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Ausgabe:

1933

Spalte:

153-154

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schlieper, Herbert

Titel/Untertitel:

Die kosmogonichen Mythen der Urvölker 1933

Rezensent:

Haas, Hans

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES und Prof. D. Dr. GEORG WOBBERMIN, beide in Göttingen

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D.WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften. Bearbeitet von Lic. Dr. phil. REICH und Mag. theol. H. SEESEMANN, beide in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

Manuskripte und gelehrte Mitteilungen .ind a n ■ I c h I i eil i ch an Profe..or D. BAUER in Otlingen, Dauere Eichenweg 46, au aenden,
Reaenaiunaeaemplare anaachliefilich an den Verlag. Cewühr für Beaprechung oder ROckaendung von unverlangt geaandten Reaenaiona-
eaemplaren, beaondera noch bei Zuaendung nach Güttingen, wird nicht Übernommen.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN BUCHHANDLUNG, LEIPZIG C 1
58. JAHRGANG, NR.9 29.APRIL1933

Spalte

Davids: A Manual of Buddhism (Haas) . 154

Ebers: Reichs- u. preußisches Staatskirchen-
recht (Klingenburg)............165

Goldschmidt: Der babylonische Talmud
(Duensing).................155

Kaufmann: Geschichtsphilosophie der Gegenwart
(Koepp)..............162

Spalte

Koch: Christliche Symbole (Lerche). ... 167

L a m p e r t: Kirche und Staat in der Schweiz

(von Muralt)................160

Michel: Paulus und seine Bibel (Bultmann) 157

Moser : Grundbegriffe der Naturphilosophie
bei Wilhelm von Ockham (Heger) .... 150

Spalte

Rosenmöller: Religionsphilosophie (Kesseler
) ....................162

Schlieper: Die kosmogonischen Mythen
der Urvölker (Haas)............153

Volkstum und Kulturpolitik (Lerche) .... 163

Z i m m e r 1 i: Geschichte und Tradition von
Becrseba im alten Testament (Hertzberg) 156

Schlieper, Dr. Herbert: Die kosmogonischen Mythen der
Urvölker. Bonn: Univ. Buchdr. Gebr. Scheur 1932. (11, 68 S.)
8° RM 2—.

I

daß der Schöpfer schon irgendeinen Stoff vorfand, so
ist ihm dabei offenbar nicht mehr präsent, was er,
Batchelor nützend, S. 44 selbst von den Ainu gesagt hat.

Unverkennbar ein literarischer Erstling, und das | Leipzig._Hans Haas.

einer, den man als solchen sich kann wohl gefallen
lassen. Annehmen möchte man, daß ein ethnologischer
Novize mit einigem Respekt aufschaut zu den Meistern
vom Stuhl. Aber das hat man heut nicht mehr so viel.
S. 14 A. 9 z. B. muß man von W. Schmidts „Ursprung

Davids, Rhys, D. Litt., M. A.: A Manual of Buddhism for ad-

vanced students. London: The Sheldon Press 1032. (XVII, 342 S.)
kl. 8°. 7 sh. 6 d.

Sollte, wie das sehr zu wünschen wäre, dieses wirklich
erstrangige englisch geschriebene Buch bei uns voll,

der Gottesidee" lesen: „Leider sind in diesem Werk | das will besagen: in breiteren Kreisen, sich auswirken,
einige Texte fehlerhaft übersetzt. Es ist daher nur mit | es müßte in einer deutschen Ausgabe erscheinen wie
Vorsicht als Quelle zu benutzen." Dem Verf. haben die ; das erstmals 1878 erschienene „Manual of Buddhism"
stoffreichen Bande des so Gerügten doch recht sehr viel ; von T. w. Rhys Davids (ins Deutsche übertragen von
Dienst tun müssen. I Arthur Pfungst, Leipzig, Phil. Reclam). An dessen Stelle,
Nachdem er aus den verschiedenen Teilen der Erde | nachdem es in englischer Sprache nicht weniger als 23
die Stämme zusammengesucht hat, von denen man der- ! Mal wieder hat ausgehen können, wird dieses neue
malen annimmt, daß sie noch am ehesten als Reprasen- Manual von der gelehrten Gattin des heimgeo-angenen
tanten der primitivsten Kultur in Anspruch genommen ; großen Pali-Forschers gesetzt. Von ihm wird e?ne Überwerden
dürfen, stellt er ein „Urvolk" fest, das von einer setzung ins Deutsche schwerlich je zustande kommen
Erschaffung der Welt nichts zu wissen scheint: die Eine solche fertigzubringen würde ich jedenfalls mir
Eskimos. In ihnen aber haben wir eine Ausnahme. nicht zutrauen. Erlahmen müßte über dem Versuch auch
Eine Ausnahme, die die Regel bestätigt. Die Algonkin- jeder andere.

Stämme zwar, indem sie, des eigentlichen Schöpfer- Was Mrs. Rhys Davids bietet, ist nicht etwa eine
gotts anscheinend ermangelnd, die Erschaffung der Erde | Neubearbeitung, eine verbesserte, up to date gebrachte
auf einen „Kulturheros" zurückzuführen scheinen, könn- Auflage des alten Manual, zu der der Autor, so sehr er
ten wieder wenigstens als eine halbe Ausnahme an- selber sie schon vor Jahrzehnten für geboten gehalten
gesehen werden. Gewußt aber haben in Wirklichkeit auch ; haben mag, über anderen, ihm vordringlicher erscheinen-
sic von einem göttlichen Schöpfer. Von allen anderen den Arbeiten die Zeit nicht gefunden hat; es ist die
Völkern der Sammelstufe darf gesagt werden, daß sie die ■ durchaus selbständige Leistung von Mrs. Rhvs Davids,
Entstehung der Erde auf einen solchen zurückführen, die versichert, daß sie über der Abfassung geflissentlich
die meisten in ganz reiner Form, nur bei einigen ist — auch nicht ein einzigesmal in das gleichbetitelte Buch
späterer Einfluß — das Gottesbild mehr oder weniger ihres Gatten einen Blick geworfen hat. Sie ist als Pali-
getrübt, sei es durch Totemismus, sei es durch Coyote- Forscherin seine Schülerin, steht eben als solche aber
kult, sei es durch Zweiklassenkultur. Auch die creatio auf seinen Schultern, selbst bewährte, anerkannte Mei-
ex nihilo ist schon den Völkern der Urkultur kein uner- Sterin von lange her. Sie weiß als Fachgenossin des
schwinglicher Gedanke. Hat Dr. Schlieper mit seinem Mannes, mit dem sie lange Jahre in allerengster Lebens-
oben vermeldeten vorlauten Urteil über Pater W. Schmidt gemeinschaft gestanden hat, daß er in späteren Jahren
ein Gewitter über sich zusammengezogen, das sich früher selber auf Grund vertiefterer Erkenntnis da und dort
oder später verdientermaßen über seinem Haupte ent- nicht mehr zu allen Ansichten stand, die gedruckt von
laden wird, mit dieser letzten Konstatierung hat er ihm ausgingen, und daß sie bei abweichenden Meinungswenigstens
den einigermaßen schützenden Regenschirm Verlautbarungen ihres Manuals jetzt, wenn er noch am
über sich gespannt. Schlußsatz: „Der Zweck dieser Stu- Leben wäre, seiner Zustimmung sich versichert halten
die ist erfüllt, wenn sie dazu beiträgt, daß endlich die könnte: festbegründete wissenschaftliche Überzeugung
immer wieder vertretene Meinung vom „Insektenauge i macht es ihr aber auch zu einem Selbstverständlichen
der Primitiven" als unberechtigt aufgegeben wird". daß sie sich über seine Autorität hinwegsetzt, wo ihr
Noch eine Bemerkung zuletzt: Wenn Verf. S. 64 sein Betrachten der Dinge nicht richtig erscheint. He
konstatiert, nirgends finde sich die leiseste Andeutung, | is he, and I am I" (p. VIII).

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