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Ausgabe:

1933 Nr. 7

Spalte:

130-131

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Plog, Ludwig

Titel/Untertitel:

Das Ewig-Eine. Eine neue religiöse Weltanschauung a. d. Grundlage d. Ehrfurcht 1933

Rezensent:

Benckert, Heinrich

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129

Theologische Literaturzeitung 1933 Nr. 7.

130

Beth, Prof. D. theol., Dr. phil. Karl: Die Krisis des Protestantismus
. Berlin: Kranzverlag [1932]. (64 S.) 8°. RM 1.60.
B. will nicht von einer Krise innerhalb des Protestantismus
sprechen, sondern von einer Krise des
Protestantismus, die in einer vollständigen Erschütte- j
rung seiner Grundfesten besteht. Er erörtert zunächst
das protestantische Prinzip nach seinen Grundzügen:
es ist individualistisch oder antikollektivistisch; Luthers
Grundfrage heißt: Wie kriege ich einen gnädigen Gott?
Es ist ferner spezifisch evangelisch oder „anti-infernalisch
"; es läuft darauf hinaus, daß der einzelne Mensch
seines Gottes froh, in seinem Gott seiner Seligkeit gewiß
werden soll. Es ist endlich ethisch oder antimeri-
torisch. Diese Eigenart des protestantischen Prinzips
schließt die Anlage auf die Krisis ein. In genauerer
Auseinandersetzung erörtert die Schrift dann den protestantischen
Individualismus, den sie stark bejaht: „Für
den protestantischen Menschen kommt alles darauf an,
daß er selbst, eigenpersönlich, das Erlebnis mit der Be- |
rührung der höheren Dimension macht" (S. 26). Weitere
Abschnitte behandeln die Problematik der Kirche;
die Christen sind Kirche, indem sie sich die identische
Auswertung ihrer identischen Grunderfahrung für die
praktische Lebenshaltung bewußt halten. Endlich kommt
ein Abschnitt auf den antimeritorischen und antiinfernalischen
Grundzug zu sprechen; hier ist auch vom
Idealismus die Rede. Unter allen diesen Gesichtspunkten
nimmt B. scharf Stellung gegen die dialektische Theologie
. Ihre Grundthesen werden abgewiesen, das von
ihr fortgeschobene „Erlebnis" wird als grundlegend anerkannt
. Die allergrößte Krisengefahr sieht B. in dem
Eifer, der die eigene Gotterfahrung des gläubigen Christen
als die Schwelle aufrichten will, über die nicht er
und niemand schreiten könne (S. 32). Die Losung
Barths, nach der der Christ nicht in die Gesellschaft und
die Kirche nicht ins wirtschaftliche und politische Leben
hinein gehöre, würde die Kirche zu einer für die Menschheit
bedeutungslosen Sache machen (S. 50). Diese und
andere Gedankengänge lassen die Schrift als eine Streitschrift
gegen die dialektische Theologie erscheinen, der
sie die radikale Besinnung auf den Gehalt der Grundzüge
des protestantischen Prinzips gegenüberstellt. Man
kann natürlich fragen, ob der Gegensatz nicht allzu
scharf herausgearbeitet sei, ob nicht gewisse Wahrheitsmomente
der dialektischen Theologie deutlicher anerkannt
werden müßten. Auch bleiben nach anderen Seiten
hin die Gefahren des protestantischen Prinzips außer
Ansatz. Aber daß wesentliche protestantische Gedanken
mit aller Energie den entsprechenden Gedanken der
neuesten Theologie gegenübergestellt werden, dient jedenfalls
zur Klärung. Auf die Auseinandersetzung in
diesen grundlegenden Punkten kommt sehr viel an; und
ausreichend ist sie bisher nicht vollzogen. Möge eine
gründliche sachliche Diskussion sich anschließen.
Breslau. M. Schi an.

Crabert, Herbert: Religiöse Verständigung. Wege zur Begegnung
der Religionen bei Nicolaus Cusanus, Schleiermacher, Rudolf
Otto und J. W. Hauer. Leipzig: C. L. Hirschfeld 1932. (VIII, 100
S.) 8°. = Bücher d. kommenden Gemeinde Bd. 2. RM 3—.

In dieser Schrift, die als Nr. 2 der Bücher der kommenden
Gemeinde', herausgegeben von J.W.Hauer-Tübingen
, erschienen ist, „sind die Grundlinien einer religiösen
Verständigung angegeben und das Problem von
der Seite seiner prinzipiellen Grundgedanken durch die
verschiedenen Aspekte in helles Licht gerückt. An Vollständigkeit
fehlt es ihr aber insofern, als sie die Entwicklungsgeschichte
des Problems nur an zwei ragenden
Gestalten, an Nicolaus Cusanus und Schleiermacher,
darstellen konnte und Männer wie Leibniz, Herder,
Zinzendorf, Lessing, Hegel u. a. als Förderer des Gedankens
von der Einheit der Religionen zunächst unberücksichtigt
lassen mußte. Eine derartige Gesamtdarstellung
, die auch Parallelen in den Bereichen anderer
Religionen enthält, mußte ich mir für später vorbehalten
. Zunächst kam es mir lediglich auf den großen
Rahmen und die grundlegenden Dokumente an, die,
sonst verstreut und nicht recht zugänglich, hier erstmals
zu einer Einheit zusammengefaßt werden konnten". Mit
diesen Worten schließt der Verfasser seine vorbereitende
Studie, die „ihre Entstehung sowohl einer wissenschaftlichen
als auch einer brennenden persönlichen Frage
verdankt", welche sich seit der Weltkirchenkonferenz
1925 unausweichlich ihm aufdrängte: „Sollen die Menschen
der verschiedenen Religionen weiterhin einander
verachten, bekämpfen und bekehren, oder ist unter ihnen
eine Verständigung möglich, können sie einander so begegnen
, daß sie sich als .Kinder Gottes' bei aller Unterschiedlichkeit
in einer erlebbaren Gemeinschaft zueinander
finden?" In kurzen orientierenden Strichen schildert
der Verfasser zunächst ,das Ringen um eine religiöse
Verständigung in der Gegenwart' und hebt die
Strebe- wie die Gegenkräfte dieser Bewegung besonders
heraus, deren Gegensätze durch charakteristische
Äußerungen bedeutender Vorkämpfer dieser Idee geklärt
werden sollen. So teilt er denn ,die Schrift vom
Glaubensfrieden' des Nicolaus von Cusa in Übersetzung
mit und wählt aus Schleiermachers .Reden über die
Religion' besonders bedeutsame Abschnitte aus. Was
aber den früheren Vertretern dieser Verständigungsidee
fehlte, genaue Kenntnis und einfühlendes Erlebnis der
Fremdreligionen, das ist gerade den besten Vertretern
der modernen Religionsforschung eigen: R. Otto und
J.W.Hauer; und so gibt der Verfasser auch von diesen
zwei kürzere Aufsätze: von jenem ,Universalreligion?'
und von Hauer: ,Eine religiöse Bruderschaft der Erde'.
— Wenn weite Kreise in dieser religiösen Verständigungsbewegung
eine gewisse Gefahr der Relativierung
tiefster Erlebniswerte befürchten, so kann diesem Einwand
eine gewisse Berechtigung nicht abgesprochen werden
, da es wirklich einer großen Kunst des Verstehens
und eines sehr eindringlichen Studiums der Religionen
bedarf, um die letzten Berührungspunkte der einzelnen
Religionen mit kundiger Hand bloßzulegen. Für die
gewiß berechtigten, vom Verfasser so temperamentvoll
vertretenen weitgespannten Hoffnungen scheint mir die
Zeit heute noch nicht gekommen zu sein, schon darum
weil die religiöse Anerkennung der Religionswissenschaft
gerade innerhalb der Kirchen noch lange wird1
umstritten sein. Doch vielleicht tragen die Darlegungen
des Verfassers — vor allem in seiner zu erwartenden
umfangreicheren Abhandlung — dazu bei, dem Ziele
langsam näher zu kommen.
München. R. F. Merkel.

Plog, Dr. Ludwig: Das Ewig-Eine. Eine neue religiöse Weltanschauung
a. d. Grundlage d. Ehrfurcht. Berlin: Morawe & Scheffelt
1932. (175 S.) gr.8°. RM 3.50.

Es ist keine Frage, daß unser „Kirchenglaube" immer
wieder neu durchgearbeitet werden muß. Die Geschichte
der Theologie legt davon eindrücklich Zeugnis
ab. Und gerade heute tut eine intensive Durchdenkung
der Probleme des Glaubens und einer möglichen christlichen
Weltanschauung not. Wer hieran aber mitarbeiten
will, muß zunächst einmal alle allzu persönlichen
Besonderheiten zurückstellen und selbst in den Dienst
der Gemeinschaft, d. h. der Kirche treten. Wenn P.
von der Bedeutungslosigkeit und Rückschrittlichkeit des
heutigen Kirchenglaubens ausgeht (7), dann gibt er uns
damit sofort zu erkennen, was sich im Fortgang seiner
Broschüre immer mehr bestätigt: daß er sozusagen auf
eigene Faust Weltanschauung macht. Das mag modern
sein, hilft uns aber nicht weiter. Wir brauchen keinen
Individualismus, der die eigene Welt zur einzigen Welt
für alle macht, sondern einen, der in eigenster Verantwortung
und aus eigenstem Antriebe zur allgemein geltenden
christlichen Lebens- und Gedankenwelt durchdringt
. So ist die Beschäftigung mit der vorliegenden
Schrift kaum fruchtbar zu nennen, — zumal in ihr —
die „eine neue religiöse Weltanschauung" bieten will —