch das Kindsein und das Zeu- ; zehnt schon wieder dasselbe Gebiet zu behandeln, und
gen und Gebären von Nachkommenschaft, durch die in der Tat gibt es in seinem Buche manche Seite, sogar
Geschlechtlichkeit zerstört der Mensch den Säkulartraum j ganze Kapitel, die unsere Kenntnis in den grundsatz-
der Menschheit, die Unsterblichkeit." „Es (das Kind) 1 liehen Zügen nicht vorwärts gebracht haben, obwohl sie
ist also mit einer schweren Schuld beladen und sündig, : ihm zweifellos viel Arbeit verursachten. Hier darf man
weil es durch sein bloßes Dasein den Tod der Eltern sich fragen, ob es zu begrüßen ist, daß eine so wert-
verursacht." „Andererseits ist der Mensch selbst daran volle Aroeitskraft wie die von Kees bei dem gegenwär-
schuld, daß ihm die Vollkommenheit mangelt. Würde tigen Stande der Ägyptologie gerade für diese Aufgabe
er nicht jenes Wesen zeugen und gebären, an dem er eingesetzt wurde. Aber darin entscheiden oft zufällige
sichtbar altert, so brauchte er nicht zu welken und zu i Gelegenheiten mehr als die eigenen Absichten. Und es
sterben. Es ist die ewige Not des Menschen, daß sein [ ist Kees wohl darauf angekommen, auch die bekannten
Liebstes, sein Lieben, ihn sterblich macht." Diese Sätze J Gebiete einmal von seinem abweichenden Standpunkt

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B.TÜtf